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Gott, Sex und der Papst an Ostern

sex-religion-papst-ostern-milanGott, Sex und der Papst an Ostern

Zugegeben, es ist der Ex-Papst und er hat sich bereits vor Ostern zu Wort gemeldet.
Benedikt der XVI. hat einen 15-seitigen Aufsatz zum Thema „Die Kirche und der Skandal des sexuellen Mißbrauchs“ geschrieben und vor wenigen Tagen veröffentlicht1.
Er macht die sexuelle Freizügigkeit der 60er Jahre verantwortlich für den verbreiteten Missbrauch von Kindern in der katholischen Kirche:

„Ich versuche zu zeigen, daß in den 60er Jahren ein ungeheuerlicher Vorgang geschehen ist, wie es ihn in dieser Größenordnung in der Geschichte wohl kaum je gegeben hat. Man kann sagen, daß in den 20 Jahren von 1960 – 1980 die bisher geltenden Maßstäbe in Fragen Sexualität vollkommen weggebrochen sind und eine Normlosigkeit entstanden ist, die man inzwischen abzufangen sich gemüht hat.“

Seiner Ansicht nach hat diese Normlosigkeit in der Gesellschaft zur Abwesenheit von Gott auch innerhalb der Kirche geführt und damit die Mißbrauchswelle ausgelöst.
Die Abwesenheit von Gott – und damit die Abwesenheit der Liebe – ist für den einzigen Papst, der je zu Lebzeiten abgedankt hat, die Ursache alles Bösen in der Welt.

Gut gegen Böse

Der Kampf von Gut gegen Böse ist so alt wie die Menschheit. In der Welt insgesamt sowie in jedem einzelnen von uns ist beides angelegt und ringt miteinander. Es ist der Kampf der Liebe gegen die Angst.
Wir alle kennen den Impuls und den Wunsch, anderen zu helfen. Wir sind soziale Wesen und es geht uns am besten, wenn wir Teil einer Gemeinschaft sind, die einander hilft, auf die wir uns verlassen können und in der wir dazugehören. Selbst wenn wir fremden Menschen helfen und Gutes tun, geht es uns danach besser. „Geben ist seliger als Nehmen“, heißt es.

Wir alle kennen auch den Impuls, Gewalt anzuwenden, wenn wir uns oder unsere Lieben bedroht sehen. Eltern sind zu Vielem imstande, wenn sie die eigenen Kinder bedroht werden. Studien zeigen, dass die Gewaltbereitschaft in Menschen dann steigt, wenn sie sich insgesamt bedroht und nicht zugehörig fühlen. „Du oder ich“, ist dann die zugrunde liegende Annahme.

Der Überlebenstrieb unserer Spezies führt dazu, dass wir uns in der Regel für „ich“ entscheiden. Wer kommt als erster dran? Wer bekommt die Beförderung? Wer hat Recht? Selbst im Gespräch mit unseren Liebsten geben wir dem anderen nur ungern Recht. Warum eigentlich?

Wo ist Gott?

Benedikt hat auch Wahres gesprochen in seinem Aufsatz:

„Der Herr hat eine Geschichte der Liebe mit uns begonnen und will die ganze Schöpfung in ihr zusammenfassen. Die Gegenkraft gegen das Böse, das uns und die ganze Welt bedroht, kann letztlich nur darin bestehen, daß wir uns auf diese Liebe einlassen. Sie ist die wirkliche Gegenkraft gegen das Böse.“

Unabhängig davon, ob wir Christen sind oder nicht, gibt es diese universelle Kraft, die größer ist als wir und die die ganze Schöpfung zusammenfasst. In uns Menschen gibt es eine Sehnsucht nach der Verbundenheit mit dieser Kraft, in der wir ein Zuhause, eine Zugehörigkeit und einen Frieden mit uns und der Welt spüren.

Wir nennen diese Kraft Gott, Allah, Buddha, morphisches Feld, großer Spirit oder Liebe. Es ist egal, wie wir sie nennen: Ob das Gute ins uns gewinnt oder nicht, hängt davon ab, ob wir in Verbundenheit mit dieser Kraft handeln oder nicht. Wenn es gelingt, aus der Liebe zu handeln, tun wir Gutes. Die Liebe hat keine bösen Ideen. Die Liebe verzeiht und ermöglicht. Sie sieht die Chancen und wächst über sich hinaus.

Angst trennt uns von dieser Kraft. Sie lässt uns das Vertrauen in uns selbst, unser Gegenüber und in das Leben verlieren. Wir fühlen uns allein und getrennt und sind dann zu allem fähig. Aus dieser Angst heraus werden wir grausam gegenüber uns selbst und anderen.

Die Aufgabe und Verantwortung von Religion und Kirche

Es gibt die großen Religionen, weil sie jede auf ihre Weise einen Weg gefunden haben, Menschen den Zugang zur Verbundenheit mit dieser göttlichen Kraft zu geben. Das ist der Auftrag, der Sinn und die Verantwortung von Religion, Kirche und letztlich allen spirituellen Gemeinschaften. Sie geben den Menschen Halt, Sicherheit und Hoffnung. Sie leiten sie an, die Angst in sich zu überwinden und der Liebe – und damit Gott – wieder zu vertrauen. In der Verbundenheit mit der göttlichen Liebe gelingt es uns, unsere niederen Instinkte (oft das Böse) zu überwinden und unserem höheren Bewusstsein zu vertrauen.

Bei allem, was kritisch über die Kirchen gesagt werden kann und wie oft sie ihre Macht über die Jahrhunderte missbraucht haben, ist diese Kernaufgabe über die Jahrhunderte auch immer wieder erfüllt worden: Menschen haben Trost, Gemeinschaft und Gottvertrauen gefunden. Sie haben ihre Fehler hinter sich lassen und anderen ihre Fehler verzeihen können2. Auf diese Weise haben wir der Liebe und damit dem Guten in uns und in der Welt immer wieder eine neue Chance gegeben.

Gerade die Kirchen stehen in der Verantwortung in der Welt, im Angesicht von Angst und Gewalt der Liebe ein Zuhause und eine Chance zu geben. Wenn nicht hier, wo dann können sich Menschen voller Vertrauen hinwenden und wissen, diese Menschen stehen in der Verbundenheit zu Gott und meinen es gut mit mir? Insbesondere wenn wir in der Welt schwierige Zeiten voller Veränderung und Herausforderungen erleben, gilt es doch liebevoll und achtsam zu sein und zu handeln.

In welcher Beziehung zur göttlichen Liebe steht es dann, wenn die Menschen, die als Priester ihr ganzes Leben dem Dienst an Gott widmen, das Ausgeliefertsein von Kindern ausnutzen und ihre Körper und ihre Seelen verletzen? Der sexuelle Mißbrauch von Kindern ist immer schrecklich. Doch erscheint er dort, wo Menschen Trost, Sicherheit und Gottes Liebe suchen, und sich voller Vertrauen hinwenden, noch grausamer.

Jetzt behauptet das ehemalige Oberhaupt der katholischen Kirche, die gesellschaftlichen Umstände seien Schuld daran. Wenn die „Umstände“ schwierig waren, ist es dann nicht erst recht Aufgabe der Kirche, einen Raum zu schaffen, in dem Gott anwesend ist?

Geht es dann nicht darum, gerade im „tosenden Sturm des Unheils in der Welt“ die sichere Insel der Liebe zu sein?
Es ist eine unfassliche spirituelle Bankrotterklärung, wenn der ehemalige Papst sagt, es sei in der Kirche nicht gelungen, die Anwesenheit der Liebe aufrecht zu erhalten, weil die Umstände ungünstig waren.

Schuld sind die anderen: Opfer oder Schöpfer?

Wenn wir uns den Umständen des Lebens ausgeliefert fühlen, sind wir machtlose Opfer. In der Trennung von der Liebe (oder von Gott) fühlen wir uns allein und hilflos. Wir können nichts dafür. Die anderen sind schuld. „Ich kann ja eh nichts machen.“
Es ist ein beliebtes Hobby von uns Menschen, die Schuld bei den anderen zu suchen. Wir alle haben uns schon dabei ertappt. Wenn nur mein Partner aufmerksamer, meine Mutter liebevoller und meine Kinder gehorsamer wären…

„Ich hatte keine Wahl“, ist eine Aussage vieler Täter nach der Tat. Der Exmann, der seine Liebste und ihren ‚Neuen‘ angreift, fühlt sich ebenso als Opfer der Umstände wie der Teenager, der seinen Klassenkameraden zusammenschlägt, weil er ihn beleidigt hat. Wir schreien die Menschen an, die wir lieben und fühlen uns wirklich so, als hätten wir keine Wahl gehabt.

Dabei liegt die große Verantwortung, ob das Gute oder das Böse in uns gewinnt, ganz alleine bei uns selbst:

Der Enkel kommt zu seinem Opa und sagt: Opa, manchmal habe ich das Gefühl, ich habe zwei Wölfe in mir, die um mich ringen. Der eine hat Angst und schlägt um sich. Er nimmt alles persönlich und will Rache, wenn ihm Unrecht widerfahren ist. Er findet immer etwas worüber er sich aufregen kann und tut das auch.
Der andere Wolf ist nachsichtig und versteht, dass die anderen Menschen auch ihre Sorgen und Hoffnungen haben. Er glaubt an die Liebe und die Vergebung und das irgendwie alles gut ist. Wer wird gewinnen?

Da nimmt der Opa den Enkel in den Arm, atmet tief ein und aus und sagt:
„Der, den Du fütterst, mein Kind. Der, den Du fütterst wird gewinnen.“

Jeder von uns hat das Opfer in sich und die Angst.

Jeder von uns hat den Schöpfer in sich und die Liebe. Als Opfer fühlen wir uns ausgeliefert und machtlos. Als Schöpfer sind wir frei und mächtig. Dann haben wir Macht in unserem Leben und die Freiheit, mitzugestalten.

Als Schöpfer habe ich immer die Wahl. Wenn mich jemand angreift, kann ich zurückschlagen oder es nicht tun. Als Schöpfer übernehme ich immer die volle Verantwortung für mein Denken, mein Fühlen und mein Handeln.
In der Macht dieser Schöpferkraft sind wir verbunden mit unserer eigenen göttlichen Natur.
Jeder von uns ist göttlich.

Wenn Benedikt XVI. die Schuld bei den anderen sucht, verleugnet er seine Verantwortung und die Verantwortung der Kirche. Nichts was im Außen geschieht, entschuldigt den Handelnden. Die Verantwortung ist immer die eigene.
Nur die fehlende Verbundenheit zu Gott lässt uns die Schuld bei den anderen suchen.

Es ist ein besonders bitterer Weg für einen ehemaligen Papst:

Er hat sein Gottvertrauen verloren und sucht die Schuldigen3.

Gott und Sex – göttlicher Sex

Der ehemalige Papst also macht die sexuelle Freizügigkeit4 der 60er Jahre maßgeblich verantwortlich für den kriminellen Missbrauch von Kindern in der katholischen Kirche.

Darin liegt noch ein weiteres fundamentales Problem:

In dieser These enthalten ist, dass Sex und freier Sex insbesondere etwas Böses beinhalten und freisetzen. Dem ist jedoch nicht so.

Für Sex wie für alles andere auch gilt, dass er mit Liebe geschehen kann oder lieblos mit Angst. Wenn wir Sex mit Angst, Scham, Gewalt und Schuld verbinden, wird es tatsächlich schwer, etwas Gutes darin zu finden. Wenn es uns jedoch gelingt, unsere Herzen zu öffnen und in der sexuellen Begegnung mit einem anderen unsere ganze Liebe fließen zu lassen, dann geschieht das göttliche Wunder der Liebe auch beim Sex. Es geschieht vielleicht sogar gerade beim Sex.

Denn im sexuellen Akt verbinden sich Menschen miteinander, sie öffnen sich füreinander. Wenn sich nicht nur die Körper, sondern auch die Seelen öffnen, ist der physische Akt eine Zeremonie, sich nicht nur dem anderen Menschen hinzugeben, sondern eben auch der großen universellen göttlichen Kraft der Liebe. Im wahren Fließen der Liebe entsteht göttlicher Sex und viele von uns sehnen sich danach, suchen danach.

Die Menschen spüren, dass die Jagd nach dem nächsten Orgasmus nicht alles sein kann und finden nur bisher keinen oder zu wenige Referenzpunkte für ihre Sehnsucht.

Liebe und Verbundenheit heute

Wir leben in einer Zeit, in der die meisten von uns die Verbundenheit zu der Kraft, die größer ist als wir tatsächlich verloren haben. Die Menschen sehnen sich danach, sie wiederzufinden. Sinnsuche und die Frage nach unserer Bestimmung beschäftigen die Menschen mehr als je zuvor. Benedikt XVI. zeigt, was eigentlich schon lange klar war:

Die Kirchen werden die Antworten nicht mehr liefern. Wir Menschen sind es auch leid, einen Mittelsmann zwischen uns und dem Göttlichen zu akzeptieren, der seine Aufgabe nicht erfüllt oder seine Macht missbraucht. Jedes Zeitalter, jede Epoche, jede Kultur hat ihren eigenen Weg, ihre eigene Form entwickelt, mit der großen Kraft des Universums, die viele Gott nennen, in Verbindung zu treten. Einige besonders weit verbreitete Formen sind die heutigen ‚Weltreligionen‘: Das Christentum, der Islam, der Buddhismus, das Judentum.

Sie alle sprechen die gleiche universelle Kraft ansprechen. Heute ist die Zeit gekommen für eine neue, direkte und religionsunabhängige Verbundenheit zu dieser großen Kraft. Der Vorteil heute ist, dass uns die Wissenschaft das göttliche Quantenfeld erklärt: Wir wissen heute, warum Beten wirksam ist. Wir wissen heute, dass jeder von uns seine Realität schöpferisch gestaltet.
Die Zeit und die Menschheit sind reif für eine direkte Verbundenheit mit Gott, mit der Liebe.

Ostern und Jesus als Vorbild

Im Christentum ist Ostern die Zeit für den Tod und die Wiederauferstehung. Jesus stirbt an Karfreitag und ersteht Ostersonntag wieder auf. Jesus hat in jedem Menschen das Göttliche gesehen und das Potenzial, es ihm gleich zu tun5.

Vielleicht ist dieses Osterfest eine gute Gelegenheit, die Angst in uns sterben zu lassen. Vielleicht können wir auferstehen und jeder von uns übernimmt die volle Verantwortung für seine Beziehung zu Gut und Böse.

Entscheide Dich für das Gute. Entscheide Dich für die Liebe. Sei kein Opfer mehr im Leben. Suche die Schuld nicht mehr bei anderen. Nimm Dein Leben in die Hand. Lass an diesem Osterfest das Opfer in Dir sterben und den schöpferischen Gestalter auferstehen. Entscheide Dich: „Ich bringe Liebe in die Welt.“

Wir wünschen Dir in jeder Hinsicht ein frohes und liebevolles Osterfest!

19.04.2019
Amina & Clemens
Lifepassion.com

Quellangaben

  • 1 Am 11. April 2019: https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2019-04/papst-benedikt-xvi-wortlaut-aufsatz-missbrauch-theologie.html
  • 2 In der Beichte, in Fürbitten und im Gebet: „Und vergib uns unsere Schuld. Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“
  • 3 „Schuld sind immer die anderen“, https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/benedikt-xvi-und-seine-kruden-thesen-zum-kindesmissbrauch-in-der-kirche-a-1262598.html
  • 4 So beschwert sich Benedikt XVI. in seinem Aufsatz zum Beispiel darüber, dass er am Karfreitag 1970 nach Regensburg kam „und dort alle Plakatsäulen mit einem Werbeplakat verklebt waren, das zwei völlig nackte Personen in Großformat in enger Umarmung vorstellte.“
  • 5 Psalm 82/6: Ich habe gesagt: Ihr seid Götter, ihr alle seid Söhne des Höchsten.

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