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Verbindung zwischen Buddhismus und Mindfulness?

Buddhismus und Mindfulness: goldene Buddha-Statue vor blauem Himmel

Warum Gegenwärtigkeit auch Mitgefühl braucht

Die Verbindung zwischen Buddhismus und Mindfulness liegt in der Geschichte der Achtsamkeit. In buddhistischen Traditionen steht sie in einem Übungsweg, der auch ethisches Handeln, Einsicht und den Umgang mit Leiden umfasst. Moderne Mindfulness-Programme übertragen Elemente dieser Praxis in einen weltanschaulich offenen Rahmen. Sie sind deshalb nicht mit der gesamten buddhistischen Lehre gleichzusetzen.

Guillermo Ferrara betrachtet diese Verbindung aus einer persönlichen spirituellen Perspektive. Im Mittelpunkt seines Gastbeitrags steht die Frage, was volle Aufmerksamkeit bedeutet, wenn wir das Leiden anderer Menschen aus dem Blick verlieren.

Aufmerksamkeit: eine Fähigkeit, die Übung verlangt

Vollkommene Achtsamkeit beginnt damit, das gegenwärtige Erleben bewusster wahrzunehmen: den Körper, die eigenen Gedanken und Gefühle, aber auch das, was um uns herum geschieht. Dabei geht es um mehr als einen Moment hoher Konzentration.

Bereits William James beschrieb 1890 in seinen Principles of Psychology, wie wichtig es für Urteilskraft und Willen ist, eine abschweifende Aufmerksamkeit wieder zurückzubringen. Zugleich hielt er fest, dass sich dieses Bildungsziel leichter beschreiben als praktisch vermitteln lässt. James sprach hier über Aufmerksamkeit; die heutige Bedeutung von Mindfulness lässt sich damit nicht vollständig gleichsetzen.

Die buddhistischen Übungswege sind wesentlich älter als die moderne Psychologie. Wer heutige Achtsamkeit verstehen möchte, sollte deshalb auch ihre Geschichte beachten.

Die buddhistischen Wurzeln von Mindfulness

Von Mindfulness zu sprechen, als wäre es eine rein westliche Erfindung, ist eine Sünde der Naivität sowie eindeutig missverstandenen Stolzes. Die buddhistischen Quellen dieser Praxis verdienen es, ernst genommen zu werden. Dazu gehören unterschiedliche Traditionen, darunter Theravada und Mahayana. Zen ist eine dieser Traditionen innerhalb des Mahayana-Buddhismus, nicht der einzige Ursprung heutiger Achtsamkeit.

Der chinesische Chan-Meister Linji, auf den die spätere Rinzai-Zen-Tradition zurückgeht, lebte im 9. Jahrhundert. Thich Nhat Hanh erschloss seine Lehre für heutige Leser im Buch Zen Battles. Der vietnamesische Zen-Lehrer machte buddhistische Achtsamkeit auch außerhalb Asiens bekannt.

In der von Thich Nhat Hanh geprägten Plum-Village-Tradition bleibt die Gegenwärtigkeit mit der Beziehung zu anderen verbunden. Die Vierzehn Achtsamkeitsübungen verbinden bewusstes Leben unter anderem mit dem Verstehen von Leiden, mitfühlendem Zuhören und Gewaltlosigkeit. Aufmerksamkeit erhält hier eine ethische Richtung.

Buddhismus und Mindfulness im heutigen Gebrauch

Die modernen Programme haben zugleich eine eigene Geschichte. Jon Kabat-Zinn entwickelte 1979 an der University of Massachusetts die Mindfulness-Based Stress Reduction, kurz MBSR. Das achtwöchige Programm machte meditative Praxis in einem medizinischen Umfeld zugänglich. Es verlangt keine Übernahme des gesamten buddhistischen Glaubens- und Übungswegs.

Diese Übertragung ist eine eigenständige Entwicklung. Sie macht die buddhistischen Wurzeln nicht bedeutungslos, und ein säkularer Rahmen schließt eine ethische Haltung nicht aus. Wie sich der englische Begriff heute verstehen lässt und welche Unterschiede zwischen Aufmerksamkeit, Achtsamkeit und Meditation bestehen, erläutert Mindfulness: Bedeutung und Alltagsübungen.

Unterschiedliche Formen der Meditation können die Wahrnehmung des eigenen Erlebens vertiefen. Für die hier vertretene buddhistisch geprägte Perspektive würde volle Achtsamkeit jedoch hinken, wenn wir einen weiteren Grundsatz vergessen: Mitgefühl.

Die buddhistische Perspektive auf Mitgefühl

Buddhismus und Mindfulness: goldene Buddha-Statue vor blauem Himmel

Im Bodhisattva-Ideal des Mahayana-Buddhismus hat Mitgefühl eine zentrale Bedeutung: der Wunsch, dass andere frei von Leiden und den Ursachen des Leidens sind. Es beginnt damit, die Gefühle anderer ernst zu nehmen, insbesondere wenn wir ähnliche Schwierigkeiten durchgemacht haben.

Und selbst wenn wir noch nie erlebt haben, was andere durchmachen, können wir uns in sie hineinversetzen. Indem wir uns vorstellen, wie gerne wir von einer solchen Not befreit wären, wächst der Wunsch, dass auch andere davon befreit werden können.

Aus dieser spirituellen Perspektive kann es ein Weg sein, sich dem eigenen Leiden weniger eng zu verschließen: das Leiden des anderen wahrzunehmen, mit offenem Herzen anzunehmen und zu seiner Linderung beizutragen. Mitgefühl bedeutet dabei nicht, fremden Schmerz übernehmen oder jede Not selbst heilen zu müssen. Wie Anteilnahme und eigene Grenzen zusammenfinden, vertieft der Beitrag Achtsamkeit und Mitgefühl.

Wir danken allen, die uns auf unseren Seminaren und Treffen unter dem Motto „vollstes Bewusstsein teilen“ begleiten, für ihre Bemühungen und ihr Engagement, um Orte der Umarmung und der Gemeinschaft zu schaffen, an denen sich der Verstand ausruht, die Herzen sich öffnen und die Seelen sich lachend im Einklang miteinander verbinden.


Autor: Guillermo Ferrara

Guillermo FerraraGuillermo Ferrara ist Schriftsteller und befasst sich in seinen Büchern und Seminaren unter anderem mit persönlicher Entwicklung, Meditation und Yoga. Mehrere seiner Werke wurden in andere Sprachen übersetzt.

Alle Beiträge von Guillermo Ferrara auf Spirit Online

Übersetzung: Gerrit Jahn

27.04.2019
Guillermo Ferrara

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