Vom Leben bis zum Tod: Sind wir schon tot?

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frau-rolltreppe-leben-tod-portalVom Leben bis zum Tod: Sind wir schon tot?

Wenn jemand von uns geht, gibt er seinen Hinterbliebenen die Gelegenheit über das Leben nachzudenken.
Der Tod ist das einzig Gewisse während unseres Erdenlebens. Er begleitet uns von dem ersten Moment unserer Entstehung: Mit dem ersten Herzpuls, der unseren Körper mit Leben beschenkt, sind wir bereit, zu sterben, weil wir leben.

Das Baby kann bereits während der ersten Wochen im Bauch der Mutter sterben, oder in den darauffolgenden Monaten, oder bei der Geburt, oder kurz darauf … oder in den ersten Lebensmonaten und Jahren, oder etwas später … oder erst im Alter. Niemand ahnt genau, wann der Moment kommt, aber jeder weiß, dass er gewiss kommen wird. Für das Leben gibt es keine Garantie, aber für den Tod schon. Dann warum tun wir so, als würde etwas, was so nah an uns ist, nie kommen?

Wir versuchen ständig, aus ungewissen Angelegenheiten Gewissheit zu machen:

Was wird die Zukunft mit sich bringen? Wen werde ich heiraten? Wann werde ich mich vermählen? Wie werden meine Kinder heißen? Was werde ich mal werden? Wo werde ich in fünf Jahren stehen? Und und und … Aber von dem einzig Gewissen rennen wir weg, denn kaum jemand will sterben und keiner will leben.

Manchmal, wenn ich mir bewusst mache, warum wir in der jetzigen Situation sitzen, kann ich mich nicht entscheiden, ob ich lachen oder weinen sollte. #stayhome #savelife. Wir müssen um jeden Preis „Leben retten“.
Nun, die Aufgeklärten unter uns wissen, dass dies nur ein Vorwand ist, denn es geht hier gewiss nicht darum, irgendein Leben zu retten. Aber warum funktioniert dieser Trick trotzdem so einwandfrei? Denn in allen zwischenmenschlichen Beziehungen gilt: Der eine tut, der andere lässt es geschehen.

Neulich las ich irgendwo Folgendes:

„Ich will gerne 100 werden, deswegen habe ich mich impfen lassen. Aber, wenn ihr lieber sterben wollt, dann respektiere ich das auch.“

Nun, ja! Inwiefern diese Planung für ein ewiges Leben sorgen wird, wird sich spätestens mit der Zeit zeigen, einige von uns haben bereits eine Vermutung. Aber ganz ehrlich, warum will jemand überhaupt 100 Jahre alt werden und um welchen Preis, während wir doch alle bereits längst tot sind und nur noch existieren?
Vor einiger Zeit sagte ich meiner Familie, sie sollen nicht um mich trauen und weinen, wenn ich soweit bin, die Erde zu verlassen.
„Ach! Musst du jetzt über so etwas reden?“, fragten sie.

Wann ist der richtige Moment, über das einzig Sichere auf unserer Lebensbahn zu sprechen:

mit fünf, zehn, zwanzig, dreißig, vierzig, fünfzig, achtzig? Wann sind wir bereit, über das Unvermeidliche zu sinnieren und uns dafür vorzubereiten?

Meine Oma ist neulich von uns gegangen. Und obwohl wir doch alle wussten, dass der Tag kommen wird – denn es hat noch keinen Menschen gegeben, der geboren und nicht gestorben ist, waren wir unvorbereitet dafür. Sie lag sieben Tage im Koma. Alle weinten. Alle fühlten sich machtlos und ich konnte nicht verstehen, was der Grund der Unruhe war. So kontaktierte ich meine Verwandte, um mich aufklären zu lassen.
Am Sonntag, den 9. Mai telefonierte ich mit meinem Onkel.

„Warum bist du so unruhig. Sie gibt uns Zeit, damit wir uns vorbereiten“, sagte ich.
„Die Ungewissheit macht mir zu schaffen“, erwiderte er.
„Spätestens am Freitag wird sie entlassen.“
Die Ungewissheit über das einzig Gewisse war sein Grund des Unbehagens. Dann telefonierte ich mit meinem anderen Onkel. Seine Geschichte war so bewegend wie seine Ehrlichkeit.
„Wir können den Tod nicht verhindern, aber wir könnten unsere Sicht dazu ändern“, sagte er. „Mir ist bewusst geworden, dass der Tod nicht das Ende ist. Es ist nur so, als würde der Verstorbene von einem Raum in einen anderen gehen und damit für uns unsichtbar werden. Aber er ist da, unter uns.“

Dem stimmte ich zu. Für mich ist der Tod nur ein Übergang von einer Form in einen anderen, unsichtbaren Seinszustand.

Das weiß ich aus der Erfahrung und aus der Physik:

Es gilt der Energieerhaltungssatz.
Das heißt, die Energie kann nicht verloren gehen, sondern sich nur von einer Form in eine andere umwandeln. Und dass wir aus Energie bestehen, ist genauso wissenschaftlich nachweisbar wie die Luft, die wir atmen, wenn wir es wollen: anhand der Elektronen in unserem Körper, die sehr leicht messbar sind und gemessen werden, wie zum Beispiel durch einen Elektrokardiografen – auch als EKG-Gerät bekannt.

Wenn die Elektronen im lebendigen Körper nachweisbar sind und im Toten nicht mehr, dann müssen sie nach dem Tod irgendwohin gehen, denn sie können nicht verloren gegangen sein. Aber ich glaube, das wollen wir nicht. Wir wollen gar nicht wissen, wer wir sind und bevorzugen es, ein Mysterium aus Banalitäten zu machen, das Alltägliche zu einem Tabu umwandeln, und bewundern dafür, die Raketen, die von uns völlig unbekannten Menschen in den Aal geschossen werden und angeblich auf den Mond und Mars landen, was wir persönlich nie überprüfen können. Sind wir nicht witzig, wir Homo sapiens oder in diesem Fall eher Homo faber?

Denn so vernünftig und weise, wie dieser lateinische Begriff es ausdrücken will, scheinen wir nicht zu sein, um so aktiver sind wir aber dabei, unsere Umwelt zu verändern. Ob das eine ohne das andere lang gut gehen kann?

Mein Onkel hatte keine wissenschaftliche Erklärung für seine Erkenntnis, im Gegenteil:

Das, was er erlebt hatte, stand für ihn in einem Widerspruch zu Wissenschaften. Verständlich! Hat jemand je die Wissenschaft über solche Themen sprechen hören? Die „Wissenschaft“ ist damit beschäftigt, das Unmögliche möglich zu machen, das Sterbliche unsterblich zu machen oder sinnlos Raketen in den Aal zu schießen. Die „Wissenschaft“ hat keine Zeit, sich mit irdischen, realitätsbezogenen Dingen, wie mit uns Menschen und unserem Leben und Tod, auseinanderzusetzen.

Ich habe Wissenschaften studiert und nehme mir das Recht, so etwas zu behaupten.
„Das, was ich dir sage, habe ich in keinem schlauen Buch gelesen“, legte mir mein Onkel nah, „sondern hautnah erlebt.“
Ein Tag, bevor meine Oma ins Koma gefallen war, sei sie unruhig gewesen. Den ganzen Vormittag habe sie nach meinem Onkel gefragt, erzählte er mir. Als er dann bei ihr war, erkundigte er sich nach dem Grund ihrer Sorge.
„Ich dachte, du wärest tot“, habe sie gesagt.
„Wie kommst du auf so etwas?“, fragte mein Onkel.
„Dein Papa hat mir heute Morgen gesagt, jemand sei gestorben, aber ich habe den Namen nicht verstanden und dachte, das wärest du, weil ich den ganzen Vormittag nichts von dir gehört hatte.“

Dabei war es meinem Onkel sehr wichtig, mich wissen zu lassen, dass meine Oma von keinem Traum gesprochen und nicht gesagt hatte:

„Ich habe von deinem Vater geträumt“, oder „Dein Papa erschien mir im Traum.“
Mein Opa ist vor fünf Jahren verstorben, doch hatte er durchgehend Kontakt zu meiner Oma. Ihre Kinder hatten sich Sorgen gemacht, sie leide zu sehr an dem Verlust ihres Ehemannes und bilde sich etwas ein. Aber ich glaubte ihr und wusste, dass sie sich nichts ausdachte und die Wahrheit sprach.

Als mein Onkel wieder gehen wollte, habe meine Oma ihn gerufen. „Jemand in der Verwandtschaft ist gestorben“, habe sie gesagt. „Du musst jetzt herausfinden, wer das ist.“
Mein Onkel sei die Treppen hinuntergelaufen grübelnd darüber, wer wohl hätte gestorben sein können, da niemand krank gewesen war oder dem Tode nahestand. Als er den Ausgang des Krankenhauses erreichte, bimmelte sein Handy. Der Ehemann seiner Cousine sei einige Stunden zuvor völlig unerwartet von uns gegangen, wurde ihm von dem anderen Ende des Hörers beigebracht.

„So habe ich verstanden“, sagte mein Onkel zu mir, nachdem er mit seiner Erzählung fertig war, „dass wir nicht um die Verstorbenen trauen, sondern um uns selbst, um unsere Machtlosigkeit und Unwissen, um unsere Behinderung durch unsere eingeschränkten Sinnen. Wir weinen nicht, weil sie weg sind, sondern weil wir sie in ihrer neuen Form mit unseren Sinnesarten nicht mehr wahrnehmen können und das tut weh.“

In den letzten sieben Tagen, während meine Oma im Koma lag und die ganzen Verwandten und Bekannten sich die Tränensäcke trocken weinten, weil sie um das körperliche Wohl meiner Oma besorgt waren, gab es zwei Menschen, die mit etwas völlig anderem beschäftigt waren: Ich und eine Person, deren Identität ich hier nicht preisgeben will – ich nenne sie „Mina“.

Das hat mit einem Traum angefangen, in dem meine Oma den Eindruck machte, sie wolle gerne gehen und etwas halte sie hier fest.

Mina und ich schlugen uns eine ganze Nacht um die Ohren bis zur Dämmerung und versuchten herauszufinden, was die Seele meiner im Koma liegenden Oma nicht gehen lässt und wie wir ihr helfen konnten, und wurden fündig. Doch wurde uns klar, dass es sich dabei um eine schwierige Situation handelte, die wir nicht schnell aus der Welt schaffen konnten. Und wir wollten nicht, dass meine Omas Seele solange im Unfrieden bleibt.

Ich telefonierte mit meinen besorgten Verwandten, um mit deren Hilfe einen Weg zu finden, die Seele meiner Oma zu befreien, und war sehr überrascht – oder eben nicht – als ich bei fast keinem ein Ohr fand. Meine Eltern nahmen die Sache sehr ernst, und versuchten, mitzudenken und aktiv zu werden, doch bei allen anderen scheiterte ich in meinem ersten Satz.
„Ich habe ein starkes Gefühl, dass die Oma nicht gehen kann, weil sie etwas hier festhält“, sagte ich ihnen, „was kann das sein?“
„Was weiß ich? Ich denke nicht über solche Dinge nach“, lautete die allgemeine Antwort oder meine Angelegenheit wurde erst gar nicht ernst genommen.
„Aber wenn eine Seele gehen will, dann müssen wir ihr doch helfen, damit sie ihren Frieden findet, sonst bleibt sie hier und leidet“, erwiderte ich.
„Ist jetzt der richtige Moment über so etwas zu sprechen?“

Für mich war diese Erfahrung eine weitere Bestätigung dafür, dass wir dem Unsichtbaren wenig bis keine Aufmerksamkeit schenken, oder zumindest nicht soviel, wie wir auf das Materielle und Sichtbare achten.
Als wäre die Seele nicht da, nie vorhanden gewesen, eine Verschwörungstheorie – genauso wie das Immunsystem mittlerweile, das auch keiner mehr kennen will. Dabei bestehen wir doch bis zu 98% aus Geist und nur 2% aus Materie.

Ist das, was die Seele eines Menschen beschäftigt nicht so wichtig wie sein körperliches Befinden, wenn nicht sogar wichtiger?

Ein gesunder Körper ist das Ergebnis eines gesunden Geistes und der Geist kann nur dann vollwertig sein, wenn er frei ist, das ist seine Natur. Und ich habe nicht verstanden, wann nun der richtige Moment ist, über den Tod zu sprechen. Auch dann nicht, wenn jemand schon im Koma liegt?

Da meine Eltern nicht viel machen konnten, zumal sie weit weg vom Geschehen sind und Dinge nur sehr bedingt verändern und bewegen können, musste ich mir selbst etwas einfallen lassen. Ich bat meine Oma, mich im Traum zu besuchen und mir einen Tipp zu geben. Nichts passierte.

Das Gleiche tat ich mit meinem Opa, ebenso vergeblich. Drei Nächte lang konnte ich kein Auge zudrücken grübelnd darüber, was ich nun für meine Oma tun kann so weit weg von ihr entfernt und machtlos wie ich bin. Und das passte nicht zu mir, weil ich davon überzeugt bin, dass wir viel mächtiger sind, als es uns bewusst ist. Wir sind doch der Schöpfer oder nicht? So betete ich und bat mein höheres Selbst um Hilfe, Unterstützung und Führung.

Am Donnerstag, den 13. Mai hatte ich beim Aufwachen schon eine Idee:

Ich solle meine Oma eine Sprachnachricht schicken, geisterte mir durch den Sinn. Aber was sage ich ihr, dass sie den Frieden findet? Der eigentliche Grund ihrer Unruhe konnte ich nicht direkt ansprechen, weil die Sache erst geheim bleiben sollte, bis ich eine Lösung finde, und jemand musste ihr meine Nachricht vorspielen. So bat ich mein höheres Selbst darum, durch mich zu sprechen, und nahm auf.

Nachdem ich fertig gesprochen hatte, tauchte ein Bild in meiner Vision auf: Ich sah, wie meine Tante ihr die Sprachnachricht vorspielte, sich verabschiedete und den Raum verließ, und meine Oma von uns ging. Das Bild erschrak mich so dermaßen, dass ich die Sprachnachricht wieder löschte. Wollte ich das wirklich? Ich dachte über das Gesprochene nach und konnte keine geheime Botschaften finden, die meine Oma befreien würden, so beschloss ich, dass das Bild in meiner Vision nur eine Einbildung gewesen sein müsste und machte eine neue Aufnahme, die ich meiner Tante schickte.

Am nächsten Tag auf dem Weg zu meinem Onkel machte meine Tante einen kurzen Halt beim Krankenhaus: ein Spontanbesuch. Sie teilte die Neuigkeiten mit meiner Oma, legte ihr ein Gebet unter den Kissen, ließ meine Sprachnachricht laufen, verabschiedete sich danach und verließ den Raum. Als sie den Ausgang des Krankenhauses erreichte, klingelte ihr Handy … Das war die Krankenschwester gewesen.

Meine Oma ist am Freitag nach Christi Himmelfahrt von uns gegangen, nur wenige Minuten nachdem sie meine Sprachnachricht gehört hatte.
Mina schwor darauf, die Befreiung sei in meiner Sprachnachricht gewesen. Das wollte ich nicht glauben. Ich hörte mir die Nachricht über und über an, um herauszufinden, ob ich ihr zwischen meinen „banalen“ Worten womöglich eine geheime Botschaft zukommen lassen hatte, die ihr versicherte, sie könne in Frieden gehen, weil ich mich um die Angelegenheit kümmern werde, die sie nicht gehen lässt, konnte aber nichts finden. Jedoch konnte ich auch nicht glauben, dass das Eintreffen meiner Nachricht und meiner Omas Tod ein Zufall gewesen war. Sie hatte sechs Tage im Koma gelegen und ihre Lage war unverändert – sie hatte sich nicht verschlechtert.
Ich hatte schon angefangen, die Akte zu schließen.

Es blieb mir nur eine Erklärung:

Wenn ich in meiner Nachricht das, was sie – nach meiner Vermutung – nicht gehen ließ, gar nicht angesprochen habe, und sie trotzdem gegangen ist, dann ist meine Vermutung falsch gewesen. Nichts hielt sie hier fest und das Eintreffen meiner Sprachnachricht und ihr Tod stehen in keinem kausalen Zusammenhang zueinander. Doch, wenn das so einfach wäre … Trotz aller Kunst, mich von diesem Thema abzulenken und damit abzuschließen, verfolgte es mich das ganze Wochenende. Ich dachte die ganze Zeit über diesen offensichtlichen Zufall nach, der gar kein Zufall sein konnte, und hörte mir die Sprachnachricht an, bis ich vorhin vom Blitz des Geistes getroffen wurde und das Rätsel löste.

Ich will diese Geschichte nicht erzählen, um für noch mehr Vorurteile zu sorgen, als es ohnehin schon gibt. Die Zeit, in der wir uns mit den Entwicklungsländern verglichen, um mit unserer Scheinfreiheit neben ihnen glänzen zu können, ist längst vorbei.

„Fatima aus Afghanistan muss ein Kopftuch tragen und wird mit zwölf zwangsverheiratet, ergo Fatima aus Afghanistan hat keine Freiheit. Chantal aus Europa darf halbnackt durch die Gegend hüpfen, für Werbungszwecke auf den Plakaten landen, in Pornos mitspielen, Stripperin werden und Alkohol trinken, ergo Chantal aus Europa ist ein freier Mensch“, war gestern. Spätestens jetzt sollte uns allen bewusst geworden sein, wie scheinheilig diese Illusion von Freiheit neben fast allem anderen gewesen war. Werden in Europa keine Frauen mehr vergewaltigt und geschlagen und ist Kindesmissbrauch Schnee von gestern?

Meine Kosmetikerin, die manchmal drei Masken übereinander trägt (zwei Grünen und eine FFP2), vielleicht weil ich keine trage, erzählte mir neulich: „Der Missbrauch der Menschenrechte in Afrika beschäftigen mich sehr, und die moslemischen Frauen, die unterdrückt werden und ebenso wenig Rechte haben wie die Afrikaner.“

„In Afrika haben sie wenigstens noch das Recht, frische Luft einzuatmen, ohne dafür einen Attest zu benötigen oder bestraft zu werden. Lass uns doch lieber in Europa bleiben und vor unserer eigenen Haustüre kehren. Damit werden wir eine sehr lange Weile beschäftigt sein. Die Reise nach Afrika sparen wir uns für den nächsten Urlaub“, erwiderte ich.

Meine Oma hatte ein für ihre Verhältnisse und ihre Zeit und nach ihren Wertvorstellungen ein erfülltes Leben.

Ihre Geschichte will ich hier wiedergeben, weil dies das Mindeste ist, was ich für sie tun kann, weil ich nicht daran glaube, dass es wichtig ist, wie alt wir am Ende werden, sondern viel mehr dass wir leben und was unser Leben und unser Tod in anderen Menschen bewegt, und weil ich mir sicher bin, dass wir alle etwas aus dieser Erzählung mitnehmen könnten.

Meine Oma hat sehr jung geheiratet. Das war keine Zwangsheirat in dem Sinne gewesen und sie wurde auch nicht verkauft oder gegen irgendetwas ausgetauscht, und mein Opa war auch nur fünf Jahre älter als sie. Aber ob sie freiwillig geheiratet hat, kann ich auch nicht sagen. Was wusste sie denn überhaupt vom Leben? Das war damals normal und niemand hinterfragte es, genauso wenig wie Menschen jetzt die Masken, den PCR-Test, die Maßnahmen, die Impfstoffe und alles andere hinterfragen. Das alles ist mittlerweile „normal“, weil die Mehrheit es mit sich machen lässt. So ist „normal“ eben definiert: den Normen entsprechend. Und eine Norm ist das, was die Masse zustimmt und folgt.

Ihr erstes Kind bekam meine Oma mit achtzehn, besser gesagt, das erste Kind, welches überlebte, denn davor hatte sie schon drei Kinder verloren. Sie war Analphabetin und vielleicht hätte sie selbst ihre eigene Geschichte geschrieben, wenn sie es konnte. Zwar hatte sie es immer wieder versucht, aber … das war nicht ihr Ding. Ihr Leben bestand aus ihrer Familie. Ihre Hauptsorge waren immer die Kinder, dann die Enkelkinder, dann ihre Verwandten, die Nachbarn. Sie machte sich Sogen um alle, außer um sich selbst.

Wie die Dinge viel früher gewesen sein müssten, kann ich schwer beurteilen,

aber seit ich mich daran erinnern kann, hatte meine Oma keine einzige Entscheidung für sich selbst getroffen. Ihre Vorhänge, Möbel, die Dekoration in ihrem Haus, einfach alles, um es kurz zu machen, wurde von ihren Kindern ausgesucht. Selbstverständlich aus Liebe, und weil sie es gut mit ihr meinten und ihr helfen wollten. Selbst ihre Klamotten wurden von meiner Tante und meinem Onkel ausgewählt, wenn sie ausgehen wollte.

Gebürtig ist sie aus einem friedvollen kleinen Dorf am Fuße eines Berges und sie wohnte in der Großstadt, wo sie sich nie richtig zu Hause gefühlt hat. Wenn sie sich mal nach ihrem Dörfchen sehnte, ließen sie sie nicht hingehen. Ich flehte meine Verwandten an, sie sollen sie doch gehen lassen.

„Wie stellst du das dir vor? Sie kann doch nicht alleine dort sein“, sagten sie.
Meine Oma wurde wie ein unmündiges Kind behandelt, obwohl sie – bis sie vor zwei Wochen ins Krankenhaus kam – sich selbst versorgte. Ich weiß nicht, wie das angefangen hat, dass die Frau, die einst sich um alle kümmerte, und vier Kinder groß gezogen hatte, von eben diesen Kindern bevormundet wurde. Aber eins wusste ich mit Sicherheit: da dieses Verhaltensmuster von Generation zu Generation weiter kopiert wird, musste ich mich bewusst davon lösen, um nicht das Gleiche mit meiner eigenen Mutter zu machen.

Als ich mich vorhin an dies alles erinnerte, wurde mir plötzlich bewusst, dass Mina Recht hatte:

Die Erlösung ist tatsächlich in meiner Sprachnachricht gewesen.
Das, was meine Oma nicht gehen ließ, war die Sorge um eins ihrer Kinder und ein sehr banaler Satz zwischen meinen Worten hatte sie befreit.
„Wir alle wollen, dass du bei uns bleibst. Aber wenn du lieber gehen willst, dann wäre das sehr egoistisch von mir, von dir zu verlangen hierzubleiben. Wir beten für dich, dass dein Wille geschieht und du im Frieden bist. Wenn du gehen willst, dann lass los. Es wird gesagt, wenn die Welt am Untergang steht, und eine einzige Seele die Hoffnung in ihrem Herzen behält, dann schafft sie es alleine, die ganze Welt zu retten. Ich will, dass du weißt, ich bin diese Seele, und werde die Kerze der Hoffnung bis zum Ende meiner Tage in meinem Herzen tragen, komme, was wolle.“

Wenn mir an dem besagten Donnerstag bewusst gewesen wäre, was meine Worte bewirken könnten, hätte ich sie möglicherweise nie ausgesprochen. Wer will denn schon, dass jemand stirbt? Doch bin ich heute froh, dass ich es gemacht habe, weil mir durch diese Einsicht bewusst wurde, dass jener Moment womöglich der Einzige gewesen ist, in dem meine Oma wahrlich lebte: Der Moment, als sie zum ersten Mal in ihrem Leben für sich selbst entschieden und an sich selbst gedacht hat: in ihrem Koma und kurz vor ihrem Tod.

Manchmal, wenn ich aus dem Nähkästchen plaudere, werde ich gefragt, warum mein Leben so voller außergewöhnlichen Ereignisse ist.

Ich sage immer, jedes Erdenleben ist voller außerordentlichen Geschehnissen, der eine achtet darauf, der andere nicht. Ich nehme Dinge ernst, die ernst zu nehmen sind, wie Träume, oder Zeichen oder meine Intuition und die innere Stimme. Und ich gehe den Sachen nach, bis ich eine Antwort finde. Die Geschichte mit meiner Oma hat mit einem Traum angefangen, und der war nicht einmal mein eigener. Aber ich hörte zu und nahm ihn ernst. Und die Träumende (Mina) ist – aus der Sicht der Erwachsenen – ein Kind.

Für mich ist sie jedoch erwachsener als die meisten Erwachsenen, die ich kenne. Aber ich nehme auch Kinder sehr ernst, weil ich weiß, dass sie Dinge wissen, von denen die Ausgewachsene in ihrem Dauerkoma nicht einmal träumen könnten. Und so hat ein „Kind“ mit ihrem Traum, ihrer Aufmerksamkeit, Achtsamkeit, Sensibilität und Scharfsinn einem älteren Menschen geholfen, Frieden zu finden, während die Erwachsene um es herum, um ihre Machtlosigkeit weinten.

Sie alle hatten die Chance, aktiv mitzumachen, um etwas Außergewöhnliches zu erleben und sich nicht mehr machtlos zu fühlen – zum Beispiel dann, als ich sie angerufen hatte. Doch haben sie sich entschieden, in ihrer Machtlosigkeit zu bleiben und so zu tun, als lägen die Dinge außerhalb ihrer Kräfte und Möglichkeiten.

Mina sagte etwas sehr Weises:

„Früher war ich sehr feige. Als ich in die zehnte Klasse kam, habe ich mir gesagt, ich will mutig sein. Und ich bin mutig geworden. Es dauerte eine Zeit, aber ich bin am Werden. Aus dieser Erfahrung habe ich gelernt, dass wir zu dem werden, was wir entscheiden zu sein.“

Der Tod ist selten so „wichtig“ gewesen wie in der letzten Zeit. Wurde die allgemeine Erklärung der Menschenrechte nicht abgeschafft, weil wir doch „Leben retten müssen“?

Warum ist es so wichtig, dass wir nicht sterben? Wieso wollen wir so und so viele Jahre alt werden? Funktioniert es mit dem Alter auch so wie mit allem anderen in einer tief materiellen, industriellen Gesellschaft: „Je mehr du hast, desto besser bist du“? Ist das das Einzige, womit wir glänzen können? Ist Konsum gleich Wert? Woher weiß man, dass ein Buch „gut“ ist? Das ist „Best-Seller“ geworden – am besten verkauft. Woran erkennt man einen „guten“ Film?
Die Tickets wurden weltweit millionenfach erworben. Woher weiß man, welche Handymarke „gut“ ist? Menschen stehen vor der Öffnungszeiten des Ladens in der Kälte in langen Schlangen, um sich das aktuellste Model zu holen. Woher weiß man, wer ein „guter“ Mensch ist? Er hat tausende und abertausende Followers auf Instagram. Woher weiß ich, wer hier die Wahrheit erzählt? Der, dem die meisten Menschen blind folgen. Und zu guter Letzt, woran erkennt man am Ende, wer ein erfülltes oder gesundes Leben geführt hat? Der, der am ältesten wurde – egal wie. Läuft das so ab in einer Konsumgesellschaft, in der Haben ganz groß geschrieben und Sein in der Fußnote unter dem Kleingedruckten versteckt ist: Je mehr du hast, desto „besser“ oder „erfolgreicher“ wirst du – egal wer oder ob du überhaupt bist?

Eine Freundin fragte mich neulich, ob ich mich schon impfen lassen habe.

Die Frage kam sehr überraschend für mich, da sie – laut ihrer eigenen Aussage – die Maßnahmen völlig überzogen findet und der Meinung ist, die Angst sei viel größer als das Virus.
Ich schrieb ihr eine lange E-Mail zurück, in der ich erst meine sachlichen Gründen gegen die Impfung aufzählte, und am Ende ihr schrieb: „Das sind die Fakten, die für mich und meinen Verstand eindeutig gegen eine Vakzine sprechen, aber die spielen mittlerweile keine Rolle mehr für mich, denn der Grund, warum ich nicht impfen lassen werde, ist ein anderer. Wir werden mit der Impfung erpresst und ich lasse mich aus Prinzip nicht erpressen. Bereits vor einem Jahr habe ich mir geschworen, sollte es soweit kommen, dass ich nur zwei Optionen habe: Mich zu impfen oder zu sterben, dann werde ich sterben, weil ich mir versprochen habe, dass ich die Erde als freier Mensch verlassen werde.“

Und das hat mir unter anderem die Geschichte meiner Oma und anderer Menschen, die das gleiche Schicksal mit ihr teilen, beigebracht. Das waren sie, die mir zeigten, dass die Freiheit keine Selbstverständlichkeit ist, sondern das Ergebnis harter Arbeit an mir selbst. Von ihnen habe ich gelernt, dass ich ein selbstbestimmtes Leben führen wollte, in dem ich meine eigenen Entscheidungen treffe, und dass ich kämpfen musste, wenn ich selbst entscheiden will, wie ich lebe und wann ich sterbe. Sie machten mir bewusst, was aus einem Menschen einen wahren Menschen im Sinne des Homo negans macht: die Fähigkeit „nein“ zu sagen.

Meine Freundin meldete sich zurück:

Sie habe bereits die beiden Dosen der Impfung bekommen, weil sie ehrenamtlich bei Tafel arbeitet, und dort wurde sie vor der Wahl gestellt: Entweder lässt sie sich impfen, oder sie darf nicht mehr zur Arbeit erscheinen. Das muss man erst sacken lassen: Sie arbeitet dort ehrenamtlich und unentgeltlich, um Menschen zu helfen. Sie hätte sich niemals freiwillig impfen lassen. Das ist, was ich mit Erpressung meine. Über die ganzen Nebenwirkungen wurde sie erst durch mich aufgeklärt und nicht von ihrem Arzt wie erwartet. Ich hatte ihr in der ersten E-Mail einen Link zu der offiziellen Seite der britischen Regierung geschickt, wo die Impfnebenwirkungen alle paar Tage aktualisiert werden. Das Dokument hatte am 5. Mai neunundneunzig Seiten.

„Wenn du krank wärest, würdest du ein Medikament nehmen, der voraussichtlich neunundneunzig Seiten Nebenwirkungen hat? Warum würde sich ein gesunder Mensch mit einem Impfstoff mit so vielen Nebenwirkungen impfen lassen? Um seine Grundrechte wiederzubekommen: Rechte, die uns von der Geburt gegeben sind, und die uns einzig und allein der Tod wieder nehmen kann?“

Hat Chantal wirklich mehr Freiheiten als Fatima? Und ist die Freiheit vom Land abhängig oder von unseren Gedanken und Einstellungen? Meine Freundin ist gebürtige Europäerin, eine Deutsche. Und spielt es überhaupt eine Rolle, wie alt wir am Ende werden?

02.06.2021
Sara Sadeghi
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Sara Sadeghi sara-sadeghi

Die 37-jährige Freiheitsliebhaberin arbeitet heute als zertifizierter Coach für psychische Gesundheit, Bewusstsein und Spiritualität und Energietherapeutin und hat bereits hunderte von Menschen mit ihrer Geschichte inspiriert und geholfen. In ihrem Buch „Das kleine, schwarze Fischlein – a diary“ berichtet sie über ihren Verwandlungsprozess von der Raupe in einen Schmetterling und über ihren Selbstfindungsprozess und die Herausforderungen, die ihr auf diesem Weg gestellt wurden.
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