Freiheit oder Pflicht? Harry und Meghan und was wir lernen können

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Harry und Meghan – Freiheit oder Pflicht?

Ein modernes Märchen über Tradition, Mut und wahre Königreiche
Harry und Meghan:
Ihre Rückzugserklärung und was wir von Ihnen lernen können

Am 8. Januar 2020 veröffentlichen Harry und Meghan eine gemeinsame Erklärung:
Sie sagen, dass sie

  1. Für die bisherige Form und Reglementierung ihrer Rollen im englischen Königshaus nicht mehr zur Verfügung stehen.
  2. Sich eine neue, fortschrittliche Definition ihrer Aufgaben wünschen und diese aktiv mitgestalten werden.
  3. Auf finanzielle Zuwendungen der Krone verzichten.

Rechtlich betrachtet ist dieser Schritt eine Art Änderungskündigung: „So wie bisher machen wir es nicht mehr mit. Aber wir sind bereit und willens, neue Bedingungen zu vereinbaren.“

Die Nachricht sendet Schockwellen durch England und die Welt. Warum eigentlich?
Weil die beiden etwas getan haben, was bisher keiner für möglich gehalten hat. Sie haben die Grenzen des Möglichen ausgedehnt. Ein Prinz im englischen Königshaus kann auch „kündigen“? Das ein oder andere Familienmitglied wird grübelnd im Palast sitzen und sich denken, „wenn ich das nur gewusst hätte“.

Regeln und Pflichten der englischen Monarchie

Die Liste der Pflichten ist lang im englischen Königshaus und es gibt viele, die auf ihre Einhaltung pochen: Der Hof, das Volk und vor allem die Presse. Jeder Schritt wird beobachtet und gewertet.

Im Kleinen geht es darum, wie lang ein Kleid sein muss, ob frau Strumpfhosen trägt, mit den Augen rollen oder mit überkreuzten Beinen sitzen darf (darf sie nicht). Im Großen geht es darum, dass Mitglieder der königlichen Familie sich nicht politisch äußern dürfen. Die englische Monarchie ist eine „repräsentative“ Monarchie. Das Lenken der Staatsgeschäfte übernimmt das Parlament und der britische Premierminister. Um der demokratischen Struktur des Landes nicht „dazwischen zu funken“, gibt es diese Regel. Im Ergebnis bedeutet das, mundtot zu sein. Zu allen wichtigen Themen der Welt dürfen sich die königlichen Familienmitglieder nicht äußern. Sie haben Schlösser, tolle Kleider, repräsentative Aufgaben und leben ein „royales Leben“ (was immer das heißt). Im Gegenzug hat die Öffentlichkeit ein Recht darauf, die handelnden Personen zu beobachten und zu beurteilen. Die Mitglieder der königlichen Familie spielen also ihr Leben, wir alle gucken zu und kommentieren es pausenlos. Das ist die Wirklichkeit gewordene Truman-Show. Nur, dass die königliche Familie um die Beobachtung weiß und ihr – bisher zumindest – nicht entkommen konnte.

Royal Rota – die Presse und das Königshaus

Instrument dieser Dauerbeobachtung ist die Presse. Mit genauem Regelwerk haben durch die „Royal Rota“ eine begrenzte Anzahl an Medien exklusiven Zugang zu den Royals. Alle Bilder gehen zuerst an die beteiligten Zeitungen. Diese haben dann das Recht und die Pflicht, ihre Berichterstattung auch der übrigen Weltpresse zur Verfügung zu stellen. Aber sie haben eben auch die Deutungshoheit über die Geschehnisse. Vier (!) der sieben beteiligten Zeitungen an der Royal Rota gehören zur britischen Boulevardpresse. Inwieweit diese für seriösen Journalismus steht, sei dahingestellt.

Prinz Harry

Er war 12, als seine Mutter Lady Diana bei einem Autounfall auf der Flucht vor hemmungslosen Pressefotografen ums Leben kam. Die ganze Welt kennt die Bilder von ihm und seinem Bruder William, wie sie hinter dem Sarg ihrer Mutter hergehen – alle Augen auf sich. Nicht einmal in diesem Moment tiefer Trauer haben wir den Kindern Privatsphäre gegönnt.

Bei allem, was wir von Harry wissen, hat und hätte er sich dieses Leben niemals ausgesucht. Er hat sich aufgelehnt, rebelliert, kritisiert. Er wollte anders leben und hat keinen Weg gesehen, das zu tun. Er hat sich ein Leben mit weniger „Privilegien“, weniger Pflichten und mehr Freiheit gewünscht. Ein Leben, in dem er den Zugriff der Öffentlichkeit auf sich selbst und die Menschen, die er liebt, besser steuern kann.

„Du kannst das Leben haben, das Du Dir wünschst oder die Gründe, warum es nicht geht.“

Harry hatte tausend Gründe, warum er nicht das Leben leben konnte, dass er sich wünschte. Hunderte von Jahren royaler Tradition. Mitglied der englischen königlichen Familie. Hochadel der Welt. Geboren in eine Aufgabe zu der man nicht „nein“ sagen kann. Welcher einzelne Mensch, von klein auf in diesem System erzogen, hat den Mut oder die Kraft, das System in Frage zu stellen für die Wahrheit seines Herzens? Was soll die Familie sagen? Was sollen die Leute denken?

Jeder von uns wird in bestimmte Umstände geboren, die wir zunächst als gegeben hinnehmen. Wenn wir älter werden, rütteln wir an den Grenzen der Box, in der wir leben. Doch wie oft gelingt es uns wirklich, diese Box aufzubrechen und neu zu definieren? Wie oft wünschst Du Dir für Dich, etwas zu ändern an den Regeln Deiner Familie? Welche Traditionen und Rollen, die Dich einengen, möchtest Du abstreifen? Und welche Gründe findest Du immer wieder, es nicht zu wagen? Deine Familie nicht zu konfrontieren mit Deinem „nein, so nicht mehr“?
Wie oft fehlt uns einfach der Mut? Wir passen uns lieber an, als das Risiko einzugehen, nicht mehr dazuzugehören.
So viele von uns entscheiden sich für die Gründe, warum es nicht geht, anstatt für das Leben, dass wir uns wünschen.

Harry hätte alle Gründe der Welt gehabt.

Meghan

Sie ist schön und klug. Ihre Herkunft hatte keine Regeln, so dass sie frei war, sich selbst zu definieren. Sie hat sich das Leben erschaffen, dass sie haben wollte. Sie ist ihren Weg aus eigener Kraft gegangen. Ihre Star-Rolle der Rachel Zane in der erfolgreichen Anwaltsserie Suits hat sie weltbekannt und reich gemacht. Meghan ist eine starke, unabhängige Frau, die weiß, was sie will. Deswegen ist sie ein Vorbild für viele Frauen. Auch ich bewundere sie und freue mich, weil wir Frauen wie sie brauchen in der Welt.
Als Prinz Harry sie am 19. Mai 2018 heiratet, sitze ich genauso wie Millionen andere gebannt vor dem Fernseher und verfolge die Trauung live. Was geschieht da?
Prinz Harry hat sich nicht für die „typische Prinzessin“ entschieden. Seine Braut ist nicht jung, unerfahren und dem Hofe treu ergeben. Sie erfüllt nicht alle „formalen Anforderungen“ des Hofes, ist nicht einmal Britin. Prinz Harry hat sich nicht gefügt mit seiner Hochzeit. Er hat sich für etwas Größeres entschieden. Für sein Herz. Für seine Seele. Mit seiner Hochzeit hat er nicht die Regeln des Hofes befolgt. Amerikanerin. Farbig. Geschieden. Erfolgreich. Engagiert. Schauspielerin. 100 Punkte auf der Diversity-Skala und 0 Punkte für das Befolgen der Regeln der britischen Monarchie. Schon da waren die beiden in vieler Hinsicht „Regel-Brecher“.
Zu seinem Glück.

Meghan ist eine starke junge Frau mit klaren Ansichten. Sie setzt sich ein für Gerechtigkeit zwischen Mann und Frau, ist Botschafterin für „One Young World“ und „UN Women“, Aktivistin für Bildung und Empowerment. Hat irgendjemand wirklich geglaubt, dass sie in ihrem eigenen Leben die Entwicklung der Frauen in der Welt um 100 Jahre zurückdreht, in den Palast zieht und stumm wird?
Meghan Markle fasziniert uns auch deshalb so sehr, weil sie ein neuer weiblicher Archetyp ist. Sie ist sehr erfolgreich, schön UND bekommt den Prinzen. Und ein Baby. Sie kann alles haben.
Das ist neu für uns Frauen. Es gibt immer noch eine tiefe Überzeugung, dass Frauen sich entscheiden müssen: Karriere oder Familie. Richtig erfolgreich sein oder glücklich.
Wenn es Meghan gelingt, kann es uns auch gelingen? Ist das möglich?

Der größere Plan

Auch Harry engagiert sich für die Welt. In den Fußstapfen seiner Mutter Diana gründet er unter anderem die Stiftung „Sentebale“ für Aids-Waisen, die Invictus Games und setzt sich für wohltätige Zwecke ein.
Harry und Meghan teilen das Anliegen, sich mit ihrem Einfluss einzusetzen und die Welt ein bisschen besser und gerechter zu machen.

Ich erinnere mich daran, die Hochzeit zu sehen und wahrzunehmen, dass diese beiden Menschen etwas verbindet, das noch größer ist als ihre Liebe. Die beiden haben einen Plan zusammen, einen Anspruch an sich selbst. Beide wissen, dass sie zusammen noch viel potenter sind als jeder für sich. Sie wissen, dass sie zusammen die Kraft haben können, die es braucht, um wirklich Großes und Gutes zu bewirken. Der Alte Adel verbindet sich mit Hollywood Glamour. In der Aufmerksamkeits-Wirtschaft unserer Zeit ist die Kombination der beiden unwiderstehlich. Ich meine zu spüren, dass Harry und Meghan sich dessen bewusst sind und die Absicht haben, ihren Einfluss, ihre Macht der Aufmerksamkeit für wichtige Themen zu nutzen. Ich meine zu sehen, dass sich hier eine Partnerschaft bildet, die beinhaltet, gemeinsam die Welt zu einem besseren Platz zu machen.
Mit großer Neugier verfolge ich deswegen – wie so viele andere – die Berichterstattung über die beiden nach der Hochzeit.

Die britische Boulevard Presse – die Geschichte der Hetzjagden

Es dauert nicht lange, dann ist die Begeisterung der Presse über das schöne Paar vorbei. Die „sie sind so wunderbar-Geschichten“ sind erzählt und bringen keine Klicks mehr, keine Quote. Der Ton kippt und die Angriffe gehen gegen Meghan. Wochenlang, monatelang. Sie sei stur. Schwierig. Sie benehme sich nicht königlich. „Indizien“ werden an den Haaren herbeigezogen, frei erfunden und es nimmt kein Ende.
Erst heute titelt ein Boulevardblatt im Internet:
„Meghan Markle öffentlich blamiert – DIESES Foto zeigt sie mit…“
Und wir alle fragen uns, was Meghan auf dem Foto Schreckliches widerfahren sein könnte. Atemlos klicken wir auf den Link und müssen lange lesen bis wir die Antwort finden. Meghan hat geschwitzt. Wir atmen durch. Wirklich?

Es ist nur die Spitze vom Eisberg. So geht das jeden Tag. Im Oktober 2019 verklagen Harry und Meghan die Zeitung „Mail of Sunday“ und werfen der britischen Boulevardpresse eine „unbarmherzige Hetzkampagne“ vor. Harry sieht Parallelen zwischen der Verfolgung seiner Mutter durch die Presse und der Art und Weise, wie diese jetzt mit seiner Frau umgeht.

Wie lange spielen wir in unserem Leben ein Spiel mit, bei dem wir nicht gewinnen können?

Das moderne Märchen: Alles ist möglich

Harry und Meghan haben nicht das Spiel beendet, sondern sich entschieden, die Spielregeln zu ändern. Zusammen haben sie den Mut und die visionäre Kraft, sich in ihrer Rolle neu zu erfinden. Sie bleiben in der Verantwortung und gestalten ihr Leben aktiv mit.
Ohne Meghan hätte Harry diesen Schritt nicht gemacht. Die beiden beflügeln sich gegenseitig.
Es ist ein modernes Märchen, dass wir gerade miterleben. Die Neudefinition von „und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage“. Harry und Meghan zeigen uns: Alles ist möglich. Sie leben es uns vor und machen uns Mut. Wenn die beiden das können, dann können wir das auch. Dann kannst Du das auch!
Es geht um Mut zur Freiheit. Es ist möglich, für die eigenen Träume neue Wege zu gehen. Es ist mehr möglich, als wir glauben. Für die beiden und auch für uns.
Wenn Du oder ich die Erwartungen unserer Familie nicht erfüllen, sondern stattdessen so leben, wie wir es uns wünschen, dann gibt es oft Gegenwind. Die Eltern sind sauer, die Geschwister verständnislos. Aber keiner von uns hat das Urteil der gesamten Weltpresse an den Hacken. Keiner von muss sich öffentlichen Umfragen stellen, ob unser Verhalten auf Verständnis oder Verurteilung trifft. Harry und Meghan erleben einen weltweiten Shitstorm auf dem Weg zu dem Leben, wie sie es sich wünschen.
Beide zeigen uns gerade, dass es wichtig im Leben ist, andere enttäuschen zu können, um sich selber treu zu bleiben.

So gesehen sind schon jetzt eine Inspiration für die Welt!

King and Queen of Hearts

Die gute Nachricht ist: Jeder Sturm – auch jeder Shitstorm – legt sich wieder. Und nach dem Sturm ist alles anders. Die Aufregung geht vorbei und eine Veränderung ist geschehen. Harry und Meghan können auf dem Weg dazu sein, der König und die Königin unserer Herzen zu werden.

Sie haben einen Plan. Sie werden ihre Stimme erheben für die wichtigen Themen der Welt. Sie werden arbeiten, wichtige Projekte anstoßen und mächtige Verbündete sein und haben. Sie sind ein Vorbild für eine neue Form der Partnerschaft zwischen Mann und Frau. Harry und Meghan fangen gerade erst an. Sie haben die Möglichkeit, in 5 Jahren, in 10 Jahren eine neue Form von Königreich zu schaffen: Ein globales Reich aus Menschen, die sie inspirieren und für die sie die Vision einer besseren Welt verkörpern können. Wir nennen diese Menschen heute nicht mehr Untertanen, sondern Follower.
Sie können die Macht der Aufmerksamkeit, die sie haben, sinnvoll nutzen. Die Welt braucht Menschen wie sie. Für Mut, Gemeinschaft und große Träume. Für eine Welt, in der mehr möglich ist, als wir heute glauben.
Herzlichen Glückwunsch Harry und Meghan, Herzog und Herzogin von Sussex.

Mit Grüßen aus Berlin – der Stadt der Wunder,
26.01.2020
Amina Meineker
Lifepassion.com

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