Sinn des Lebens

Lebenssinn im Fokus – Warum wir ständig suchen, was wir haben – Teil 2

teil2-moench-gebet-monasticLebenssinn im Fokus – Warum wir ständig suchen, was wir haben – Teil 2

Mein Leben hat keinen Sinn. Ich lebe, um zu arbeiten. Mir scheint das ganze Leben so beliebig, so austauschbar und langweilig. Oft sehne ich mich nach einem Zweck, den ich erfüllen kann, nach Zielen, die es wert sind, verfolgt zu werden. Wenn ich meinem Leben nur eine Richtung geben könnte…
Kennen Sie vielleicht solche Gedankenkarusselle des Zweifels? Die Menschen sehnen sich immer mehr nach einem sinnerfüllten Leben, nach einer Berufung, nach einem Zweck in der Welt. Aber ist es überhaupt sinnvoll, so einen Wunsch zu äußern? Reicht es nicht aus, einfach nur Mensch zu sein? Fragen über Fragen und wenig Antworten weit und breit. Ich nähere mich dem großen Thema Sinn des Lebens aus einigen unterschiedlichen Perspektiven, wissend, dass dieses Thema zu groß ist, um in einem Artikel abgehandelt zu werden.

Zu Teil 1

Fluch des Fortschritts

Die kritische Situation für uns können wir noch aus einer anderen Perspektive beleuchten. Wir leben in einer Welt, die ein Wort zum Credo erklärt hat: Fortschritt. Daraus hat sich eine Gesellschaft entwickelt, die den Fortschrittsgedanken von den Dingen auch auf den Menschen übertragen hat. Heute besteht laut Peter Sloterdijk Fortschrittspflicht für jeden Menschen. „Du musst Dein Leben ändern“ und zum übenden, ständig lernenden Wesen werden. Nur dann bist Du Mensch. Auch hier scheint mir der Ausweg der Suche nach dem Sinn und Zweck des Lebens eine Illusion zu sein. Ein Mensch, der seine Berufung nicht gefunden hat, der keine Lebensvision und kein persönliches Mission Statement entwickelt hat, der kann nicht glücklich sein. So oder so ähnlich tönt es aus den Lagern der Lebenscoaches, die uns überfluten. Ich erlaube mir diese kritische Formulierung, weil ich in gewisser Weise auch zu dieser Gattung gehöre. Aber können wir auf der Suche nach unserem einzigartigen Zweck im Leben, unserem Zweck der Existenz, daran vorbeisehen, dass wir damit wiederum der Expansion freien Raum geben? Wie kann in einer so dichten Welt, soviel egomanische Einzigartigkeit Platz finden? „Wer >zu sich< gekommen ist, kann die Sorge um die Rechtfertigung des eigenen Daseins fallen lassen. Er >existiert<, indem er sich nimmt, wie er ist, und sich gibt, wie er will, jenseits von Konsequenz und Inkonsequenz“ (Peter Sloterdijk)

Werden und Sein im Widerstreit

Mein letzter Gedankengang kreist um den Widerspruch des Lebens schlechthin: Sein und Werden, Verändern und Bewahren. Sind wir schon durch unser Sein genug und können wir der Fortschrittspflicht trotzen? Oder müssen wir ständig etwas werden, etwas, das morgen besser ist als heute? Auch wenn wir uns der spirituellen Entwicklung hingeben, ist es eine Geburt des Fortschrittgedankens. Es geht auch dabei nur ums Werden. Wir wollen etwas erreichen, die Erleuchtung vielleicht oder einfach nur etwas mehr vom Glück. Morgen aber soll es besser sein als heute. Dabei predigen es die Weisen der Weltgeschichte seit ewiger Zeit: Wir können Erfüllung nur im Augenblick, im wahren Sein finden. Der bedeutendste Weisheitslehrer der Gegenwart, Eckhart Tolle, sieht gerade darin den einzigen und wahren Sinn des Lebens: Das Jetzt bedingungslos anzunehmen, ohne jeden Wunsch nach einer anderen, vielleicht besseren Situation – einem anderen Jetzt. Der Sinn ist somit im absoluten Sein zu finden, im Erwachen des Bewusstseins. Das Werden kann nur etwas Äußeres sein, vielleicht etwas, das sich nützlich für uns und für andere erweist, letztlich aber bedeutungslos bleibt. Daraus können wir nur eine einzige Konsequenz ziehen: Unser Gesellschafts- und Wirtschaftssystem geht an dieser Sinndefinition gnadenlos vorbei. Alle ihre Angebote an uns führen zur Sinnentleerung.

Gelöster und nicht gelöster Widerspruch

Der ganzheitliche Denker Gregg Braden meint: „Ein Mensch muss sich für eine neue Art des Seins entscheiden und dies in der Gegenwart anderer leben, damit es bezeugt wird und in das kollektive Muster eingehen kann“.  Welchen Schluss wir daraus auch immer ziehen wollen, eines steht fest: Der Widerspruch zwischen Sein und Werden beginnt sich im Delta aufzulösen. Wir verlieren die Unterscheidbarkeit. Gelöst aber ist der Widerspruch nicht. Auch wenn die semantische Spielerei: „wir werden was wir sind“ uns das glauben machen möchte. Für uns in der westlichen Welt wird es noch eine Synthese von Werden und Sein brauchen und die Suche nach dieser Synthese kann der Sinn unseres Lebens sein.

Aller Sinn ist in der Liebe zu finden

Mein abschließender Versuch einer Sinndefinition ist zugegeben vage und schwer fassbar. Ich beginne mit einer Frage: „Wie kommt die Liebe in die Welt? Am Anfang war das Wort, dann ward reines Licht, am Ende wird reine Liebe sein. Wir Menschen sind gleichzeitig Schöpfung und Schöpfer im Universum. Aber was erschaffen wir? In einem Universum der Allwissenheit, der Gleichzeitig- und Raumlosigkeit ist alles schon da. Was bleibt uns noch, das wir erschaffen könnten? Unser Leben als Schöpfer ergäbe keinen Sinn, wären wir nicht Schöpfer einer neuen Qualität, die erst durch uns in die Welt kommt. Warum bringt das Universum Leben hervor? Warum gibt es Wesen in der Formenwelt, die fühlen können? Welchen Sinn hat das? Eckhart Tolle meint dazu, dass das Universum sich über uns Menschen selbst wahrnehmen lernt. Wir haben darin also eine wichtige Entwicklungsfunktion. Ich möchte noch einen Schritt weiter gehen und sagen, dass wir Menschen und alle anderen Lebewesen, mit unseren Herzen das Fühlen in die Welt bringen. Und was erhalten wir, wenn wir alles Fühlen der Welt verbinden und auf die Suche nach der Essenz gehen? Ich sehe darin die Liebe. Es bedarf fühlender Wesen mit Herzen, um aus dem reinen Licht, aus dem wir entsprungen sind, die Qualität der universellen Liebe in die Welt zu bringen. Wir Menschen sind wichtig, damit das Universum die Liebe kennenlernt, damit die Alleinheit, der universelle Geist, das Fühlen lernt und Liebe hervorbringen kann. Vielleicht ist es so einfach.“ (Zitat aus „Take Five – Die fünf Schlüssel zu mehr Lebendigkeit und innerer Stärke, Edition Summerhill, 2016 – LINK). Wenn ja, dann ist genau das der Sinn des Lebens. Und weil wir ein Herz haben, haben wir Sinn. Das ist das Ende der Suche.

Herzlich, Ihr Heinz Peter Wallner

(c)  Heinz Peter Wallner

take-five-dr-wallnerLiteratur:
Heinz Peter Wallner, 2016, Take Five – Die fünf Schlüssel zu mehr Lebendigkeit und innerer Stärke,
Edition Summerhill,
www.take-five-for-life.de

 

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