Hetzen und Stress – wo kommt das her?

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kopf-halten-mensch-stressHetzen und Stress – wo kommt das her?

Stress – das scheint die allgegenwärtige Grund-Volkskrankheit geworden zu sein. Stress ist der Auslöser nicht nur von emotionalen Problemen wie Überforderung und Verlust der Lebensfreude, sondern endet oft in Krankheitsbildern wie Burnout oder handfesten physischen Erkrankungen.

Stress kann von außen auf uns zukommen oder von innen heraus entstehen. Letzterer hat seine Ursache in unverarbeiteten Themen der Gegenwart, aber auch aus vergangenen Tagen und ist letztendlich ein Hilfeschrei unseres Inneren nach mehr Aufmerksamkeit. Es liegt an uns, ob und in wieweit wir diesen hören und die Aufgabe annehmen wollen.

Stress, der von außen auf uns einwirkt hingegen ist etwas, was wir nur bedingt unmittelbar verändern können. Zeitdruck ist etwas, was sich wie ein roter Faden durch das Leben so vieler Menschen zieht und dem sie kaum zu entkommen meinen.

Dieses graue, große, undefinierbare Gebilde „Stress“ erscheint mir oft wie ein Dämon, der unsere Zeit frisst, Kraft raubt und dafür sorgt, dass wir nicht bei uns ankommen, wahrhaft fühlen und leben!

Mir kommt es so vor, als wäre es das Ziel dieses Monsters, dass wir funktionieren, unsere Abläufe immer mehr automatisieren und dabei immer mehr zu Maschinen werden. Menschen, die wenig oder kaum in Kontakt mit ihren Gefühlen leben, Menschen, die sich selbst beraubt irgendwann nur noch Führung und Orientierung im Außen suchen. Menschen, die den Ursprung ihrer Sehnsüchte nicht mehr spüren können und dadurch umso leichter manipulierbar sind.

Wenn ich auf den verschiedenen Plattformen der sozialen Medien unterwegs bin, begegnen mir immer wieder Sätze wie:

  • In drei Schritten zum Sofort-Glück!
  • Schlank in nur drei Wochen!
  • Millionär in sechs Monaten!
  • Die Abkürzung zu Deiner wahren Bestimmung!
  • usw.

Alles muss schnell gehen. Nichts darf Zeit brauchen!
Optimierung – und sei es die Selbstoptimierung – im Eilschritt!

Die Frage, die sich mir stellt ist die: Und dann??

Denn dann geht es ja gleich weiter! Der nächste Traum muss gejagt, das nächste Ziel verfolgt werden! Eine neue Vision muss her, auf die man sich fokussiert! Denn ohne das, was wäre dann?

Natürlich ist es gut, Ziele, Träume und Wünsche zu haben! Ich spreche hier von der überzogenen Form, die schon den Anschein erweckt, dass man die Aufmerksamkeit auf alles, nur nicht sein Inneres richtet.

Schnell gelebt – und dann?

Schnell ist das neue Maß, den Gott, den wir zu verehren scheinen und gleichzeitig doch so sehr unter genau seinen Folgen leiden!

  • Tiere in Tierfabriken erreichen in nur drei Wochen die gleiche Größe, die sie unter normalen Umständen in drei Monaten erreicht hätten. Unglaubliches Tierleid entsteht dadurch, die Tiere degradieren zu Produktlieferanten und verlieren ihre Würde als Lebewesen. Ent-Wesung.
  • Pflanzen werden so stark gezüchtet und gedüngt, dass sie in Rekordzeit ebenso rekordverdächtige Erträge bringen. (Der Geschmack bleibt dabei oft auf der Strecke).
  • In vielen Geburtskliniken gibt es nicht einmal mehr Zeit für eine natürliche Geburt! Auch hier muss es schnell gehen, der Kreissaal geräumt werden für den nächsten. Wehenmittel werden z.T. schon routinemäßig gespritzt, die Medizin übernimmt die Geburt und die Mutter wird zur Nebenfigur. Das Kind wird bereits in das System der Hektik hinein geboren und muss sich dem fremden Rhythmus anpassen.
  • Unsere Kinder kommen immer früher in Krippen und Kindergärten.
    Unser Schulsystem ist geprägt von intellektueller Rekordleistung, die über allem steht.
  • Selbst am Lebensende haben wir kaum Zeit, der tote Körper wird so schnell es geht entsorgt.
    Dagegen scheinen nur die lebensverlängernden Maßnahmen zu stehen, bei denen unter oft fragwürdigen Umständen Patienten am Leben erhalten werden, die eigentlich gehen wollen. Ein Paradox.
  • Unser Essen: Instant – alles muss schnell gehen und sofort fertig. Instant-Nudeln, in drei Minuten bereit! Fertiggerichte, Fix-und-fertig!
    Genau das, so wird uns versprochen, hilft dir, wenn du dich selbst „fix und fertig“ fühlst nach dem ganzen stressigen Tag, der hinter oder vielleicht auch noch vor dir liegt!
    Doch der Name und das Versprechen sind leider meist Programm: Du bist danach eben noch „fix und fertiger“ und hechelst nach dem nächsten Instant-Kick hinterher, der dir Kraft geben soll, irgendein Pensum zu erreichen.

Und die Liste könnte noch weiter gehen…

Ich frage mich dann oft:

Wohin hetzen wir denn?
Und:
Wer hetzt uns eigentlich?

Dass es im Herbst schon Weihnachtsplätzchen gibt, scheint ja schon normal geworden zu sein. Viele sind schon völlig übersättigt, wenn Weihnachten dann endlich vor der Tür steht! Der Tannenbaum kann nicht früh genug die Wohnung verlassen und zwei Wochen in den Januar hinein, stehen schon (ja, ich konnte es auch nicht glauben), die erste Osterdekorationen parat!

Warum darf es bitte nicht erstmal Winter sein?
Warum ertragen wir das, was ist, so schlecht und müssen immer weiter? Brauchen den nächsten Kick, den nächsten Farbklecks?
Brauchen wir wirklich die ersten Osterglocken bereits im Januar, oder können wir uns noch etwas an Hyazinthen erfreuen?

Natürliche Rhythmen

Warum dürfen wir nicht die Welt, die Veränderungen, uns selbst darin so erleben, wie es wirklich ist?
Wer oder was will nicht, dass wir den natürlichen Rhythmen folgen?
Das Leben er-leben?
Wer oder was hält uns vom Leben ab, vom Leben fern?
Was steht denn nun wirklich hinter dem ganzen Optimierungswahn?
Was ist das für eine Dynamik, der wir uns unterordnen und mit unserer Lebenszeit und Energie bezahlen?

Wissen tue ich es nicht und einen Namen habe ich auch nicht.

Was ich allerdings beobachten konnte, ist Folgendes:

Je schneller wir werden, desto mehr verlieren wir auch. Desto unzufriedener werden wir.
Und:
Desto mehr brauchen wir!
Die Leere in uns wird immer größer, immer greller, immer schreiender und wir tun sehr viel, um sie gar nicht erst spüren zu müssen!

Und ja, es wird auch sehr viel von außen dazu beigetragen, dass wir genau das tun! Die Leere soll ja gar nicht erst aufkommen!

Tiefe Gefühle, tiefe Verbindung zur eigenen inneren Quelle… das hat in so einem hektischen Karussell keinen Platz. Und soll es auch nicht. Denn der, der nach innen schaut, der bleibt stehen und hält somit das große Rad nicht mehr am Laufen.

Der, der stehen bleibt, fängt an zu hinterfragen.
Der, der hinterfragt, stellt unbequeme Fragen.
Er wird ein Suchender.
Er klinkt sich immer mehr aus und geht nach innen, folgt seiner eigenen inneren Führung.
Er wird immer mehr zu seiner eigenen Autorität. Zu seinem eigenen Schöpfer.
Er braucht immer weniger, weil er immer mehr in sich selbst findet.
Er wird immer gelassener, weil er Halt in sich hat.
Er wird immer freier, weil er selbständig denkt und fühlt.
Er lässt sich immer weniger blenden und manipulieren, weil er sehend geworden ist.

Und er bricht aus dem großen Rad, das über unsere Erde fährt und alles unter sich platt macht. Er bricht aus uns den fremden Rhythmen und findet zurück zu seinem eigenen, zu seinem eigenen Atem, seinem eigenen Zyklus und damit zurück nach Hause zum großen Weltenatem. Zurück nach Hause zu den großen Weltenzyklen.

Er kommt nach Hause und braucht diese Sehnsucht nicht mehr durch Zerstreuung überdecken.

Entfremdung

Je mehr wir uns von uns selbst entfremden, von unseren Gefühlen und unserem Wesenskern, desto mehr entfremden wir auch von der Natur, die uns umgibt. Wir haben gar nicht mehr die Empathie, wenn es um uns selbst geht und um die Belange der anderen. Wir nehmen Tierleid hin, um uns zu ernähren, wir nehmen die Zerstörung unserer Umwelt in Kauf und spalten die Gedanken daran von uns ab. Wir werden gefühlsloser und damit leichter zu steuern.

Zu wessen Trommelschlag tanzen wir da, diesen hektischen, frenetischen Tanz?
Ist es wirklich unserer?
Wollen wir das?

Wer profitiert von einer Welt, in der Herzlichkeit, Achtsamkeit, Wertschätzung und Ruhe zu kurz kommen?
Wer findet Gefallen an immer weniger Mitgefühl gegenüber uns selbst und unseren Mitmenschen und anderen Lebewesen?
Welche Energie gewinnt denn, wenn wir die Natur, unsere Natur opfern zum Wohle von etwas, was künstlich und zerstörerisch ist?

Man sagt, dass Liebe und Angst die zwei Urkräfte unserer dualen Welt sind. Alles, was wir tun, entspringt einer dieser beiden Quellen: der Angst oder der Liebe.

Wenn wir hetzen, sind wir im Mangel und somit in der Angst.
Wenn wir uns auf unser eigenes Tempo besinnen, gehen wir in die Achtsamkeit und somit in die Liebe. Aus dieser Achtsamkeit und Liebe sich selbst gegenüber erwächst dann Wohl für alle, mit denen wir in Kontakt kommen.

Auswege

In jedem von uns entsteht immer wieder der Impuls und der Wunsch, auszusteigen. Da nicht mehr mitzumachen.
Manchmal ist es der Schmerz, der uns in Richtung Veränderung drängt, manchmal aber auch die Freude an dem Gefühl der Selbstbestimmung und die tiefe Liebe, die der Kontakt zur eigenen Essenz und zur Essenz der Welt, der einen beflügelt.

Veränderung geschieht Schritt für Schritt, es müssen nicht immer gleich Quantensprünge sein. Man fängt an, wo man gerade ist.

Mir wurde irgendwann klar, dass ich mein Leben nach den natürlichen Rhythmen leben möchte, tief in Kontakt zu mir und meinen Mitmenschen, verbunden und geerdet mit der Essenz unseres Planeten. Hier teile ich mit Dir einige persönliche Schritte auf meinem Weg:

  1. Ein lokaler Biolandwirt stellt uns wöchentlich eine Gemüsekiste vor die Tür. Wir wissen vorher nie, was drin ist. Manchmal stehe ich ratlos vor den mir fremden Knollen und Gewächsen und bin dankbar für ein Rezept, das in der Kiste liegt.
    Manchmal versteckt sich auch ein Tierchen im Salat und Erde klebt an den Wurzeln. Ich nehme mir Zeit, sie zu waschen und das Tierchen zu retten… Ich nehme mir Zeit zum Zubereiten der Mahlzeit und zum Essen. Nicht jeden Tag, aber immer öfter.
    Manchmal empfinde ich Widerstand und meine, eben genau diese Zeit nicht zu haben! Und stelle dann, immer wieder, beruhigt fest, dass ich sie habe und dass mir genau diese Tätigkeit, genau diese Entschleunigung genau das bringt, wonach ich mich am allermeisten Sehne: das Leben!
  2. In der Zeit, in der ich in einem Angestelltenverhältnis arbeitete, litt ich oft darunter, zu den vorgegebenen Arbeitszeiten aktiv sein zu müssen und natürlich auch zu wollen. Für Biorhythmus, weiblichen Zyklus, Tags-und Nachtrhythmus war da kaum Platz. Daraus entstand der Wunsch nach mehr Freiheit und der Entschluss, den Weg in die Selbständigkeit zu gehen. Freiheit geht Hand in Hand einher mit Verantwortung.
    Heute kann ich mir frei nehmen, wenn ich das Bedürfnis habe. Schenke mir Ruhe und Regenerationszeit während meiner Menstruation und lasse mich inspirieren in der Zeit, wo der Verstand weniger funktioniert, dafür die Intuition und das Empfangen umso stärker sind. Niemand hält mich auf, wenn ich in energiereichen Zeiten die Nacht zum Tag mache und Projekte in Windeseile verwirkliche, niemand nimmt Anstoß daran, wenn nach dem Sturm auch wieder die Ruhephase kommt.
  3. Mit der Natur, nicht gegen sie! Im Winter früh zu Bett, im Sommer lange wach! Die Natur und mit ihr unser Körper geben den Rhythmus vor. Viele von uns kommen morgens nur schwer aus dem Bett, besonders im Winter und wünschen sich, früher in selbiges zurück kehren zu können.
  4. Meditation.
  5. Tägliche, kontinuierliche Arbeit an mir selbst.
  6. Weniger ist oft mehr, Minimalismus ein Lebensgefühl, das die Türen zur Ursprünglichkeit und Essenz öffnen kann. Nur wenn ich Platz schaffe, kann Neues diesen Raum füllen.
  7. Zeit in der Natur verbringen zu können ist eines meiner größten Geschenke. Die Jahreszeiten auf mich wirken lassen, die verschiedenen Stadien, Schwingungen, Stimmungen… das schenkt Kraft und führt zum eigenen Rhythmus und Schwingung zurück.

Kleine Puzzleteile, die ein Bild wachsen lassen und irgendwann ein großes Mosaik ergeben.

Und jetzt bist Du dran:

Wo kannst Du anfangen, wieder mehr nach Hause zu kommen? Wo kannst Du Dich ausklinken aus den Rhythmen, die Dir nicht mehr gut tun?
Wie kannst Du zurück finden zu Deinem Atem und Dich über ihn verbinden mit dem großen Atem dieser Welt?
Wo kannst Du Dich heute, jetzt in diesem Moment, noch mehr mit Deinem Herzen verbinden und mit dieser Verbindung im Einklang sein mit dem Herzschlag der Natur, dem All-Einen?

Mach Dir dieses Geschenk…

22.01.2020
Ursula Schulenburg
www.institut-schulenburg.de
Autorin, Dozentin, Heilpraktikerin, Life Coach und führt ihr online Business Soulcentered Evolution.

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1 Kommentar

  1. Danke für den Artikel zu diesem wichtigen Thema “Stress und durchs Leben hetzen”, ich kenne es so gut.
    Seit 3 Jahren bin ich im Ruhestand und war damals ehrlich gesagt ziemlich verblüfft, dass/ wie das durch-den-Tag-hetzen sich in mir (nach /in über 3 Jahrzehnten Berufsleben) verselbstständigt hatte.

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