Globalisierte Stille – Ostern 2020

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Globalisierte Stille-wolken-springen-schlucht-cloudsGlobalisierte Stille
Ostern 2020

Und so lang du das nicht hast, dieses Stirb und Werde, bist du nur ein trüber Gast auf der dunklen Erde.
(J.W. von Goethe – „West-Östlicher Diwan – Buch des Sängers)

Seit einigen Wochen hat die überwältigende Kraft der Natur den Planeten Erde in eine einzigartige Stille verwandelt, in ein „Globales Retreat Center“, wo der Mensch plötzlich mit einer ungewohnten Leere konfrontiert wird, die ihn möglicherweise und hoffentlich zu einer neuen Fülle des Lebens verwandeln wird. Bestehende Systeme und Strukturen brechen weltweit gleichzeitig zusammen. Etwas völlig Neues ist im Werden.

„Ihr sollt das Leben in Fülle haben!“ (Johannes 10,10).

Die gesamte Schöpfung ist Licht und Finsternis zugleich, besser gesagt, weder Licht noch Finsternis.

Die mystische Erfahrung ist eine Wahrnehmung der Wirklichkeit von allem, was ist, in der es keinen Unterschied zwischen Licht und Dunkel gibt.
Die Schöpfung in ihrer Fülle ist ewig jung und neu.
Ihre Werke sind immer großartig, und die Welt erwacht jeden Morgen wie neu erschaffen durch sie. Dieser unermesslich kostbare Schatz und Urgrund in uns selbst, ist die einzige Liebe, die nicht alt wird, nicht untreu wird, niemals stirbt.

Die Welt ist nur ein Abbild. Bilder auf den Wänden einer Höhle, wie Platon sagt, oder Bilder auf der Kinoleinwand. Die Leinwand selbst, die Wirklichkeit, bleibt stets unberührt und unverändert.

Das Allein-Sein (es hat nicht mit Einsamkeit zu tun) erfordert den Mut, allein zu sein mit mir selbst und in meiner innersten Leere Freude und Glückseligkeit (Sanskrit. „Ananda“) zu erfahren.

Der innere Heilungsprozess findet am „locus vacui“, am Ort der Leere statt. Im Zustand völligen Leer-Seins (engl.: vacation, emptiness) hört die Sehnsucht auf, das Suchen hat ein Ende und unendliche Fülle beginnt sich zu entfalten.

Unser Leben ist nicht kurz, sondern ewig.

Wir haben nicht den Tod vor uns, sondern die Ewigkeit. Wir wurden nicht geboren, um zu sterben, sondern um ewig zu leben.

Immer gegenwärtige Gegenwart ist Leben jenseits von Zukunft und Vergangenheit. Wir sterben nicht, wir bewegen uns ständig auf ein vollendeteres Leben zu, wie eine Raupe, die in ihrem Kokon einschläft und dann, in einen Schmetterling verwandelt, wieder aufwacht.
Das Weltall stirbt nicht, es gibt kein Ende der Welt, sondern eine ständige Entfaltung und Erneuerung.

Durch die biologische Evolution sind wir mit allen Wesen der Erde verbrüdert, und unsere Auferstehung wird ein weiterer Schritt dieser Evolution sein. Alle Stufen des Wachstums sind weitere schmerzhafte Tode, durch die jeder von uns hindurch muss.

Das Himmelreich ist ein Evolutionsprozess

des ständigen Werdens und Vergehens, das aller Natur eigen ist und das auch ein Grundgesetz des Lebens ist: Tradition, Revolution, Transformation, Abenteuer, Ordnung, Wiederentdeckung.

Das Samenkorn stirbt und wird neu geboren, die Jahreszeiten kommen und gehen, die Menschen werden geboren und sterben, das ganze Leben ist eine immerwährende Erneuerung, Neu-Schöpfung, Rekreation.

In einer sternklaren Nacht können wir uns in die Unendlichkeit des Weltalls vertiefen.
Unsere Milchstraße hat 300.000 Millionen Sterne; es gibt Sterne, die so hell wie 300.000 Sonnen sind; es gibt über 100 Millionen erforschte Milchstraßen.

Der menschliche Geist ist unendlich viel größer als alle Welten, weil er sie verstehen und in sich aufnehmen kann. Das Weltall sind wir selbst – da betrachtet das Universum das Universum.
Im Himmel sein heißt: schauen, lieben und leben. Das Himmelreich ist ein Reich ohne Untertanen.

Das Fest der österlichen Auferstehung Jesu Christi bekommt eine völlig neue Dimension.

Alle Kirchen sind geschlossen – Gottesdienste finden nicht statt. Der visionäre Benediktinermönch und Mystiker Bede Griffiths (1906 – 1993) hatte den Zusammenfall der dogmatischen Strukturen der patriarchalische geführten Kirche, die mit der Zentralbotschaft von Jesu Christi kaum noch Berührung hat, prophetisch vorausgesagt.

Seine spirituelle Deutung der „Auferstehung“ ist nicht an ein bestimmtes Fest im Jahr gebunden, sondern die Aufforderung, dieses Ereignis täglich zu erfahren und mit Freude zu feiern.

Die Auferstehung ist mehr als das bloße Erscheinen Jesu vor den Jüngern nach seinem Tod. Die wahre Auferstehung ist die völlige Überwindung der Welt. Sie ist Jesu Übergang aus dieser Welt hin zur Ewigen Wirklichkeit, zur Urquelle des Lebens. Es war kein Ereignis, das in Raum und Zeit geschah, sondern eine Reise jenseits von Raum und Zeit in die Ewigkeit, in die Wirklichkeit.
Wir müssen nicht auf unseren körperlichen Tod warten, sondern können bereits jetzt diese ewige Welt betreten.
Wir müssen dazu den äußeren Schein der Sinne und die inneren Konzepte unseres Verstandes verlassen und uns der Wirklichkeit Christi, dem auferstandenen Christus in uns öffnen.
Jesus verließ den Körper, um im Geist gegenwärtig zu sein. In der Kontemplation begegnen wir nicht dem körperlichen, sondern dem geistigen Christus. Die heutige Kirche ist dazu aufgerufen, die Grenzen der Institutionen und Strukturen zu durchbrechen und sich selbst der Gegenwärtigkeit des Geistes, der in der Kirche und in jedem Christen ist, zu öffnen.
Wir müssen die Welt der Zeichen, Rituale und Symbole zu verlassen und in die neue Schöpfung eintreten, eine neue Welt, die in allen großen Traditionen offenbar wird. Die Menschheit ist dazu aufgerufen, das inwendige Königreich Gottes zu betreten, Raum und Zeit zu überschreiten und in die ewige Wirklichkeit einzugehen.
Die Auferstehung ist ein zeitloser Vorgang. Sie ist der Übergang vom Alten in das Neue.
Weil Jesus aus dieser räumlichen und zeitlichen Welt in die ewige Wirklichkeit gegangen ist, ist er nun in Raum und Zeit vollkommen gegenwärtig“.


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Roland R. Ropers
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Über Roland R. RopersRoland-Ropers

Roland R. Ropers geb. 1945, Religionsphilosoph, spiritueller Sprachforscher,
Begründer der Etymosophie, Buchautor und Publizist,
autorisierter Kontemplationslehrer,
weltweite Seminar- und Vortragstätigkeit
www.KARDIOSOPHIE-NETWORK.org

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