Friede sei mit dir – sind wir tatsächlich zum Frieden geschaffen?

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p-steine-turmFriede sei mit dir – sind wir tatsächlich zum Frieden geschaffen?

Frieden. Ein Wort, dass Ruhe verspricht, Wohlstand, Gesundheit, Harmonie, Schönheit, Glück.
Einen Idealzustand.
Denn es stellt sich die Frage, ob wir Menschen tatsächlich zum Frieden geschaffen sind. Und was das überhaupt bedeutet.

  • Bedeutet Frieden komplette und totale Gewaltlosigkeit?
  • Bedeutet es Frieden, wenn ich nicht bereit bin, mich durchzusetzen?
  • Ist Frieden nicht überhaupt erst dann möglich, wenn niemand mehr versucht, einem anderen etwas streitig zu machen?

Und wenn wir noch weitergehen: ist Frieden nicht erst möglich, wenn niemand mehr um seinen Platz kämpfen muss, sei es physisch, emotional, mental, spirituell?

Ist Frieden tatsächlich ein erstrebenswerter Zustand, wenn man das Wort einmal ernst nimmt?

Wie kann ich mich für eine Sache einsetzen, die mir wichtig ist, wenn ich bedingungslosen Frieden halten möchte?
Denn das würde bedeuten, dass ich mich eben nicht auseinandersetze.
Meinen Platz einzunehmen hat immer etwas mit Aggression zu tun, egal, wie sanft ich es auch tue.

Was bedeutet Frieden?

Das Empfinden für Frieden ist so individuell, dass eine schon ein Wort für Krieg hält, der andere zuckt erst zusammen, wenn er eine Langstreckenrakete sieht.
Das Wurzelchakra steht für Selbstbehauptung.
Ich behaupte mich sogar dann selbst, wenn ich meinen Rasen mähe, ich gebe der Natur die Form, die ich haben möchte.
Schon das Rasenmähen ist kein friedlicher Akt.

So: was bedeutet Frieden überhaupt?
Aber Susanne, könnte man sagen, das ist doch klar. Wir werfen uns keine Atomwaffen auf den Kopf, wir töten nicht, wir fügen niemandem Leid zu.

Aber genügt das?
Ist das nicht nur die Spitze eines Eisbergs?
Ist es erstrebenswert, alles über sich ergehen zu lassen, um des lieben Friedens willen?

Das ist dann kein Frieden, das ist Ohnmacht.

Aktiver, gelebter Frieden ist ein Zustand, aus dem man immer wieder heraus fällt, es ist ein Pol. Doch der Gegenpol ist nicht Krieg.
Der Gegenpol ist Auseinandersetzung, Selbstbehauptung, einen eigenen Standpunkt einnehmen.

So: geht es nicht eher darum, wie man diesen Gegenpol verkörpert?

Mit welchen Mitteln man den eigenen Standpunkt durchsetzt und wo man einen Schlussstrich setzt?
Dieses Durchsetzen des eigenen Standpunktes als Gegenpol zum Frieden, den müssen wir akzeptieren. Frieden zu fordern, das ist schon an ein Widerspruch in sich.
Denn das bedeutet, dass ich all jene nicht anerkenne und akzeptiere, die im Krieg leben und die Krieg wollen. Die Krieg verursachen.

Damit bin ich schon selbst nicht mehr in Frieden. Frieden muss bedingungslos sein, sonst ist es kein Frieden. In dieser Auseinandersetzung zwischen den beiden Polen: Frieden und den eigenen Standpunkt einnehmen, notfalls auch verteidigen, in der Auseinandersetzung mit diesen Polen entsteht Bewusstsein.

Wie weit bin ich bereit zu gehen? Ist es immer verkehrt, zu Waffen zu greifen, um etwas durchzusetzen? Ich habe darauf keine Antwort. Selbstverständlich würde ich sagen: unbedingt ist es immer verkehrt.
Doch das würde ich nicht mehr vertreten, wenn jemand zum Beispiel auf meine Tiere losgeht.

Es liegt in der Natur des Menschen, ein Raubtier zu sein. Nicht nur, aber auch.
Wir haben ein Stammhirn, ein Säugetierhirn und eine Großhirnrinde. Für mich ist es ein evolutionärer Prozess, zu lernen, die Dinge auf vernünftige, logische, bewusste und mitfühlende Weise miteinander zu regeln, doch das ist eben ein Evolutionsprozess.

Und ich finde, wir machen das gut. Gerade im Moment erkennt man deutlich, finde ich, wie wertvoll es uns geworden ist, die Dinge auf diplomatische Weise zu lösen, was einfach nur heißt: wir benutzen unseren Verstand, unsere Logik, unser Mitgefühl, unser Bewusstsein.

Nach Frieden zu rufen klingt toll.

Und bleibt eine romantische Idee, wenn wir nicht ganz genau definieren, jeder für sich, wie vertrete ich meinen Standpunkt, welche Mittel bin ich bereit zu nutzen und welche nicht.
Und auch, darüber nachzudenken:
Was bist du bereit zu tun, wenn ein anderer eine andere Wahl trifft?
Denn auch das muss möglich sein, wenn du wirklich friedlich sein wirst: ein anderer muss andere Mittel wählen dürfen, um seinen Standpunkt zu vertreten.

Frieden ist ein Idealzustand.

Denn, ganz streng genommen: solange du nicht in Frieden damit bist, dass andere Krieg führen, bist du eben nicht im Frieden.
Die Auseinandersetzung mit dem Streben nach Frieden und gleichermaßen dem Streben nach Selbstbestimmung, in diesem Spannungsfeld entsteht Bewusstseinsevolution.
Wir sind auf dem Weg. Und ich finde, wir machen das gut.
Wir dürfen friedlich damit sein, dass es ist, wie es ist und neue Lösungen finden. Der wichtigste Frieden, das ist der Frieden mit dir selbst.
Auch mit den aggressiven Anteilen in dir, sogar mit jenen, die Töten wollen. Erst dann ist Frieden: wenn du auch diese Anteile in dir friedlich koexistieren lässt. Du musst ihnen ja keinen Handlungsspielraum geben. Aber sie dürfen genauso da sein wie alles andere auch.
Friede sei mit dir.

24.06.2018
Susanne Hühn

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2 Kommentare

  1. Wie kann eine – neurotisch – (kultur-)entfremdete Gesellschaft und darin die sehr große Mehrheit entsprechend (neurotischer, selbst-)entfremdeter Menschen eine Vorstellung hegen von nicht-neurotisch-sein, von nicht-entfremdet-sein, von ganz / heil-sein, im Frieden sein, in der Kraft der Liebe sein – usw.?

    “Friede sei mit dir” genügt nicht…

    Es genügt nicht, einem hundernden Kind zu sagen: “Sattsein sei mit dir”. Oder einem schmerzgeplagten Kind: “Schmerzfreiheit sei mit dir”. Wird es klar, daß das nur “hohle” Worte sind??

    WAS wird denn statt solcher hohlen Worte WIRK-lich / -sam gebraucht?

    Hans Jonas hat das mal sehr einprägsam so oder oder ähnlich gesagt:

    “Wenn Ihnen ein hilfloses Kind vor die Füße gelegt ist / wird, sollten sie wissen, was zu tun ist – und bereit sein, es zu tun”.

  2. Auch in dieser Gesellschaft ist das Leid groß genug, um anzuerkennen, dass diese Sprüche eben wirklich nur hohle Worte sind, dazu arbeite ich schon viel zu lange mit dem inneren Kind, um das nicht zu wissen. Ich sehe das ganz genauso, darum diese Artikel, bedingungsloser Frieden würde bedeuten, in Ohnmacht zu sein denjenigen gegenüber, die anderen ihren Platz streitig machen. Ich behalte mir jederzeit vor, diejenigen, deren Not ich sehe, zu verteidigen, ganz konkret und kein bisschen friedfertig. Friedfertigkeit muss man sich leisten können. Und dennoch ist es im Alltag ein hohes Ziel, und eins, das sich anzustreben lohnt, inneren Frieden zu erlangen, Frieden mit dem, was ist, aber das bedeutet selbstverständlich nicht, in Frieden damit zu sein, dass Not herrscht.

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