Aufstieg & Lernen

Ein menschlicher Entwicklungsweg ~ Die Heldenreise

Menschen-Wanderung-sand-dunesDie Heldenreise ~ 
Ein menschlicher Entwicklungsweg

von Walter Mauckner

Der Begriff Heldenreise stammt aus der Mythologie und steht für eine jedem Menschen innewohnende Entwicklungsbewegung: er hört einen Ruf, folgt ihm und bricht auf, macht sich auf den Weg durch alle Höhen und Tiefen seiner Existenz, um zur Wahrheit seine Seele zu gelangen, d.h., zurück nachhause zu kommen.‘
Dieser Vorgang erscheint als kollektives Seelenbild in allen Religionen Mythen und Märchen fast aller Kulturen, Joseph Campbell nennt es den Monomythos.

Worauf bezieht sich diese Reise, die wir den initiatischen Weg nennen können, und die in so vielen Facetten und Formen beschrieben wird? Sie bezieht sich auf den eigenen Lebensweg. Es geht um die eigene Reise nachhause zu sich selbst, es ist in erster Linie eine innere Reise zur eigenen Bestimmung, zum Wesentlichen und Wesenhaften. Manchmal wird es auch Vision genannt. Etwas in uns will sich finden und vollenden… „In jedem wohnt ein Bild des, der er werden sollen, solange er dies nicht ist, ist nicht sein Friede voll“(Angelus Silesius).

Diese Reise ist allerdings nichts Zufälliges, man geht nicht zufällig auf die Reise. Jeder Reise liegt eine immanente Sinnhaftigkeit zu Grunde, das bedeutet aber nicht ein ausgemachtes Ziel im vordergründigen Sinne. Es ist eine interessante Frage, wie es zu dieser Reise kommt. Natürlich sind wir schon von Geburt an in einem gewissen Sinne auf der Reise. Jeder ist auf der Reise. Doch es gibt Momente im Leben, wo wir die Reise ganz bewusst erkennen und wirklich aufbrechen. Das Verb aufbrechen zeigt dies auch in seinem doppeldeutigen Sinne. Etwas in uns bricht auf. Doch vorher werden wir berührt, gelockt, gerufen, aufgeweckt oder sogar aufgestockt. Das geschieht durch den „Ruf“, der uns erreicht. Er kann sehr leise und zart sein, ein einziges Wort, ein zartes berührt Werden, wie ein Windhauch, der unsere Seele streift, oder aber wie ein mächtiges Gewitter, ein gewaltiges Ereignis, ein tiefe Krise, ein Verlust, eine Katastrophe, etwas, das unsere Gewohnheiten erschüttert.

Der Ruf wird, in welcher Weise auch immer, an uns herangetragen und unser Inneres hört ihn und fühlt den Sinn der Reise: unsere Seele will wachsen! Eine große Liebe in uns wird angeregt, es ist die Liebe zur Wahrheit, zur Wirklichkeit, die wir sind. Manche nennen diese Wirklichkeit auch den inneren Geliebten, das Höchste, das Göttliche, usw.
Nun wird diese Reise als Heldenreise bezeichnet. Ein Held, eine Heldin, ist jemand, der sich in Räume vor wagt, die gefährlich sind, Grenzräume, vielleicht dunkle unbekannte Räume. Das braucht Mut und Entschlossenheit und dies wird durch den Helden oder die Heldin repräsentiert. Der Indikator für das Heldentum unserer Seele ist die Liebe zur Wahrheit. Das Heldentum im Sinne der Heldenreise ist eine ganz natürliche Eigenschaft unserer Seele es repräsentiert den Mut und die Bereitschaft des Einzelnen, sich der eigenen Grenze und Angst zu stellen, und die Räume hinter der äußeren Form zu betreten, d.h. die tiefere Wirklichkeit der Seele zu erforschen.

Auf der Reise überschreiten wir bestimmte Schwellen (Brücken, Tore). In den mythologischen Bildern werden diese Schwellen oft von gefährlichen Hütern bewacht. Überwindet der Reisende diese, so kommt er in die Schwellenwelt jenseits seiner gewohnten Strukturen. Dieser Raum wird im Mythos repräsentiert durch ein riesiges Meer, einen tiefen Wald, Höhlen, Abgründe, Unterwelt usw. in der Schwellenwelt hat der Reisende bestimmte wesentliche Aufgaben zu erfüllen. Dabei stehen ihm helfende Kräfte zur Seite. Andererseits begegnet er auch großen Widerständen, Ängsten, Ausweglosigkeiten, die durch Dämonen und machtvolle Hindernisse repräsentiert werden. Gelingt es dem Reisenden, die Aufgaben zu bewältigen und zum Gral durchzudringen, erfährt er den Segen dieser tieferen Wirklichkeit. Er kehrt dann bereichert zurück und setzt sein neues Wissen und die Erfahrungen zum Wohle der Gemeinschaft ein.

Was sind nun die Schwellen auf unserer eigenen Heldenreise? Diese Schwellen werden uns auf den verschiedenen Stufen unserer Reise immer wieder durch unsere Persönlichkeit und unsere Lebenssituation gelegt. Wir treffen immer auf uns selbst, auf unsere Konzepte und kristallisiert in Überzeugungen davon, was wir meinen zu sein, bzw. sein zu müssen und was wir meinen, wie die anderen sind und wie die Welt ist, bzw. zu sein hat. Doch all das entspricht weitgehend nicht der Wirklichkeit. Die Begegnung mit den Grenzen der eigenen Selbstbilder und Vorstellungen erfordert Mut. All diese Strukturen und Bilder, die wir für die Wirklichkeit halten, erweisen sich bei genauerem Erforschen als vordergründig und flüchtig. Auf unserer Reise wird uns das mehr und mehr bewusst, so dass der Raum dahinter spürbar wird. Wenn wir in neue Räume betreten wollen, können wir nicht bleiben, wo wir sind. An der Grenze, die wir berühren, müssen wir etwas Altes zurücklassen, mit der alten Form kommen wir nicht in den neuen Raum. Hier zeigt sich das Wesen der Schwelle (Übergang, Krise) hier begegnen wir dem Prinzip des Stirb und Werde. Die Übergänge sind oft schwierig und auch leidvoll. Wir brauchen für den inneren Wachstumsprozess viel Mitgefühl und Liebe zur Wahrheit und zu uns selbst sowie ein vertieftes Verstehen des initiatischen Prozesses. Wir brauchen sowohl äußere wie auch innere Unterstützung für unseren Weg.

Das Stirb und Werde ist ein tiefgründiges Prinzip. Es erinnert uns an die Wirklichkeit unserer Verletzlichkeit und Endlichkeit. Auf der Heldenreise werden wir herausgefordert, den „Raum Wunde“ zu betreten und ihr Wesen zu erforschen.

Eine bedeutende Unterstützung für diese Form der inneren Reise sind die Initiationen. In früheren Kulturen wurden die Übergänge durch Initiationen begleitet und abgesichert. Wir haben Teile solcher initiatischen Formen noch heute in unserer Kultur zum Beispiel bei Kommunion oder Konfirmation oder Heiratsritualen, beim Eintritt in bestimmte Berufe, Vereine oder bei der Beendigung der Schulzeit, als Eintrittsrituale in das Erwachsenenleben usw. allerdings wird das Wesen dieser Übergänge meist nur wenig mit Bewusstsein durchdrungen. Unsere Gesellschaft stellt im Zusammenhang mit Übergängen und Reifungsprozessen der menschlichen Seele wenig Wissen und Vermittlung zur Verfügung. Allein der Begriff Reife bzw. reife Männlichkeit wird in der Erziehung zum Manne nicht mit Inhalten gefüllt.

Initiation bedeutet das Hineinführen in einen neuen Bewusstseinsraum. Die Initiation macht den Übergang begreifbar, erfahrbar und wahrnehmbar. Es entsteht dabei schon ein Geschmack des Neuen, der Übergang wird sicherer. Das Phänomen von Übergang ist interessant. Wenn wir es genauer untersuchen, stellen wir fest, dass wir dabei in eine Lücke geraten, einen Zwischenraum, den wir nicht mit unseren Strukturen erfassen können. Beim genaueren Erforschen, stellen wir fest, dass diese Lücken weit häufiger auftreten, als wir glauben. Unsere Selbstbilder von Festigkeit und Bleibendem kommen schnell ins Wanken, wenn wir unsere Wahrnehmung auf die Zwischenräume richten. Wir werden gewahr, dass wir und unser Leben selbst vielmehr aus Übergängen und Lücken besteht als aus festen stabilen Zuständen. Eigentlich sind wir weit gehend „Lücke“. Unser Leben fließt von Situation zu Situation, von Augenblick zu Augenblick in den kleinen wie in den großen Zusammenhängen.
Letztlich erkennen wir die Permanenz des Übergangs und begreifen das Leben als einen großen Übergang, einen initiatischen Prozess, wobei wir in jeden Augenblick ins Unbekannte gehen.

Die Heldenreise als Entwicklungsprozess ist im Kern für Frauen und Männer gleich. Die bisher beschriebenen Prinzipien gelten für beide Geschlechter. Auch die archetypische Zuordnung ist ähnlich. Allerdings haben die archetypischen Aspekte eine ganz eigene männliche und weibliche Ausformung.
Die traditionellen, historischen Heldenreisen, die initiatischen Wege unserer Vorfahren, hatten ihre eigene, der Zeit angemessene Form. Heute erwächst ein neues Verständnis, ein neues Paradigma, für menschliche Entwicklungswege und spirituelles Wissen. In diesem Verständnis stehen alle Erscheinungen (Phänomene) der menschlichen Seele in direkter Verbindung zu ihrer wahren Grundnatur. D.h. auch die Phänomene unserer normalen Persönlichkeit und der Ich-Strukturen sind nicht getrennt von unserer spirituellen Natur. Auf der Heldenreise stellt sich ein Mensch seiner persönlichen, systemisch- kollektiven und transpersonalen Wirklichkeit.
In unserem Kulturkreis ist es hilfreich, wenn auf der Reise psychologische (therapeutische), rituelle, und spirituelle Ebenen zusammenwirken und dies frei von jeder ideologischen Fixierung.

(c) ZIPAT.de


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Maennergruppen-ZIPATBerührender Erlebnis- und Erfahrungsbericht

“ … Das war genau was ich wollte und was ich zu diesem Zeitpunkt brauchte.
Als überwiegender Kopfarbeiter, hatte ich das Gefühl, dass mir diese intensive Körperarbeit gut tun würde. Im Körper sind bekanntlich viele alte Emotionen und Blockaden abgelegt und ich spürte, dass sich da etwas in mir transformieren wollte. Wir waren insgesamt 15 Männer, von denen ich nur den Leiter Axel Schmidt kannte. Zu seiner Unterstützung hatte Axel noch zwei Assistenten dabei, die beide das Zipat-Männerprojekt durchlaufen hatten. …“
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