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Stonehenge, der geheimnisvolle Steinkreis des englischen Salisbury

Stonehenge: aufrechte Steine und Quersteine vor rötlichem Himmel

Stonehenge – uraltes Rätsel in Stein

Stonehenge: aufrechte Steine und Quersteine vor rötlichem HimmelStonehenge ist ein prähistorisches Monument nahe Salisbury in England. Seine ersten großen Erdarbeiten entstanden um 3000 v. Chr., die gewaltigen Steinsetzungen um 2500 v. Chr. Der Steinkreis ist auf die Sonnenwenden ausgerichtet; welche Vorstellungen die Erbauer mit ihren Zeremonien verbanden, wissen wir nur in Teilen. Und so bleibt dieser Ort steingewordenes Geheimnis, umrankt von Mythen und Legenden wie kaum ein anderer in Europa.

Zur Sommersonnenwende geht die Sonne, vom Inneren der Anlage aus gesehen, nahe dem sogenannten Fersenstein auf. Zur Wintersonnenwende hätte sie ursprünglich zwischen den aufrechten Steinen des höchsten Trilithen untergehen können: einem Tor aus zwei stehenden Steinen und einem dritten, quer darüber liegenden. Ein Teil dieses Trilithen ist heute umgestürzt. English Heritage erläutert die Ausrichtung von Stonehenge auf die Sonnenwenden. Doch der Kultstätte wurde in der Neuzeit lange nicht der gebührende Respekt entgegengebracht.

Vom vernachlässigten Monument zum geschützten Kultplatz

Im Lauf der Jahrhunderte gingen Steine verloren, andere stürzten um oder wurden beschädigt. Das Areal wechselte die Besitzer, wurde ignoriert, als Weide genutzt oder während des Ersten Weltkriegs zum direkten Nachbarn eines Flughafens.

1901 wurde das Gelände schließlich abgesperrt und Besuchern gegen Eintritt zugänglich gemacht, und 1918 ging es aus Privatbesitz an den britischen Staat über. Zu Beginn der Siebziger, im Zeitalter des Wassermanns, veränderte sich dann die allgemeine Wahrnehmung und Wertschätzung: “Free Festivals” mit stetig wachsenden Teilnehmerzahlen feierten die Sonnenwenden an diesem Kultplatz.

Die Sonnenwendfeiern wurden zu großen Zusammenkünften. 1985 untersagten die Behörden das Festival; der Schutz der archäologischen Landschaft gehörte zu den Konfliktpunkten. Am 1. Juni kam es abseits des Monuments zu der gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen Polizei und anreisenden Festivalbesuchern, die als Battle of the Beanfield in die Geschichte einging.

Erst im Jahr 2000 wurde Stonehenge zur Sommersonnenwende wieder allgemein unter geregelten Zugangsbedingungen geöffnet. Die Darstellung von English Heritage zur Festivalgeschichte beschreibt den langen Konflikt und die spätere Verständigung mit den verschiedenen Gruppen.

Seit 1986 gehören Stonehenge, Avebury und die zugehörigen Stätten zum UNESCO-Welterbe. Die Ausrichtung auf die Sonnenwenden ist nachvollziehbar. Welche religiöse Bedeutung die Menschen damit verbanden, bleibt dagegen Gegenstand der Forschung.

Viele Rätsel dieser Steine sind bis heute nicht vollständig gelöst. Mit dem Fortschritt der wissenschaftlichen Methoden werden laufend neue Erkenntnisse gewonnen, aufgrund derer bestehende Theorien erweitert, korrigiert oder völlig umgestoßen werden müssen.

Wie alt ist Stonehenge also? Die Baugeschichte des Monuments beginnt um 3000 v. Chr. mit Graben und Wall. Viel ältere Pfostenspuren in der Umgebung stammen aus der Mittelsteinzeit; sie machen den späteren Steinkreis nicht zu einer 11.000 Jahre alten Anlage.

Wurde Stonehenge als Kultplatz, Friedhof oder Heilstätte genutzt? Bestattungen sind durch Funde belegt. Über konkrete Zeremonien und Glaubensvorstellungen lässt sich weit weniger sicher sprechen. Die Anlage liegt im Südwesten Englands, nördlich von Salisbury. Sie ist nicht die größte prähistorische Struktur Europas – dafür eine der berühmtesten der Welt.

Wie ist Stonehenge aufgebaut?

Stonehenge ist trotz seines Namens kein typisches „Henge“: Bei vielen solchen Erdwerken liegt der Graben innerhalb des Walls. Hier umschließt er den inneren Wall; ein kleinerer äußerer Wall ist kaum noch erhalten.

Im Zentrum stehen zwei unterschiedliche Gruppen von Steinen. Die großen Sarsensteine bilden einen äußeren Kreis mit Quersteinen und im Inneren ein Hufeisen aus fünf Trilithen. Dazwischen und innerhalb dieser Anordnung stehen die kleineren, als Blausteine bezeichneten Steine. Die fünf großen Trilithen bestehen also ebenfalls aus Sarsen und nicht aus Blaustein. Die Beschreibung und Anordnung der Steine macht diesen Aufbau nachvollziehbar.

Nahe der Mitte liegt der sogenannte Altarstein. Ein Zugang im Nordosten durchbricht Graben und Wall; außerhalb steht der Fersenstein, nicht weit davon liegt der Opferstein. Vom Eingang führt die Avenue in Richtung des Flusses Avon.
Die Namensgebung der Steine ist willkürlich. Ob der eine tatsächlich als Altar gedient haben mag – man weiß es nicht. Dass der Opferstein jemals als Hinrichtungsstätte benutzt wurde, ist ebenfalls recht fraglich. Über die rund zwei Jahrtausende hinweg, in denen Stonehenge seine Bestimmung(en) erfüllte, beginnend gut 3000 Jahre vor unserer Zeitrechnung, wurde die Anlage laufend erweitert.

Auch die heutige Ansicht erzählt von späteren Eingriffen. Im 20. Jahrhundert wurden umgestürzte Steine wieder aufgerichtet und gefährdete Steine gesichert. Die dokumentierten Restaurierungen von Stonehenge sind Teil seiner Geschichte. Daraus folgt jedoch nicht, dass sämtliche Steine beliebig neu angeordnet worden wären.

Merlin, Riesen und die Mythen um Stonehenge

Stonehenge umgibt eine magische Aura, genährt von den Mythen und Legenden des alten Britannien. Geoffrey of Monmouth, der im 12. Jahrhundert die Sage um den legendären König Artus literarisch verewigt hat, schreibt in seiner “Historia Regum Britanniae” davon, dass diese Steine, “Tanz der Giganten” genannt, ursprünglich aus Afrika stammten und von Riesen in Irland aufgestellt worden seien. Sie seien mit religiösen Riten verbunden und besäßen große Heilkräfte.

Kein geringerer als Merlin hätte sie von der Nachbarinsel gestohlen und hier zu Ehren der Toten im Kampf gegen die Sachsen aufgestellt. Eine Geschichte, die an vielen anderen Stellen aufgegriffen, zitiert und neu interpretiert wurde. Der Dichter John Dryden sah in Stonehenge dagegen eine Krönungsstätte dänischer Könige.

Solche Geschichten gehören zur Wirkungsgeschichte des Ortes. Archäologische Erkenntnisse erzählen eine andere Geschichte, die nicht weniger faszinierend ist: von gewaltigem gemeinschaftlichem Aufwand, von Toten und von einer Architektur, die dem Lauf der Sonne folgt.

Sonnenwenden, Bestattungen und offene Fragen

Die Nutzung als Begräbnisstätte und die Ausrichtung auf die Sonne schließen einander nicht aus. Die Funde verbrannter menschlicher Überreste zeigen, dass Stonehenge schon in einer frühen Phase ein Bestattungsort war. Ob natürliche, auf die Sonnenwendachse ausgerichtete Geländestrukturen die Wahl des Platzes beeinflussten, ist eine mögliche Erklärung. Was die Menschen darin sahen, lässt sich daraus nicht unmittelbar ablesen.

Vielleicht hilft es, den Blick auf das “Wo” zu richten, wenn das “Was” nicht zu klären ist.
Wenn über Jahrtausende hinweg ein unvorstellbarer logistischer und bautechnischer Aufwand betrieben wurde, hier eine Anlage aus schweren Steinen aus weit entfernten Fundstätten zu errichten – dann kann die Wahl des Ortes kein Zufall sein.

Stonehenge als spiritueller Ort

Alfred Watkins stellte vor rund 100 Jahren die Theorie auf, dass die vorgeschichtlichen Steinstrukturen durch die sogenannten Ley-Linien, schnurgerade Wege, miteinander verbunden seien.

John Michell verband solche Vorstellungen später mit spirituellen Kraftzentren. In dieser Deutung werden Stonehenge und das nahe gelegene Avebury als Orte besonderer Energie erlebt. Sie gehört zu einer modernen spirituellen Sicht auf die Landschaft; über die Absichten der prähistorischen Erbauer gibt sie keinen gesicherten Aufschluss. Der Beitrag über Geomantie und Erdenergien führt diese Vorstellungswelt weiter aus.

Haben die Erbauer der Steinkreise diese Kräfte erspürt und diese Orte deshalb für ihre Vorhaben erwählt?

Wir werden es vielleicht nie wissen.
Doch wir können selbst in die Magie der Vorzeit eintauchen und inmitten der Steinkreise der Kraft dieses uralten Mysteriums nachspüren.
Informationen zur Anlage bietet English Heritage.

Was Stonehenge heute in uns ansprechen kann

Redaktionelle Ergänzung: Die Sonnenwend-Ausrichtung lässt sich auch als Anregung für eine heutige spirituelle Betrachtung lesen. Der längste und der kürzeste Tag markieren Wendepunkte in einem Rhythmus, den wir nicht selbst bestimmen. Wer darüber nachdenkt, begegnet einer einfachen Frage: Welchen Platz haben Werden, Warten und Vergehen im eigenen Leben? Das ist eine gegenwärtige Annäherung; welche Antworten die Erbauer darauf gegeben hätten, bleibt offen.

Zwischen den Steinen wird die eigene Lebenszeit klein gegenüber den Jahrtausenden, die dieser Ort überdauert hat. Darin kann Trost liegen: Menschen vor uns haben gelebt, getrauert, gemeinsam gebaut und nach Bedeutung gesucht. Ihr hinterlassenes Werk macht diese Verbundenheit über die Zeit hinweg erfahrbar, auch wenn uns ihre Worte und Gebete fehlen. Das Staunen darf bleiben, während unser Wissen genauer wird.

Bei einem Besuch lohnt es sich, an einem erlaubten Platz einige Minuten ohne Kamera stehen zu bleiben. Wie fallen Licht und Schatten auf die Steine? Welche Geräusche treten hervor, wenn man nicht gleich zum nächsten Eindruck weitergeht? Welche Gedanken entstehen beim Blick auf ein Werk, an dem viele Menschen beteiligt waren? Eine besondere Empfindung muss sich dabei nicht einstellen. Aufmerksamkeit ist bereits eine Form der Begegnung.

Diese Haltung lässt sich auch in den Alltag mitnehmen: einen vertrauten Ort im Wechsel der Jahreszeiten aufsuchen, einen Sonnenaufgang bewusst wahrnehmen oder einer Erinnerung Zeit geben. Wer in Stonehenge etwas Heiliges erkennt, kann dem durch Rücksicht Ausdruck verleihen – gegenüber dem Monument, der Landschaft und den Menschen, die den Ort auf ihre Weise erleben.

Eine persönliche Begegnung mit einem anderen Steinkreis schildert Anette Baumgarten in ihrem Beitrag über Callanish auf der Isle of Lewis. Heike Schonert fragt ergänzend, wie die Bedeutung von Kraftorten in der Beziehung zwischen Mensch und Ort entsteht.

22.12.2018 · Artikel aktualisiert am 22.10.2026
Martina Pahr

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Über die Autorin Martina Pahr

Martina Pahr ist Autorin, Bloggerin und PR – Expertin, hat vor einigen Jahren den Sprung ins kalte Wasser gewagt und sich selbständig gemacht. Seither tut sie, wovon sie immer geträumt hat, und lebt vom Schreiben.
Beruflich wie auch privat setzt sie sich mit den spirituellen Aspekten des Lebens und den vielen Erscheinungsformen der New-Age-Bewegung auseinander – und nicht immer ist ihr gesunder Menschenverstand überzeugt von dem, was er vorgesetzt bekommt. Sie glaubt ungebrochen an das (viel zu oft ignorierte) Göttliche im Menschen: Eigenverantwortlichkeit und Eigenmächtigkeit, Selbstwert und Selbstheilungskräfte.
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1 Kommentar

  1. Vielen Dank für den wirklich informativen Artikel mit so vielen, interessanten historischen Fakten.
    Ich war vor einem Jahr auf einer Rundreise wieder (nach fast 30 Jahren wieder zum 1. Mal) in Stonehenge. Als dort morgens zwischen 5 und 6 Uhr zwischen den Steinen die Sonne aufging, war dies wirklich ein beeindruckter und heiliger Moment.

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