Gesellschaft

Denn wir brauchen starke Kinder

Lachen Mutter und TochterVortrag von
Isabel Segarra-Hallmeyer,
Praxis für spirituelle
Psychotherapie
& geistige Heilung

 

Liebe, Vertrauen, Wertschätzung  &  Annahme

Über den heilsamen Umgang mit Kinder – und Jugendlichenseelen Teil 3

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Wir sind in der Verantwortung, unsere Kinder zu stärken, damit sie ihren Weg, der wohl auch steinig sein kann, selbst gehen können.
Die Betonung liegt auf „selbst gehen“. Signalisieren Sie Ihrem Kind, dass Sie da sind, wenn es Ihre Hilfe braucht! Vertrauen Sie Ihrem Kind, dass es die Ressourcen hat, Lösungen selbst zu finden und konstruktiv mit schwierigen Situationen und Herausforderungen umzugehen. Mit dieser Haltung stärken Sie Ihr Kind und öffnen ihm den Raum für sein persönliches Wachstum.

Mein Anliegen an Sie heute abend ist, Ihr Bewusstsein dafür zu wecken oder zu schärfen, was wir mit bestem Wissen und Gewissen und in bester Absicht so alles mit unseren Kindern anstellen können.

Welche Macht wir haben, sie zu stärken – oder eben auch zu schwächen.
Aber lassen Sie uns heute abend auf das Stärken fokussieren, denn wir brauchen starke Kinder, die im Bewusstsein ihrer Kraft und ihrer Fähigkeiten ihren Weg gehen!

Generell sind sowohl meine persönlichen als auch meine beruflichen Erfahrungen und Beobachtungen über viele Jahre hinweg, dass Kinder weitaus klarer und kraftvoller sind, als Erwachsene sich das oftmals vorzustellen vermögen. Sie sind bei weitem nicht nur „klein, jung, unerfahren und bedürftig“, sondern auch groß, machtvoll, wissend und stark.

Kinder sind im Regelfall sehr mit sich und damit mit ihrem Fühlen, ihrem Spüren, ihrer Intuition verbunden. Sie können ganz genau sagen: „Das tut mir gut!“ bzw. „Das tut mir nicht gut!“ 

Sie spüren, ob etwas, das ihnen angeboten wird, sinnhaft, stimmig und gut für sie ist. Leider interessiert das Erwachsene oftmals nicht.

Ich möchte Ihnen nahe legen, Ihr Kind mehr mit einzubeziehen, in alles was Sie mit ihm vorhaben und für es tun!

Ich mache Ihnen auch hierfür wieder ein einfaches Beispiel:

Fragen Sie Ihr Kind, das Sie in die musikalische Früherziehung geschickt haben, ob es das überhaupt möchte. Fragen Sie Ihr Kind, ob es Freude daran hat und gerne hingeht. Vielleicht geht es ja nur Ihnen zur Freude hin, weil es spürt, dass es Ihnen wichtig ist und würde eigentlich viel lieber zu Hause bleiben und alleine spielen, anstatt von Ihnen durch die halbe Stadt zum Musikunterricht gefahren zu werden.

2008 hat der britische Journalist Carl Honoré, selbst Vater zweier Kinder, ein Buch unter dem Titel: „Kinder unter Druck. Rettet die Kindheit vor Schule und Übereltern“ veröffentlicht. 

Es beginnt mit einem Cartoon, wo zwei Mädchen auf den Bus warten und ihre Terminkalender studieren. Eine sagt zu der Anderen: „Schön, ich verschiebe Ballett um eine Stunde, verlege Turnen, sage Klavier ab. Und Du verlegst die Geigenstunde auf Donnerstag und lässt Fußball ausfallen. Dann haben wir Mittwoch von 15.15 bis 15.45 Zeit zum Spielen!“

Was in diesem Cartoon sehr überspitzt dargestellt wird ist für viele Kinder aus „guten Elternhäusern“ heute leider Realität: einer neuen Umfrage in England zufolge leiden 40 % der 15-jährigen aus gutsituierten Familien unter seelischen Nöten.

Ist es das, was wir für unsere Kinder wollen bzw. billigend in Kauf nehmen?

Und es sind ja bei weitem nicht nur die Jugendlichen, die leiden. Viele Kinder im Grundschulalter – und selbst im Vorschulalter (!) – sind bei uns bereits einem immensen Leidensdruck ausgeliefert. Ich rede von dem Druck, das Gymnasium besuchen zu müssen.

Bemerkenswert finde ich, dass viele Eltern diesen großen Druck beklagen, ohne dass ihnen bewusst wäre, dass sie ihren Anteil daran haben, dass die Kinder so unter Druck stehen. Denn es ist vor allem Druck der Eltern, der auf den Kindern lastet. Viele Eltern setzen das Abitur mit einer unverzichtbaren Voraussetzung für ein erfolgreiches, erfülltes Leben gleich. Sie werden von Ängsten geplagt, was denn nur aus ihren Kindern werden solle, wenn die es nicht schaffen sollten, das Abitur zu machen und zu studieren. Und die Kinder müssen unter diesem Druck und diesen Ängsten ihrer Eltern leiden.

Was denken Sie? Zählt es nicht auch zu unseren Aufgabe als Eltern, den Kindern Lebensqualität und vor allem Freude zu vermitteln? Doch anstatt in ihnen Freude und Begeisterung am Lernen zu wecken, geben wir ihnen unsere Ängste und Zweifel mit auf den Schulweg. Wie schwer, glauben Sie, tragen unsere Kinder an dieser Last?

Im Heft 15 des Magazins „Spiegel“ (April 2009) stand ein Artikel über die vermeintlich wachsende Zahl an Hochbegabten in Deutschland. Der Artikel drehte sich darum, dass Psychologen einen Ansturm von Eltern vermelden,  die  ihre  Kinder für hochbegabt halten, und das obwohl der Anteil von Hochbegabten mit einem IQ von über 130 konstant bei etwa 2 Prozent liegt.

Da klagt der langjährige Chef der Sektion Schulpsychologie beim Berufsverband Deutscher Psychologen, Lothar Dunkel:

„ … Es ist eine Hochbegabten-Hysterie ausgebrochen und es geht dabei nicht ums Kind, sondern oft genug nur um Ehrgeiz und Eitelkeit. In manchen Kreisen zählt ein hochbegabtes Kind mit entsprechenden Gutachten offenbar schon zu den Statussymbolen wie Espressomaschine oder Designersofa. … Anders könne er sich das Phänomen der „Test-Hopper“ nicht erklären – Eltern, die schon mit Fünfjährigen von Praxis zu Praxis zögen, wenn es beim ersten Mal nichts wurde mit dem begehrten Intelligenznachweis. „Dabei entsteht ein riesiger Druck, unter dem manche Mädchen und Jungen erheblich leiden“, urteilt Dunkel …“

Was passiert da mit den Kindern?

Ich möchte Ihnen noch etwas vorlesen, und zwar den ersten Absatzes eines Artikels, der am 14. März 2007 in der Süddeutschen Zeitung erschienen ist. Der Artikel trägt die Überschrift „Abi um jeden Preis: Ehrgeizige Eltern, gestresste Lehrer und überforderte Kinder – Einblicke in der bayerischen Schulalltag“:

„Auf Leas Geburtstagstisch liegt in diesem Jahr ein Päckchen mit Sorgen und Wünschen. Sie alle zielen in dieselbe Richtung: „Hoffentlich schaffst Du es noch ins Gymnasium!“ Das Mädchen muss nach seinem zehnten Geburtstag am 19. Mai voraussichtlich zum Probeunterricht an treten, weil es eine Drei zu viel im Zeugnis stehen hat. „In Deutsch hat ihr nur ein Viertelpunkt zum Zweier gefehlt“, seufzt die Mutter. Im Februar war die Familie deshalb schon bei Beratungsgesprächen mit einer Psychologin. „Es sind nicht die Anforderungen, an denen Lea scheitert, es ist ihre Nervosität in den Proben.“ Da passierten eben Flüchtigkeitsfehler …“

Und ich frage Sie: Warum, glauben Sie, ist Lea so nervös in den Proben?

Die Hirnforschung weiß heute, dass Lernen unter Druck nur in sehr eingeschränktem Maß funktioniert. Wo wir uns doch sonst so gerne die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse zunutze machen oder uns darauf berufen: an dieser Stelle wollen wir ihnen offensichtlich keinen Glauben schenken!
Lernen unter Druck behindert Kreativität und freies Denken. Wenn wir unter Druck oder Angst lernen, denn bleibt nicht nur der erlernte Stoff gespeichert, sondern auch das Druck- und Angstgefühl, mit dem gelernt worden ist.

Die Auffassung, man lerne unter Druck am effektivsten ist ein Mythos. Am besten lernen oder begreifen Kinder, wenn sie entspannt sind. Elterlicher Druck wie schimpfen oder strafen führt bei Kindern nachweislich zu Stress und Frustration, die wiederum Denkblockaden auslösen. Darüber hinaus behalten verkrampfte Schüler Gelerntes schlechter.
Am Besten lernen Kinder durch Erfolgserlebnisse und Anerkennung – nichts ist motivierender.

Wer ständig Fehler macht, weil er z.B. überfordert ist, gibt irgendwann auf.

Natürlich muss ich Zeit investieren, wenn ich etwas beherrschen will. Aber darüber hinaus braucht es noch etwas viel, viel Wichtigeres, und zwar Begeisterung. Wenn wir den Kindern die Begeisterung für das Lernen nehmen, dann nehmen wir ihnen den größten Treiber für Erfolg.

Ich zitiere noch einmal aus dem Artikel „Abi um jeden Preis“ aus der Süddeutschen: „Doch beim Kampf um gute Noten bleibt die Entwicklung der Persönlichkeit und von Talenten häufig auf der Strecke.“
Und ich frage Sie noch einmal: Ist es das, was wir wollen bzw. was wir billigend in Kauf nehmen?

Ich denke, es gibt als Eltern im Großen und Ganzen zwei Wege mit diesem Druck umzugehen: ein Weg ist, ich ziehe voll mit. Ich stelle Arbeitspläne für mein Kind auf, organisiere die Wochenenden bezüglich der zu absolvierenden Lerneinheiten und schicke mein Kind in die Nachhilfe.

Der andere Weg ist, ich erlaube mir, meinen Druck und meine Ängste zu spüren, anstatt sie meinem Kind aufzubürden. Indem ich mich mit meinen Ängsten auseinander setze und sie auflöse, entbinde ich mein Kind davon sie zu tragen.

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Ich möchte nun auf einen Punkt zu sprechen kommen, der mir sehr am Herzen liegt: Scheuen Sie sich nicht, Ihrem Kind zu sagen, dass es Ihnen leid tut, wenn Sie ihm gegenüber einmal „Mist“ gebaut haben, ungerecht, unbeherrscht, unfair oder sonst etwas waren.  

Es ist ja bei weitem nicht so, dass immer nur die Kinder Mist machen, im Gegenteil. Wir machen alle Fehler, jeden Tag, und wir machen nun auch einmal Fehler in der Kindererziehung, das ist eine Realität.

Lösen Sie sich von der Vorstellung, sie könnten sich eine Blöße geben, oder Sie würden Ihre Autorität dem Kind gegenüber untergraben, indem Sie Ihrem Kind sagen, Ihr Verhalten oder Ihre Aussage täten Ihnen leid! Das Gegenteil ist der Fall: 

Sie werden an Größe gewinnen, auch in den Augen Ihres Kindes.

Natürlich brauchen Kinder die Eltern als Autorität – Autorität in dem Sinne von wahrer, von natürlicher Autorität.
Und unter wahrer Autorität verstehe ich das zu sich selbst Stehen im Bewusstsein Ihrer Kraft und Ihrer Wirkung. Nach dieser Art von Autorität lechzen Kinder geradezu. 

Kinder brauchen keine unfehlbaren Supermamas und Superpapas. Sie brauchen Eltern, die authentisch sind, die den Mut haben, Fehler auch einzugestehen.
Die sagen: „Hör mal, das war nicht okay von mir, was ich da gemacht oder gesagt habe, und das tut mir leid!“

Aber sagen Sie das bitteschön auch nur dann, wenn Sie dieses Bedauern wirklich empfinden, und nicht wenn Sie meinen, so ein Spruch käme beim Kind gerade mal gut an, sonst war´s wieder nichts mit Ihrer Authentizität! Denn, wie Sie ja inzwischen wissen …, spürt Ihr Kind ganz genau, ob das, was Sie sagen der Wahrheit entspricht oder nicht.

Und: Loben Sie Ihr Kind, wenn es etwas gut gemacht hat! Verabschieden Sie sich von dem Gedanken, Sie könnten Ihr Kind zu viel loben! Mir ist noch kein Kind über den Weg gelaufen, dass von sich behauptet hätte, es werde zu viel gelobt.
Ernst gemeintes Lob ist ein Lebenselixier, nicht nur für Kinder. Und Kinder sind in höchstem Maße auf Lob angewiesen, denn es stärkt ihr Selbstvertrauen und ihr Selbstwertgefühl. Stärken Sie also Ihr Kind mit Lob! Und loben Sie es bitteschön nicht nur für gute Noten, sondern für alles, was lobenswert ist: von der schönen Zeichnung, über seine Hilfsbereitschaft bis hin zu selbstständig ausgeführten Handlungen – einfach alles, was Lob verdient.

Ich spreche übrigens immer wieder mit Eltern, denen Lobbekundungen ihrem Kind gegenüber schlichtweg nicht über die Lippen gehen. Die mit Aussagen aufwarten wie: „Das muss ich doch nicht sagen, das weiß mein Kind doch!“ Dazu sage ich nur: „Selbst wenn dem so ist, ist das noch lange kein Grund, es nicht auszusprechen!“

Aber auch hierbei steht und fällt es mit Ihrer Authentizität: Loben Sie nur dann, wenn Sie dieses Lob auch wirklich empfinden, denn Ihr Kind spürt sofort, wenn etwas an Ihrer Aussage unecht ist.

Werden Sie sich einfach bewusst, dass unsere Kinder unser wichtigster Spiegel sind! Das ist eine Wahrheit, die zuweilen durchaus unangenehm oder auch schmerzlich sein kann… – wer von uns bekommt schon gern permanent einen Spiegel vorgehalten? Aber ob wir das nun wollen oder nicht: unsere Kinder tun das für uns und mit uns. Jeden einzelnen Tag spiegeln sie uns unsere eigene Innenwelt und  fordern uns damit heraus.

Ich gebe Ihnen auch hierfür ein Beispiel: Wenn Sie Ihr Kind als rastlos und unruhig empfinden oder erleben, dann fragen Sie sich doch einmal, wie es um Ihre eigene Rastlosigkeit und um Ihre eigene innere Unruhe bestellt ist. Wenn Sie Ihr Kind als introvertiert und traurig erleben, dann fragen Sie sich doch bitte einmal, wie es mit Ihrer Introvertiertheit und Traurigkeit steht. Das ist wahrlich nicht immer erfreulich, aber es hilft Ihnen weiter, denn es führt Sie zu sich selbst.

Ausblick auf den 4. Teil:

„… die Frage nach Sinn und Entwicklung. Denn unser Leben hat ja einen Sinn. Und dieser Sinn liegt nicht in unseren Kindern, er liegt nicht in unserem Partner, er liegt nicht in unserer Firma oder in unserer Tätigkeit – der Sinn liegt ausschließlich in uns selbst. …“

 

291-151-Segarra(c) Isabel Segarra-Hallmeyer
www.bewusstsein-und-heilung.de

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