Was macht den Mensch zum Menschen?

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Was macht den Menschen zum Menschen mann frauWas macht den Mensch zum Menschen?

Wir haben es so gelernt: Der Mensch ist erst Mensch, wenn er „kultiviert“ ist und nicht mehr „wild“, wenn er „zivilisiert“ ist. Der Zivilisierte ist der Städter, der Bürger nämlich, der in einer ummauerten Menschensiedlung lebt, abgetrennt von der „wilden Natur“. Doch was macht den Mensch zum Menschen? Es ist seine Sprache und sein Lachen, das ihn vom Tier – oder besser gesagt, von anderen Tieren – unterscheidet. Doch wo hat er das Lachen und die Sprache gelernt? In der Stadt?

Wir wissen es von den „Wilden“, von ursprünglichen Kulturen, dass sie sprechen können (und in sehr hochentwickelten Sprachen!), und lachen können sie auch! Und beides konnten auch unsere Vorfahren, noch bevor sie Städte gründeten.

Es ist die wilde Natur, die uns beides gelehrt hat: das Lachen und die Sprache. In beiden Wörtern steckt die Silbe „ach“, die auch in „Aache“, „Bach“ und „Lache“ verkommt. Es ist die Ursilbe für Wasser, und das wiederum ist die Grundlage des Lebens.

Lauschen wir auf unsere Sprache:

Es rascheln die Blätter.
Es rauscht der Wasserfall.
Es plätschert der Bach, er gurgelt und murmelt.
Welche Wörter fallen Ihnen noch ein?
Und hat uns nicht alle diese Wörter der Bach gelehrt?
Haben wir sie nicht ihm abgelauscht?

Jacques Perrin, Regisseur von „Nomaden der Lüfte“ sagte 2002 in einem SPIEGEL-Interview: „Es gibt nichts Unmenschlicheres als eine Welt, in der es  nur noch Menschen gäbe.“

Wenn wir uns vor Augen halten, dass das, was uns zum Menschen macht, aus dem Wechselspiel mit der natürlichen „wilden“ Welt erwachsen ist, und wenn wir uns dieses Menschliche bewahren wollen, dann müssen wir die Frage, was „menschlich“, was „human“ ist, ganz neu und ganz anders stellen.

Die Politik kann auf diese Frage keine Antwort geben; schon das Wort verweist auf die Stadt (polis). Aus dem ummauerten, nur von Menschen bevölkerten Raum sehen und empfinden wir nicht mehr, was uns eigentlich menschlich macht: das Einbezogensein in das große Netzwerk des Lebendigen.

thompson-wilde-seeleDenn wir sind Teil davon und tragen zugleich alle Teile in uns.
Das vermittelt mit vielen praktischen Übungen Mary Reynolds Thompson in ihrem kürzlich erschienen Buch:
Der Ruf der wilden Seele“.

Andreas Lentz

11. Februar 2018

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11.02.2018
Andreas Lentz
Neue-Erde Verleger 

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Andreas Lentz,
… Nach bewegten Jahren in der Alternativ- und Hippiebewegung, gründete er 1979 eine Familie und 1984 seinen Neue Erde-Verlag. Seitdem bringt er Bücher heraus, und hin und wieder übersetzt er eines, ist aber auch als Verlagsvertreter im Buchhandel unterwegs. … [weiterlesen…]

1 Kommentar

  1. Danke für den schönen Artikel. Mich hat der Satz
    “Jacques Perrin, Regisseur von „Nomaden der Lüfte“ sagte 2002 in einem SPIEGEL-Interview: „Es gibt nichts Unmenschlicheres als eine Welt, in der es nur noch Menschen gäbe.“ ”
    echt “erwischt”. Das, was er bedeutet / impliziert, beschäftigt mich und macht mich echt betroffen.

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