Spiritualität, Liebe, Urvertrauen – Interview mit Kurt Tepperwein

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Kurt Tepperwein tropfen wasserInterview mit Kurt Tepperwein – Urvertrauen & emotionale Heilung 

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© Foto Kurt Tepperwein

Varia Antares: Heute ist Kurt Tepperwein bei uns zu Gast, und ich freue mich total, dass es geklappt hat mit dem Interview!
Wir sprechen heute über die Themen Urvertrauen, emotionale Heilung und Emotionen. Doch bevor es losgeht, möchte Kurt Tepperwein noch etwas Allgemeines sagen: Wir sind nicht der Körper und wir sind nicht der Verstand.

Kurt Tepperwein: Ich bedanke mich zunächst einmal für die Einladung, und nur zum besseren Verständnis eben: Die meisten Menschen identifizieren sich mit dem Menschsein hier. Das sind wir aber nicht. Machen wir uns also noch einmal bewusst, wer wir wirklich sind. Wir sind die, die sich irgendwann, vor langer Zeit zu Hause entschieden haben, die Schule des Lebens auf der Erde zu besuchen, um hier die Erfahrung der eigenen natürlichen Vollkommenheit zu machen. Das geht zu Hause in der Vollkommenheit nicht, denn in der Vollkommenheit gibt es keinen Anlass und da können wir die Vollkommenheit nicht erleben. Deswegen brauchen wir eine unvollkommene Welt, eine duale Welt, in der es zu allem auch das Gegenteil gibt. Deswegen haben wir die Schule des Lebens hier gewählt, um hier zu Besuch zu sein und diese Erfahrungen zu machen. Aber wenn Sie morgens in die Garage gehen, werden Sie ja auch nicht zum Auto. Und wenn Sie hier zur Erde kommen, werden Sie nicht zum Erdenbürger, zum Menschen, sondern Sie sind immer noch der, der Sie vorher auch waren. Sie sind reine Energie, Sie sind Bewusstsein. Sie sind ein Geistwesen und Sie kommen hierher, um diese Erfahrungen zu machen, aber dazu brauchen Sie eben einen materiellen Körper. So, wie ein Taucher unter Wasser seinen Taucheranzug und eine Sauerstoffflasche braucht, weil das nicht sein natürlicher Lebensraum ist, so brauchen wir hier ein materielles Erfahrungsinstrument. Bewusstsein hat nämlich keine Hände und keine Beine, weil es das zu Hause nicht braucht. Wir sind Geistwesen. Aber hier brauchen wir das auf der Erde, damit wir handeln können. Deswegen bekommen wir hier ein Erdenkleid, aber wir sollten uns nicht mit dem Kleid identifizieren, sondern wir sind immer noch der Träger, der Besitzer, der Benutzer; der, der die Erfahrungen macht hier. Das nur mal zur Klarstellung, dass wir wissen, wer wir wirklich sind, denn dann beginnt erst unser Leben. Vorher ist es nur ein Traum. Vorher schlafen wir noch tief und fest.

Varia Antares: Wir haben uns ja etwas vorgenommen, bevor wir auf diesen Planeten gekommen sind, als reines Bewusstsein. Ich nenne das immer Seelenplan. Ist es möglich, dass man da scheitert oder dass man den nicht erfüllt?

Kurt Tepperwein: Natürlich, denn um ihn erfüllen zu können – ich nenne es Lebensabsicht – um das erfüllen zu können, muss ich es erst einmal erkennen. Ich muss mich erst einmal erinnern. Ein Ich kann sich aber nicht an seine Lebensabsicht erinnern, denn das Ich gab es damals noch nicht. Das Ich ist ja erst hier entstanden. Deswegen überfordern wir den Verstand, wenn wir den nach unserer Lebensabsicht fragen. Der weiß davon nichts. Das kann ich erst, wenn ich mich erinnere, wer ich wirklich bin. Dann kann ich mich an meine Lebensabsicht erinnern. Weshalb bin ich hergekommen? Und dann kann ich erst anfangen, diese Lebensabsicht zu erfüllen. Aber ich kann die Lebensabsicht sagen. Die ist nämlich für alle gleich: Wir kommen hierher in die Schule, um unsere eigene natürliche Vollkommenheit immer vollkommener zu erfahren. Und damit wir uns überhaupt auf diese unvollkommene Welt einlassen, haben wir unsere natürliche Vollkommenheit vollkommen vergessen. Das heißt, wir wissen gar nichts mehr, damit wir sie jetzt Schritt für Schritt wieder ganz in Besitz nehmen können und uns wirklich auf diese Erfahrungen einlassen. Der erste Schritt ist immer, mich zu erinnern, wer ich bin. Entscheidend für das ganze Leben ist also meine Antwort auf die Frage: Wer bin ich? Als wer lebe ich hier. Wen meine ich, wenn ich „ich“ sage? Meine ich mit „ich“ meinen Körper, meinen Verstand, meine Persönlichkeit, dann identifiziere ich mich mit meiner Kleidung. Dann bin ich im Traum, in der Illusion. Erst, wenn ich „ich“ sage und mich, Bewusstsein, meine, den, der hierhergekommen ist, um mit einer bestimmten Lebensabsicht die Schule des Lebens zu besuchen, und der diese Lebensabsicht erfüllen kann, dann kann ich mich erinnern. Mein Erdenkleid kann sich nicht an meine Absicht erinnern. Die ist ja zu Hause entstanden. Die weiß das nicht. Und deswegen ist dieser erste Schritt nicht nur wichtig, sondern entscheidend für das ganze Leben.

Varia Antares: Und wenn jemand es nicht schafft, während einer Inkarnation zu sich zu erwachen, kann derjenige so oft wiederkommen, wie er möchte? Gibt es dann mehrere Versuche, das zu schaffen?

Kurt Tepperwein: Es passiert tatsächlich viel öfter, als man glaubt, dass Menschen die ganze Schulzeit verschlafen. Das ist nicht verkehrt. Da ist die pränatale Phase ein bisschen verlängert, das heißt, wenn ein Baby im Mutterleib ist, kann es auch nicht nach ein paar Wochen nach der Zeugung geholt werden. Dann wäre es nicht lebensfähig. Es braucht also die Zeit der neun Monate des Heranreifens, bis es bereit ist, ins Leben geboren zu werden. Genauso brauchen manche Menschen ein bisschen länger, bis sie sich hier an die veränderten Umstände gewöhnt haben und deswegen verschlafen sie die Schulzeit. Wie gesagt, das ist also kein Fehler, sondern nur eine verlängerte Vorbereitung auf das eigentliche Leben, aber Sie sollten immer wissen, dass Sie träumen. Und das ist leider nicht möglich. Wir alle machen die Erfahrung ja jede Nacht. Sie gehen abends ins Bett, irgendwann schlafen Sie ein und irgendwann träumen Sie. Aber Sie haben noch nie geträumt, dass Sie schlafen, sondern Sie träumen immer, dass Sie wach sind. Und natürlich glauben Sie im Traum, das ist Ihre Realität, ihr Leben, aber das ist es nicht. In Wirklichkeit liegen Sie die ganze Nacht einfach nur im Bett. Sie sind der Träumer, aber von dem wissen Sie nichts mehr. Den haben Sie vergessen. Solange Sie im Traum sind, können Sie natürlich nicht wirklich etwas bewirken in Ihrem Leben. Sie können sich nur angenehmere Träume machen, und das ist nicht sehr sinnvoll, sondern sinnvoll ist es, sobald Sie bereit sind, aufzuwachen und zu erkennen, wer Sie wirklich sind, und zu leben als der, der Sie wirklich sind. Das ist Ihre geistige Geburt. Das ist der Beginn Ihres eigentlichen wahren Lebens.

Varia Antares: Das bedeutet also, dass das Erwachen im Leben die oberste Priorität hat, oder?

Kurt Tepperwein: Ja. Wenn Sie zur Schule gehen, hat oberste Priorität, dass Sie am Unterricht teilnehmen und sich nicht mit Nachbarn unterhalten, schlafen oder ein Buch lesen, sondern dann sollten Sie schon am Unterricht teilnehmen. Und dazu müssen Sie nun einmal wach sein.

Varia Antares: Wie kann man sein Herz öffnen?

Kurt Tepperwein: Das ist ja nicht zu. Was meinen Sie damit?

Varia Antares: Dass man nicht so verschlossen ist, sondern die Welt einfach wieder mehr an sich heranlässt.

Kurt Tepperwein: Diese Frage kann nur ein Mensch stellen. Das Bewusstsein kennt so etwas nicht. Bewusstsein kennt kein verschlossenes Herz oder die Welt nicht an sich heranlassen oder wie auch immer. Das ist eine menschliche Einstellung. Wie gesagt, es gibt jetzt die kleine Heilung und die große Heilung. Die kleine Heilung ist: Wie helfe ich einem Menschen, mehr die Welt an sich heranzulassen und sein Herz zu öffnen, aber das Ich hat Angst vor der Welt. Das Ich hat Angst vor den unbekannten Aufgaben, die da warten. Das Ich weiß nicht, ob es dem gewachsen ist. Und der Verstand hat auch keine Erfahrung; er hat nur die begrenzte Lebenserfahrung. Der weiß ja nichts von der Wirklichkeit. Der ist auch keine große Hilfe. Also ist es verständlich, dass ein Ich Angst hat vor der Welt, vor dem Leben, vor den Aufgaben. Da kann man ihm nur ein bisschen Trost zusprechen, aber das ist nicht wirklich hilfreich. Die einzige wirkliche Lösung ist: Wach endlich auf und erkenne, das ist nur ein Traum! Wenn du erwacht bist zu dem, der du wirklich bist – denn das sind wir ja die ganze Zeit: Wir sind die ganze Zeit Bewusstsein. Das darf man nicht vergessen. Wir werden nicht zum Menschen hier. Wir sind Bewusstsein. Wir können da nicht austreten und das beenden. Wir haben es nur vergessen und brauchen uns nur wieder an die Wirklichkeit zu erinnern, so, wie Sie sich nachts im Traum eigentlich erinnern könnten: Eigentlich liege ich im Bett hier. Ich bin der Träumer. Das ist nur ein Traum. Genauso sollten wir uns hier also so schnell wie möglich erinnern. Dann stellt sich diese Frage nicht mehr: Wie kann ich mein Herz öffnen? Dann habe ich nämlich keine Angst mehr vor der Welt. Dann bin ich ja extra deswegen hierhergekommen, um das Leben zu erleben, und dann bin ich als Bewusstsein in der Wahrnehmung. Dann kann ich ja wahrnehmen, was zu tun ist. Dann bin ich jeder Aufgabe gewachsen. Das Ich hat Angst vor dem Wandel der Welt, vor dem, was jetzt vor uns liegt. Die Welt verändert sich gerade sehr. Das Ich ist dem nicht gewachsen. Der Verstand hat auch keine Erfahrung, denn diese Situation war noch nie. Aber wenn Sie erwachtes Bewusstsein sind, dann gibt es kein Problem. Egal, was in der Welt geschieht, und egal, was für Aufgaben auf Sie zukommen; sie nehmen wahr, was jetzt zu tun ist, und tun das Richtige. Da taucht nicht einmal ein Problem auf und keine Schwierigkeit, sondern Sie machen einfach das, was jetzt stimmt.

Varia Antares: Es passiert ja immer wieder, dass man zurückfällt in die Identifikation mit dem Ich. Sollen wir dann einfach auf das vertrauen, was wir im Normalzustand wahrgenommen haben, oder sollen wir auch wieder ein bisschen auf den Verstand vertrauen? Die Frage ist in Kurzform: Intuition oder Verstand, was ist wichtiger?

Kurt Tepperwein: Der Verstand hat nur seine begrenzte Lebenserfahrung. Er gibt sein Bestes, aber das ist oft nicht genug. Erst einmal müssen wir klären: Was ist Intuition? Intuition ist eigentlich ein Augenblick der Wahrnehmung. Das heißt, Bewusstsein hat keinen Verstand. Das denkt nicht. Bewusstsein nimmt die Wirklichkeit wahr. Die Wahrnehmung hat einen großen Vorteil. Der Verstand kann sich irren, und das macht er auch oft genug, aber Wahrnehmung kann sich nicht irren. Die Wahrnehmung ist wie die Kamera hier; die stellt nur fest, was ist. Sie fügt nichts hinzu, lässt nichts weg, verändert nichts. Sie sagt: So ist es. Das heißt, mit der Wahrnehmung als erwachtes Bewusstsein haben wir ein Instrument zur Lebensmeisterung, das fehlerfrei ist, weil es sich einfach nicht irren kann, und das ist ein so großer Vorteil gegenüber dem Verstand, dass man ab dann eigentlich nur noch die Wahrnehmung benutzen soll. Ich habe schon Jahrzehnte nicht mehr gedacht. Ich mache keinen Gebrauch davon, weil ich mit der Wahrnehmung eben ein besseres Instrument habe. Das sollten wir tun. Und deswegen immer wieder das Gleiche: Sprechen wir über die Traumebene, die Illusion des Ichs, des Menschseins, dann gibt es keine wirkliche Lösung. Da gibt es auch keine Heilung, denn das Ich ist die Krankheit. Das Erwachen ist die Heilung. Also kommen wir nicht drum herum. Wir müssen so schnell wie möglich, aber erst, wenn wir bereit sind, aufwachen und erkennen, wer wir wirklich sind. Dann erst treten wir ein in das faszinierende Abenteuer unseres wahren Lebens. Vorher müssen wir einfach wissen: Es ist alles nur ein Traum und Vorbereitung auf das eigentliche Leben.

Varia Antares: Woran erkennen wir, ob wir bereit sind oder wann wir bereit sind?

Kurt Tepperwein: Wer ist „wir“? Wen meinen Sie mit „wir“? Das Ich kann das nicht erkennen, und das Bewusstsein hat die Frage nicht. Haben Sie morgens, wenn Sie aufgewacht sind, schon einmal überlegt: Bin ich jetzt wirklich wach? Nein. Wenn Sie aufgewacht sind, wissen Sie ja, dass Sie wach sind. Sie sind ja in Ihrer Umgebung, in Ihrer Realität. Da gibt es keinen Irrtum. Die Frage kann nicht auftauchen: Bin ich wach oder bin ich nicht wach? Oder sagen wir es andersherum: Wenn die Frage auftaucht, ist die Antwort immer: Nein. Ich träume noch, denn wenn ich wach wäre, würde ich es wissen.

Varia Antares: Wenn man sehr lange etwas falsch gemacht hat oder in der Ich-Illusion war, kann man dann jederzeit zurück zu dem normalen Seelenweg kommen? Ist es also nie zu spät, sich doch noch in die richtige Richtung zu entwickeln?

Kurt Tepperwein: Wir haben ja gesagt, alles – auch der Traum – ist Vorbereitung auf das Leben. Also ist es nie zu spät. Es ist in jedem Augenblick möglich, und das Schöne ist: Dazu brauchen Sie ja gar nicht zu ändern, denn Sie sind ja die ganze Zeit Bewusstsein. Sie hatten es ja nur vergessen. Sie müssen das also nicht werden oder erarbeiten oder etwas Neues sein, sondern Sie erinnern sich nur an den, der Sie wirklich sind. Das ist ungefähr so, wie wenn ein Millionär durch einen Verkehrsunfall sein Gedächtnis verloren hat, im Krankenhaus aufwacht und guckt: Wer bin ich? Was habe ich in der Tasche? Ich habe ganz wenig Geld in der Tasche. Wovon will ich meinen Lebensunterhalt bestreiten? Was kann ich für eine Tätigkeit ausüben? Er hat alles vergessen. Aber er ist noch immer Millionär. Er hat noch immer seine Millionen, aber er kann nicht darüber verfügen, weil er es nicht weiß. Irgendwann kommt sein Gedächtnis wieder. Und dann ist er wieder in seiner eigentlichen Situation, aber er war es die ganze Zeit; er hatte es nur vergessen. Und so sind Sie, wir alle, wir sind Bewusstsein. Wir brauchen das nicht zu werden. Wir müssen also nichts ändern. Das Einzige, was zu tun ist, ist uns so bald wie möglich zu erinnern. Und erinnern braucht keine Zeit. Wie lange brauchen Sie, um sich an den zu erinnern, der Sie sowieso die ganze Zeit sind? Sie erinnern sich, und dann wissen Sie es wieder.

Varia Antares: Die nächsten Fragen sind eigentlich auch alle ziemlich menschlich

Kurt Tepperwein: Ja, stellen Sie die Fragen.

Varia Antares: Kann ein emotionales Trauma auch geheilt werden, ohne dass ich die Botschaft der Krankheit verstehe?

Kurt Tepperwein: Ein emotionales Trauma zu heilen, ist meist ein langwieriger Prozess im Ich. Aber angenommen, Sie haben einen Albtraum und Sie wachen auf; dann müssen Sie von dem Albtraum nichts mehr heilen, was da an Belastungen da ist, sondern der Traum ist in dem Moment vorbei, wo Sie sich erinnern und wach sind. Aus. Ein Trauma zu heilen, also dem Ich zu helfen, im Ich zu bleiben, in der Illusion des Ichs zu bleiben und das Trauma aufzulösen, da muss man die Energie auflösen. Da braucht man professionelle Hilfe, Begleitung und so weiter. Nur Bewusstsein kennt kein Trauma. Bewusstsein hat so etwas nicht. Das heißt, Sie haben in Wirklichkeit so etwas nicht. Sie können so etwas nicht haben, nur Ihr Ich kann so etwas haben, kann so eine Erfahrung machen. Die eigentliche, gründliche Heilung ist, aufzuwachen und zu erkennen: Ach, das war nur ein schwerer Traum! Okay. Vorbei. Jetzt bin ich wach, und Bewusstsein kennt so etwas nicht. Da stellen sich diese Probleme überhaupt nicht.

Varia Antares: Wie können wir dem Ich helfen, dass es die Angst vor der Liebe überwindet und dass es unserem wahren Selbst mehr vertraut?

Kurt Tepperwein: Das ist eine sehr schwierige Frage, wie man dem Ich helfen kann. Das Ich müsste erst einmal lernen, zu erfahren, was Liebe ist. Liebe ist nicht, wenn ich einen anderen mag, wenn der mir ein gutes Gefühl macht, wenn ich unbedingt mit dem zusammen sein will. Das ist Haben-wollen. Das ist Besitzdenken. Das hat nichts mit Liebe zu tun. Das ist die sehr begrenzte menschliche Form von Liebe. Liebe heißt, den anderen so zu sehen, wie Gott ihn gemeint hat, und ihn so zu bejahen, wie er gerade ist. Liebe ist immer nur glücklich. Es gibt keinen Liebeskummer. Ein Ich kann Liebeskummer erleben, aber das hat mit Liebe nichts zu tun. Ein Ich erlebt Liebeskummer, wenn es jemanden haben will und nicht bekommt. Der will nichts von ihm wissen, es will aber unbedingt mit dem zusammen sein. Dann hat es anscheinend Liebeskummer, aber das ist Unsinn. Das hat mit Liebe nichts zu tun. Das ist Egoismus und Haben-wollen. Das Schlimmste ist, wenn es den dann auch noch bekommt, den es haben will. Dann stellt es fest: Das ist ja gar nicht der Richtige. Wir können ja gar nicht miteinander. Hier beginnt das Problem ja erst, weil das Ich eine Vorstellung hat, wen es haben will. Bewusstsein nimmt wahr: Ist das der richtige Partner für mich? Das will nicht irgendeinen haben, der ihm ein angenehmes Gefühl macht, sondern es erkennt den Richtigen und erkennt den Weg, wie es mit ihm glücklich wird. Das ist nirgendwo ein Problem. Und da gibt es auch nie Liebeskummer oder Belastungen durch Liebe. All das geht nicht mehr, wenn ich wirklich liebe. Solange ich aber noch haben will, bin ich in einer sehr begrenzten menschlichen Form der Liebe. Wenn ich einfach liebe, dann gibt es keinen Kummer, weil der andere mich ja nicht daran hindern kann, ihn zu lieben. Wenn ich Sie jetzt liebe, und Sie wollen nichts von mir wissen – wenn ich wirklich in der Liebe bin, habe ich ja keinen Kummer. Ich will ja nicht zurückgeliebt werden, sondern ich liebe Sie einfach, und Sie können mich nicht daran hindern. Also, woraus sollte Kummer resultieren? Für ein Bewusstsein gibt es das Problem nicht, und für ein Ich gibt es keine wirkliche Lösung.

Varia Antares: Da passt die nächste Frage auch schon ganz gut dazu: Wie kann man die Gier des Ichs überwinden, also, dass man zum Beispiel immer mehr möchte, unzufrieden ist oder denkt, man hätte zu wenig?

Kurt Tepperwein: Indem man aufwacht und endlich diesen Unsinn beendet, zu glauben, man ist ein Ich. Das Ich hat nun einmal Gier. Das Ich will haben, will immer mehr haben, immer besser, immer schöner, am liebsten alles. Und manche sagen: Andere sind mit allem zufrieden, aber ich will mehr als alles. Aber mehr als alles gibt es nicht. Das sind also Ich-Probleme; die sind nicht wirklich lösbar. Die einzige Möglichkeit ist, aufzuwachen, und dann endet sofort die Gier, denn Bewusstsein kennt keine Gier, sondern will das, was stimmt. Das bekommt es ja auch, weil es dafür resonanzfähig ist. Von daher ist es im Fluss des Lebens, und es weiß gar nicht, was die Gier soll. Das sind einfach nur Kinderkrankheiten. Die sollte man so schnell wie möglich vergessen, weil die nicht wirklich heilbar sind, solange Sie in der Illusion des Ichs sind.

Varia Antares: Wie kann man anderen Menschen Liebe oder Nächstenliebe geben, ohne dass die Leute denken, sie wären von uns abhängig?

Kurt Tepperwein: Wenn Sie wirklich lieben, ist der andere ja nicht abhängig. Der muss ja nicht einmal etwas davon wissen.

Varia Antares: Wenn man zum Beispiel einer Freundin ganz, ganz viel Aufmerksamkeit oder Zeit gibt, dann könnte die Person ja denken: Ich fühle mich nur gut, wenn die andere Person in der Nähe ist. Wie kann man verhindern, dass die Leute das denken?

Kurt Tepperwein: Das sind Verstandesprobleme. Vergessen Sie so einen Unsinn einfach. Damit schlägt sich ein Ich

herum. Sie lieben den anderen einfach, und der andere entscheidet, wie er damit umgeht. Das ist nirgendwo ein Problem. Liebe ist ein Angebot, und der andere macht so viel Gebraucht davon, wie er will. Wenn der im Ich ist, dann denkt der sich wieder: Sie schenkt mir so viel Aufmerksamkeit; sie fühlt sich nur wohl, wenn sie mit mir zusammen ist. Dann muss ich mit ihr zusammen sein, damit sie sich wohlfühlt, obwohl ich das eigentlich nicht so brauche. Das sind alles so Verstandesprobleme, die sind künstliche ausgedacht. Die sind gar nicht wirklich existent. Wenn Sie in der Liebe sind, lieben Sie einfach, und der andere nimmt sich so viel davon, wie es für ihn stimmt. Und da ist nirgendwo ein Problem. Mit einem Wort: Die ganzen Fragen erledigen sich, wenn Sie aufwachen. Aufwachen, und der ganze Unsinn ist beendet. Der Albtraum ist vorbei, und jetzt sind wir in der Wirklichkeit unseres wahren Seins angekommen, nehmen wahr, was zu tun ist, und auf einmal ist das Leben ganz, ganz einfach.

Varia Antares: Herzlichen Dank, dass Sie dabei waren!

Kurt Tepperwein: Ich bedanke mich auch. Eine gute Zeit! Und vielleicht – wenn es sein darf – begegnen wir uns wieder einmal.

Varia Antares: Danke schön!

Das Interview gibt es auch als Video auf Kurt Tepperwein Akademie und 阴阳 Varia Antares.

31.07.2021
Liebe Grüße von
Varia Antares
Germanistin, Dozentin, Autorin


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Die Germanistin, Dozentin und Autorin schreibt über Spiritualität und deren Umsetzung im Alltag. Sie möchte Mut machen, Menschen motivieren und begeistern.

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