Gesellschaft

Die Motivation zur Macht.ausübung

2Affe_ASC oder:

Manch einer flieht ein Leben lang davor, ein Nichts und Niemand zu sein…

Ausgangspunkt des Macht.handelns scheint ein Bedürfnis.zustand (= größer/überlegen sein wollen!) zu sein, der zu befriedigen ist nur dadurch, dass der andere ein bestimmtes Verhalten (= ku-schen/gehorchen/willfährig sein) zeigt. Antwortet nun dieser andere jedoch mit Widerstand, werden entsprechende Macht.mittel (= Drohung/Zwang/Überredung/Gewalt etc.) eingesetzt.

Welche Anreiz.qualität – also etwas, das die Macht.ausübung um ihrer selbst willen anziehend und genuß.voll macht – können wir der Macht.motivation zuordnen?

Muss man etwa ein Selbstbehauptungs.streben als eigenen macht.thematischen Instinkt postulieren?

Ich halte dafür, dass die Grundlage des Macht.strebens und des Geltungs.strebens durchaus in den Kompensations.wünschen einer Persönlichkeit für die eigenen Defizite zu finden sei, also einerseits im Grund.gefühl der Minderwertig.keit wurzelt (die „Verkürzt.heit“ überwinden!) und andererseits im aggressiven Potential der fundamentalen Angstbesetzt.heit gründet (die Fiktion der eigenen Größe durchsetzen gegenüber dem als Bedrohung erlebten Anderen).

Macht haben, ist eines, ein anderes ist, Macht zu erstreben und (bzw. um) es zu genießen, über andere verfügen, sie beeinflussen, kontrollieren oder zwingen zu können und dabei seine eigene „Stärke“ zu erleben – dies ist zweifel.los ethisch die problematische Seite der Macht.motivation.

Und wenn nicht so sehr die reale Macht oder die tatsächlichen Macht.mittel oder die wirklich erfolgte Macht.ausübung, sondern das Gefühl der Macht, das Gefühl eigener Stärke, Bedeutung und Wichtig.keit, also der inner.psychische Zustand des Sich-groß-und-mächtig-und-überwertig-und-bedeutend-Fühlens der wohl ausschlaggebende Punkt der Macht.motivation ist bzw. wenn die Erzeugung eben dieser inneren Zustände den Anreiz bildet, auf die stark macht.motivierte Menschen eigentlich aus sind, dann macht gerade dies Macht so gefährlich und so schwer überwindbar:

In dieser Ausrichtung und Fixierung auf eine innere emotions.geprägte Zuständlichkeit als Spannungs.ausgleich (Homöostase) eines elementaren Bedürfnisses liegt nämlich das Sucht.potential des Macht.strebens, näherhin die Maßlosig.keit, das Streben nach einem „Mehr“ und (oftmals rasch daraus resultierend) der Kontroll.verlust. Während Hunger, Durst und Sex eine Sättigungs.grenze kennen, ist dies nicht so bei(m) Macht(streben), da das durch Macht erwirkte „höhere“ Selbst.gefühl stets den Wunsch nach Erneuerung und Steigerung erstrebt und schürt. So kann Macht wie eine Droge, wie ein sich ständig erneuerndes Aphrodisiakum wirken – und das macht sie bedrohlich und (lebens.)gefährlich.

Nietzsches so sträflich miss.verstandener „Wille zur Macht“ ist in Wahrheit der Wille zur Selbst.überwindung, einem wesentlichen Merkmal aller Moral.systeme, denn ohne das Moment der Selbst.beherrschung und der Unterordnung der Eigen.interessen unter das Interesse einer größtmöglichen Zahl und dem Bemühen, seinen Trieben nicht einfach nur nachzugeben, kommt weder Kants Ethik noch die der Zehn Gebote aus. DER MAßSTAB FÜR DEN WERT EINER HANDLUNG IST DER GRAD DER SELBST.ÜBERWINDUNG, DIE SICH IN IHR AUSDRÜCKT.

Und so singe ich durchaus sehr gerne die Apotheose der Macht, wenn große Macht sich offenbart durch große Selbst.beherrschung. Nur der schwache Mensch gibt sich zufrieden mit der Macht über andere!

Es sagte schon der weise Laotse: „Der Mensch, der sich selbst besiegt, hat größere Macht, als der, der andere überwindet.“ Und Goethe verrät am Ende des Gedichtes „Die Geheimnisse“ dies: „Von der Gewalt, die alle Wesen bindet, befreit der Mensch sich, der sich überwindet.“

(c) Dr. Bernhard A. Grimm, Scheyern