Helfen-Wollen und Grenzen setzen

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HELFEN-WOLLEN UND GRENZEN SETZEN

Als ich noch unermüdlich für andere da war, sagte meine weise Tochter eines Tages:
„Die Welt ist voller hilfsbedürftiger Menschen, aber nicht allen kannst du helfen, Mama.“

Wie recht sie damals hatte und doch versuchte ich lange Zeit Rettung für unzählige Seelen zu sein.
Ich wollte jeden, dem ich begegnete, erlösen, erfreuen, erleichtern.
Oft hieß das, dass ich mich selbst beschwerte, dass ich die Last der Welt auf meinen Schultern trug und nicht gerade vor Freude strotzte.
Irgendetwas lief dabei verkehrt, denn ich wurde müder und müder…

Doch es dauerte viele Jahre, bis ich zutiefst in mir erkannte, dass ich mit meiner Lebensenergie haushalten muss, um uneingeschränkt in meiner Lebensfreude verankert zu bleiben.

Ich arbeitete als Astrologin und Medium, war immer erreichbar und gab grenzenlos alles was ich hatte.
Oft war ich jedoch am Ende mit meinen Kräften.
Mein Körper, meine Seele waren einfach überfordert vom ständigen Reagieren auf die Hilferufe anderer und doch war ich sofort voller Schuldgefühle, voll von Angst, einen Fehler zu machen, wenn ich nein sagte.
Überempathisch war ich voller Verständnis und Mitleid für die Seele vor mir, spürte aber mich selbst nicht mehr.

Mein Glaubenskonzept war, keine Wahl treffen zu dürfen. Wenn jemand etwas wollte, hatte ich ja zu sagen.
So begab ich mich immer wieder in Momente der Ohnmacht und des Ausgeliefert-Seins an die Willkür und das Wollen eines anderen.

Es gibt keine Pflicht des Dienens 

In den meisten von uns versteckt sich ein Schatten von christlicher Verurtei- lung, wenn man das lebt, was man wirklich empfindet. Tief in uns eingegraben sind Sätze wie:

  • Du darfst nicht ablehnend sein.
  • Du musst stets gut und mit- fühlend sein.
  • Denke erst an andere und dann an dich.
  • Sei nicht egoistisch…

Aus diesem Ideal entsteht ein riesengroßes, verdrängtes Sammelbecken von unterdrückten Gefühlen.

Denn es gibt keine gottgegebene Pflicht, geben zu müssen, es gibt keine Pflicht des Dienens.
Du hast Verantwortung für dich ebenso wie für andere Wesen und den Planeten.
Diese Antwort auf das Leben fließt jedoch selbstverständlich aus dir, wenn du die Verantwortung für dich selbst tragen kannst, denn du gibst sie aus deinem Herzen.

Die bedürftigen Helfer

Viele wahrlich kompetente Menschen stolpern im Helfen für andere, weil irgendwann ein großes Bedürfnis nach sich selbst auftaucht. Dennoch glauben die meisten, nicht gut zu sein, wenn sie ein Nein in sich spüren zum beständigen Geben.

Ich bemerke oft, dass viele engagierte Menschen, die eine Helferposition haben, durch tiefe Krisen gehen, weil ein Nein zum beständigen Geben ihnen ein abgrundtiefes Unbehagen einflößt und ihnen oft nagende Schuldgefühle verursacht, wenn sie es wagen, zu ihrer Ablehnung zu stehen.

Doch so kann auch das Ja nicht mehr sein. Es wird verschluckt von Gefühlen der Bitterkeit und des Versagens.
Man will gut sein, ein liebevoller Geber, allzeit offen und bereit und scheitert an einem Riesenanspruch an sich selbst.

Allzeit bereit sein 

Allzeit bereit zu sein heißt, keinen inneren Frei-Raum mehr für sich zu haben um zu fühlen, was wir brauchen.
Wir alle haben unseren „eigenen Kram“ zu erledigen und das braucht seine Zeit.
Wenn ich mich nicht mehr traue, meine wahren Emotionen zu spüren, bin ich nicht loyal meinen innersten Bedürfnissen und meinem inneren Kind gegenüber.

Herauszufinden wie viel wir geben können, ohne auszubrennen oder unsere Kräfte zu verlieren, ist immer wieder ein Abwägen und Hineinspüren, was uns wirklich gut tut.

Oft jedoch machen wir unerschütterlich weiter, bis wir durch einen kranken Körper oder einfach durch Freudlosigkeit gezwungen sind, uns mit unserem selbstzerstörerischen Verhalten auseinander zu setzen.
Denn dahinter liegt meist eine immense Angst, Anerkennung und Liebe zu verlieren, wenn du klar zu dir stehst und nein sagst. Du hast Angst, einsam zu sein, zu verletzen und verantwortlich für den Schmerz anderer zu sein.
Und so verleugnest du dein wahres Selbst, fühlst dich allein und handelst verantwortungslos dir selbst gegenüber.

Heilig oder Heilsein? 

Macht es uns frei, heilig zu sein oder darfst du dir erlauben, einfach nur menschlich zu sein?
Bedeutet heilig – Heil-Sein nicht Ganz-Sein? Alles anzunehmen, das in uns lebt?

Wenn du versuchst, immer wieder eine Mischung aus schöner, gütiger Mutter Teresa und allseits gebendem Ratgeber zu sein, und gleichzeitig deinen Alltag, vielleicht noch eine Mann/ Frau-Beziehung leben willst, bemüht bist ein guter Vater/ Sohn/ Freund oder eine perfekte Mutter/ Tochter/ Freundin zu sein und nebenbei erleuchtet zu werden, dann steuerst du dein Lebens-Schiff direkt an die Wand.
Denn du musst scheitern.
Du musst versagen. 
Es gibt keinen anderen Weg zum wahren Selbst.
Erst wenn das Spiel nicht mehr funktioniert, beginnst du zu erkennen.

Du darfst dich für dich entscheiden 

Das Wichtigste, was du wissen und fest in dir verankern solltest, ist, dass du wählen darfst, dass du entscheidest, was du in deinem Leben anderen geben möchtest und wann du die Zeiten für dich brauchst.
Die Existenz stellt uns ohne Unterlass unzählige Möglichkeiten zur Verfügung.
Sie fragt dich unablässig, was du haben willst. Sie zeigt dir einen Weg und du sagst ja und so bekommst du mehr von diesem Weg geschenkt.

Es ist einfach nur eine Frage an dich: Willst du diesen Weg? Wenn du nein sagst, bekommst du eine andere Möglichkeit.
Ich glaubte lange, Hingabe an das Leben und die göttliche Weisheit bedeutet anzunehmen, was an mich herangetragen wird.
Es war ein altes, uraltes Muster des Dienens in mir.
Es war mir völlig entgangen, dass ich wählen konnte, dass ich mich entscheiden durfte.

Geben aus Angst 

Glaubst du wirklich, dass es für den anderen eine Bereicherung ist, wenn du gibst, obwohl du eigentlich ein Nein in dir hast, weil du vielleicht lieber gerade etwas ganz anderes tun würdest, oder weil du selbst dringend Erholung brauchst?

Natürlich sollten wir liebevoll für die Menschen da sein, wenn sie in Not sind, ihnen beistehen und sie trösten, aber wie viel Gejammer ist wirkliche Not?
Wie viel davon ist ein gewohnheitsmäßiges Nachhilferufen, wenn es eigentlich darum geht, in sich selbst Antworten zu finden?

Ich blickte damals um mich und sah viele Therapeuten und Heiler, die aus einem tiefen Schuldgefühl heraus unermüdlich für andere da waren, ja dies schien sogar manchmal der größte Antrieb zu sein, auch wenn viel über Mitgefühl und Liebe geredet wurde.

Auffällig war – und ist – wie viele helfende Menschen selber dringend Hilfe benötigen, wie sehr sie sich verausgaben und dabei nur einen Teil von sich leben, mit dem sie sich identifizieren, als wären sie zu nichts anderem auf der Welt.

Vor allem sah ich, dass das ständige Helfen und Für-andere-da-Sein bei vielen eher einer Angst, denn der Liebe entsprang.
Angst, der andere könnte es nicht ohne mich schaffen, Angst, man könnte schuld sein, dass der andere ganz fällt.
Angst, einen Fehler zu begehen, wenn man zu sich selbst steht.
Und mir wurde klar, dass Wege der Angst keine wahre Hilfe sein können, weder für den anderen, noch für den, der gibt.

Wenn deine Motivation von Angst oder Ego geprägt ist, wirst du irgendwann eine Menge Arbeit vor dir haben, denn entweder die Umstände oder dein In- nerstes sorgen dafür, dass du in deinem Haus Ordnung schaffen musst, damit du aus deiner Stille und Freude heraus deine Hilfe verteilen kannst.

Zuerst erreiche Frieden in dir selbst und dann gib Heilung, Freiheit und Liebe in deine nahe Umgebung, das heißt in deine Familie, deine Nachbarschaft und deine Herkunftsfamilie. Danach kannst du deinen Bereich ausdehnen…

Geben aus der Essenz 

Als ich im Laufe der Jahre herausfand, wie viel an Verströmen ich mir zumuten konnte, um noch stabil meine Mitte zu bewahren, konnte ich meine Liebe zu mir und zu den Wesen immer weiter ausdehnen.

Wenn du deine Liebe zu dir bewahrst, kann keine Angst gedeihen. Wenn du weißt, welche Zeit-Räume du für dich brauchst, gibst du in den Zeiten des Verströmens wahrlich von deinem göttlichen Licht.

Agierst du aus tiefster Freude am Leben, weil dein Selbst genährt ist, wachsen dir viel stabilere Kräfte zu.

Und kannst du dich frei verströmen.
Dein Mitgefühl, dein Lieben, dein Einverstandensein wird spürbar sein für jeden, der zu dir kommt.
Und dein Hilfe-Geben wird frei sein von Angst, denn du weißt, dass du nur der Mittler bist, ein Kanal und du nichts tust und auch gar nichts tun kannst, denn es wird getan und nun in diesem Moment gerade durch dich.
Es macht dir einfach Freude, dich zur Verfügung zu stellen.

Wenn du aus deiner Essenz, aus deiner inneren Fülle heraus geben kannst, so ist das purer Segen für dich und für andere.

06.08.2018
Eva Denk

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