Polarität und Dualität – Der Weg in der Zweiheit

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Polarität und Dualität AMORC PyramidenPolarität und Dualität – Der Weg in der Zweiheit

Üblicherweise wird zwischen Polarität und Dualität nicht unterschieden und beide Begriffe werden mehr oder weniger als Synonyme verwendet. Das klingt in der Regel so, dass ein vorhandener Pol immer einen entsprechenden Gegenpol erzeugt.

Das Einatmen bedingt das Ausatmen, Anspannung bedingt Entspannung, Schlafen das Wachsein, etc. Ein Pol bedingt den anderen. Das klingt natürlich zunächst einleuchtend. Und doch haben wir ein Problem, wenn man das konsequent zu Ende denkt; dann nämlich würde Krieg den Frieden erzeugen und Frieden wiederum Krieg.

Das hieße allerdings, dass all unser Bemühen um eine friedlichere Welt völlig sinnlos wäre, ja mehr noch, sämtliche Bestrebungen um eine Veredelung von Geist und Bewusstsein wären von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Es gilt, Polarität und Dualität als zwei unterschiedliche Arten von Zweiheit nicht zu vermischen ‒ sonst laufen wir Gefahr, jegliche Wertigkeit zu verlieren.

Es geht um die Zwei, um zwei Arten von Zweiheit, die sich zumindest begrifflich unterscheiden lassen.

Es handelt sich dabei nicht nur um eine mehr oder weniger abstrakte oder theoretische Unterscheidung. Zu unterscheiden ‒ oder eben auch nicht ‒ hat große Auswirkungen auf unser Verhalten, auf unseren Alltag und vor allem darauf, wie wir der Welt gegenüber treten, d.h. auf die Art und Weise wie wir uns positionieren.

Doch beginnen wir am Anfang, zumindest am Anfang im Sinne der Schöpfungsgeschichte, die ja mit der Zwei beginnt, der hebräischen Letter Beth. Die Zwei hat in der Tradition der Rosenkreuzer etwas mit dem Gebäude der Schöpfung zu tun, d.h. mit Bewusstsein und Verlebendigung, mit Wahrnehmung bzw. Bewusstwerdung, aber auch mit Unterscheidungsvermögen. Und so lehren alle spirituellen Traditionen, dass die Schöpfung dual aufgebaut ist.

Die Schöpfungsmythen aller Kulturkreise verweisen darauf,

dass ein jegliches sein Gegenüber hat, denn ohne ein entsprechendes Gegenüber hätte nichts Bestand. Schöpfung ist somit quasi Zweimachung, und der Beginn jeglicher Schöpfung besteht darin, dass sich aus einer unergründlichen ewigen Einheit heraus ein Gegenüber entwickelt.

Dies ist der Ausgangspunkt dafür, dass überhaupt eine Wahrnehmung stattfinden kann. Wahrnehmung ist ein Prozess der Gegenüberstellung, und nur das kann wahrgenommen werden, was als Gegenüber in Erscheinung tritt. So ist das Hervortreten der Schöpfung aus der Einheit für jegliches Erkennen erforderlich, und die Welt der Schöpfung dient als Spiegel, sowohl für die Gottheit als auch für den Menschen.

2 Beth Foto by Amorc
2 Beth Foto by Amorc

Betrachten wir den Beginn der Thora,

den Beginn der heiligen Schrift des Judentums, d.h. den Beginn der fünf Bücher Mose, die ja auch den Anfang der Bibel darstellen. Was in Genesis 1,1 im ersten Satz und in den ersten Worten steht, ist für das Judentum wie für das Christentum von grundlegender Bedeutung. Ohne irgendwelche einleitenden Worte wird dort sogleich der Kern aller Offenbarung in einem einzigen Satz zusammengefasst.

Am Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde.

Wir wissen, dass hebräische Buchstaben in erster Linie Zahlen sind und erst in zweiter Linie Buchstaben. A, die hebräische Letter Aleph hat den Zahlenwert 1; B, die hebräische Letter Beth hat den Zahlenwert 2; G, Gimel hat den Zahlenwert 3, etc.

2 Beth Foto by Amorc
2 Beth Foto by Amorc

Wenn man nun die Thora öffnet und ganz am Anfang zu lesen beginnt ‒

und zwar im Wissen um das Primat der Zahlen ‒ dann könnte man vielleicht erwarten, dass dort eine Eins steht. Doch Kapitel 1, Vers 1, Wort 1 beginnt mit B, d.h. mit der Zwei. Und diese Zwei, d.h. die hebräische Letter Beth am Anfang von Genesis 1,1 ist auch noch größer geschrieben, so dass unser Augenmerk unbedingt auf diese Zwei gelenkt wird. Und nicht nur das erste Wort beginnt mit B, auch das zweite.

Im Hebräischen heißt es:

Bereschit bara elohim et ha schamajim we et ha eretz. Beim Beginn (bereschit) schuf (bara) Gott (elohim) die Himmel (et ha scham­ajim) und die Erde (we et ha eretz).
Mit anderen Worten die Bibel oder besser die Thora beginnt mit der Genesis in Kapitel 1,1 mit den Initialen 2-2. Das ist sehr eigenartig und wohl kaum Zufall.

genesis1 Foto by Amorc
Genesis1 Foto by Amorc

Die Verfasser der Thora wussten schon,

dass man hier auch mit 1-1, hätte beginnen können, d.h. mit der hebräischen Letter Aleph. Dadurch, dass die Zwei am Platz der Eins steht, symbolisiert sie die wahre Natur der göttlichen Realität.

Es gibt Schöpfung und Schöpfer, Materie und Geist, Unendlichkeit und Ewigkeit. Beide sind eins, aber nicht identisch ‒ eher eine Art Ganzheitlichkeit als eine Einheit, zumindest aber keine undifferenzierte Einheit.

Und dennoch liegt in der Eins, der Aleph, die Zwei verborgen, d.h. die Eins, die hebräische Letter Aleph, trägt bereits die Zwei in sich. Aleph repräsentiert das himmlische Licht und erinnert uns an die Stelle des eines Rituals, wo es heißt:

Die Göttliche Realität ist Eins… In ihr wohnt das Licht, das sich zu Beginn des Universums manifestiert hat…

Alle Gegensätze sind in der Aleph noch harmonisch vereint, auch wenn die Aleph diese Gegensätze bereits in sich trägt. Die Form von Aleph besteht aus zwei Jod, die einmal über und einmal unter der schrägstellten Vav angeordnet sind und den gematrischen Wert 26 ergeben, der dem des Namens Gottes JHVH entspricht.

Aleph Foto by Amorc

Doch zählen wir weiter von der Eins zur Zwei und kehren zurück zu unserem Thema, der Zweiheit. Wenn wir von Zweiheit sprechen, so ist es nicht überraschend, dass es zwei Arten von Zweiheiten gibt.

Die beiden Arten der Zweiheit sind Polarität und Dualität und es erscheint wichtig, zwischen diesen beiden zu unterscheiden.

Allerdings besteht das Problem, dass die Begriffe Polarität und Dualität häufig als Synonyme Verwendung finden. Auch wenn man verschiedene Lexika durchstöbert, findet man meist keine wirkliche Abgrenzung oder Unterscheidung.

Erst wenn man in verschiedenste Fachbegriffe eintaucht, sei es aus der Biologie, Chemie oder was auch immer, erhält man manchmal eine Ahnung von den Unterschieden, häufig aber auch nicht, z.B. bei Definitionen aus dem politischen Bereich.

Auch in philosophischen und insbesondere in esoterischen Schriften findet man in der Regel keine klare Abgrenzung der Begriffe, eher eine Art Verschwommenheit oder auch Beliebigkeit. Ganz so als seien Polarität und Dualität Synonyme, was sie aber gewiss nicht sind ‒ zumindest wenn man sich mit der Zwei ernsthaft und tiefgründig auseinandersetzen will, um sich so dem Phänomen der Schöpfung und deren Ziel der Bewusstwerdung anzunähern.

Eine rühmliche Ausnahme bildet der Schweizer Philosoph Armin Risi, der eine klare Unterscheidung zwischen Polarität und Dualität vorgenommen hat. Da diese zumindest für das eigene Verhalten und die damit erforderlichen Entscheidungen eine wertvolle Hilfe sein kann, beruhen die folgenden Ausführungen im Wesentlichen auf den Werken dieses Autors. Versuchen wir, ein Gespür für die Unterschiede zu erlagen oder zumindest für eine mögliche begriffliche Unterscheidung, die unser Denken erhellen kann.

Polarität

Nachfolgende Abbildung irgendwo auf einer Doppelseite mit den Überschriften Polarität und Dualität

das geheimnis der zwei Amorc
Das Geheimnis der zwei -Amorc –

Polarität, das kennen wir. Wir haben zum Beispiel eine Kugel mit zwei Polen, Nordpol und Südpol. Zwei Pole, deswegen sprechen wir ja von Polarität. Oder bei der Elektrizität. Auch hier haben wir zwei Pole, den positiven Pol und den negativen Pol.

Behaupten wir jetzt aber der positive Pol sei gut und der negative Pol sei böse, dann merken wir sofort, dass eine völlig unangebrachte Wertigkeit im Spiel ist. Wir dürfen Polaritäten nicht mit gut und böse vermischen. Wir haben lediglich zwei Pole.

Polarität ist laut Definition die Zweiheit der gleichwertigen, sich gegenseitig ergänzenden Gegensätze. Nordpol ‒ Südpol | positiv ‒ negativ | männlich ‒ weiblich | Raum und Zeit | oben und unten | Ursache und Wirkung | Aktion und Reaktion. Das reicht bis ins Physische hinein. Sympathikus und Parasympathikus oder einatmen und ausatmen. Man kann nicht nur einatmen. Einatmen bedingt Ausatmen, etc.

Hier haben wir das ‘sowohl als auch‘. Zwei Pole, beide sind gleichwertig, sowohl der eine Pol als auch der andere. Es herrscht ein Gleichgewicht, eine Harmonie, quasi der Zustand im Garten von Eden. Und genau hier ist geboten, aufzupassen und zu unterscheiden, denn ein uneingeschränktes ‘sowohl als auch‘ führt in eine Sackgasse.

Es gilt daher zu differenzieren, denn ein uneingeschränktes ‘sowohl als auch‘ würde bedeuten, dass auch Lüge und Wahrheit oder Krieg und Frieden gleichwertig seien, was sicherlich nicht der Fall ist. Denn ‘sowohl als auch‘ gilt für ausschließlich bei Polaritäten.

Dualität

Dualität ist die andere, von der Polarität grundsätzlich zu unterscheidende Art einer Zweiheit. Hier haben wir die Zweiheit der ‘nicht gleichwertigen, sich gegenseitig ausschließenden Gegensätze‘.

Es kommt eine Wertung ins Spiel und in unserer Welt gilt es selbstverständlich zu werten und sich zu entscheiden. Zu werten ist wichtig, denn die Gegenteile in der Dualität sind ja eben gerade nicht gleichwertig. Wir müssen unterscheiden, d.h. in diesem Sinne auch werten, Position beziehen und Verantwortung übernehmen.

Gut ‒ böse | Licht ‒ Finsternis | Liebe ‒ Hass | Lüge ‒ Wahrheit | Vertrag einhalten oder Vertrag brechen. Das ist nicht das Gleiche, schon gar nicht gleichwertig. In der Dualität haben wir immer das zu viel und das zu wenig. Und hier gilt selbstverständlich das ‘entweder oder‘.

Entweder lügst Du oder Du lügst nicht. Ein bischen lügen geht nicht. Entweder oder. Gut und böse sind demnach nicht gleichwertig. Das spüren wir alle intuitiv; irgendwie merken wir, dass gut und böse nicht gleichwertig sind. Lüge ist das Gegenteil von Wahrheit aber Wahrheit ist nicht das Gegenteil von Lüge.

Man kann das nicht einfach umdrehen bzw. austauschen. Lüge ist eine verdrehte Wahrheit, aber Wahrheit ist keine verdrehte Lüge. Hass ist die ins Gegenteil verkehrte Liebe aber Liebe ist nicht einfach ins Gegenteil verkehrter Hass oder die Abwesenheit von Hass. Liebe ist mehr als nur ich hasse dich nicht…

Betrachten wir ein markantes Beispiel aus der Esoterikszene

an, ein Zitat von einem der Autoren, die die esoterische und die spirituelle Szene in Deutschland über viele Jahrzehnte maßgeblich geprägt und inspiriert haben.

Weigere ich mich auszuatmen,
so kann ich auch nicht mehr einatmen.

Nehme ich den negativen Pol des elektrischen Stroms weg,
so verschwindet auch der positive Pol.

Genauso bedingt der Friede den Krieg, das Gute erzwingt das Böse,
und das Böse ist der Dünger des Guten. […]

Alle Dinge sind an sich völlig wertfrei und neutral. Die Einstellung des Menschen macht aus ihnen erst Gegensätze der Freude und des Leids.

Wie klingt das für uns? Was tönt da durch?

Das klingt nach dem verbotenen Baum. Es heißt, Freude und Leid seien völlig subjektiv. Auch Gut und Böse sind angeblich völlig subjektiv und an sich gleichwertig. Das ist die Aussage in diesem Zitat, in dem nicht zwischen Polarität und Dualität unterschieden wird, d.h. es fehlt die notwendige Differenzierung und Wertigkeit, wie ein weiteres Zitat des Autors verdeutlicht:

Allein unsere Überlegungen zum Polaritätsgesetz führen zu der Konsequenz, dass Gut und Böse zwei Aspekte ein und derselben Einheit und daher in ihrer Existenz voneinander abhängig sind.

Und so erscheint das gesamte Zitat mehr als problematisch. Denn wenn der Friede tatsächlich den Krieg bedingen würde, so wären Gebete für den Frieden nicht nur sinnlos, sondern geradezu kontraproduktiv.

Wenn das Gute tatsächlich das Böse erzwingen würde

und das Böse wirklich der Dünger des Guten wäre, so wäre das Böse gar nicht böse. Wenn tatsächlich alle Dinge an sich wertfrei und neutral wären, dann wären auch Krieg, Lüge, Ausbeutung, etc. völlig wertfrei und neutral.

Natürlich kann man nicht einatmen ohne auch auszuatmen. Man kann auch nicht bei der Elektrizität den einen Pol wegnehmen und erwarten, dass dann noch Strom fließt. Aber in diesem Zusammenhang ‘genauso‘ zu sagen und das auf Frieden und Krieg, auf gut und böse anzuwenden, das ist ein fatales Denken, das gut und böse als gleichwertig betrachtet.

Wenn irgendwo etwas Böses getan wird, wird dies durch das Gute ausgeglichen. Aber wenn etwas Gutes getan wird, muss dieses nicht durch das Böse ausgeglichen werden. Denn diese sind als Dualitäten ja gerade nicht gleichwertig. Gut und Böse sind nicht gleichwertig. Intuitiv spürt man das als eine Art Unbehagen, das sofort in einem aufsteigt, wenn gut und böse als gleichwertig betrachtet werden.

Das erinnert uns an eine Aussage aus Goethe‘s Faust, die wir alle kennen.

[Ich bin] Ein Teil von jener Kraft,
die stets das Böse will und stets das Gute schafft.
So ist denn alles, was ihr Sünde, Zerstörung, kurz das Böse nennt,
mein eigentliches Element.
Johann Wolfgang von Goethe

Bei oberflächlicher Betrachtung könnte man meinen, dass Goethe ein Wort Gottes vermittelt, quasi ein kosmisches Gesetz. Doch handelt es sich eher um eine Art Selbstrechtfertigung des Bösen, denn Goethe hat diese Worte dem Mephistopheles zugeschrieben, dem Mephisto. Mephistopheles kommt aus dem Hebräischen mephir, der Zerstörer oder Verderber und tophel, der Lügner. Goethe hat diese zerstörerische Lüge somit dem Richtigen in den Mund gelegt; der Name Mephistopheles sagt es ja, Nomen est Omen.

So ermöglicht uns das Erkennen des Unterschieds zwischen Polarität und Dualität eine klare Ausrichtung des Bewusstseins.

Denn wie sollen wir uns auf das Gute ausrichten und auf den Frieden einstellen, wenn wir denken das Gute sei der Nährboden des Bösen oder Friede bedinge den Krieg.

Das klingt nach dem verbotenen Baum; und an den Früchten werden wir erkennen. Wir brauchen ein fokussiertes, auf das Höhere ausgerichtetes Bewusstsein. Ein klares Denken mit der erforderlichen klaren Unterscheidung. Das Verständnis von Polarität und Dualität ermöglicht uns die Rückkehr nach Eden, und zwar im wörtlichen und im übertragenen Sinn.

Kehren wir zurück zum Beginn, zur Thora,

mit der wir begonnen hatten und wenden uns diesem Baum zu, dem Baum der Erkenntnis von gut und böse. Mit Erkenntnis oder erkennen ist das ganz gut übersetzt aber im Hebräischen steckt da noch eine andere Bedeutung drin. Erkennen heißt auch so viel wie Empfängnis, Verschmelzung, Vereinigung.

Wenn zum Beispiel Adam und Eva ihre Nachkommenschaft zeugen, sich vereinigen, dann steht da im Hebräischen ‘erkennen‘.
Adam und Eva, sie erkannten sich.

In Genesis 4,1 heißt es: Und Adam erkannte sein Weib Eva, und sie ward schwanger und gebar den Kain. Auch in der deutschen Übersetzung steht das Wort ‘erkannte‘. Wir wissen ganz offensichtlich was das Wort ‘erkannte‘ hier bedeutet.

Oder in Genesis 4, 17: Und Kain erkannte sein Weib, die ward schwanger und gebar den Henoch. Wenn vom Baum der Erkenntnis gesprochen wird, so bedeutet das mit anderen Worten die Gleichsetzung, die Verschmelzung von gut und böse.

In der jüdischen Tradition repräsentieren der Baum des Wissens und das Essen seiner Früchte den Anfang der Vermischung von Gut und Böse. Davor waren beide getrennt, und das Böse hatte nur eine nebulöse Existenz, sozusagen in potentia.

Dieser verbotene Baum der Erkenntnis ist ein geistiges oder symbolisches Konzept.

Allerdings ist das ‘Bild‘ des Baumes ein sehr gutes, denn der Baum steht als eine Pflanze für die Wachstumskräfte, die über die Früchte immer wieder den gleichen Prozess initiieren. Wir verlieren Eden, wenn wir gut und böse vermischen und als gleichwertig betrachten. Unsere heutige Zeit offenbart dies, denn wir leben ganz offensichtlich nicht in einer Art Paradies, egal was man sich darunter vorstellen mag.

So wie das Böse im Absoluten nur eine nebulöse Existenz in potentia hat, so ist im Licht potentiell Dunkelheit vorhanden. Aber in der Dunkelheit ist potentiell kein Licht vorhanden.
Die Dunkelheit ist das Nicht-Sein des Lichtes, wie es in einem unserer Rituale heißt. Man muss das Licht dort hinbringen in die Dunkelheit, d.h. im Dunkel muss das Licht entzündet werden.

Licht schafft keine Dunkelheit, sondern diejenigen, die sich vom Licht trennen, erzeugen die Finsternis. Und das hat mit diesem Baum zu tun, mit der tiefen Bedeutung dieses Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse, dieses verbotenen Baumes.
Mit anderen Worten, Eden ist möglich.

Friede und Harmonie sind möglich,

aber nur wenn wir nicht in diese Einseitigkeit fallen, wenn wir nicht von diesen falschen Früchten essen und somit Gut und Böse vermischen. Wir müssen auf das Höhere ausgerichtet bleiben, uns entscheiden und Position beziehen.

Wenn auch in der unergründlichen Einheit des Absoluten alle Gegensätze zusammenfallen mögen, bzw. nur potentiell vorhanden sind, so leben wir hier auf diesem irdischen Plan in einer Welt der Zweiheit und haben meist keinen Zugang zum Absoluten, das wir vielleicht in günstigen Augenblicken berühren mögen.

Es gilt, in dieser Welt der Zweiheit nicht alles miteinander zu vermischen und schon gar nicht Polarität und Dualität. Zumindest für das eigene Verhalten und die damit erforderlichen Entscheidungen kann dies eine wertvolle Hilfe sein.

Wir hatten ja bereits erfahren, dass die Gegenüberstellung im Sinne der Zwei für die Bewusstwerdung unbedingt Voraussetzung ist. Nicht umsonst stehen die Phänomene Leben und Bewusstsein am zweiten Punkt des Dreiecks von Licht, Leben und Liebe. Im Falle der Dualität gilt es daher, sich zu entscheiden, da ein ‘sowohl als auch‘ mehr als unangebracht erscheint. Wir sollten Position beziehen. Oder um es mit den Worten Christian Bernards zu sagen:

Wir müssen aktiv werden und das schöpferische Potential bewusst lenken, das der Kosmos ständig für uns bereithält. Wenn wir nichts unternehmen und in Neutralität verharren, dann tritt unweigerlich das vom Guten Abgekehrte auf den Plan. So sind nämlich Passivität und Neutralität treue Diener des Schlechten.

Beziehen wir Position und werden unserer Verantwortung gerecht ‒ zum Wohle unserer Mitwelt und der gesamten Schöpfung. Die Entscheidung liegt bei uns.


Zum Nachlesen | Zitierte Bücher von Armin Risi:

– Licht wirft keinen Schatten | Ein spirituell-philosophisches Handbuch, Govinda Verlag 2004/2016
– Der radikale Mittelweg | Überwindung von Atheismus und Monotheismus, Kopp Verlag 2009/2016
– Ihr seid Lichtwesen | Ursprung und Geschichte des Menschen, Govinda Verlag 2013/2015
– Ganzheitliche Spiritualität | Der Schlüssel zur neuen Zeit | Theistische Mysterienschule Band 1,
Govinda Verlag 2011/2014
– Einheit im Licht der Ganzheit | Orientierung im Labyrinth von Religion | Theistische Mysterienschule Band 2, Govinda Verlag 2011/2014


15.08.2020
Alexander Crocoll


Vita des Autors:Dr. rer. nat. Alexander Crocoll

Dr. rer. nat. Alexander Crocoll, geb. 1966. Während seiner wissenschaftlichen Tätigkeit Publikation von Arbeiten zur Genetik molekularer Embryologie. Er beschäftigt sich seit frühester Jugend mit spirituellen Fragen, ist seit drei Jahrzehnten AMORC-Mitglied und arbeitet heute als Sekretär in der deutschen AMORC-Zentrale.

Sie möchten mehr über AMORC erfahren …:

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Bild und Text (c) AMORC

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1 Kommentar

  1. Dacht ich mir doch gleich, dass hier jemand Armin Risi gelesen hat! 🙂 Risi, ein Meister im deutlichen Erklären und Veranschaulichen der Sachverhalte – hier gut zusammengefasst vom Autor. danke!

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