Die Vermännlichung der Frau

frau mit unterlagen und handy im roten stuhl

weibliche-identitaet-frau-rose-young-girlDie Vermännlichung der Frau

Die Frage nach der weiblichen Identität ist eine der großen Fragen unseres Menschseins. Sie ist vielschichtig, komplex – und oft ganz anders, als wir uns dies gemeinhin vorstellen. Um den generellen Blickwinkel zu öffnen und dem Mysterium weibliche Identität näher zu kommen, Impulse anzubieten und Wege in eine neue, zeitgemäße Weiblichkeit aufzuzeigen, bietet die Autorin und Vortragende Leila Bust ihre langjährige Erfahrung an.

In der dreiteiligen Beitragsserie, die 2020 erscheint, lesen Sie zwei Schlüsselkapitel aus ihrem Buch „Weiblichkeit leben. Die Hinwendung zum Feminen“ (erschienen im Ellert & Richter Verlag, Hamburg 2012. Mittlerweile bereits in 4. Auflage aus 2016). Sie geben einen Überblick zu Grundzusammenhängen zur weiblichen Identität, die oft nicht oder zu wenig bekannt sind. Der erste Beitrag erschien im April 2020 und gibt einen Überblick zur Thematik.

Im zweiten Beitrag geht es um das durchaus heftig diskutierte Thema der Vermännlichung der Frau.

  • Warum orientierten sich Frauen so lange am Mann?
  • Welche Folgen ergaben sich dadurch für die Frau und für das Femine?
  • Wie wirkt sich diese Orientierung auf die Eigenwahrnehmung der Frau aus?
  • Welche Konsequenzen hat die Vermännlichung der Frau für Partnerschaften?
  • Wie kommt die Frau heraus aus dieser Falle?

Die Beiträge wurden mit der freundlichen Genehmigung des Elltert & Richter Verlags unverändert veröffentlicht. Es wurde lediglich eine optische Aufbereitung zur leichteren Lesbarkeit im Onlinemagazin vorgenommen.

Der 3. Beitrag wird dem Thema Gender und Weiblichkeit gewidmet sein und steht für sich alleine. Er erscheint im Dezember 2020.

Die Vermännlichung der Frau

Die Frauen haben in den 70er Jahren Einzug gehalten in die bis dahin männlich dominierte Gesellschaft. Mit ihrer kämpferischen Energie haben sie eine Bewegung initiiert, die auf der politischen Ebene per Gesetz die Gleichstellung der Frau garantieren sollte.

Mit Quotenregelung, Gleichstellungsgesetzen und öffentlich geförderten frauenspezifischen Angeboten haben sie dafür gesorgt, dass sich die Rolle der Frau in unserer Gesellschaft grundlegend verändert hat. Alte längst überholte Denkstrukturen und festgelegte geschlechtsspezifische Verhaltensweisen wurden hinterfragt und aufgelöst.

Die gesetzlich verankerte Gleichstellung der Frau führte dazu, dass sich eine Bewusstseinsveränderung unter Frauen wie auch Männern etablierte.

Bis Dato war die nicht hinterfragte klassische Rolle der Frau in der Regel auf die Reproduktion und Erziehung der Kinder und fürsorgliche ehrenamtliche Tätigkeiten ausgerichtet.

Die drei K´ s , die zur Identität jeder Frau gehörten, wie „Kirche, Küche, Kinder“ wurden allerdings abgelöst von den drei neuen K´ s: Karriere, Kampf und Kompromisslosigkeit.

Ihren vehementen Kampf fochten die Frauen mit den Waffen der Männer,

die sie zuvor im Mikrokosmos der Familie mit dem Vater erprobt hatten: Einsatz ihres messerscharfen Verstandes, fokussierte Willenskraft, Zielgerichtetheit und Schlagfertigkeit.

Damit etablierten sie die zuvor den Männern zugeschriebenen Qualitäten für die Frauenwelt.

Die Übernahme und Verinnerlichung der männlichen Werte verdrängte die klassisch weiblichen Eigenschaften wie Einfühlungsvermögen, Hingabefähigkeit und Harmoniebereitschaft.

Der gute Kontakt zum Körper, seinen Gefühlen und Sinneswahrnehmungen galt als mütterlich-weibliche Qualität und wurde gemeinsam mit der Mutter abgelehnt und abgespalten. Gefühle oder gar das Zeigen von Schwäche war den kämpferischen Frauen fremd und wurde als kampfuntauglich vermieden.

Die Ablehnung weiblicher Werte

Überhaupt war ihnen die komplette Frauenwelt, repräsentiert von der Mutter, zutiefst zuwider. Sie erlebten in ihren Müttern und Großmüttern Generationen, die in einer passiven Rolle fremdbestimmt vom Mann, sich willenlos in ihr Schicksal von Abhängigkeit und Bevormundung ergeben hatten.

Sie verurteilten die mütterlich-weibliche Welt als beschränkt, engstirnig und abhängig und lehnten es daher ab, an ihr zu partizipieren.

Mit der Abwehr der Mutter sowie der von ihr vorgelebten weiblichen Frauenwelt wurden auch all jene weiblichen Qualitäten verneint und verdrängt, die sich leise hinter ihren deformierten Formen verbargen. Der Frauenwelt mit ihren unkontrollierten Gefühlsduseleien und Dramen, den unergründlichen depressiven Verstimmungen sollte endgültig der K.O. Schlag versetzt werden.

Ratio war angesagt. Mit ihrem analytischen scharfen Verstand, ihrer ausgefeilten unschlagbaren Rhetorik stellten die Frauenrechtlerinnen manchen Politiker in den Schatten.

Sie fühlten sich als Mitglied der leistungsorientierten Männerwelt und waren vollkommen mit dem väterlich-männlichen Werten identifiziert, die da sind: Leistungswille, Selbstdisziplin, fokussierte Willenskraft, Vernunft gesteuertes erfolgsorientiertes Handeln. Frau stand allein und unabhängig ihren Mann in einer männlich dominierten Welt. Fortan verließen sie Schule und Universität mit den besten Abschlüssen und feilten mit schwarzen Hosenanzügen und Pömps an ihrer Karriere. Mit Selbstdisziplin und Leistungswillen bewältigten sie die Dreifachbelastung von Beruf, Kindererziehung und Haushalt. Da war für Gefühle, Entspannung oder gar Schwächen wenig Platz.

Die Frauenrechtlerinnen kämpften zwar somit für die Gleichstellung der Frau und erreichten große Erfolge, die wir heute selbstverständlich in Anspruch nehmen. Gleichzeitig haben sie mit der Disqualifizierung der weiblichen Werte und Qualitäten, diese fast gänzlich ausradiert.

Damit haben sie das Tor für die Leistungs-Töchter und Karrierefrauen geschaffen, die wir heute, in der nachemanzipatorischen Zeit, überwiegend unter Frauen finden. Sie setzen heute das Vermächtnis der Frauenbewegung, die Verdrängung des Weiblichen, fort.

Die Leistungs-Frauen, die wir mehrheitlich aufstrebend in der heutigen Gesellschaft finden, haben keine positive Selbstwertschätzung für Ihr Frausein und den weiblichen Qualitäten.

Sie sind ins Männerland gewechselt, auch wenn sie ideologisch, politisch und per Gesetz den Mann und alles Männliche abgelehnt und bekämpft haben so haben die Frauen doch für ihren Siegesfeldzug gegen Mann und Patriarchat die dafür erforderlichen männlichen Werte und Qualifikationen erworben

Doch für diesen Kampf um die Selbstbehauptung und Autonomie im Männerland zahlten Frauen einen hohen Preis.

Denn die Orientierung am Männlichen negiert das Weibliche in jeder Frau. Meiner Erfahrung nach sind die meisten Frauen nicht glücklich, wenn ihre eigene männliche Seite sich erfolgreich im Konkurrenzkampf gegen die Männer durchsetzt.

Eine tiefe, unerfüllte Sehnsucht nach Weiblichkeit, nach Hingabe und Harmonie, nach innerem Frieden, Verbundenheit und intensiven Gefühlen bleibt. Immer mehr erfolgreiche und autonome Frauen fühlen sich leer, ausgebrannt und einsam – trotz beruflicher Bestätigung und sozialer Kontakte. Ihre ursprünglich feminine Seite ist verkümmert. Dies zeigt sich in verschiedenen Aspekten.

1. Der vermännlichte Frauenkörper

Die Vermännlichung der Frauen zeigt sich zunächst sehr deutlich am Körper. Das Ideal der körperlichen Maße gleicht dem schlanken, kantigeren männlichen Körperbau als den eher rundlicheren weiblichen Formen mit vollem Busen, runden Bauch und auslandenden Hüften.

Die Titelseiten der Modezeitschriften mit den jungen, superschlanken Modells müssen jeder Frau, die es nicht schafft mittels Diäten, Fitness und Schönheitschirurgie diese Ideale zu erreichen, suggerieren, dass sie minderwertig, unattraktiv und nicht „up to date“ ist.

Diese Frauen haben ein eher funktionales, distanziertes Verhältnis zu ihrem Körper, was bisher eher dem Mann zugeschrieben wurde. Der Körper wird wie eine Maschine betrachtet, die zu laufen hat und der ertüchtigt wird, damit er gut funktioniert: beim Sport, für den Sex und zum Bewundern auf den vielfältigen Bühnen des Lebens.

  Hier fehlt die liebevolle Zuwendung und das Gefühl, den Körper von innen zu bewohnen, sich an seinen unterschiedlichen sinnlichen Körpersensationen zu erfreuen.

2. Mangelndes Körpergefühl

Sinnlichkeit im Sinne von intensivem Erleben aller Sinne ist eine zutiefst weibliche Qualität. Schmecken, riechen, fühlen und hören lässt alle Sinnesorgane sensibel werden.

Für die Öffnung der Sinne braucht es ein gutes Körpergefühl, denn sinnliche Wahrnehmung hat immer mit einem ausgeprägten Körperbewusstsein zu tun. Um intensiv zu fühlen, muss frau zunächst sensibel für ihren eigenen Körper werden, ihm Aufmerksamkeit schenken und ihn innerlich bewohnen.

Doch viele Frauen betrachten ihren eigenen Körper mit der männlichen Bewertungsbrille: ist er gesund, funktioniert er gut und wirkt er attraktiv für Männer? Das führt dazu, dass Frauen ein immer distanzierteres Gefühl für ihren Körper haben und ihn eher wie ein Werkzeug benutzen statt liebevoll in ihm zu wohnen.

Ein männlicher Umgang mit dem eigenen Körper entfremdet Frauen aber von sich selbst. Um den eigenen Körper wirklich zu fühlen muss Frau entweder krank werden oder braucht extreme Kicks. Meine Erfahrung ist, dass eine Frau sich nur dann weiblich und glücklich fühlt, wenn sie einen intensiven und liebevollen Zugang zu ihrem Körper hat.

3. Selbstkritik

Es wäre einmal interessant, könnten Frauen ihren eigenen kritischen Blick sehen, wenn sie morgens in den Spiegel schauen, um den kleinsten versteckten Makel zu entdecken. Kein Mann betrachtet eine Frau jemals so kritisch wie sie es selbst tut. Den meisten Männern fallen die kleinen Mängel, unter denen manche Frauen schon leiden gar nicht auf.

Wunderschöne Frauen kasteien sich täglich durch überkritische Blicke und einen leistungsorientierten Anspruch ihrem Körper gegenüber. So kritisch begutachtet vielleicht mein Partner sein Flugzeug zur Kontrolle vor dem Start, aber ich habe den Eindruck, dass er trotzdem seine Maschine liebevoller betrachtet als Frauen sich selbst.

Die distanzierte und harte Betrachtungsweise ihrem Körper gegenüber lässt auf die mangelnde Wertschätzung und Liebe dem eigenen weiblichen Körper und gegenüber schließen.

4. Funktionieren und organisieren

So wie der Körper funktionieren muss, unterliegt auch die übrige Lebensweise der Frau eher männlichen Prinzipien. Sowohl berufliche wie auch private Anforderungen werden mit männlichen Qualitäten wie Disziplin, Willensstärke und Durchsetzungsvermögen gemeistert.

Arbeitskollegen und Kolleginnen werden als Konkurrenten gesehen, die der Karriere im Weg stehen, und werden eiskalt mit dem Ellbogen ins Abseits versetzt. Fast die Hälfte aller Frauen in den Großstädten leben autonom und stehen ihre Frau ohne Mann – und oftmals mit Kind.

Sie sind fast ausschließlich damit beschäftigt zu tun, zu organisieren, zu funktionieren und zu managen. Bedingt durch die Doppelbelastung von Beruf und alleiniger Erziehung, die zunehmend von Frauen gewählt wird, fühlen sie sich bald chronisch überfordert, ausgebrannt und leer.

Hierbei bleibt das weibliche Prinzip, das sich im Miteinander sein, im Entspannen, im Spielen mit den Kindern, im Verweilen schöner Augenblicke zeigt, ziemlich auf der Strecke.

5. Trennung von Verstand und Gefühl

Die einseitige Förderung und Identifikation mit dem kritischen Verstand sorgt dafür, dass Frauen sich nicht mehr so leicht von Männern etwas weismachen lassen. Aber es fällt ihnen auch zunehmend schwerer sich für einen Mann zu begeistern und sich verführen zu lassen.

Ihr kritischer Verstand seziert jede seiner Bemerkungen, bewertet jede seiner Verhaltensweisen. Es fehlt die tolerante und großzügige Haltung, die auch einmal „fünfe gerade sein lassen kann“. Damit hält sie den Mann auf Distanz und sichert sich die Kontrolle im Kontakt mit ihm.

Solche Verhaltensweisen, die wir uns antrainiert haben, sind jedoch auf „Automatismus“ gestellt, sodass wir sie normaler Weise gar nicht wahrnehmen oder für selbstverständlich halten.
Die immer größer werdende Kluft zwischen Gefühl und Ratio, erschwert es ihr zunehmend, sich für jemanden zu entscheiden.

Einerseits möchten sie sich mit jemanden verbinden, andererseits werden sie von ihren bewertenden Gedanken terrorisiert. „Ich kann meinen Kopf nicht loslassen“ „Ich kann einfach nicht abschalten“ oder „Ich verliebe mich nicht mehr.“ sind typische Kommentare von Frauen mit zu viel männlicher Energie.

6. Frauen haben in Partnerschaften die Führung

Besonders drastisch aber zeigt sich die Vermännlichung von Frauen in Partnerschaft und Sexualität. Für viele Frauen ist es selbstverständlich, dass sie „die Hosen anhat“ und zwar bei Tag und bei Nacht. Sehr humorvoll wird dies in dem Ein-Frauen-Theaterstück „Cave-woman“ dargestellt.

Sagt der Freund zur Frau: “Na, in deiner Beziehung hast du doch auch die Hosen an.
Entgegnet sie:Na und, wenn sie mir doch passen.“

Diesen Standpunkt vertreten viele Frauen, für die es selbstverständlich ist, dass sie Entscheidungen für beide trifft. Mit dem Argument, dass Mann sich sowieso nicht dafür interessiert oder er kein Engagement zeigt, richtet sie die gemeinsame Wohnung oder Haus ein, plant den nächsten gemeinsamen Urlaub, lädt die Freunde zur Eröffnungsparty ein und nötigt ihm beim gemeinsamen Einkauf eine Stil- und Farbberatung auf, ob er das will oder nicht.

Mit großer Selbstverständlichkeit und Disziplin organisiert sie das gemeinsame Alltagsleben und wundert sich irgendwann, dass der Mann sich immer mehr zurückzieht. Hier geht alles nach ihren Vorstellungen, nach ihren Plänen. Den Mann wundert das nicht, denn er kennt das ja bereits aus seiner Kindheitsstube.

Es fühlt sich dann für ihn auch vollkommen normal an, wenn er sich ihrem Willen fügt und anpasst. Denn er hat ja bereits von Kindesbeinen an bei der dominanten Mutter und dem nicht anwesenden Vater gelernt, dass die Mama-Frau das Sagen hat und er um des lieben Friedens willen lieber schweigt und klein beigibt.

Er bringt sich dafür mit seinen weiblichen Qualitäten ein, sorgt dafür, dass die gemeinsame Zeit harmonisch verläuft, sorgt für Entspannung und Spiel, hört ihr zu, wenn sie von ihrem gestressten Alltag erzählt und sucht sie mit seinen Zärtlichkeiten milde zu stimmen.

Das wäre ja eine Arbeitsteilung, mit der beide glücklich bis an ihr Lebensende sich arrangieren könnten, wenn es nicht die Unzufriedenheit der Frau gäbe, die sich einen großen, starken Mann gewünscht hat, der ihr einen Teil der Aufgaben und Verantwortung abnimmt , ein Mann, der ihr gewachsen ist und ihr auch mal Parodie zeigt und keinen kleinen Jungen.

Dass auch die Frau mit ihrem Mann das Drama ihrer Kindheitsstube mit ihrem schwachen oder permanent abwesenden Vater auf die aktuelle Bühne ihrer Partnerschaft holt, versteht sie meist zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Dieses aktuelle leidige Frauenthema wird auf herzerfrischender Weise in vielen Frauenbüchern selbstironisch dargestellt – jedoch ohne Alternative , wie es anders gehen kann.

7. Die Betaisierung des Mannes

In meine therapeutische Praxis kommen in den letzten Jahren immer mehr Frauen, die die emotionale Abhängigkeit ihrer Männer beklagen oder auch ihre tendenzielle Lustlosigkeit. Dabei haben sich Frauen ja genau diese Männer ausgesucht.

In Ländern wie Deutschland, Belgien oder Schweden, mit einer hohen Lebenserwartung und guter Gesundheit punkten Männer mit femininen Aussehen und Eigenschaften. Sind Frauen dazu noch beruflich erfolgreich und ökonomisch unabhängig, bevorzugen sie femininere Männer für eine Partnerschaft.

Immerhin noch 59% der deutschen Frauen wählen eher die Weichspülvariante unter den Männern, verspricht er ihnen doch mehr Verständnis, scheint er kommunikativer und für Familie und Kinder aufgeschlossener und kooperativer.

Doch auch wenn Frau zunächst auf den klassischen erfolgreichen Macho mit schmalen Lippen, vorgestrecktem Kinn und arroganter Haltung steht, sorgt sie im Laufe der Partnerschaft dafür,

dass sie ihren anfänglichen Alphamann betaisiert, damit er ehe- und familientauglich wird.

Dies erreicht sie mit verschiedenen, meist unbewussten „Erziehungsmassnahmen“: totale Kontrolle über ihn und seine Kontakte, Einfordern von Rechenschaftsberichten, emotionale Dramen, um seine Aufmerksamkeit zu fixieren, Wecken von Schuld- und Schamgefühlen, Manipulation, Liebes- und Sexentzug etc.

Sie wird immer mehr zur dominanten Mutter, die ihn lobt oder bestraft und er hat gelernt sich ihren Launen anzupassen. Sie bestimmt, wie die Atmosphäre zu Hause ist. Sie bestimmt, wie viel Nähe oder Distanz zwischen ihnen ist. Und sie bestimmt wann sie Sex haben, nicht er. In Auseinandersetzungen fühlt er sich meist als der Verlierer und sie belasten ihn weit mehr als seine Partnerin.

Je mehr eine Frau aber in die dominante Rolle schlüpft, um so mehr verliert sie den Zugang zur eigenen Weiblichkeit.

Sie macht den Mann zum weinerlichen, abhängigen Jungen – zu emotional, zu weich und verwässert. Sie dagegen verhärtet und vertrocknet dabei.

Die Vorgehensweisen der Betaisierung des Partners sind individuell, aber jede Frau beherrscht sie, ob bewusst oder unbewusst. Das hat allerdings schwerwiegende Nebeneffekte: der Partner wird respektlos oder im besten Fall mitleidig behandelt, seine Attraktivität sinkt unter 0. Da muss dann irgendwann ein neuer und aufregender Alpha-Mann her.

8. Vermännlichte Sexualität

Die meisten Frauen leiden in ihrer Sexualität unter der nicht entdeckten Weiblichkeit. Viele Frauen kommen in die Sexualberatung oder ins Frauenseminar mit der Klage, dass sie keinen oder nur schwer einen Orgasmus bekommen können.

Sie liefern auch meist gleich die Ursache hierfür mit: „ich kann mich nicht fallen lassen; ich kann nicht die Kontrolle aufgeben“.

Die Fähigkeit orgasmisch zu sein, setzt tatsächlich viele weibliche Qualitäten voraus, die frau dann neu entdecken und entwickeln darf: die Fähigkeit ganz im eigenen Körper präsent zu sein und diesen von innen zu fühlen, die Fähigkeit, sich mit den körperlichen Empfindungen sowie mit dem Partner verbinden zu können.

Zu lernen, ganz in den Augenblick hinein zu entspannen und die Kontrolle der Gedanken zugunsten des Fühlens aufgeben zu können. Nicht damit beschäftigt zu sein, in welchen Stellungen frau besonders vorteilhaft zur Geltung kommt, sondern die verschiedenen Körpergefühle lustvoll und frei ausdrücken zu dürfen.

Der lieblose Umgang mit dem eigenen Körper degradiert vor allem bei jungen Frauen die Selbstliebe zu einem lieblosen „Masturbieren“, wie sie es auch von Männern kennen: ein zielgerichtetes Erzeugen eines klitorialen Orgasmus mittels Brausekopf, Vibrator oder.

Der Körper wird hierbei überhaupt nicht mehr liebevoll berührt, stattdessen wird in Minuten Schnelle Druck abgelassen – als Stressabbau oder zum Einschlafen. Einen vaginalen oder gar einen Ganzkörperorgasmus kennen nur wenige Frauen, denn das braucht Vertrauen und Hingabe im Sex – an den Partner, aber vor allem an sich selbst als Frau.

Von einer erfüllenden weiblichen Sexualität sind meiner Erfahrung nach die allermeisten Frauen meilenweit entfernt. Note „befriedigend“ im Sinne von gegenseitiger Bedürfnisbefriedigung reicht den meisten aus – dabei liegt unendlich viel unentdecktes und ekstatisches, ja sogar heilendes Potenzial in der Kraft der weiblichen Sexualität.

9. Somatische Krankheitssymptome

Frauen entwickeln das männliche Feuer in sich: Eroberung, Abenteuer, Kampf und Schnelligkeit. Doch zu viel inneres (und auch äußeres) Feuer führt zum „Burn out“ – wie der Name schon sagt.
Das weibliche, ausgleichende Element ist das Wasser: es fließt, passt sich an und spiegelt die Umwelt wieder. Es passt sich dem Untergrund an ohne sich selbst zu verlieren. Es harmonisiert und verbindet.

Wenn das feminine Wasserelement fehlt, dann kann die Energie nicht mehr frei fließen, sie staut sich im Körper der Frau. Die Folgen davon sind diverse Krankheitssymptome wie Geschwüre oder Krebs.
Eine Überlastung, zu viel Kontrolle und Verantwortung führt zu Rückenproblemen und Bandscheibenvorfällen.

All diese Krankheiten nehmen bei Frauen zu. Sie zeigen bei den Betroffenen ein hohes Leistungspotenzial bei geringem Selbstwertgefühl. Doch die innere Harmonie und das Gleichgewicht fehlt, die permanente Anspannung und Kontrolle in Beruf, Partnerschaft, Kindererziehung und selbst im Sex fordert ihren Preis.

10. Beruf statt Mutterschaft

Frauen in Deutschland fällt die Entscheidung für ein Kind zunehmend schwer, wie der Rückgang der Geburtenzahlen belegt. Bereits 2011 (als ich mein Buch „Weiblichkeit leben“ schrieb, belegte der Focus (Nr. 28/11) laut eigener Umfrage, dass mehr als vierzig Prozent der deutschen Frauen im Alter von 25 bis 49 Jahren in einem kinderlosen Haushalt leben.

Dafür mag sicherlich zum einen der äußere Faktor verantwortlich sein, dass es noch immer nicht genügend Kindertagesstätten gibt. Aber auch die Sorge, beruflich nicht wieder den Anschluss zu finden, bzw. der beruflichen Karriere damit zu schaden, lässt Frauen zögern, in Mutterschaft zu gehen.

Ein weiterer tieferer Grund dafür liegt jedoch meines Erachtens im Verständnis von der gesellschaftlichen Rolle der Frau, bzw. vom Status der Mutter.

Die beruflichen Ambitionen sowie alle anderen legitimen Interessen müssen demnach hinter der Fürsorge für das Kind zurücktreten. Seit die Mutterschaft aber bei deutschen Frauen nicht mehr als Inbegriff des weibliches Lebens gilt, erleben Frauen den Konflikt zwischen Kind und dem eigenen Leben als Frau, die manche in die Zerreisprobe führt.

Auch der hohe Grad an Individualismus und das Streben nach Selbstverwirklichung machen die Mutterschaft für Frauen nicht unbedingt attraktiv. Denn die damit verbundenen Werte der Freiheit und Unabhängigkeit stehen in starkem Widerspruch zu den Anforderungen eines Kindes.

Die bisherige Sorge um sich selbst muss der Fürsorge für ein anderes Wesen weichen und die Freiheit, zu tun, was frau will, zugunsten der Hingabe aufgegeben werden.

Die Qualitäten der Mutterschaft erscheinen vielen erst einmal als ein Widerspruch, zu dem, was sie zuvor entwickelt haben und ihnen wichtig war. Geduld, Langsamkeit, Abhängigkeit, Fürsorge, Einfühlungsvermögen und Hingabe, sind keine Attribute, die Frau wertschätzt, da sie in unserer Gesellschaft wenig Anerkennung finden und für das berufliche Fortkommen wenig sinnvoll und nützlich erscheinen.

Diesen tieferen Grund habe ich immer wieder in Gesprächen mit Frauen heraus gehört, die mit dem ersten Kind zu Hause geblieben sind und den Rückeinstieg ins Berufsleben immer wieder hinaus gezögert oder ganz abgelehnt haben: Ihnen fehlte die Flexibilität zu den Attributen und Verhaltensanforderungen des Berufslebens zurückzukehren.

Er spielt auch eine Rolle bei Frauen, die bewusst auf Kinder verzichtet haben, weil sie erforderlichen Qualitäten dafür für sich ablehnen und sie als hinderlich für ihr Frausein als auch ihrer beruflichen Karriere hielten. Mutterschaft und die damit verbundene Lebensart ist für das moderne Frausein schwer integrierbar.

Doch allein die Veranlagung zur Mutterschaft, fordert jede Frau heraus, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen und damit einen eigenen Standpunkt und Umgang zu finden.

13.09.2020
Astrid Leila Bust
Autorin, Dipl. Religionspädagogin, Systemische Paar- und Sexualtherapeutin


Astrid Leila BustAstrid-Leila-Bust

ist Dipl. Religionspädagogin und Systemische Paar- und Sexualtherapeutin. Sie entwickelte und leitet die Dakini Frauentrainings.
Zusammen mit Bjørn Thorsten Leimbach konzipierte und leitet sie seit 1995 Partnerschaftsseminare sowie das „Liebes- und Beziehungstraining“.

www.weiblichkeit-leben.de


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13.09.2020
Astrid Leila Bust
Autorin, Dipl. Religionspädagogin, Systemische Paar- und Sexualtherapeutin

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