Bewusstsein der Wirklichkeit

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Nach vielen Jahren des gemeinsamen Dialogs hatte der Quantenphysiker und Friedens-Nobelpreisträger Hans-Peter Dürr (1929 – 2014) meine sprachliche Unterscheidung von „Realität & Wirklichkeit“ übernommen. Realität kommt von lat. „res“ (Ding, Sache) und ist somit objektivierbar. Wirklichkeit ist ein Begriff des deutschen Dominikanermönchs & Mystikers Meister Eckhart, der unsere deutsche Sprache sehr wesentlich geprägt hatte. Bewusstsein der Wirklichkeit

Bewusstsein der Wirklichkeit

Wir alle sind Wellen auf dem Meer.
We all are waves on the ocean.

Das Meer kann ohne Wellen bestehen,
The ocean can exist without the waves
aber die Wellen nicht ohne das Meer.
but not the waves without the ocean.

Auch der Geist des Kosmos
Also the Spirit of the Cosmos
kann ohne den Menschen existieren,
can exist without the human being
aber der Mensch nicht ohne den Geist.
But not the human being without the spirit.
Vor der Geburt und nach dem Tod
Before birth and after death
sind alle Lebewesen unsichtbar.
all creatures are invisible.

Zwischen den zwei nicht-sichtbaren Bereichen
Between the two non-visible areas
sehen wir ihre Existenz als Form und Gestalt.
we see their existence as form and figure.

Der größte Teil des ewigen Lebens bleibt unsichtbar.“
The greatest part of eternal life remains invisible.“

Roland R. Ropers

Die Wirklichkeit entzieht sich jeglicher Objektivierbarkeit und ist eine Erfahrungsdimension jenseits von Raum und Zeit. Es ist erstaunlich und bemerkenswert, dass der Physiker Dürr, der mit dem christlich-dogmatischen Mythos nicht viel anfangen konnte, den Namen Meister Eckhart ständig erwähnte.
Wir hatte zusammen im Oktober 2008 die Prediger-Kirche von Meister Eckhart in Erfurt besucht. Uns verband eine wunderbare Freund-schaft. Zu seinem 80. Geburtstag am 7. Oktober 2009 hatte ich ihn als „Bodhisattva der Naturwissenschaften“ gewürdigt.

Das Auge, womit GOTT von Dir gesehen wird,
ist dasselbe Auge, womit GOTT Dich ansieht.
Dein Aug und GOTTES Aug ist ein Aug“.
Meister Eckhart

Es ist allerdings nicht das Auge, das sieht.

Folglich, wenn es nicht unsere Augen sind, die sehen, wer ist es dann?

  • Wer ist es, der im Gehirn, das vollständig gegen Töne isoliert ist, die elek-trischen Impulse als die Stimme seines engsten Freunds wahrnimmt, ohne ein Ohr zu benötigen, und der sich darüber freut, wenn er diese Stimme hört oder der sich danach sehnt, wenn er diese Stimme nicht hört?
  • Wer ist es, der innerhalb des Gehirns empfindet, dass er das Fell seiner Katze streichelt, ohne eine Hand, Finger oder Muskeln zu benötigen?
  • Wer ist es, der Wahrnehmungen wie Hitze, Kälte, Festigkeit, und Entfernung im Gehirn empfindet?
  • Wer ist es, der die Gerüche der Zitronen, des Flieders, der Rosen, der Melonen, und der Orangen innerhalb des Gehirns empfindet, obwohl Gerüche niemals das Gehirn erreichen können?
  • Wer ist es dann, der diese Bilder, welche im Gehirn entstehen, wie auf einem Bildschirm betrachtet, und der sich über diese Bilder freuen kann, traurig sein kann, sich aufregen kann und neugierig sein kann? Wer ist für das Bewusstsein verantwortlich, das alles was es sieht und fühlt, interpretiert?
  • Wer ist die bewusste Wesenheit, die ihr ganzes Leben lang innerhalb des dunklen, stillen Schädels die ihr gezeigten Bilder betrachtet, die zum Denken fähig ist und Entscheidungen trifft?

Es ist offensichtlich, dass diese Wesenheit, welche alle diese Bilder wahr-nimmt und das Bewusstsein hervorruft, nicht das Gehirn sein kann, das aus unbewussten Atomen besteht und aus Substanzen wie Wasser, Öl und Protein gebildet wird. 

Es muss ein Wesen jenseits des Gehirns geben

  • Wie können meine bewussten Gedanken und besonders die Freude, die ich am Sonnenlicht, an Bach oder Mozart und an sich schwach bewegenden Zweigen finde, physikalische Vorgänge sein, die in meinem Gehirn entstehen?
  • Wie könnte irgendeine Kombination elektrochemischer Vorgänge sich in meinem Gehirn zu den hunderten im Einklang mit der herrlichen Musik sich wiegenden Zweigen zusammenaddieren?
  • Wie kann irgendein Informationsverarbeitungsprozess in meinem Gehirn die feine Wärme des Sonnenlichts sein, das ich empfinde?
  • Wie kann sogar ein Vorgang in meinem Gehirn das gedankliche Bild einer anderen Informationsverarbeitung in meinem Gehirn sein?

Dies scheint unmöglich.

Es scheint, als ob die Ereignisse, die meine bewussten Gedanken und Erfahrungen sind, nicht die Vorgänge des Gehirns sein können, aber es muss etwas anderes sein, etwas, was durch Ereignisse im Gehirn verursacht oder hergestellt wurde, kein Zweifel, aber zusätzlich etwas, das aus etwas anderem besteht und an einem andern Ort existiert.

Menschen in einem Saal, die einem Redner aufmerksam zuhören, könnten denken, die Worte denen sie zuhören, kämen aus dem Mund des Redners und der Redner hält seinen Vortrag in der festen Überzeugung, dass das Publikum ihn hören kann. Jedoch ist die Wirklichkeit vollständig anders und ein außerordentliches Wunder findet statt, ein Wunder, das keiner der Anwesenden bemerkt.

In Wirklichkeit hält der Redner den Vortrag nur in der Einbildung seines Gehirns,

während die Zuhörer dem Vortrag wiederum nur in der Einbildung ihrer Gehirne zuhören. In der Tat erleben alle Menschen im Saal, die überzeugt sind, dass sie tatsächlich in diesem Saal sitzen, all diese Ereignisse nur in ihrem Gehirn, und es gibt ein Wesen im Gehirn jeder Einzelperson im Saal, welches die elektrischen Ströme als die Stimme des Redners hört, und dieses Wesen benötigt keine Ohren.

Man sollte nicht der Versuchung anheim fallen zu behaupten, dass die Augen im Gehirn Bilder hervorrufen.
Ein „Bild im Gehirn“ würde eine Art inneres Auge erforderlich machen um das Bild zu sehen – doch um das Bild dieses Auges sehen zu können, würde man ein weiteres Auge benötigen, und so müsste es weiter gehen in einer endlosen Folge von Augen und Bildern. Doch das ist absurd.

Dies ist der entscheidende Punkt, der die Materialisten, die nichts anderem als der Materie einen Realitätsanspruch zugestehen, in ein Dilemma stürzt. Wer ist es, dem das sehende „innere Auge“ gehört und der wahrnimmt, was es sieht und darauf reagiert?
Der Neurowissenschaftler Karl Pribram (1919 – 2015) beschreibt die Suche der Wissenschaft und der Philosophie nach der Identität des Wahrnehmenden:

Seit der griechischen Antike grübeln die Philosophen über den Geist in der Maschine, den kleinen Menschen im Menschen usw. Wo ist das Ich, die Entität, die das Gehirn benutzt? Wer ist es, der den Akt des Wissens vollzieht? Oder, wie der Heilige Franziskus von Assisi sagte: Wir halten Ausschau nach dem, was Ausschau hält.

Obgleich viele Menschen sich dieser Wirklichkeit annähern,

wenn sie die Frage beantworten, wer die Wesenheit ist, die sieht, zögern sie, all ihre Implikationen zu akzeptieren. Viele Bezeichnungen sind verwendet worden, um eine bewusste Existenz jenseits des Gehirns zu definieren. Aber die Menschen, die diese Begriffe verwendeten, konnten wegen ihrer materia-listischen Ansichten die wahre Natur dessen, der tatsächlich das Sehende, das Hörende ist, nicht erkennen.

Die einzige Quelle, die diese Frage beantwortet, ist die Religion, die Rückanbindung an unseren ureigensten Wesensgrund.
Religion darf nicht mit Konfession verwechselt werden. Jeder Mensch ist unterschiedslos und völlig gleichwertig religiös.

Das heißt, der Mensch hat außer seinem Körper noch eine andere Existenz. Diese Existenz, welche die Bilder innerhalb des Gehirns „sieht“, alle Töne innerhalb seines Gehirns „hört“, sich ihrer eigenen Existenz bewusst ist und sagt „Ich bin ich“, ist der göttliche Wesensgrund, die Urquelle des Menschen.

Der berühmte Philosoph und Nobelpreisträger Henri-Louis Bergson (1859 – 1941) sagt in seinem Buch „Materie und Gedächtnis“, dass „die Welt aus Bildern besteht, diese Bilder nur in unserem Bewusstsein existieren, und das Gehirn selbst eins dieser Bilder ist.

Der am 20. September 2009 im Alter von 88 Jahren verstorbene Jesuitenpater und Gandhi-Preisträger Professor Dr.Dr. Michael Windey hatte bei Bergson in Paris studiert und über seine Gedanken zu „Élan Vital“ promoviert. Mit Pater Windey, der über 60 Jahre in Indien gelebt und gewirkt hat, habe ich viel über Bergson gesprochen.

Wer ist es also, der diese Bilder in ihrer ganzen Wirklichkeit und Klarheit unserer Seele zeigt,

und uns ein Leben mit all diesen Wahrnehmungen und ohne irgendwelche Unterbrechungen führen lässt?

Wir sind nichts anderes als eine Ansammlung von Neuronen. Gleichzeitig ist die Neurologie bis jetzt ungewöhnlich unbefriedigend gewesen. Den Verstand mit Neuronen zu erklären hat uns nicht mehr Verständnis oder Nutzen gebracht, als den Verstand mit Quarks und Elektronen zu erklären.

Es gibt viele alternative reduktionistische Ansätze. Wir sind nichts anderes als Anpassungen, die durch natürliche Auswahl Form und Gestalt gewinnen. Wir sind nichts anderes eine Ansammlung von rechnenden Maschinen die für unterschiedliche Aufgaben vorgesehen sind.

Selbstverständlich sind diese Erklärungen alle unzureichend und sie sind definitiv nicht logisch. Selbst die fanatischsten Materialisten wissen das. So ist es denn nicht überraschend, dass Thomas Huxley, der große Fürsprecher von Charles Darwin an, dass Bewusstsein nicht durch die Interaktion von Neuronen erklärt werden kann:

„Wie kann so etwas Außergewöhnliches wie das Bewusstsein als Folge gegenseitiger Einflüsse von Nervengewebe entstehen? Das ist genau so unerklärlich wie das Erscheinen des Geists, als Aladin seine Wunderlampe rieb.“

Von der Zeit Huxleys bis heute hat sich die Tatsache,

dass das menschliche Bewusstsein durch Neuronen nicht erklärt werden kann, nicht geändert.
Doch der Grund dafür ist nicht die Unzulänglichkeit der wissenschaftlichen Erfindungen hinsichtlich dieses Themas. Im Gegenteil wurden gegen Ende des 20. Jahrhunderts im Bereich der Neurologie viele Entdeckungen gemacht, und viele Rätsel der Wissenschaft wurden gelöst.

Jedoch haben diese Ent-deckungen gezeigt, dass menschliches Bewusstsein nicht auf Materie zurück-geführt werden kann und dass es notwendig ist, nach einer Wirklichkeit jenseits der Materie zu suchen.

„Es ist erstaunlich, dass die Wissenschaft
auf dem falschen Weg erkennt,
dass sie gar nicht auf dem richtigen Weg ist.“
Hans-Peter Dürr

Der amerikanische Philosoph und Mathematiker, William A. Dembski, erklärt in seinem Artikel „Materie in Verstand Umwandeln“, dass die bio-chemische Funktion der Neuronen im menschlichen Gehirn inzwischen verstanden wurde und dass man weiß, welche geistigen Funktionen mit ihnen in Verbindung stehen, obgleich Eigenschaften wie Entschlusskraft, etwas wünschen oder logisches Denken nicht auf „Materie zurückgeführt werden können“. Dembski unterstreicht auch, dass man den Fehler des Reduktionismus begriffen habe.

  • Zu behaupten, dass die Gedanken, Aufregungen und Gefühle Produkte von Neuronen sind, ist dasselbe, wie zu behaupten, dass sie die Produkte bewusstseinsloser Atome sind, aus denen die Neuronen bestehen, oder die Produkte subatomarer Teilchen wie der Quarks oder Elektronen.
  • Bewusstseinslose Atome können das Gefühl des Glücks oder der Traurig-keit nicht wissen, und sie können an Musik, an Speisen, an einer Freund-schaft oder an einer Plauderei mit einem Freund nie Freude finden.
  • Bewusstseinslose Atome können keine Darwinisten oder Materialisten sein und sie können nicht zusammenkommen, um ein Buch zu schreiben.
  • Bewusstseinslose Atome können sich nicht selbst oder die Nervenzellen die sie bilden, unter einem Elektronenmikroskop untersuchen, und sie können nicht forschen und durch ihre Forschung wissenschaftliche Lösungen erreichen.
  • Was bedeutet die Erklärung „Das Bewusstsein ist in den Neuronen unseres Gehirns“?
    Neuronen bestehen genau wie andere Zellen aus der Zellmembran, Mitochondrien, DNS und Ribosomen. Wo liegt das Bewusst-sein in diesen Organellen entsprechend der materialistischen Auffassung?
    Wenn Materialisten annehmen, dass das Bewusstsein ein Resultat der chemischen Reaktionen zwischen den Neuronen und der elektrischen Impulse ist, irren sie sich, weil sie uns kein einziges Beispiel einer „chemischen Reaktion mit Bewusstsein“ zeigen können. Sie können uns auch keine elektrische Welle zeigen, die auf einem bestimmten Spannungsniveau zu „Denken“ beginnt.

Wenn Materialisten über diese Themen sorgfältig nachdenken,

werden sie begreifen, dass alle Menschen, sie selbst eingeschlossen sich von Neuronen-gruppen oder Ansammlungen von Atomen unterscheiden.
In dieser verwirrenden Materie des Universums gibt es etwas, das sich selbst wahrnehmen kann und sagt: Ich bin.

Roland-Ropers-Grafik-watchful-wisdom-walking21.03.2020
Roland R. Ropers
www.watchful-wisdom-walking.de

 


Über Roland R. RopersRoland-Ropers

Roland R. Ropers geb. 1945, Religionsphilosoph, spiritueller Sprachforscher,
Begründer der Etymosophie, Buchautor und Publizist,
autorisierter Kontemplationslehrer,
weltweite Seminar- und Vortragstätigkeit
www.KARDIOSOPHIE-NETWORK.org

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