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Achtsamkeit mitten im Leben ~ Britta Hölzel und Christine Brähler

Achtsamkeit_CoverAchtsamkeit – Revolution‘ mit Rezension zum Buch:  Achtsamkeit mitten im Leben – Anwendungsgebiete und wissenschaftliche Perspektiven

Die Achtsamkeitsmeditation ist in der breiten Masse angekommen, oftmals als ‚Allzweckwaffe‘ zur Optimierung sämtlicher Lebensbereiche. Gleichzeitig aber wird sie immer ernster genommen: Mediziner und Psychotherapeuten entdecken immer neue Anwendungsgebiete – etwa chronische Schmerzen, Depressionen, Süchte, Essstörungen und sogar Krebs. Was aber kann die Achtsamkeitsmeditation wirklich leisten?

Studien zeigen inzwischen sogar, wie Meditation die Hirnaktivität verändert: Mithilfe der Elektroenzephalografie (EEG) stellten Wissenschaftler fest, dass während tiefer Meditation zum Beispiel die Wellen im Beta- und Gamma-Bereich stärker und weitflächiger synchronisiert sind als im aktiven Wachzustand – ein Zeichen für intensive Konzentration und Aufmerksamkeit. Bildgebende Verfahren zeigen, dass etwa der orbitofrontale Kortex angeregt wird. Dieses Hirnareal ist wichtig für den Umgang mit Emotionen.

Was kann ich unter Achtsamkeit verstehen

Achtsamkeit bedeutet im Hier und Jetzt zu sein und zwar nicht nur körperlich, sondern auch mental. Das ist für die meisten Menschen kein Normalzustand. Viele hängen mit ihren Gedanken entweder in der Vergangenheit fest, beschäftigen sich mit Sorgen oder denken über die Zukunft nach. Dieses Denken ist meist von der Hoffnung begleitet, dass sich irgendwann ein zufriedener Zustand einstellen wird. Ein achtsamer Mensch hingegen achtet auf den Moment, ohne ihn jedoch zu bewerten. Das ist der zweite entscheidende Aspekt der Achtsamkeit. Wir neigen dazu, alles permanent zu bewerten. Achtsam sein bedeutet, diese Bewertung sein zu lassen und sich auf das zu konzentrieren, was gerade außerhalb der Gedanken passiert.

Achtsamkeit ist Bewusstheit der Verbundenheit und gegenseitigen Abhängigkeit

Das geistige Konzept der Achtsamkeit vermittelt die Verbundenheit des Menschen mit allem was ist, dass er also ein Teil eines Ganzen ist. Auf dem Gefühl des Mitgefühls und der Zuneigung berührt Achtsamkeit alle Belange des Lebens.

Häufig wird der Begriff Achtsamkeit mit Aufmerksamkeit verwechselt. Aufmerksamkeit meint  die Fähigkeit bewusst wahr zu nehmen. Der Begriff Achtsamkeit hat jedoch zwei Bedeutungen: bemerken, was gerade geschieht und sich dessen zu erinnern, was heilsam ist. Diese zweite Bedeutung ist sehr wichtig, denn die ethische Dimension der Achtsamkeit ist es, anderen zu nützen und nicht zu schaden. In diese Sinne ist Achtsamkeit nicht nur eine  Meditationstechnik, sondern eine ethische Geisteshaltung die auf Mitgefühl, Frieden und Glück basiert.  In diesem Verständnis liegt die Chance der Entwicklung einer  globalen Ethik, die zu mehr Menschlichkeit und Harmonie auf der Welt führen könnte.

Das Herz der Ethik ist Mitgefühl für alle Wesen

Wie sehr  Achtsamkeitslehren eine Hoffnung für die Menschheit  darstellen könnte, lässt sich an  der Auffassung  des Dalai Lama aufzeigen.
Unabhängig von religiösen Ritualen praktiziert der Dalai Lama bedingungsloses Mitgefühl für alle Wesen. Die Weltbevölkerung wächst, die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer, die Korruption nimmt zu; wegen der rücksichtslosen Ausbeutung unserer Erde schwinden die natürlichen Ressourcen. Für den Dalai Lama ist ein säkularer Weg daher ein universeller Lösungsansatz. Denn nur durch die Rückbesinnung auf die gemeinsamen menschlichen Werte  wie Mitgefühl, Liebe, Respekt und Wertschätzung könne man die vielfältigen Konflikte auf unserer Erde bewältigen.  Daher plädiert er für ein bewussteres, moralisches Handeln. <

Grund genug um sich mit einem außergewöhnlichem  Buch der Autorinnen  Dr. Britta Hölzl und Dr. Christine  Brähler zu befassen.  Die Hirnforscherin und Psychotherapeutin geben einen fundierten Überblick darüber, wie Achtsamkeit in vielen wichtigen Lebensbereichen umgesetzt werden kann. Wer selbst mehr Achtsamkeit in sein Leben bringt etwa mit Kollegen, Klienten, Kindern, Partnern und Freunden – verändert auch die Gesellschaft im Ganzen.

In ihrem Grundlagenwerk zeigen sie mit 10 weiteren Achtsamkeitsautoren auf wie und wo Achtsamkeit eine immer größere Wirkung erzielt.  Außerdem geben sie einen kurzen Einblick in die buddhistischen Wurzeln dieser Praxis. Die Beiträge zeigen das breite Spektrum vom Beruf, über Familien- und Freundeskreis bis hin zum Umgang mit belastenden Emotionen.
Gleichermaßen für „Laien“ im Umgang mit diesem Thema und als auch Menschen, die sich bereits intensiver mit Meditation und Achtsamkeit beschäftigen geeignet, wird dieses Buch schnell zum täglichen Begleiter, da es eine Fülle ganz konkreter Übungsmöglichkeiten beinhaltet wie z.B. den Umgang mit Schmerzen oder auch achtsam zu Altern.

Bereits auf den ersten Seiten wird unsere menschliche Neugier geweckt, die Praxis der Achtsamkeit selbst auszuprobieren und die persönliche Erfahrung zu machen, wie wertvoll und lebensbereichernd Achtsamkeit  ist und wie breit das Spektrum der (Aus-)Wirkungen auf den weiteren Lebensweg sein kann.

U.T.

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