Mensch-Sein

Im Kokon ist es ganz schön einsam…

schmetterling-sonne-butterflyIm Kokon ist es ganz schön einsam…

Spürst du das auch? Wir sind in einem immensen Veränderungs- und Transformationsprozess, zumindest diejenigen, die diesen evolutionären Weg des Bewusstseins gehen. Woran erkennst du, dass sich in dir Veränderung anbahnt, auch wenn du es noch nicht wahrhaben willst, sie geradezu fürchtest?

  1. Du bist mit deinen Gedanken überall, nur nicht da, wo sich dein Körper und dein Handeln befinden
  2. Du grollst innerlich, bist ständig genervt
  3. Dein Körper zeigt dir Symptome
  4. Du versuchst, im Außen kleine Dinge zu verändern, die Befriedigung hält jedoch nicht an
  5. Du isst zuviel oder rauchst mehr als sonst
  6. Du lenkst dich mehr als sonst mit unsinnigen Beschäftigungen von dir selbst ab
  7. Du ertappst dich bei entschieden pessimistischen oder aggressiven Aussagen, die deutlich negativer sind, als es deiner Art entspricht
  8. Wenn du in den Spiegel schaust, siehst du ein unglückliches, verkniffenes Gesicht
  9. Du schmiedest Fluchtpläne
  10. Du versuchst, das Verhalten der Menschen in deiner Umgebung zu kontrollieren, weil du dich an ihnen festhältst
  11. In ganz, ganz stillen Kämmerlein weißt du sehr genau, dass du auf diese Art nicht weiterleben kannst und willst
  12. Du hoffst auf ein Wunder
  13. Du projizierst deine Rettung auf ein zukünftiges Ereignis. „Wenn erst…“ sagst du.
  14. Etwas in dir sehnt sich nach sich selbst
  15. Du hast immer wieder die gleichen nagende Gedanken, die du für „negativ“ hältst
  16. Und manchmal hast du das beängstigende Gefühl, durchzudrehen, verrückt zu werden und die Kontrolle über dich selbst zu verlieren

Was also tun? Hier ist die gute Nachricht: alle Veränderungen laufen nach einem bestimmten Muster ab, es ist der Prozess, der die Raupe in den Schmetterling verwandelt. Das nennt man den „Imago-Prozess“ und man kann seine Mechanismen sehr schön auf menschliche, aber auch auf gesellschaftliche Prozesse übertragen.

Stell dir diese Raupe einmal vor. Sie tut fast nichts anderes, als zu fressen und zu wachsen. Warum tut sie das? Weil etwas in ihr bereits jetzt ahnt, dass sie in einiger Zeit keine Gelegenheit mehr zum Fressen haben wird. Von Anbeginn an steuert alles in ihrem Verhalten auf die Transformation vor, auch wenn sie selbst das vermutlich nicht weiß. Woher weiß ich, dass sie das nicht weiß? Weil sich nach einer bestimmten Zeit, wenn sie eine gewisse Reife erreicht hat, in ihrem Inneren so genannte Imago-Zellen bilden. Das sind noch keine Schmetterlingszellen, sondern eine Art Vorstufe, man könnt es auch poetisch Zukunftsversion nennen. Sie enthalten die Informationen des Schmetterlings, sind aber nicht identisch mit Schmetterlingszellen. Und was macht die Immunabwehr der Raupe? Sie zerstört sie! Erkennt die Raupe also, dass sie gerade eine unfassbare Chance erhält? Nein. Kann sie es verhindern? Auch nein. Denn bereits jetzt beginnt sich die Raupe zu verpuppen, auch wenn ihr Inneres die neuen Zellen als feindlich einstuft. Noch mal: Sie verpuppt sich! Sie schafft sich einen sicheren Raum, verliert aber gleichzeitig den Kontakt zu ihren Raupenfreunden und zu ihrer Umwelt. Die neuen Zellen wachsen auch im Kokon immer wieder in ihr nach und ihr Ímmunsystem wehrt sie weiterhin ab. Nun ist sie also allein in diesem geschützten Raum und das Neue in ihr wird weiterhin bekämpft. Das fühlt sich bestimmt ziemlich einsam an, auch wenn die Raupe diese Gefühle vielleicht nicht kennt. Doch die Imagozellen geben nicht auf, wachsen schneller, als die Immunabwehr sie zerstören kann und es bilden sich in ihrem Inneren so genannte Cluster, Zellhaufen. Noch immer erkennt die Immunabwehr diese Zellhaufen nicht als zur Raupe gehörig und bekämpft sie. Doch nun verbinden sich einzelne Zellen zu Imagofäden. Diese Fäden vernetzen die Imago-Cluster miteinander, es entsteht also ein Netzwerk. Und genau jetzt geschieht ein Wunder. Die Immunabwehr erkennt diese miteinander verbundenen Cluster, diese Zellhaufen, plötzlich als zu der Raupe gehörig, sie akzeptiert den Transformationsprozess und stoppt die Bekämpfung.
Nun kann der Schmetterling in Ruhe heranreifen. Erinnern wir uns: die Raupe hat wirklich nicht die leiseste Idee, was aus ihr wird, doch sie kann den Veränderungsprozess nicht stoppen. Die DNA ihrer Zellen weiß natürlich über den Schmetterling im tiefsten Inneren der Raupe Bescheid. Sogar die Immunabwehr bekämpft das wunderbare Neue, das nicht nur in ihr entstehen will, sondern in das sie sich mit Leib und Seele verwandelt.
Nun wird sie also zum Schmetterling, doch der beschwerliche und einsame Weg ist noch nicht zu Ende. Denn sie muss sich selbst aus dem Kokon herausschälen. Sie braucht diesen einsamen Geburtsprozess, er gehört untrennbar zur Transformation dazu.
Und dann, wenn sie es endlich geschafft hat, muss sie den Mut in sich finden, ihre Flügel zu öffnen und zu fliegen. Ist das nicht einfach großartig, was sie leistet?
Doch was hat dieser Prozess mit dir zu tun? Nun, wenn wir über die Einsamkeit wissen, über die Abwehrzellen, über den Widerstand, den die Raupe ihrer eigenen Veränderung gegenüber leistet, dann lernen wir eine ganze Menge über unseren eigenen Weg. Und können in Frieden kommen damit, dass wir zweifeln, hadern, uns einsam fühlen, aufgeben wollen, nicht den Mut finden, das Gelernte endlich umzusetzen.
Der Schmetterling in dir steckt gerade im Kokon und macht den härtesten, am meisten beängstigenden Prozess seines Lebens durch. Gib ihm die Zeit, gönne dir Ruhe, nähre dich gut. Sorge für dich, ziehe dich zurück, wenn dir danach ist. Und wisse, eines Tages wirst du fliegen. Du kannst nicht anders, wenn der Schmetterling geschlüpft ist. Erlaube mir, mich mit deiner Seele, mit Gott, mit dem Leben selbst auf diesen wundervollen, zauberhaften Moment zu freuen, wenn sich der Schmetterling in dir seiner selbst bewusst wird.

Wenn du ein wenig Begleitung auf diesem Weg brauchst, dann bin ich von Herzen gern für dich da, in Schrift und Ton.

Susanne Hühn

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