Riechen und Fühlen – Wie Geruchssinn und Gefühle zusammenhängen

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cover-Kamphausen-Riechen-fuehlenRiechen und Fühlen –
Wie Geruchssinn, Ängste und Depressionen zusammenspielen

von Eva Heuberger, Iris Stappen, Regula Rudolf von Rohr

Wie Geruchssinn und Gefühle zusammenhängen
Gerüche begleiten uns durch unser ganzes Leben, wir können nicht atmen, ohne zu riechen. Doch wir nehmen Gerüche nicht immer in gleicher Weise wahr, sie ändern sich je nachdem, in welcher Stimmung wir sind.

Das faszinierende Zusammenspiel von Geruchssinn und Emotionen erklären die Autorinnen, drei ausgewiesene Expertinnen, vor dem Hintergrund neuester wissenschaftlicher Forschungen. Sie zeigen, wie sich zum Beispiel bei Ängsten und Depressionen das Riechvermögen verändert und wie umgekehrt Duftstoffe die Heilung von psychischen Krankheiten unterstützen können.
In einem großen Praxisteil werden anhand von Fallbeispielen konkrete neue Einsatzmöglichkeiten von Düften in der Aromatherapie sowie Tipps für deren Nutzung im Alltag vorgestellt.

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Über die Autoren

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Eva Heuberger
Kamphausen-Iris-Stappen
Iris Stappen
Kamphausen-Rudolf-von-Rohr
Regula Rudolf von Rohr

Vita  Eva Heuberger: Dr. Eva Heuberger ist Pharmazeutin, Geruchsforscherin und Vize-Präsidentin von Forum Essenzia e. V. und berät Vereine und Unternehmen zur Wirkung ätherischer Öle.
Vita Iris Stappen: Dr. Iris Stappen ist Pharmazeutin und Forscherin am Departement für Pharmazeutische Chemie der Universität Wien mit dem Spezialgebiet »Wirkung von ätherischen Ölen«. Sie ist Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Aromatherapie und Aromapflege (ÖGwA).
Vita Regula Rudolf von Rohr: Regula Rudolf von Rohr ist Aromatherapeutin, Pflegefachfrau für Psychiatrie und Präsidentin von PsychAroma, Fachgruppe für ätherische Öle in der Psychiatrie. Sie arbeitet als Aromatherapeutin und Dozentin für Pflegekräfte an den Universitären Psychiatrischen Kliniken in Basel.


Leseprobe: Kapitel 1 | Was die Nase alles kann

Der Geruchssinn des Menschen
Im Vergleich zu anderen Arten haben wir Menschen einen wenig entwickelten Geruchssinn, er spielt in unserem Leben heute kaum eine Rolle. Das kann man in jedem Biologielehrbuch nachlesen. Doch stimmt das wirklich? Biologisch gesehen zählt der Mensch zu den sogenannten Mikrosmaten, also jenen Arten, die vergleichsweise schlecht riechen können.

Tatsächlich ist die Fläche, die das Riechepithel in unserer Nase einnimmt, weitaus kleiner als beispielsweise beim Hund. Dennoch haben Wissenschaftlerinnen in den letzten zehn Jahren so viel Erstaunliches über unseren Geruchssinn herausgefunden, dass die Behauptung, unser Riechsystem sei rudimentär und mehr oder weniger nutzlos, nach und nach revidiert werden muss.

Unser olfaktorisches System ist einzigartig und wesentlich besser als sein Ruf,

so Matthias Laska, Zoologe von der Linköping-Universität in Schweden. Es kommt darauf an, welchen Aspekt des Geruchssinns man betrachtet. Wenn man die menschliche Geruchssensitivität für einen Duftstoff namens Amylacetat mit jener von Hunden, Ratten oder Mäusen vergleicht, so stellt man überraschenderweise fest, dass Menschen dessen Geruch bei weitaus geringeren Konzentrationen wahrnehmen können als die erwähnten Tiere.

Ähnlich sensitiv gegenüber diesem Duft sind (von den untersuchten Tieren) nur noch Klammeraffen und Totenkopfäffchen. Natürlich gilt das nicht für jeden Geruch. Amylacetat riecht jedoch nach reifen Bananen, einem Lebensmittel, das auf der Speisekarte der Primaten ganz oben steht. Deshalb sind Menschen wie Affen so gut darin, den Duft von Amylacetat aufzuspüren.

Doch auch für andere Gerüche haben wir ein Näschen. Wir können zum Beispiel gut erkennen, ob Lebensmittel verdorben oder noch genießbar sind, ob es in unserer Nähe brennt oder ob giftige Gase in der Luft sind. Wir können uns mit Hilfe unseres Geruchssinns orientieren und an das erinnern, was wir einst gelernt und erlebt haben.

Am Geruch erkennt eine Mutter ihr Baby und das Baby die Brustwarzen seiner Mutter. Und Babys können anhand des Geruchs sogar »ihre« Muttermilch vor der fremder Mütter erkennen. Apropos unterscheiden: Ging man bis vor kurzem noch davon aus, dass wir Menschen nur rund 10.000 Gerüche voneinander unterscheiden können, so legen neueste wissenschaftliche Berechnungen nahe, dass es wahrscheinlich eher eine Milliarde sind. Und diese Zahl ist laut Andreas Keller und seinem Team von der Rockefeller-Universität in New York, die diese Kalkulationen angestellt haben, noch eine eher konservative Schätzung! Sie sehen also, wir sind gar nicht so schlecht im Riechen!

Wie das Riechen Ihr Leben jeden Tag beeinflusst, was Sie mit Ihrer Nase alles anstellen können, aber auch, was es bedeutet, wenn sie Ihnen ihren Dienst versagt, das wollen wir Ihnen auf den folgenden Seiten zeigen. Außerdem wollen wir skizzieren, wie das Riechsystem aufgebaut ist und wie Ihre Nase überhaupt so viele verschiedene Gerüche erkennen und unterscheiden kann.

Warum haben wir überhaupt einen Geruchssinn?

Natürlich vertrauen wir Alltag in erster Linie unseren Augen und Ohren. Dennoch ist unser Geruchssinn kein evolutionärer Luxus, sonst hätten wir ihn schon lange nicht mehr. Denn eines ist sicher: Was bloß Energie kostet, aber keinen Nutzen hat und nicht gebraucht wird, das schafft die Evolution umgehend ab. Denken Sie nur an die Körperbehaarung: Wir haben sie weitgehend verloren, seit Kleidung an ihre Stelle getreten ist.

Wie groß die Bedeutung des Geruchssinns im Lauf der Evolution für unser Überleben war und wie wichtig das Riechen immer noch ist, das spiegelt sich nicht zuletzt in unzähligen Redewendungen wider: jemanden (nicht) riechen können; ein Näschen oder einen Riecher für etwas oder die Nase gestrichen voll haben; den Braten riechen; etwas ruchbar machen, um nur einige zu nennen. Das Riechen hat jedoch eine andere Funktion als das Sehen und das Hören.

Während die beiden letztgenannten Sinne als Fernsinne bezeichnet werden, ist der Geruchssinn, wie übrigens auch der Geschmacksinn und der Tastsinn, ein sogenannter Nahsinn.

Sehen und Hören informieren uns über etwas, das noch weit weg ist. Riechen, Schmecken und Tasten geben uns dagegen Auskunft über das, was in unserer unmittelbaren Nähe passiert.

Wenn wir eine Straße überqueren wollen, ist es also sinnvoll, nach links und nach rechts zu schauen und zu lauschen, ob sich ein Fahrzeug nähert oder nicht. Es wäre töricht, dies erschnüffeln zu wollen. In dem Augenblick, in dem wir die Abgase des nahenden Autos wahrnehmen können, ist es möglicherweise schon zu spät. Aus der Tatsache, dass Geruchsinformationen in der Regel über kurze Distanzen transportiert werden, erschließt sich, für welche Lebensbereiche sie relevant sind: für die Nahrungsaufnahme, für die Hygieneüberwachung, für die Sexualität und die soziale Interaktion sowie für Gefahren, die sofortiges Handeln erfordern.

Denken Sie zum Beispiel an einen Brand. Solange Sie das Feuer bloß knistern hören und die Flammen lodern sehen, haben Sie noch Zeit, sich in Sicherheit zu bringen. Sobald Sie aber den Brand riechen können, sollten Sie sich schleunigst aus dem Staub machen.

Wir riechen an Lebensmitteln, um zu überprüfen, ob sie noch essbar sind oder ob wir sie besser wegwerfen sollten.

Das Riechen ist übrigens auch stark mit dem Gefühl des Ekels verknüpft. Wenn wir Verdorbenes erkennen, dann auch, weil es in der Regel einen Geruch aussendet, den wir »zum Kotzen« finden. Dieses Ekelgefühl kann dann Erbrechen auslösen, um das verdorbene und daher potentiell schädliche Lebensmittel auf schnellstem Wege wieder loszuwerden, sollte es sich bereits in unserem Magen befinden.

Gerüche geben uns ebenso einen Anhaltspunkt, ob etwas überhaupt ein Lebensmittel ist. Außerdem gibt es starke Verbindungen zwischen dem Geruch, dem Geschmack und dem Nährwert eines Lebensmittels. Aufgrund von Lernerfahrungen beim Essen können wir Vermutungen über den Geschmack einer Speise und ihren Kaloriengehalt anstellen.

Wussten Sie übrigens, dass das, was wir gern als den Geschmack eines Lebensmittels bezeichnen, in Wahrheit sein Geruch ist bzw. eine Kombination aus Geschmack und Geruch? Wir können nur fünf, vielleicht sechs Geschmacksrichtungen unterscheiden, aber eine Milliarde Gerüche. Deshalb kennen wir vermeintlich so viele unterschiedliche »Geschmacksrichtungen«.

Gerüche erreichen nämlich unsere Riechschleimhaut nicht nur über die Nase, sondern auch über den Rachen.

Wie wir den Geruch eines Lebensmittels bewerten, hat auch etwas damit zu tun, wie satt wir sind, wie Forscherinnen um Martin L. Kringelbach von der Universität Oxford berichteten. Versuchspersonen mussten bewerten, wie angenehm sie den Geruch von Schokoladenmilch empfanden. Dann durften sie Schokoladenmilch trinken, bis sie satt waren, und mussten anschließend erneut ihren Geruch bewerten. Es stellte sich heraus, dass die Versuchspersonen diesen als weniger angenehm einstuften, wenn sie satt waren. Das bedeutet also, dass der Belohnungswert der Schokoladenmilch geringer wird und damit auch die Motivation, mehr davon zu konsumieren. Auf diese Weise limitiert der Geruchssinn auf natürliche Weise die Nahrungsaufnahme.

Sind Geruchsvorlieben angeboren oder erlernt?

Auch eine andere Kategorie von Gerüchen löst meistens Ekelgefühle aus, nämlich alle Gerüche, die mit Fäkalien, Erbrochenem und Verwesung einhergehen. Obwohl eine Aversion gegenüber solchen Gerüchen anscheinend universell und kulturübergreifend besteht, ist sie doch nicht angeboren. Wir haben aber gelernt, dass diese Art von Gerüchen auf Bakterien hinweist, die unserer Gesundheit gefährlich werden könnten.

Dass es sich dabei nicht um vererbte Präferenzen handelt, zeigen die Reaktionen von Kleinkindern auf solche Gerüche und die Geruchsquellen: Sie gehen damit relativ unverkrampft um. Es gibt aber anscheinend auch Gerüche, die wir alle lieben, Vanille zum Beispiel.

Ist diese Vorliebe angeboren?

Das könnte man denken, wenn man die Verhaltensmuster untersucht, die erst wenige Tage alte Säuglinge auf diesen Geruch hin zeigen. An ihren Gesichtsausdrücken und Bewegungen kann man ablesen, dass sie alle den Vanillegeruch lieben, sogar unabhängig davon, aus welchem Kulturkreis sie stammen.

Doch mit der Schlussfolgerung einer angeborenen Reaktion sollte man vorsichtig sein. Im Fall von Vanille haben Forscher herausgefunden, dass das aus der Nahrung stammende Vanillearoma nicht nur in die Muttermilch übergeht – wo die Babys es mit dem angenehmen Gefühl des Gestillt-Werdens assoziieren –, sondern bereits im Fruchtwasser gefunden werden kann. So prägt es wahrscheinlich schon vor der Geburt die Geruchsvorlieben von Säuglingen.
Ende der Leseprobe: Kapitel 1 | Was die Nase alles kann


Details zum Buch:cover-Kamphausen-Riechen-fuehlen

Riechen und Fühlen –
Wie Geruchssinn, Ängste und Depressionen zusammenspielen
Neue Wege der Behandlung

von Eva Heuberger, Iris Stappen, Regula Rudolf von Rohr
Hardcover: 288 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag: Kamphausen Media GmbH
Erschienen: 18.09.2017
ISBN: 9783903072565
Preis: € 25.00

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