Den Berg im Inneren erklimmen – Persönlichkeitsentwicklung

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innerer gipfel berg manDer Gipfel: Den Berg im Inneren erklimmen

Seit Anbeginn der Menschheit haben wir Menschen versucht, die Sphären unserer Kontrolle über die Natur, unserer Umwelt und sogar übereinander zu erweitern, sei es durch technologischen Fortschritt, durch die Untersuchung der Natur oder durch Reisen an die entlegensten Orte der Welt. Die Geschichten über solche vergangenen Erkundungen haben oft das Interesse zukünftiger Generationen geweckt, die Reichweite der Menschheit zu erweitern.
Eine der vielleicht berühmtesten Leistungen der jüngeren Menschheitsgeschichte war die erste erfolgreiche Besteigung des Mount Everest durch Tenzing Norgay und Edmund Hillary im Jahr 1953.

Vor dieser Besteigung hatte es viele erfolglose Versuche gegeben, von denen zahlreiche zu Todesfällen geführt hatten. Diese erste erfolgreiche Besteigung schien jedoch immer neue Generationen von Menschen anzuspornen, die alle den Mount Everest besteigen wollten. Was einst als fast unmöglich galt, ist heute eine ganze Tourismusbranche geworden. Menschen, die sich für die Besteigung des Everests anstellen müssen – sogar in dem Maße, dass die Region aufgrund zahlreicher Besteigungen heute vor echten Umweltproblemen steht.

Tatsächlich scheint es jetzt nicht mehr zu reichen, den Everest nur einmal zu besteigen, sondern öfters: Ein Bergsteiger machte 2019 weltweit sogar Schlagzeilen, weil er den Everest zweimal in einer Woche bestiegen hat. Was einst als fast unmöglich galt, ist für manche mittlerweile zur wöchentlichen Routine geworden!

Doch für Entdecker wie Hillary ging es beim Aufstieg nicht um den Berg selbst, sondern um den Bergsteiger.

Hillary sagte: „Es ist nicht der Berg, den wir bezwingen, sondern uns selbst.“ Diese Aussage hat auch viele Botschaften für spirituell Suchende, die versuchen, ihr wahres Selbst zu entdecken – was in vielerlei Hinsicht so schwierig zu erreichen ist wie das Besteigen des Everest selbst. Als spirituell Suchende ist unsere Reise mit vielen Gefahren konfrontiert, die von unserem Ego geschaffen wurden, welche wir überwinden müssen, um die zugrunde liegende Realität unserer Seele zu entdecken. Die Ergebnisse unseres inneren Aufstiegs sind jedoch nicht wie die von Hillary, die sich auf den materiell-physischen Bereich beschränken. Der Aufstieg des Suchenden führt ihn zu innerer Weisheit und Erleuchtung jenseits dieser Welt, die er auch nach dem Verlassen seiner körperlichen Begrenzungen mit sich trägt.

Folglich ist der von spirituellen Meistern wie Buddha, Rumi oder anderen geschilderte Weg für Suchende eine offene Einladung, eine solche Reise zu unternehmen, so wie Hillarys Aufstieg eine ganze Bergsteiger-Bewegung hervorrief. Die innere Reise birgt jedoch nicht alle Umweltgefahren, die mit der Besteigung des Everest durch große Gruppen verbunden sind. Stattdessen ist es in der Tat ein Schritt in Richtung globaler Erleuchtung, der unserer Gesellschaft helfen wird, die vielen Gefahren zu überwinden, denen wir in unserem Leben ausgesetzt sind, die von unserem individuellen oder kollektiven Ego geschaffen werden.

Daher sollten alle Suchenden angesichts einer solchen Realität erkennen, dass der einzige Berg, der es wert ist, in unserem Leben bezwungen zu werden, der unseres Egos ist, welcher auf unserer inneren Reise der Selbstfindung unter der Leitung eines qualifizierten Führers erklommen wird! Sonst werden wir in jeder Ecke unserer Gesellschaft und unseres Lebens den Berg unseres Egos sehen, der unweigerlich Unruhe und soziale Zwietracht mit sich bringt. Wenn jedoch jeder von uns tatsächlich seine innere Reise beginnt, versuchen wir mit jedem Schritt auch die Kontrolle über unser Ego zu übernehmen, gestärkt durch die Liebe, die eine solche Reise antreibt.

Wie Rumi sagte:

„Deine Aufgabe besteht nicht darin, nach Liebe zu suchen, sondern lediglich, alle Barrieren in dir selbst zu suchen und zu finden, die du dagegen aufgebaut hast.“

Folglich kann man durch Nachdenken über die obigen Ausführungen auch verstehen, warum der höchste Berg der Erde Everest genannt wird, denn das Wort Everest bedeutet auf Tibetisch „Heilige Mutter“ oder „Heiliger Berg“ und wird von den Sherpas als heilig angesehen. Es wird angenommen, dass der Mount Everest und seine Flanken mit spiritueller Energie gesegnet sind. Wir sollten Ehrfurcht zeigen, wenn wir diese heilige Landschaft durchqueren. Auf dem Everest und in der umliegenden Region werden die karmischen Auswirkungen der eigenen Handlungen verstärkt und unreine Gedanken werden am besten vermieden.

Wenn wir diese und die Worte von Hillary berücksichtigen, der sagte: „Menschen entscheiden sich nicht, außergewöhnlich zu werden. Sie beschließen, außergewöhnliche Dinge zu tun.“, kann man schlussfolgern, dass vielleicht das Außergewöhnlichste für einen Menschen darin besteht, die Erforschung seines eigenen Selbst oder seiner eigenen Seele zu unternehmen, wie es Meister wie Buddha erreicht haben.

Buddha sagt:

„Niemand rettet uns außer wir selbst. Niemand kann und niemand darf es. Wir selbst müssen den Weg gehen.“

Daher steht die gesamte Menschheit auf die eine oder andere Weise vor der Wahl: Die Grenzen der physischen Ebene zu erforschen, die zum gegenwärtigen Zustand des Weltgeschehens geführt haben, oder einen Schritt in Richtung unserer Seele zu machen, wie es Buddha sagte. Infolgedessen werden wir uns nicht nur vor den Gefahren schützen, die von unseren Egos oder kollektiven Egos verursacht werden. Wir werden auch eine ausgewogene Welt schaffen, in der sogar unsere physischen Erkundungen von unserer inneren Reise geleitet und somit nicht von unserem Ego zum sozialen Schaden und Zwietracht missbraucht werden, wie wir es heute in der Welt leider zu oft sehen.
Nur durch die Besteigung des inneren Berges können wir sagen, dass wir eine außergewöhnliche Leistung vollbracht haben, die über unser physisches Leben hinaus andauert und durch die wir sowohl im Physischen als auch darüber hinaus Nutzen für uns und andere schaffen.

Weltfrieden kann nur erreicht werden, wenn ein Wendepunkt erreicht ist, bei dem ein bedeutender Teil der Menschheit seine eigene innere Reise des inneren Friedens und der Erleuchtung unternimmt und den von Buddha oder anderen spirituellen Meistern beschriebenen Weg geht. Auf diese Weise erreichen wir unweigerlich den erwähnten Kipppunkt. Dies ist in der Menschheitsgeschichte leider in der Vergangenheit noch nicht geschehen, weil nicht genügend Menschen daran interessiert waren, dem inneren Weg der Selbstfindung zu folgen. Somit wiederholten sich die Tragödien der Geschichte endlos bis zum heutigen Tag.

Deshalb laden Sufi-Meister, genauso wie Meister anderer Pfade, die gesamte Menschheit ein, den inneren Berg, den sie Qhaf nennen, zu besteigen und den mythischen Vogel Simorgh zu treffen.

Simorgh ist eine Darstellung des höheren Bewusstseins und die Vereinigung unseres individuellen Bewusstseins mit diesem höheren Bewusstsein.

Durch eine solche Vereinigung können wir uns selbst und die Menschheit retten. Durch diesen Prozess kann jede unserer Seelen von diesem Bewusstsein geleitet werden, sowohl in dieser als auch in der nächsten Welt, so wie spirituelle Meister wie Buddha, Rumi und andere durch die Geschichte hindurchgeführt wurden. Aus diesem Grund haben solche Meister ihr Leben dem Ziel gewidmet, andere auf eine solche Reise der Selbstfindung zu führen, die mit endlosen Schichten von Weisheit und Liebe verbunden ist.

Doch wenn ein Suchender eine solche Reise unternimmt, entdeckt er unweigerlich, dass es auf dem Gipfel seines inneren Berges überhaupt keinen Gipfel gibt, sondern einen endlosen Ozean, der darauf wartet, erkundet zu werden. Durch die Auseinandersetzung mit einer solchen Erfahrung verwandeln sich Suchende von Kletterern zu Perlentauchern auf der Suche nach dem endlosen Potenzial ihrer inneren Perle, die die Seele ist.
Angesichts der oben genannten Erkenntnisse kann man also in gewisser Weise sagen, dass wir alle unser ganzes Leben lang mit einer wichtigen Frage konfrontiert sind, die sich durch eine Umformulierung der berühmten Worte Shakespeares artikulieren lässt: „Sein oder Nichtsein?“ wird zur Frage: „Aufsteigen oder Nicht-Aufsteigen?“

02.07.2021
Mehrdad Noorani
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