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Vertrauen stärken durch Rituale

rituale-geburtstag-kinder-familie-feier-Bild1Vertrauen stärken durch Rituale

Rituale sind in unserem Leben allgegenwärtig. Manchmal werden sie als solche wahrgenommen, wie beispielsweise bei einem Kirchenbesuch oder wenn es jedes Jahr am Geburtstag eine Torte für das Geburtstagskind gibt.

Manchmal werden rituelle Handlungen aber auch unbewusst durchgeführt oder nicht als solche zur Kenntnis genommen. Der tägliche Griff zur Zahnbürste oder das Einschalten der Kaffeemaschine gehören in diese Kategorie.

Wie sehr wir unsere persönlichen Rituale verinnerlicht haben, merken wir immer erst dann, wenn ein Ritual ausfällt oder gerade nicht umsetzbar ist. Plötzlich ist alles irgendwie anders, es fühlt sich nicht richtig an und je nachdem, wie sehr Ihre Rituale Ihren Alltag prägen, bedeuten fehlende Rituale diverse Probleme.

Rituale helfen Menschen

Ob bewusst oder unbewusst durchgeführt – Rituale helfen Menschen. Und das in nahezu allen Lebenslagen. „Sie geben einen bestimmten Ablauf vor, der uns Ruhe und Sicherheit gibt“, erklärt die Psychologin Meike Watzlawik von der Technischen Universität Braunschweig im Gespräch mit dem Portal welt.de. „Wir alle brauchen Rituale, um unsere Umwelt zu strukturieren. So haben wir das Gefühl, mehr Kontrolle zu haben.“

Rituale können also genutzt werden um Vertrauen zu stärken – und das sowohl in sich selbst, wie auch in zwischenmenschliche Beziehungen oder eine Partnerschaft.

Um persönliche Rituale zu finden, kann es hilfreich sein, die eigenen Rhythmen und Gewohnheiten bewusst wahrzunehmen. Gehe in dich und erkenne, was dir Halt, Struktur und Geborgenheit gibt. Dies können banale Dinge wie eine Tasse Kaffee vor einem Meeting oder eine kurze Auszeit auf dem Sofa nach Feierabend sein um Kraft für den Rest des Tages zu tanken.

Kleine Alltags-Rituale können Wunder wirken

Überlege dir nun, welche Übergänge und Nahtstellen in deinem Alltag holprig und konfliktgeladen verlaufen. Mache dir Gedanken, welches Ritual sich eignen würde um solche Situationen besser zu überstehen:

  • Eine kurze Mediation vor einem schwierigen Gespräch?
  • Ein klein wenig Bewegung mit Gymnastik nach der Mittagspause um fit in die zweite Hälfte des Arbeitstages zu starten?

Der Fantasie sind nahezu keine Grenzen gesetzt. Probiere in Ruhe aus, was dir gefällt. Hast du ein passendes Ritual gefunden, integriere dieses in deinen Alltag. Nur wenn du die Gymnastik täglich machst wird sie nämlich zu einem solchen.

Ist das Ritual etabliert, profitierst du auch von seiner Auswirkung auf die Psyche: Unbewusst wirst du nach einem stressigen Vormittag im Büro denken: „Wenn ich meine Bewegungs-Übungen gemacht habe, geht es mir besser. Dann bin ich wieder leistungsfähig.“ Du hast damit dann das Vertrauen in deinen eigenen Körper gestärkt.

Rituale im Sport

rituale-mannschaft-maenner-freundschaft-Bild2Besonders deutlich von Zuschauern wahrgenommen werden Rituale oft im Sport. Fußball-Mannschaften bilden vor dem Anpfiff eines Spiels einen Kreis um sich auf die bevorstehende Aufgabe einzuschwören. Eishockeyspieler rasieren sich für die Dauer eines gewissen Turniers nicht. Handball-Torhüter legen sich als Glücksbringer ein Maskottchen ihres Vereins ins Tornetz.

Andere Rituale bleiben dagegen auch hier unsichtbar: Marathon-Läufer essen vor einem Wettkampf immer dasselbe Pasta-Gericht zur selben Uhrzeit. Volleyballer tragen immer dasselbe Unterzieh-Shirt unter ihrem Trikot. Diese Rituale helfen den Athleten sich gut und bereit für den Wettkampf zu fühlen – sie vermitteln zudem ein Gefühl von Sicherheit. Neben den gerade aufgezählten „Klassikern“ haben einige Athleten aber auch skurrile Verhaltensweisen entwickelt, die einen schon ein wenig schmunzeln lassen.

Gerade im Sport sind die Grenzen zwischen Ritual und Aberglaube oft fließend – ähnlich wie in anderen Situationen im Alltag oder etwa beim Spielen mit Karten, Würfeln oder Ähnlichem. So ganz dem Zufall überlassen sind hier scheinbar wahllos getroffene Entscheidungen aber nicht. Untersuchungen haben ergeben, dass gewisse Zahlen wie die sieben eine höhere Anziehungskraft haben als andere. Von daher wird beispielsweise auf die sieben im Roulette öfter gesetzt als auf andere Ziffern.

Die „Selbsterfüllende Prophezeiung“

Untersuchungen zum Aberglauben im Glücksspiel haben noch weitere faszinierende Erkenntnisse ans Licht gebracht. So sind Glücksbringer und Aberglaube in der Szene noch weit verbreitet. Spannend sind besonders Forschungen zur „Selbsterfüllenden Prophezeiung“. Diese Theorie besagt, dass ein bestimmtes Ereignis eintritt, wird umso wahrscheinlicher, wenn Menschen davon überzeugt sind.

In einer Studie spielten Probanden mit einem Ball, der ihnen vorher als „Glücksball“ angepriesen wurde besser als Sportler, denen einfach nur ein Ball übergeben wurde. Sie fühlten sich mit dem „Glücksball“ selbstsicherer und stärker.

Rituale in zwischenmenschlichen Beziehungen

Familie-rituale-kind-eltern-Bild3Auch zwischenmenschliche Beziehungen – nicht nur in einer Partnerschaft – sind von Ritualen geprägt. Ein „Busserl“ zur Begrüßung signalisiert „Ich mag dich“. Ein streicheln über den Kopf eines Kindes lässt dieses Geborgenheit spüren. Ein gemeinsames Abendessen steht auch symbolisch für die Aussage „Ich verbringe gerne Zeit mit dir“.

Werden solche Gesten oder Treffen zu einer Gewohnheit – also zu einem festen Ritual – kann dies eine zwischenmenschliche Bindung stärken. Probiere dabei ruhig auch einmal etwas Neues aus – und lasse dich inspirieren. Rituale sind umso stärker, je größer der persönliche Bezug dazu ist. Das heißt, jeder kann auch ganz eigene Rituale etablieren. Im Bereich der Partnerschaft gibt es dazu zahlreiche Möglichkeiten, die sich beispielsweise aus ganz persönlichen Erlebnissen oder Vorlieben ergeben.

Das Repertoire an Ritualen sollte allerdings stetig überprüft werden. Denn werden sie vernachlässigt oder trotz Bedeutungsverlusts weiter aufrecht erhalten, können Sie auch als „Beziehungskiller“ fungieren.  Hier lohnt sich ein Blick auf Fragen wie „Verbinden wir ein Ritual mit Zwängen? Oder „Zu welchen Zeitpunkt haben wir ein bestimmtes Ritual aufgegeben und warum? Hat es etwa für uns an Bedeutung verloren?“

Auch wenn aus der Partnerschaft eine Familie geworden ist, erleichtern Rituale den Alltag und sorgen für ein entspanntes Miteinander.

Erfolgs-Menschen schwören auf Rituale

Der amerikanische Bestseller-Autor „Die 4 Stunden Woche“ hat für ein Projekt 140 erfolgreiche Menschen und Führungskräfte, darunter Skateboard-Legende Tony Hawk oder den Schauspieler Ashton Kutcher nach ihren Angewohnheiten befragt.

Dabei kam ein erstaunlicher Fakt zu Tage: 90 Prozent der Befragten haben, obwohl sie aus komplett unterschiedlichen Berufsfeldern stammen dasselbe Morgenritual: Sie starten mit einem Achtsamkeitstraining oder Meditationsübungen in den Tag. Dies empfiehlt auch Mental-Coach Klaus Peterl in seinem Artikel „Die zehn Stillen Rituale erfolgreicher Menschen“.

Ein Zeichen für Lebensübergänge

Neben vielen kleinen, gibt es auch die ganz großen Rituale, die jeder kennt: Oft sind sie ein äußerliches Zeichen für Lebensübergänge. Das beginnt schon mit der Taufe und geht bei Kindern mit der Einschulung weiter. Auch das Erreichen eines Schulabschlusses wird mit einer Feier zelebriert, ebenso wie die Hochzeit. „Rituale helfen auch, mit etwas Altem abzuschließen, damit etwas Neues begonnen werden kann“, sagt die Psychologin Elke Overdick aus Hamburg im Magazin Fokus.

Rituale sind so alt wie die Menschen selbst

Rituale sind übrigens keine Erfindung der Neuzeit. Schon seit es Menschen gibt, nutzten diese Rituale um ihr Leben zu strukturieren – oftmals in Verbindung mit Religion. Archäologische Funde lassen vermuten, dass Religiosität schon vor Hunderttausend Jahren ihren Ausdruck in kultischen Handlungen oder in Ritualen fand. Vor allem besondere Ereignisse wie eine Geburt, ein Jagderfolg, verschiedene Naturkatstrophen aber auch Krankheit oder Tod trieben sie dazu an, rituelle Handlungen an.

Schon vor 35.000 Jahren gab es bei Neandertalern Bestattungen, bei denen dem Verstorbenen Blumen ins Grab gelegt wurden. Da wir Menschen das Bedürfnis haben, Ordnung in unser Dasein zu bringen, wurden die zuerst spontanen religiösen Handlungen nach und nach schematisiert. So entstanden zahlreiche, nicht nur religiöse, Rituale, welche überliefert wurden und noch heute unser Leben mitgestalten.

Manche Rituale sind also uralt, andere haben sich erst in der letzten Zeit etabliert. Die Besinnung auf und die Nutzung von Ritualen hat nichts an Attraktivität verloren. Sie passen auch an einen modernen Lebensstil in unserer heutigen Zeit. Gerade in unsicheren Phasen starken Umbruchs oder größeren Stresses können sie dir Sicherheit vermitteln und dir dabei helfen, zu dir selbst zu finden.

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03.10.2019
Spirit Online

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