Liebe und Ziele im Leben

Liebesbekundungen

Liebe und Ziele im LebenLiebe und Ziele im Leben – Aus Liebe zur Tat. Dürfen wir jetzt gar nichts tun, oder was?

„Es geht in der Literatur letztlich um das Schreiben und sonst nichts.“ Aus Liebe zur Tat. Das sagte die Autorin Lydia Davis in einem Interview. Es trifft aber auf alle anderen Aktivitäten zu, denen wir in unserem Leben nachgehen – sei es die Musik, die Arbeit oder auch der Haushalt.

Liebe und Ziele im Leben

Wir sind es gewohnt, unsere Augen auf die Resultate zu richten – oft, weil wir die Tätigkeit als notwendiges Übel sehen und möglichst schnell zum Ziel kommen wollen. Aber auch, wenn wir Spass an der Aktivität haben, wie bei Hobbies, Sport oder der Kunst, richten wir oft zu viel Augenmerk auf die Ziele. Wir wollen eben vorankommen, Projekte abschließen, Anerkennung ernten und Geld verdienen. Das ist ja nicht schlecht per se, aber wir dürfen dieser Sichtweise nicht zu viel Raum lassen, sonst verlieren wir die Freude an dem Tun und laufen Gefahr, dass ein Großteil unseres Lebens ein freudloses Streben nach immaginierten Zielen wird.

Entspannt und glücklich sind wir meist nur in den kurzen Augenblicken, in denen wir auf unsere Ziele vergessen und ganz in den Moment vertieft sind. Dafür verwenden wir Geistesfüller oder Geistesentleerer wie Entertainment, Sport, Sex oder Drogen. Nachdem unser Leben es uns aber meist nicht erlaubt, diesen Tätigkeiten ständig nachzugehen, und sie auch sehr schnell ihren Charme verlieren, wenn wir ihnen exzessiv frönen, sollten wir lernen, den Geisteszustand der Vertiefung in den Moment in sämtlichen Tätigkeiten erreichen zu können.

Ein Beispiel: Sean und die Musik

Mir geht es so mit der Musik. Ich liebe es zu singen, Klavier zu spielen und Bauwerke aus Melodie, Harmonie, Rhythmus und Text zu errichten (was gemeinhin als „Komponieren“1 bezeichnet wird). Und ich habe den Wunsch, dass meine Musik gehört wird. Dieser Wunsch baut auf vier Pfeilern auf:

  1. Ich möchte das, was ich in meinen Liedern finde und empfinde, gerne mit anderen Menschen teilen, denn Musik ist an und für sich dafür da,gespielt und gehört zu werden.
  2. Ich würde gerne mehr Zeit der Musik widmen. Dafür muss ich ausreichend Menschen erreichen, um Energie (in Form von Geld) zurückzubekommen und dann Zeit von meiner anderen Arbeit abzuziehen und stattdessen der Musik zu geben.
  3. Und natürlich freue ich mich auch über Anerkennung.

Eben diese Wünsche kann ich in verschiedenen Verteilungen und Gewichtungen auch in anderen Aktivitäten beobachten. Mit Abstand betrachtet sind Bedürfnisse auch nicht schädlich, aber zu leicht entsteht in uns durch sie ein Zwang und Stress, den wir nur schwierig bis gar nicht ablegen können.

Man kann etwa nach dem Rampenlicht süchtig werden oder auch eine Abneigung dagegen entwickeln und das, was man sich ursprünglich gewünscht hat, wird einem zur Last.
Wenn man einmal Vollzeit-Musiker ist, kann es leicht passieren, dass man die Musik nur noch als Arbeit sieht und seine Entspannung in einer anderen Betätigung sucht.
Und wie schon Udo Jürgens erkannt hat, ist äußere Anerkennung nur ein Scheinglück, dass uns nie innerlich erfüllen kann.

Wir sollten diesem inneren Antrieb also nicht blind nachgehen, sondern bewusst damit umgehen. Ja, wir können die Motivation nützen und etwas Schönes erschaffen und teilen, aber wir sollten uns nicht der Illusion hingeben, dass wir, wenn wir unseren Geist stetig auf Zukunftsstreben ausrichten, irgendwann an dem Punkt ankommen werden, an dem wir alles erreicht haben werden, woraufhin wir uns endlich zufrieden zurücklehnen können werden.

Dürfen wir jetzt gar nichts tun, oder was?

Aber was ist denn jetzt die Konsequenz daraus? Heisst das, dass wir gar nichts mehr tun dürfen, wenn wir glücklich sein wollen?

Ja und nein… Aus Liebe zur Tat

Ein gewisses Pensum an bewusstem Nichtstun, ist heilsam für unseren Geist und hilft uns, unsere natürliche Zufriedenheit zu erlangen. Dafür müssen wir unseren Geist wirklich zur Ruhe kommen lassen. Einen Film schauen oder ein Buch lesen ist dafür nicht das Richtige, denn auch wenn wir in diesen Momenten vielleicht nicht körperlich aktiv sind, ist unser Geist doch mit allen möglichen Gedanken und Wünschen beschäftigt. Meditation ist üblicherweise die beste Form des bewussten Nichtstuns. Aus Liebe zur Tat?

Aber wir müssen und können nicht all unsere Aktivitäten aufgeben. Wir müssen nur unsere Sicht und Herangehensweise ändern. Ziel ist es, Zufriedenheit im Tun zu verspüren, egal was das Resultat ist. Wie eben Lydia Davis sagt, geht es ums Schreiben selbst und eigentlich um nichts anderes. Auch wenn man äußere Resultate anstrebt und Anerkennung erntet (oder auch nicht), sollten wir den Fokus immer auf das Tun selber gerichtet lassen.

Im Karma Yoga (auch Yoga der Aktivität genannt) heisst es, wir müssen jegliches Verlangen nach den Früchten unserer Arbeit ablegen und unser Handeln stattdessen Gott als Opfer darbringen. Und diese Herangehensweise ist sinnvoll, egal ob man Yoga praktiziert und an Gott glaubt. Wenn man seinen Geist genau beobachtet, kann man erkennen, dass das stetige Streben nach Zielen uns nicht glücklich macht, volle Auflösung in der Aktivität hingegen schon.

Also zum Abschluss die Frage: „Wie kannst Du es schaffen, Dich voll in all Deinen Aktivitäten aufzulösen?“

31. Mai 2015
Sean
(c) Sean Grünböck
www.gruenboeck.at

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Sean GrünböckSean Grünböck

Es ist mir ein Anliegen, im Alltag mit all seinen Höhen und Tiefen präsent zu bleiben und die tiefere Verbindung mit unserer inneren Geistesnatur auch Abseits von Meditationskissen, Seminaren und Retreats aufrecht zu erhalten.

Zu diesem Thema schreibe ich Artikel und singe Lieder.
Den sonntäglichen Artikel sowie das kommende Album gibt’s auf gruenboeck.at
SEAN GRÜNBÖCK: Leise-Schreiber, mit Bedacht-Komponierer, Tief-Singer und Buddha-Meditierer, Yoga-Verrenker, Web-Gestalter, Langsam-Läufer und Dreifach-Vater.

P.S.: Vielleicht interessieren Dich auch meine Lieder ‑
„Weich wie Wasser“, von dem du ein Video auf YouTube sehen kannst

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