Bewusst-Sein

Loslassen

3_herbstIst loslassen als eine der schwierigsten Lernaufgaben?

Hey, lass doch mal Los! 

Wer hat das nicht schon in seinem Leben als Ratschlag mit auf den Weg bekommen. Loslassen. Als ob das so einfach wäre. Tatsächlich scheint mir loslassen als eine der schwierigsten Lernaufgaben, die der Mensch in seinem Leben erlernen darf. Es geht ja nicht nur allein darum, in einer bestimmten Lebenssituation angemessen zu reagieren, zu verarbeiten und dann wieder zur Tagesordnung übergehen zu können. Vielmehr ist Loslassen ein Prozess der, -einmal in Gang gesetzt- immer fort seine Arbeit in uns tut. 

Loslassen beginnt mit dem Annehmen einer (Lebens-)aufgabe, die sich uns als Situation zeigt, die wir bewältigen sollen. Sei es als kleine vielleicht unbedeutende Situation, die uns als Momentaufnahme ärgert oder als äußerst schwere (Verlust-)situation. Vielleicht der Verlust eines geliebten Menschen! 

Jede Form von Verlust die wir in uns spüren -auch unbewusst- hinterlässt Spuren. Ärger über einen anderen Menschen, Wut, oder kleinliches Handeln, bringt uns bewusst als auch unbewusst aus dem Gleichgewicht. Wir spüren ein Unwohlsein, vielleicht in Form eines schlechten Gewissens. Je nach Intensität beeinflusst dies unsere Gedanken, Gefühle und löst körperlich Reaktionen aus. Verlieren wir nur kurz unsere Balance ist dies bereits ein Verlust, den wir wahrnehmen. 

Das Ereignis als Auslöser mag vergehen doch in unserem Unter-Bewusstsein bleiben diese Erfahrungen haften. Bewegen uns weiter und treiben in ähnlichen Situationen zu Handlungen an, die sich als Muster immer und immer wieder wiederholen. 

Erkennen wir nicht unsere Muster, grenzen wir uns ein und können uns nicht frei machen. Frei machen heißt loslassen. Lassen wir nicht los engen wir uns ein. Fühlen wir uns eingeengt schränken wir unser Leben ein und nutzen nicht unsere Möglichkeiten. 

Es ist unsere Wirklichkeit, dass in unserer Welt tagtäglich und permanent Ereignisse auf uns einprasseln in Form von kleinen und großen Kleinigkeiten, die uns in Gedankenfluten heimsuchen. Wer kennt das nicht, dass dauernd ähnliche Gedanken auftauchen. Unangenehme sorgenvolle Gedanken und diese lenken uns und führen in Richtungen, die wir niemals einschlagen wollten. 

5_herbstWären wir geschult, unsere Gedanken zu beobachten würden wir erschreckend zur Kenntnis nehmen, dass die meisten täglichen Gedanken die wir produzieren negativer Art sind. 

Dass dies enorm belastend ist kann sich jeder leicht vorstellen. Dass damit unsere Ressourcen verschwendet werden ebenso. Statt uns absichtsvoll und aufmerksam positiv zu verhalten geben wir nach und leben mit unserer negativen Gedankenflut und geben dies zurück durch unser Handeln in die Welt. 

Das muss nun tatsächlich nicht sein. Entdecken wir einen störenden Gedanken können wir diesen loslassen, Ja schicken ihn weg. Sehen und fühlen wir, dass dieser gegangen ist und wir dies fühlen haben wir losgelassen. Hört sich einfach an. 

Ist es aber leider nicht. Es ist üben und Arbeit. Verbunden mit der Bereitschaft sich selbst einzugestehen, dass man sich Tag ein Tag aus wie ein Esel verhält: statt grundlos Glücklich zu sein es vorzieht, seinen inneren und äußeren Illusionen zu gestatten, zu manipulieren und sich schlecht zu fühlen. 

Loslassen ist der Weg der inneren Stille, der Intuition, der inneren Stimme, kein intellektueller Akt. Der Ratschlag des Loslassens ist gut, aber allein der Ratschlag der auf Einsicht stößt löst oder hilft noch bei weitem nicht. Viele beginnen deshalb diesen Weg mit Meditation oder auch Yoga. 

Ein verloren gegangenes Spiel meiner Lieblings Mannschaft kann schon mit der Hoffnung auf den nächsten Sieg meinen Ärger positiv bewegen. Doch der Verlust eines geliebten Menschen, Mobbing am Arbeitsplatz, eine schwierige Kindheit, oder uns angetane Gewalt stellt eine echte Herausforderung für den Beginn des Prozesses des Loslassens dar. Wie schwierig das Loslassen in solchen Fällen ist weiß der betroffene selbst am besten. 

Warum der natürliche Prozess des Loslassens sich als schwierig erweist, beginnt meines Erachtens bereits in unserer Kindheit. 

In der Kindheit werden wir im Sinne des Habens, Behaltens erzogen. Es ist schön etwas zu besitzen, Wünsche werden erfüllt. Illusionen genährt und auch zweckentfremdet. Träume und für Erwachsene nicht nachvollziehbare „Illusionen“ werden weg erzogen. Alles dient dem erfolgreichen Bestehen im Außen. Die Innenwelt steht dem als Hindernis entgegen. 

„Wir spüren bereits bei kleinen Ereignissen, dass Verlust etwas nicht Akzeptables ist. Und so lernen wir keinen Weg für uns in unserem weiteren Leben wie wir uns mit der Realität der Verluste arrangieren können“. 

Jahrzehnte nach meinen persönlichen tiefgreifenden Verlusten weiß ich nun eins; nichts geht verloren, nichts verschwindet, nichts ist so schmerzhaft wie meine eigene Illusion des Verlustes. Es ist unsere gelernte Betrachtung, die die Dinge im Leben so schmerzhaft machen. Selbst der Tod verliert seinen Schrecken, da Leben als Energie immer existiert. 

Unser Anhaften an Verlustängsten ist für mich die Weigerung zu akzeptieren, dass unser Verstand unsere Illusionen nährt. Allein unbewusste Sehnsucht als unsere innere Stimme gibt uns eine Ahnung, dass vielleicht die Dinge ganz anders sein können. Doch dies harmoniert nicht mit unseren Erfahrungen, die wir uns so schwer erarbeitet haben. Unsere Erfahrungen sind unsere persönliche Werkstatt, um auf alles angemessen und effizient -wie wir meinen- reagieren zu können. Dass dies eine weitere Illusion sein könnte bemerken wir dann, wenn wir uns die Frage stellen, warum passiert mir immer wieder dasselbe. Warum verliebe ich mich immer in den falschen. Warum bin ich wieder in der falschen Firma gelandet…

4_herbstLoslassen ist ein Prozess und steht am Ende des Lernens über uns selbst. Niemand trägt die Schuld für unsere Trauer und Vergeblichkeit außer uns in uns selbst. Fangen wir an uns besser kennen zulernen, fangen wir an uns zu befreien. Hinterfragen wir unsere Illusionen. Und schon beginnt der Prozess des Loslassens und wir sehen die Welt mit anderen Augen. 

Loslassen ist auch Integration, nicht einfach wegschicken, loswerden von Belastungen. 

Jede Erfahrung mit ihren Erinnerungen ist auch mit positiven und schönen Elementen verbunden und somit etwas Wertvolles im Leben, das mich bereichert und wachsen lässt. Und mir die Möglichkeit gibt, im Umgang mit schwierigen Situationen tiefer zu blicken und mit Stärke der Ausgeglichenheit zu handeln. 

Wie erwähnt ist loslassen kein intellektuelles Herbeiführen einer Problemauflösung oder Beseitigung, die das Mensch Sein bedrückt. Für mich persönlich ist Loslassen ein spiritueller Prozess, der unser ganzes Leben begleitet. In Wissen oder in Unwissen. Wir allein können die Art des Umganges entscheiden und wie wir damit unser Leben bereichern und vervollständigen. 

Loslassen ist demnach auch ein Prozess der Vervollständigung. Der Mensch schafft sich Raum in seinem Inneren für eine neue Erfahrung, in dem die gemachte Erfahrung gelöst ist. Integriert oder wie manche sagen transformiert wird. Für mich wird dieser Prozess von fünf Wesenheiten begleitet. Wahrheit, Schönheit, Glück, Gesundheit und Licht. 

Ohne Arbeit und ständiges Üben werden wir nur sehr langsam in unseren Erkenntnissen vorankommen. Sind wir aber erstmal in unserer kompletten Eigenverantwortlichkeit aller Dinge in uns angekommen, werden die Dinge klarer und einfacher. Unser Blickwinkel vergrößert sich, unser Focus öffnet sich für eine Welt die bis lang uns verschlossen blieb. Unser Innenraum, Seele, verbindet sich mit dem was wir als außen bezeichnen können und nimmt bewusster wahr. 

Das Verhältnis unseres Wertessystems verändert sich, wenn wir anfangen uns selbst zu verstehen. Wir lernen respektvoll die Natur zu erleben als ein kleines Teilchen eines großen unermesslichen Teiles, das wir Universum nennen und auch dies nur ein Teil von etwas anderem ist. Und wir ein Bestandteil untrennbar von allem sind. 

Loslassen ist die Erfahrung, dass alles eins ist mit Gott. Dies ist meine Erfahrung. So viele Menschen es gibt so viele Erfahrungen wird es geben. Es ist der Weg zum grundlos glücklich sein. 

Und das scheint mir das alles Verbindende zu sein, das uns alle so unwiderstehlich macht… 

U.T. 

 

Dies geht an die Verrückten, die Unangepassten, die Rebellen, die Unruhestifter, die runden Stifte in den quadratischen Löchern …
diejenigen, die Dinge anders sehen – sie mögen keine Regeln.
Du kannst sie zitieren, eine andere Meinung haben als sie, sie glorifizieren oder verdammen.
Aber das einzige, das du nicht machen kannst, ist, sie zu ignorieren.
Denn sie verändern die Dinge … sie bringen die Menschheit voran, und während einige sie als die Verrückten sehen mögen, sehen wir ihr Genie. Denn diejenigen, die verrückt genug sind zu denken, dass sie die Welt verändern könnten, sind diejenigen, die es tun.
(Steve Jobs)

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