Mensch-Sein

Warum die meisten Leute mit ihren Jahreszielen scheitern (3)

Kreativität LichtimpulseWarum die meisten Leute mit ihren Jahreszielen scheitern – und wie Du es besser machen kannst (Teil 3 von 4)

Hier findet ihr Teil 1 und 2

Ich bin ein moderater Mensch.

Meistens.

Aber nicht immer.

Tatsächlich wurde ich letztens richtig sauer.

Warum?

Wegen eines Buchtitels von Barbara Sher: “Du musst Dich nicht entscheiden, wenn Du tausend Träume hast”.

Was für ein gemeingefährlicher Nonsense.

Und das meine ich ernst.

Sehr ernst sogar, wie ich in den folgenden Zeilen darlegen werde…

Aber zunächst mal: Barbara Sher ist eine Kollegin, die ich sehr schätze.

Und ihr Buch heißt im Original “Was zu tun ist, wenn man sich nicht entscheiden kann”.

Deswegen laste ich diese Kritik nicht ihr, sondern dem Verlag an.

Warum?

Dieser Titel ist so ungemein gefährlich und schädlich, weil er sich an so genannte Scanner wendet: Menschen, die tausendundeine Idee haben und sich nicht entscheiden können.

Menschen also, die zum Opfer einer Gabe werden, weil sie deren Ideenwildwuchs nicht gemeistert bekommen.

Ich weiß, wovon ich spreche. Ich war und bin selbst ein Scanner.

Ein Mensch mit hunderten von Interessen, Ideen, Zielen, Wünschen, von denen einige einen schnellen frühen Tod sterben, von denen sich jedoch die meisten wie die Karnickel vermehren.

Das ist einerseits schön, weil Kreativität ein seltenes und kostbares Gut ist. Die meisten Menschen, die ich kenne, hätten gerne ein paar mehr Ideen.

Aber leider ist diese Gabe ein Fluch, wenn man nicht lernt, das Biest in Schach zu halten.

Was ich mit Biest meine?

Sucht.

Jepp. Richtig gelesen. Kreativität kann süchtig machen. Und ich meine das nicht in einem lustigen Sinne. Sondern in einem schädlichen.

Die Crux ist, dass die Natur, das Leben, die Evolution, der liebe Gott oder was auch immer das Alles hier hervorgebracht hat, dafür sorgt, dass alles Wichtige mit Lustgefühlen besetzt ist.

Sex zum Beispiel.

Ohne Sex gibt’s weder Menschen, noch Tiere, noch Pflanzen.

Sex ist extrem wichtig, weil das gesamte Fortbestehen der Natur davon abhängt.

Deswegen hat sie den Sex mit den besten und stärksten Lustgefühlen ausgestattet.

Essen ist ebenfalls für unseren Erhalt entscheidend. Ergo: Lustgefühle durch Leckerschmeckerei.

Dieses Prinzip gilt auch für kreative Menschen.

Ich bekomme einen Abgang, wenn ich eine spannende Idee entdecke. Ob in mir, in einem Buch oder in einem Gespräch: Sobald bei mir ein “Aha!” einsetzt, gibt es eine gehörige Dopmanindusche.

Dopamin ist ein Belohnungshormon unseres Gehirns, das uns in pure Freudeversetzt.

Manch einer bekommt beim Sport eine Dosis Dopamin. Kreative bekommen sie, wenn sie eine neue Idee haben.

Und darum lese ich Bücher, sehe ich liebend gerne Dokumentation, besuche ich Seminare und darum suche ich immer wieder das Fachgespräch.

Ich liebe dieses Prickeln, diesen Schauer nicht nur. Ich brauche ihn. Ich bin süchtig danach.

Der Vorteil daran: So fräse ich mich wissbegierig durch den drögesten Wissensstoff – immer auf der Suche nach dem nächsten Kick.

Und noch ein Benefit: Je mehr ich verstehe, je mehr ich lerne, desto mehr Zusammenhänge kann ich durchschauen und: herstellen.

Das bedeutet: Je mehr Ideen ich habe, desto mehr kommen hinzu.

Denn Kreativität ist im Kern nichts weiter als die Fähigkeit, zwei vorhandene Dinge so zu kreuzen, das etwas Neues entsteht.

Paare einen Walkman mit einer lütten Festplatte, und fertig ist der iPod.

Paare einen alten Ritterfilm mit Science Fiction, und heraus kommt Star Wars.

Paare Malerei mit ein paar Drogenerlebnissen und der Surrealismus ward geboren.

Und in diesem neuronalen Vermehrungsdrang der Ideen liegt denn auch der Fluch der Kreativität.

Scanner haben oft so viele Ideen, das sie sich für nichts richtig entscheiden können.

Ergo leiden Scanner immer wieder unter Überforderung, Verzettelung und Sprunghaftigkeit.

Die Folgen?

Viel Angefangenes.

Wenig Fertiggestelltes.

Und Ebbe in der Kasse.

Die meisten Scanner verdienen kaum Geld. Und wenn sie welches haben, geben sie es oft auch schnell wieder aus. Das Leben ist ja so schön bunt hier.

Schlimmer noch: Weil Scanner vieles nicht zu Ende bekommen, fehlt ihnen auch genau das Selbstvertrauen, das nur aus einem echten, selbstgemachten Erfolg erwächst.

Darum leiden Scanner obendrein unter Selbstzweifel.

Wie kann es also der Verlag wagen, einen solchen Buchtitel zu wählen: “Du musst Dich nicht entscheiden, wenn Du tausend Träume hast”?

Nun, der Grund ist einfach: Das steigert die Auflage.

Denn Scanner hassen Entscheidungen.

Warum?

Weil damit der Spaß aufhört.

Denn erstens bedeutet ein “Ja” zu einem einzigen Ziel, ein Nein zu hundert Anderen.

Adé liebe Dopamindusche.

Zweitens wird das Leben nun riskant. Eine Idee zu träumen, kostet nicht viel. Eine Idee umzusetzen, kostet meist nicht nur Zeit und Energie, sondern auch Geld.

Das Riskanteste daran ist jedoch, dass man diese wunderbar inspirierende Idee niemals so gut umgesetzt bekommt, wie sie in unserer Fantasie leuchtet.

Da ist es doch viel vergnüglicher, einfach weiterzuträumen

Drittens bedeutet das “Ja” zu einer Idee, dass wir nun auch noch einen Liebestöter namens “Disziplin” in unser Leben einladen müssen.

Denn je größer das Ziel, desto mehr Ressourcen sind erfoderlich. Also muss geplant, budgetiert und eingeteilt werden.

Das macht den meisten Scanner keinen großen Spaß, weil sie das schlicht und ergreifend: nicht können.

Und zu schlechter Letzt bleibt die Konfrontation mit den üblichen Widrigkeiten des Lebens: Der Drucker druckt nicht, die Kinder werden krank, die ersten Entwürfe sind wirklich Mist – das übliche Leben eben.

Wer jemals ein Projekt geleitet hat, weiß wovon ich spreche: Es gibt immer wieder Durststrecken, die man nur mit purem Willen durchstehen kann.

Da ist von den Glitzergefühlsduschen der frühen Träumereien keine Spur mehr vorhanden. Noch nicht mal in einer homeopathischen Dosis.

Darum meidet der Scanner die Umsetzung wie der Beelzebub das Weihwasser.

Und freut es ihn, wenn er einen Buchtitel wie diesen findet: “Du musst Dich nicht entscheiden, wenn Du tausend Träume hast”.

Das kauft er gerne, verschlingt es, und hat danach – Hurrah! – noch ein paar tolle Ideen.

Und ist noch handlungsunfähiger als zuvor.

Soweit die schlechten Nachrichten.

Nun die Gute: Ich habe einen Weg gefunden, da raus zu kommen…

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