Wege zum Ich sind Wege zum Wir!

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freunde-wege-ich-wir-hotWege zum Ich sind Wege zum Wir!

Erinnern Sie sich einmal an eine Situation, in der Sie sich mächtig über irgendetwas oder irgendjemanden aufgeregt haben. Das mag bereits eine ganze Weile zurückliegen oder erst gestern gewesen sein.
Lassen Sie Ihre Gedanken noch einmal tief eintauchen in das, was Sie in dem Moment erlebt haben. Lassen Sie dabei so viele Details wie möglich vor Ihrem inneren Auge erscheinen. Und fühlen Sie noch einmal, was Sie in dem Moment gefühlt haben. Versuchen Sie sich genau an den Kontext zu erinnern, in den Ihr Ärger eingebettet war. Wie ging es Ihnen körperlich? Hatten Sie vielleicht Schmerzen? Haben Sie gefroren oder hatten Sie Hunger? War Ihnen die Umgebung unangenehm? Waren Sie innerlich mit Ängsten oder ungelösten Problemen befasst? Hatten Sie bereits so viel „eingesteckt“ und „heruntergeschluckt“, dass diese Situation das Fass nun endgültig zum Überlaufen gebracht hat?

Je genauer es Ihnen gelungen ist, diese Begebenheit noch einmal aus der Distanz heraus zu beobachten, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie einen Eindruck von der Vielschichtigkeit der Situation bekommen haben. Ihr Ärger ist nicht isoliert zu betrachten. Er steht nicht für sich allein. Vielmehr ist er ein Aspekt in einem Gesamtkontext, der es erst ermöglicht hat, dass Ärger überhaupt entstehen konnte. Irgendein Unbehagen, irgendeine innere Zerrissenheit war schon da, bevor der Ärger auf den Plan getreten ist. Sie waren nicht „in Ihrer Mitte“. Sie fühlten sich nicht „in Balance“. Sie „standen etwas neben sich“. Sie „waren nicht ganz auf der Höhe“.

All diese Redewendungen tragen die Weisheit eines Phänomens in sich, das unsere Erfahrung von dem, was wir als „mein Leben“ bezeichnen, entscheidend mitprägt:

Unsere Welt da drinnen bestimmt maßgeblich, wie wir die Welt da draußen wahrnehmen. Und unsere Innenwelt bestimmt nicht nur unsere Wahrnehmung von dem, was wir erfahren, sondern sie ist auch maßgeblich daran beteiligt, wie wir mit dem umgehen, was wir erleben. Reagieren wir nur und lassen uns dadurch von den äußeren Umständen fremdbestimmen? Oder halten wir die Zügel selbst in der Hand und wählen wir unser Handeln auf bewusste Weise aus?

Jetzt noch einmal zurück zu der Situation, in die Sie sich soeben hineinversetzt haben. Haben Sie den Ärger bewusst gewählt? Oder fühlten Sie sich eher wie fremdbestimmt und hatten das Gefühl, einfach nicht anders zu können, als so zu reagieren? Im ersten Fall der bewussten Wahl, ärgerlich zu sein, dürften Sie sich in Ihrer Kraft gefühlt haben. Es sollte kein bitterer Nachgeschmack gefolgt sein, sondern Sie wussten genau, was Sie taten und finden diesen vielleicht „heiligen Zorn“ auch genau richtig. Im zweiten Fall des unbewussten „Nicht-anders-Könnens“ werden Sie sich der Situation vermutlich ausgeliefert gefühlt haben. Dann ist der Eindruck von (persönlicher) Schwäche vorherrschend. Vielleicht tat es Ihnen im Nachhinein auch sehr leid, dass Sie so viel Ärger versprüht haben.

Und genau hier liegt der Unterschied zwischen einer bewussten und einer unbewussten Lebensführung, die entweder die Erfahrung der Stärke oder die Erfahrung der Schwäche beschert:

Wenn wir in unserem Inneren Ordnung geschaffen haben, wenn wir mit unseren angenehmen und unseren unangenehmen Gefühlen umgehen können, wenn wir über einen Werkzeugkasten an Möglichkeiten verfügen, um Schwankungen in unserem Wohlbefinden möglichst schnell und effektiv ausgleichen zu können, wenn wir mit unserem eigenen Licht ebenso wie mit unserem Schatten umzugehen wissen, wenn wir also kompetent im Umgang mit uns selbst sind, dann bringen wir diese Ordnung, die Balance, diese Klarheit und die daraus resultierende Ruhe auch in unsere Außenweilt ein.

Ein Mensch, der hingegen permanent damit beschäftigt ist, die eigenen inneren Baustellen so zu stabilisieren, dass die baufälligen Gerüste nicht in sich zusammenfallen, wird früher oder später immer wieder an den Punkt kommen, an dem alles einstürzt und sich dieses innere Chaos auch nach außen Bahn bricht. Wir haben die Wahl, zu welcher Kategorie Mensch wir gehören möchten. Jede und jeder von uns hat das selbst in der Hand!

Die verschiedenen Voraussetzungen, auf denen unsere Wahl fußt, mögen unterschiedlich hilfreich sein, sodass der eine vielleicht schneller Ordnung schaffen kann, als der andere. Das aber darf nicht der Grund für eine Ausrede sein, sich gar nicht erst auf den Weg zu machen. Jede und jeder von uns bringt alles dafür mit, was im Einzelfall gebraucht wird, um die eigenen Wege zum Ich zu gehen. Und diese Wege dürfen Suchbewegungen sein. Wir dürfen auf ihnen laufen, schleichen, tanzen, hinfallen, wieder aufstehen und pausieren, ja unser Fortkommen auf unsere ganz eigene Weise abstimmen. Wichtig ist nur, dass wir den nächsten Schritt machen … und dann wieder den nächsten Schritt …

Ganz zu Beginn dieser Wege zum Ich steht der allererste Schritt.

Dass es lohnenswert ist, diesen ersten Schritt auch wirklich zu unternehmen, hat nicht nur etwas mit uns allein zu tun. Es hat mit jedem Lebewesen und jedem Gegenstand zu tun, die uns auf unseren Wegen zum Ich begegnen. Denn, wenn wir Frieden, Liebe, Mitgefühl, Ausgeglichenheit, Lebensfreude, ja Glückseligkeit in uns aussähen und heranwachsen lassen, ernten nicht nur wir selbst die Früchte, sondern es profitieren auch andere davon. Vor diesem Hintergrund sind Wege zum Ich also ein Dienst an der Menschheit. Aus unserer eigenen Stärke heraus entwickeln wir die Kraft, zu dienen. Wir können es als einen Dienst am Nächsten verstehen, wenn wir bei uns selbst, in unserem Inneren, anfangen, die Welt zu verändern, statt (nur) außen nach Lösungen zu suchen. Darin liegt der Königsweg: Zuerst schaffen wir in unserem eigenen Leben mehr von allem Schönen, Guten und Wahren. Dann, im zweiten Schritt, weisen diese Qualitäten über sich selbst hinaus und bereichern auch andere.

Machen wir uns also klar:

Wer (noch) mit dem Finger auf andere zeigt, wer meint, dass sich erst „die“ Politiker, „die“ Führungs- und Funktionseliten, „die“ Unternehmer, ja „die“ anderen bewegen müssten, damit sich endlich etwas ändert, hat (noch) nicht erkannt, dass der erste Schritt, etwas „da draußen“ zu verändern, im eigenen Leben, im eigenen Inneren, beginnt.
Jede und jeder Einzelne hat vielleicht nicht das Geschick der Welt in der Hand. Aber das ist auch gar nicht nötig. Denn, ist es nicht so, dass wir alle genug damit zu tun haben, erst einmal das zu bewältigen, was wir tatsächlich in der Hand haben? Die vermeintlich so kleinen Alltagsentscheidungen, die wir im Verlauf eines einzigen Tages viele, viele Male treffen, sind es, die dieser Welt ihr Gesicht geben. Wie wir mit uns selbst umgehen, so gehen wir auch mit unseren Mitmenschen sowie mit anderen Lebewesen und auch Gegenständen um, mit der Welt also, die uns als Lebensraum geschenkt wurde, ja mit dem Leben als Ganzes.

Wie also können Sie konkret vorgehen, um dem auf die Spur zu kommen, was in Ihrem Inneren noch Unruhe stiftet? Sie können sich nach und nach, Schritt für Schritt über „Sollbruchstellen“ im eigenen System bewusstwerden und erforschen, wie sich an diesen Stellen für mehr Ausgeglichenheit sorgen lässt.

Hier sind einige Anregungen für hilfreiche Fragen, denen Sie dabei nachspüren können:

  • Wie (er-) nähre ich meinen Körper?
  • Durch was halte ich meinen Körper beweglich und fit?
  • Sorge ich für ausreichend Entspannung und Stressabbau?
  • Habe ich vornehmlich positive, stärkende Gedanken oder sind sie negativ und schwächend?
  • Wie gut kann ich mit meinen Emotionen und Gefühlen umgehen, sodass sie mir und anderen dienen, statt Schaden anzurichten?
  • Mit welchem Wissen „füttere“ ich meinen Geist und trägt dieses Wissen zu (innerer) Ausgeglichenheit bei oder zu Unruhe und Sorge?
  • Sind die Erfahrungen, die ich bereits gemacht habe, mir zu einer kostbaren Schatztruhe geworden, die Schätze der Weisheit birgt, oder trage ich schwer an den Lasten dessen, was anders gelaufen ist, als ich es gern gehabt hätte?
  • Wie sehr spüre ich mich eigentlich selbst körperlich, geistig und seelisch?
  • Und was ist die Vision von meinem persönlichen Leben und von dieser Welt, zu dessen Verwirklichung ich durch meine Fähigkeiten und mein Sein einen Beitrag leisten möchte?

Wenn wir uns allein diesen Fragen wahrhaftig und konsequent stellen, bewusste Entscheidungen dazu treffen, wie wir sie ab jetzt in unserem eigenen Leben durch unser Fühlen, Denken und Handeln beantworten wollen und konsequent in die Umsetzung gehen, dann leisten wir einen wertvollen und unersetzlichen(!) Beitrag dazu, dass sich diese Erde wandelt. Dieser Beitrag ist deshalb unersetzlich, weil niemand anderes unseren ganz eigenen Lebensweg gehen kann. Das ist unser eigenes Privileg und ja, auch unsere eigene Bürde.

Es hängt viel an der bewussten Entscheidung dahingehend, inwiefern wir uns dieser Tatsache beherzt stellen.

Es hängen zunächst unser eigenes Glück, unsere Zufriedenheit, unsere Erfüllung daran.

Von der Qualität unseres eigenen Lebens hängt in der Folge wiederum ab, was wir den Menschen zu geben haben, die mit uns in direkten Kontakt kommen. Tragen wir Samen der Liebe in uns, säen wir sie aus. Tragen wir Samen der Angst in uns, säen wir auch diese aus. Und diejenigen, die dann mit unseren Samen von Dannen ziehen, wErden sie wieder an andere weitergeben und diese weitergegebenen Samen werden ebenfalls erblühen … über die ganze Erde hinweg. Kultivieren wir Dankbarkeit, Gelassenheit, Vergebung, Verantwortung, Heilung, Potenzialentfaltung, Kraft, Authentizität, Geborgenheit, Ruhe, Erkenntnis und Spiritualität in unserem Leben, werden sich diese Qualitäten unseres Menschseins auch außen zeigen.

Konzentrieren wir uns also zuerst auf unsere eigenen, ganz individuellen, einzigartigen und unübertragbaren Wege zum Ich, ganz nach dem Motto:

„Geh deinen Weg, sonst geht ihn keiner!“
Entwickeln wir selbst auf bewusste und liebevolle Weise das, was in unseren eigenen Händen liegt. Gehen wir dann mit all den wunderbaren Qualitäten unseres Menschseins zuerst in unser ganz direktes Umfeld und säen wir Samen dessen, was wir in dieser Welt zur Verwirklichung bringen wollen. Vertrauen wir dann darauf, dass diese Welt sich wandelt, mögen unsere Samen auch als noch so klein erscheinen. Mit den Samen der anderen gemeinsam, die auch ihre Qualitäten zum Erblühen bringen, können wir es schaffen, unsere Wege zum Wir so zu gehen, dass diese Erde zu einem Lebensraum für uns alle werden kann, von der wir bisher vielleicht nur zu träumen gewagt hätten. Denn:

WIE SIEHT EINE ERDE AUS, AUF DER WIR …

… die Fülle des Lebens dankbar ehren und uns großzügig in den Kreislauf aus Geben und Empfangen einbringen?
… den Lauf der Dinge gelassen annehmen, weil wir wissen, dass das Leben Gnade ist und seiner guten Ordnung folgt?
… gütig auf uns selbst, andere und das Leben blicken und die Fesseln der Vergangenheit durch Vergebung auflösen?
… uns voller Vertrauen dem Leben zuwenden und in Herausforderungen unsere eigene Verantwortung annehmen?

WIE SIEHT EINE ERDE AUS, AUF DER WIR …

… unsere Ganzheit mit all ihren Facetten vollends akzeptieren, sie lieben und unser Menschsein darin heilen lassen?
… freudvoll unsere individuellen Potenziale entdecken und entfalten, um unserem eigenen inneren Ruf zu folgen?
… mit bedingungsloser Liebe Ängste überwinden und die persönlichen Kräfte in uns selbst und anderen aufwecken?
authentisch sind und die kleinen Freiheiten des Alltags nutzen, um sie in die große Freiheit aller münden zu lassen?

WIE SIEHT EINE ERDE AUS, AUF DER WIR …

… unser äußeres Leben mit unserem Inneren in Harmonie gebracht und Geborgenheit in uns selbst gefunden haben?
… zum inneren und äußeren Frieden beitragen, weil wir in uns selbst und im gegenwärtigen Moment ruhen können?
… unsere Würde zwischen Himmel und Erde entfalten, weil wir uns selbst in unserem Menschsein erkannt haben?
… uns unserer Verbundenheit mit allem Sein bewusst werden, weil wir uns unserer spirituellen Dimension öffnen?

(Auszug aus Dr. Wiebke-Lena Laufer: Wege zum Ich. Klar, selbstbestimmt und kraftvoll leben, jkamphausen, Bielefeld 2019, S. 268 f.)


Zur Vertiefung schauen Sie in das Kapitel
„Gemeinsam statt einsam“ hinein:Cover-wege-zum-ich-wiebke-lena-laufer-Kamphausen-1

Dr. Wiebke-Lena Laufer:
Wege zum Ich.
Klar, selbstbestimmt und kraftvoll leben,
jkamphausen, Bielefeld 2019,
S. 255-271.

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18.04.2021
Dr. Wiebke-Lena Laufer
Trainerin – Rednerin – Autorin
www.wiebkelenalaufer.com

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Kamphausen-Wiebke-Lena-LauferDr. Wiebke-Lena Laufer

ist promovierte Theologin und Mediatorin mit dem Schwerpunkt Wirtschaft. Als Trainerin und Rednerin gibt sie Menschen Impulse, die noch erfolgreicher darin sein möchten, ihr Leben und Business authentisch und selbstbestimmt zu führen. Ein Grundsatz Ihres Lebens und Ihrer Arbeit lautet:
Erscheine jeden einzelnen Tag auf der Übungsmatte des Lebens …
… und dann tanze mit dem Leben!
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