Gesellschaft

Online-Dating

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8,4 Millionen Menschen waren im Jahr 2015 auf Plattformen für Online-Dating angemeldet. Das zeigen die Zahlen auf dem Online-Portal „Statista“. Die Zahl ist in den letzten Jahren beinahe stetig gestiegen. Damit sucht etwa ein Zehntel der Deutschen die Liebe im Netz, und ein Teil meiner Kinder gehörte dazu. Drei von vier haben das mit dem Online-Dating versucht und ganz unterschiedliche Erfolge verbucht und Erfahrungen gemacht. Die eine hat es über eine kostenlose Plattform versucht, die andere über eine kostenpflichtige und mein Sohn hat letztendlich seine große Liebe über Facebook gefunden. Er hat einfach nur einen Namen im Suchfenster eingegeben, der ihm gefiel. Und weil sie ihn für einen alten Klassenkameraden hielt, nahm sie das Gespräch an. Heute haben die beiden drei Kinder. So ungewöhnlich, zufällig und unkompliziert läuft es natürlich ganz und gar nicht immer. Der normale Ablauf beim Online-Dating sieht anders aus: Man legt sich ein Profil an, schreibt etwas über den eigenen Charakter, vielleicht über das Aussehen und die Hobbys. Und dann beginnt die Partnersuche. Oder man verlässt sich darauf, gefunden zu werden. Wie träge so ein Warten und Suchen sein kann, hat eine meiner Töchter erfahren. In der Annahme, auf einer sehr teuren Plattform sei das Engagement groß, erlebte sie eine Enttäuschung nach der anderen. Gespräche kamen nur mühsam voran, Kontakte plätscherten so dahin, und verbindlich wurde kaum jemand. Wie verbindlich schon erste Kontaktaufnahmen waren, stellte meine zweite Tochter auf der kostenlosen Plattform fest. Einladungen zu Nackt-Fotoshooting oder eindeutige Komplimente von Männern, die 30 Jahre älter sind als sie. Ähnlich ernüchtert blieb sie zurück.
Es ist eine umfassende Einleitung, die mich zu dem bringt, was ich damit vermitteln will: Die Umgangsformen haben sich geändert. Im Internet gelten andere Regeln für das menschliche Miteinander als in der analogen Welt. Vielleicht gelten auch einfach gar keine Regeln, weil wir sie noch nicht gefunden haben. Und hier beginnt für mich das Problem. Ständig werden im Netz Grenzen übertreten. Geschützt von der räumlichen Entfernung, der Anonymität lässt sich vieles anstellen. Und das meiste davon ist nicht einmal böse oder rücksichtslos gemeint. Das Problem ist einfach nur: Wir erleben unser Gegenüber nicht wirklich. Aus unseren eigenen Erfahrungen machen wir uns ein Bild, packen alle eigenen Wünsche und Sehnsüchte in diese Vorstellung des Anderen hinein und können nur enttäuscht werden, weil wir selbst uns vorher getäuscht haben! Wir können die Reaktionen des Anderen nicht sehen, fühlen oder hören. Wir können Gestik und Mimik nicht einordnen und nicht auf Erfahrungswerte vertrauen, und für mich das Wichtigste, wir erleben die energetische Schwingung des Gegenübers nicht, sondern verlassen uns auf Zahlen, Daten und Fakten. Im Netz kann sich schnell eine vermeintliche Nähe aufbauen, die nicht zu der Fremde, zu der Distanz der anderen Bereiche passen will. Beim Online-Dating wird darüber gesprochen, auf welcher Seite des Bettes man am liebsten schläft. Welche Erfahrungen in der Kindheit einem zu dem Menschen gemacht haben, der man ist, bleibt allerdings unerwähnt. Es entsteht eine Kluft aus digitaler Nähe und menschlicher Distanz. Schon oft habe ich überlegt, für genau diesen Bedarf, bzw. diese Lücke im Bedarf nach Partnerschaft, eine neue Plattform zu entwickeln. Hier sollte man als Teilnehmer ein wenig mehr von seinen Bedürfnissen und Verletzungen kundtun, denn sie sind es, die am Ende eine Partnerschaft funktionieren lassen und uns glücklich oder unglücklich werden lassen.
Kennst du diese SMS von Freunden, diese Whatsapp-Nachrichten, in denen du schon die Zwischentöne hören kannst, kaum dass du angefangen hast zu lesen? In denen du zwischen den Zeilen Doppeldeutiges liest, die Stimme deines Freundes dazu hörst? Das funktioniert nur, weil ihr euch kennt und eure Schwingungsfelder weit mehr transportieren als die Aneinanderreihungen von Buchstaben. Meine Tochter hat es verrückt gemacht, diese Töne bei fremden Männern zwischen den Zeilen zu hören, sie aber nicht einordnen zu können. Meinte er das jetzt wirklich so? Was interpretiere ich rein, was ist da wirklich? Ist er einfach kein Mann, der viel kommuniziert oder hat er einfach kein Interesse an mir? Das Abklopfen, sich annähern und sich einschätzen lernen, wird im Internet übersprungen. Aber es ist das was im menschlichen Miteinander keinesfalls fehlen darf.
Die Regeln, die wir für den Umgang mit Fremden im Internet aufstellen können, können immer nur für uns selbst gelten. Wir müssen mehr denn je bei uns selbst anfangen und dort bleiben: spüren, was uns gut tut, unsere Grenzen achten, und den anderen, auch wenn sie zunächst nur als Pseudonyme, Avatare und digitale Abbilder erscheinen, den Respekt entgegenbringen, den wir uns selbst für uns wünschen.
Meine Kinder haben gelernt, dass Online-Dating mit dem Ansprechen in einer Bar oder dem Kennenlernen bei der Arbeit nicht viel zu tun hat. Und sie haben gelernt, dass Online-Dating, unverbindlich, kurzweilig, nah, fremd, vertraut sein kann und in manchen Fällen das große Glück bereithält. Eins ist aber ganz sicher: sich selbst lernt man bei Online Datingplattformen sehr genau kennen.

Herzlichst Ihre
(c) Stefanie Menzel


stefanie-menzel-headStefanie Menzel
Ziel ist, praxis- und alltagstauglich Bewusstsein für neue Dimensionen zu schaffen und Zugang zur Gestaltungskraft im Leben zu eröffnen. Zu diesem Zweck hat sie die Heilenergetik und in diesem Zuge die Sinnanalytischen Aufstellungen entwickelt. 

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