Wie Einklang zwischen Herz und Gehirn Ihre Meditation beflügelt

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herz-verstand-frau-Sergey-Nives-CanvaWie Einklang zwischen Herz und Gehirn Ihre Meditation beflügelt

Einklang zwischen Herz und Gehirn beflügelt Ihre Meditation. Wissen Sie, was es mit der Kommunikation zwischen Herz und Gehirn auf sich hat, die pausenlos zwischen diesen beiden Organen abläuft? Wie können Sie diese für Ihre Meditationen nutzen? Was für Sie zunächst wie ein Gegensatz erscheinen mag – eine nicht vereinbare Entscheidung zwischen Ratio und Gefühl – ist nicht nur Basis für mehr Lebensqualität. Der Einklang zwischen Herz und Gehirn verleiht auch Ihrer Meditation einen zusätzlichen Turbo.

Dies haben unlängst Forscher mit einer Gruppe von Meditierenden bestätigt. Die Ergebnisse machen Mut und die Kommunikation zwischen Herz und Gehirn zum wirkungsvollen Star der Meditation.

Der Frage, wie der Einklang zwischen Herz und Gehirn zusammenhängt, sind wir für Sie nachgegangen.

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Foto: Sergey Nives, Canva

Meditation: Warum passiv gut, aktiv jedoch noch wirkungsvoller ist

Meditation ist ein Schlüsselinstrument, um den Einklang zwischen Herz und Gehirn herzustellen. Die Wirkungen von Meditationen auf Körper, Geist und Seele sind ausreichend be- und anerkannt. Sie entspannen und helfen uns zu fokussieren. Was geschieht darüber hinaus in Ihrem Körper, z.B. mit der Herzratenvariabilität (kurz HRV), die – wie Sie sehen – entscheidend ist für Ihr Wohlergehen?

Das haben sich jetzt unlängst Wissenschaftler im Rahmen einer Studie mit Meditierenden genauer angesehen. 

Sie haben dazu Probandinnen im Alter von 20 bis 60 Jahren in 2 Gruppen eingeteilt. Diese erhielten die Anweisung, sich während einer 20-minütigen Meditation auf Folgendes zu konzentrieren:

  • Kontrollgruppe (passiv): Den Fluss ihrer Atmung beobachten, ohne diese regulieren oder steuern zu wollen. 
  • Interventionsgruppe (aktiv): 4 Zyklen à 5 min mit folgenden Anweisungen: 

(1) Summen
(2) Kohärente herz-fokussierte Atmung (6 Atemzüge pro Minute)
(3) Wie 2 und zusätzliches Aktivieren von positiven Emotionen
(4) Imagination

Resultat und Schlussfolgerung: Einklang zwischen Herz und Gehirn wissenschaftlich untersucht 

  • In der Interventionsgruppe stiegen die HRV-Werte deutlich an.
  • In beiden Gruppen sank die negative Stimmung.
  • In der Interventionsgruppe stieg darüber hinaus die positive Stimmung, in der Kontrollgruppe nicht. 

Die Forscher schlussfolgerten daraus, dass die aktive Meditation – wie von der Interventions­gruppe durchgeführt – offenbar Einfluss auf HRV und Stimmung der Probandinnen hatte. D.h. im Gegensatz zu einer „normalen oder passiven“, wurden diese bei der aktiven Variante zusätzlich belohnt. 

Mit der Art der Meditation ändert sich Ihre Herz-Gehirn-Kommunikation und damit Ihre HRV. Je kohärenter die Kommunikation ist, dest0 intensiver ist die Wirkung auf Ihr Wohlbefinden. Einklang zwischen Herz und Gehirn lässt sich so herstellen.

Um das besser einzuordnen, geben wir Ihnen Einblick in die Herz-Gehirn-Kommunikation. 

Herz und Gehirn: Wie beide miteinander kommunizieren

Lange war die Wissenschaft davon ausgegangen, dass das Herz einseitig auf Kommandos des Gehirns reagiert.

Mittlerweile ist bekannt, dass die Kommunikation zwischen diesen beiden Organen ein hoch komplexer, dynamischer und wechselseitiger Prozess ist. Beide tauschen sich fortlaufend miteinander aus. Signale aus dem Gehirn sorgen z.B. dafür, dass Ihr Puls steigt, wenn Sie aktiv sind oder in eine brenzliche Situation geraten. Umgekehrt sendet das Herz Informationen ans Gehirn und beeinflusst so bspw. Ihre Wahrnehmung.

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Abb. 1: Die Kommunikation zwischen Herz und Gehirn ist ein wechselseitiger Prozess (Quelle: Wildpixel, Canva)

Die Wissenschaft kennt heute die unterschiedlichen Wege, auf denen das Herz mit dem Gehirn in Verbindung steht bzw. es mit ihm kommuniziert. Genau genommen sind es vier:

  • neuronale Kommunikation (Nervenimpulse)
  • biochemische Kommunikation (Hormone und Neurotransmitter)
  • biophysikalische Kommunikation (Pulswelle)
  • energetische Kommunikation (Wechselwirkung mit dem elektromagnetischen Feld). 

Über diese Kommunikationswege beeinflusst das Herz die Funktionen des Gehirns und die der anderen Körperfunktionen in entscheidendem Maße. Ebenso, wie Sie auf Ihr Umfeld reagieren, kommt es zu mehr oder weniger Einklang zwischen Herz und Gehirn. 

Herz und Gehirn kommunizieren über verschiedene Wege pausenlos miteinander und beeinflussen sich gegenseitig. Der Einklang zwischen Herz und Gehirn ist ein Faktum.

 Unser Herz: Warum es mehr ist als nur eine Pumpe

Lange betrachtete der Mensch das Herz als Pumpe, die das Blut bewegt und den Kreislauf auf Trab hält. Das heutige Wissen über dieses komplexe Organ ist wesentlich umfassender. Tatsächlich bestätigen Wissenschaftler inzwischen, dass das Herz über ein eigenes Gehirn verfügt, denn es hat ein unabhängiges Nervensystem mit über 40.000 Neuronen (Nervenzellen). Dieses wird als „Herzgehirn“ bezeichnet – ein Begriff, den Dr. J.A. Armour 1991 eingeführt hat.

Das “Herzgehirn” kann unabhängig vom Gehirn agieren und verfügt über ausgeprägte sensorische Fähigkeiten. Es ist ein intelligentes System, das unablässig Informationen verarbeitet. Wir wissen auch, dass das Herz weitaus mehr Informationen an das Gehirn sendet als umgekehrt. Die neuronalen Wechselwirkungen zwischen beiden sind vielschichtiger als bisher vermutet.  

Die Botschaften, die das Herz aussendet, beeinflussen maßgeblich unsere emotionalen, mentalen und physiologischen Prozesse. Bei HeartMath gehen wir schon lange der Frage nach, wie sich diese Botschaften entschlüsseln lassen. Und zwar dahingehend, ob wir

  • lernen können, zu verstehen, was das Herz uns mitteilt, 
  • diese Kommunikation auch messen können.  

Das HeartMath Institute hat über Jahrzehnte hinweg mit vielen Messgrößen experimentiert. Als eindeutiger Spiegel innerer emotionaler Zustände tritt die HRV und der damit verbundene Herzrhythmus auf die Bühne.

Das Herz hat ein Gehirn, das unabhängig agieren kann und dessen Botschaften sich messen und entschlüsseln lassen.

Schauen Sie sich an, wie dies geschieht. 

HRV: Ein dynamischer und variabler Rhythmus führt zu Gesundheit

Die Herzratenvariabilität (HRV abgekürzt) ist eine Maßeinheit für die natürliche Variation der Abstände zwischen zwei Herzschlägen. Möglicherweise sind auch Sie bisher davon ausgegangen, dass ein gesundes Herz regelmäßig und taktgenau wie ein Metronom schlägt. Tut es nicht, sondern es variiert die Frequenz, und zwar unabhängig von Bewegung. 

Die Variation ist gut und lebensnotwendig. Sie ist ein Zeichen von Gesundheit.

  „Wenn das Herz so regelmäßig schlägt wie das Klopfen eines Spechtes oder das Tröpfeln des Regens auf dem Dach, wird der Patient innerhalb von vier Tagen sterben“
– Wang-Shu-He (chinesischer Arzt aus dem 3. Jh.)

Die Variation lässt sich messen und liefert wichtige Informationen über Ihre Belastungs- und Erholungsphasen. Verfolgen Sie diese über einen längeren Zeitraum, wissen Sie, wie es gesundheitlich um Sie steht. 

Die HRV ist eine wichtige Messgröße, die Auskunft gibt über Ihren körperlichen und emotionalen Zustand.

Wer oder was steuert nun die HRV?  

Autonomes Nervensystem: Ein Blick auf die inneren Spieler

Wenn Sie die HRV verstehen und nutzen wollen, kommen Sie am Autonomen Nervensystem nicht vorbei. Denn als „inneres Betriebssystem“ aktiviert und beruhigt es den Herzrhythmus unermüdlich durch seine sympathischen und parasympathischen Impulse. 

Der Sympathikus ist der mobilisierende, antreibende Teil des Autonomen Nervensystems. Er springt an, damit Sie Dinge hinbekommen im Leben. Er gibt Ihnen Kraft, lässt Sie schnell reagieren und im Notfall kämpfen oder davonlaufen (fight & flight). Wenn all das in Ihrem Körper abläuft, steigen Herzfrequenz und Blutdruck, während Ihre HRV sinkt.

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Abb. 2: Die Aufgaben des sympathischen und parasympathischen Nervensystems im Überblick; (Quelle: Adobe Stock)

Der Parasympathikus dagegen ist für die Ruhe zuständig. Er ist die „innere Bremse“ und hilft dabei, dass Sie runterfahren, regenerieren, über die Verdauung Energie gewinnen, bessere Entscheidungen treffen und sich vom ständigen Antrieb des Sympathikus erholen (rest & digest). Er sorgt dafür, dass Sie nach Phasen von Anstrengung und Stress wieder zur Ruhe kommen. Ihre HRV steigt.

Für einen gesunden Körper brauchen Sie eine gute Balance zwischen Sympathikus und Parasympathikus.

Shut-down: Wie Ihr Denkvermögen abschaltet und anspringt 

Wenn Menschen in Stress geraten oder unter Druck sind, können sie meist keinen klaren Gedanken fassen. Dieses mentale Chaos spiegelt sich im Körper, genauer gesagt in der HRV wider, deren Verlauf chaotisch und unberechenbar wird.

Geschieht das, dann geht der Zugang zu dem am höchsten entwickelten Teil des kognitiven Gehirns, dem Präfrontalen Kortex, verloren. Er wird abgeschaltet und geht „offline“.

Während dieser Mechanismus früher das Überleben sicherte (fight & flight), trifft das auf die heutigen Stresssituationen nicht mehr zu. Um diese zu meistern und Probleme klug zu lösen, benötigen Sie gerade die Fähigkeiten Ihres Intellekts.  

Die Kraft der Kohärenz

Erleben Sie einen derartigen „Shut-down“, läuft Ihr denkendes Gehirn auf Sparflamme. Um daraus ein loderndes Feuer zu machen, benötigen Sie Ihren Körper, mit dem Sie bewusst positive Emotionen erzeugen können. Sobald Sie dies tun, wechselt der Körper in einen anderen Zustand, der sog. „Kohärenz“. Je ausgeprägter die Kohärenz, desto effizienter laufen die psychologischen (mentalen + emotionalen) sowie physiologischen (körperlichen) Prozesse in Ihrem Körper ab.

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Abb. 3: Die HRV ist ein Spiegel unseres inneren Betriebssystems (Quelle: HeartMath Institute)

Der optimale Zustand der Herzkohärenz zeigt sich als gleichmäßiges, sinuswellenförmiges Muster im Herzrhythmus und ist entscheidend für die zunehmende Balance zwischen Körper, Psyche und Seele.

Kohärenz ermöglicht es Ihnen, in Stresssituationen den intelligenten Gehirnteil anzuzapfen und kluge Entscheidungen zu fällen. Wenn Sie regelmäßig Übungen zur Herzkohärenz praktizieren, dann:

  • bleiben Sie in schwierigen Situationen gelassen
  • sind Sie vitaler und leistungsfähiger
  • verfügen Sie über mehr Koordination und Reaktionsvermögen
  • sind Sie kreativer und leistungsfähiger
  • haben Sie mehr Zugang zu Ihrer intuitiven Intelligenz.

Insgesamt steigt Ihr emotionales und körperliches Wohlbefinden. Wenn Ihnen das nicht reicht, können Sie per App am Computer oder Smartphone live mitverfolgen, wie sich Ihre Kohärenz entwickelt.

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Wenn Sie Kohärenz erleben, sind Sie emotional stabil, entscheidungsfreudig und haben mehr Klarheit. Sie fühlen sich wohl und sind leistungsfähig. Einfach gesagt: Körper und Gehirn arbeiten optimal zusammen.

Wie kommen Sie dorthin? 

Mit Herzatmung in die Kohärenz

Die richtige Atmung macht den Unterschied. Das ist nicht verwunderlich, denn der parasympathische (beruhigende) Teil des Autonomen Nervensystems wird bei der Ausatmung aktiviert. Sie trainieren diese innere Bremse gezielt mit fokussierter Atmung. Das lässt sich erlernen und mit ein wenig Übung problemlos ins Leben integrieren. 

Schritt 1: Herzfokussiertes Atmen

Das klingt zunächst ungewohnt, ist aber einfach. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Ihre Herzgegend bzw. die Mitte Ihres Brustkorbs. Stellen Sie sich vor, dass Sie durch die Herzregion ein- und ausatmen. Atmen Sie dabei langsamer und tiefer als gewöhnlich. Hilfreich ist anfangs, wenn Sie sich dabei die Hand auf den Brustkorb legen. 

Schritt 2: Herzgefühl

Konzentrieren Sie sich weiterhin auf die herzfokussierte Atmung und rufen Sie zugleich bewusst ein angenehmes Gefühl auf wie Wertschätzung, Mitgefühl oder Dankbarkeit für eine Person, Ihr Haustier oder einen Lieblingsort.

Bleiben Sie für einige Minuten bei der herzfokussierten Atmung und in dem Herzgefühl. 

Wenn Angst oder Stress Oberhand gewinnen, ist eine gezielte Kohärenzübung hilfreich. Mit ihr finden Sie zurück in Ihr emotionales Gleichgewicht und halten das Autonome Nervensystem in Balance.

„Ich benutze die Kohärenz-Technik mit meinen Klienten und stelle fest, dass wir sehr viel mehr positive Erfahrungen im Leben haben, wenn die Meditationen herzkohärent sind“ – P. Braverso, US Marine Corp

Abschließend

Vieles von dem, was Sie gesund macht und hält, halten Sie in Händen. Sie können aktiv beeinflussen, welche Signale Ihr Herzgehirn an Ihr Kopfgehirn sendet. Dass neben einer gezielten und fokussierten Herzatmung weitaus mehr zu einem optimalen Einklang zwischen Herz und Gehirn gehört, ist klar.

Mit den richtigen Atem- und Fokussierungs-Techniken machen Sie einen wichtigen Schritt, dem die Steigerung der Herzratenvariabilität auf dem Fuß folgt. Beachten Sie bei Ihrer Meditation, dass die herzfokussierte Atmung und das bewusste Aktivieren positiver Emotionen Ihr Wohlgefühl und Ihre Gesundheit steigern. Nachhaltig.

Gibt es einen Grund, noch länger damit zu warten? Den Einklang zwischen Herz und Gehirn können auch Sie erreichen.

„Trainiere dein Herz.
Wir vergeuden zu viel Energie damit, unseren Verstand zu trainieren anstatt unser Herz.
Trainiere dein Herz.
Sei mitfühlend.“

– Dalai Lama


Quellen

Quellen:

  • Die HerzIntelligenz® Methode; Childre und Martin
  • Exploring The Role of the Heart in Human Performance, Vol 2.; HeartMath Institute
  • Heart-Brain Neurodynamics, The Making of Emotions; McCraty – HeartMath Research Center, HeartMath Institute
  • The HeartMath Solution; Childre und Martin
  • Heart rate variability behavior at different stages of practice in Zen meditation: A study of the system dynamics using multiresolution analysis

15.04.2021
Reiner Krutti
Heart Math Deutschland
https://www.heartmathdeutschland.de


Zum Autor Reiner-KruttiReiner Krutti

Gründer, Geschäftsführer und Ausbildungsleiter von HeartMath Deutschland

  • Bankkaufmann, Diplom-Kaufmann, langjährige Führungserfahrung in internationalem Konzern
  • Heilpraktiker und Osteopath
  • HeartMath Coach und Trainer 

Heart Math Deutschland
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