Selbstheilung - Übungen

Frei durch Vergebung – 7 Tipps zu gutem Gelingen

blume-stonesFrei durch Vergebung – 7 Tipps zu gutem Gelingen

Selbstbefreiung durch Vergebung

Hat uns jemand etwas angetan, so fühlen wir uns schlecht.
Je nachdem, was wir erlebt haben, dauert es länger oder kürzer, den Vorfall zu verkraften.
Mitunter leiden wir noch Jahre später unter den Gedanken und Gefühlen, die wir deswegen haben.

Was wir erlebt haben, beispielsweise einen körperlichen Angriff, können wir nachträglich nicht ändern. Wenn wir bei einem Überfall einen Körperteil verloren haben, sind wir heute noch durch die Folgen des Vorfalls beeinträchtigt.
Wut, Ohnmacht und das Gefühl, arm dran zu sein, bestimmen noch nach Jahren unseren Alltag. Dies muss jedoch nicht so sein. Wir können uns von diesen negativen Gefühlen befreien. Wir können lernen, das Geschehene anzunehmen, dem Täter zu verzeihen und unser Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen.

Damals waren wir Opfer, weil wir nicht fähig waren, uns zu schützen. Heute aber können wir selbst entscheiden, ob wir Opfer oder glückliche, freie Menschen sind. Wir können zwar nicht entscheiden, wie andere Menschen uns behandeln, doch unsere Reaktionen darauf hängen allein von uns ab.
Nur wir selbst bestimmen, ob wir uns ängstlich, hilflos oder ärgerlich fühlen wollen. Wir selbst sind es auch, die sich bewusst für positive Gedanken und Gefühle entscheiden können. Indem wir akzeptieren, was ist, den Sinn verstehen und unseren Tätern vergeben, werden wir frei. Wir werfen mentalen Ballast ab und gehen unbeschwert durchs Leben.

Befreiung anderer durch Vergebung

Nicht nur uns selbst, sondern auch unsere Mitmenschen können wir durch Vergebung unterstützen.
Um wirklich frei zu sein, müssen sie sich selbst vergeben, doch dazu mehr in einem anderen Artikel.

Was wir als Vergebende tun, ist, den anderen Menschen aufzuzeigen, dass wir sie verstehen. Wir bringen ihnen Mitgefühl entgegen und zeigen ihnen, dass sie als Menschen trotz ihrer Taten in Ordnung sind. Wir handeln aus einer Position der Liebe, des Mitgefühls und der Stärke heraus.

Wenn wir das tun, kann es das Gewissen unserer Mitmenschen erleichtern. Schuld und Scham sind furchtbare Gefühle. Jeder von uns kennt Selbstvorwürfe. Wenn wir selbst etwas Schlimmes getan haben, quält uns das Gewissen. Das kann sogar ein Leben lang dauern. Wie befreiend und erlösend ist es da, wenn ein Mitmensch, dem wir Leid angetan haben, uns vergibt!

Durch Vergebung sagen wir nicht, dass eine schlechte Tat okay sei. Manche Taten sind ganz und gar nicht okay.
Aber wir gestehen unseren Mitmenschen zu, Fehler zu machen und sich dafür verzeihen zu dürfen. Jeder macht Fehler. Jeder lernt etwas aus Fehlern.

Wenn wir Täter waren, haben wir gelernt, wie elend sich ein Opfer fühlt, das wir verletzt haben. Wir haben gelernt, uns in Zukunft positiv zu verhalten und idealerweise den Schaden wiedergutzumachen. Als Opfer können wir das Vergeben lernen. Wir können lernen, uns in die Täter einzufühlen. Ob Du vergeben möchtest, darfst Du selbst entscheiden. Wenn Du es machst, geht es Dir und der anderen Person besser.

Ventile für Wut, Angst und Trauer

Als Opfer kennst Du Wut, Angst, Ärger, Ohnmacht oder Hilflosigkeit. Diese Emotionen martern uns, wenn jemand uns Unrecht oder Leid angetan hat. Sie können so stark sein, dass wir uns auf nichts mehr konzentrieren können. Manchmal richten sie sich gegen uns selbst, und wir handeln autodestruktiv.
Als Beispiel sei das Ritzen genannt, das viele Jugendliche tun, die sich in einer ausweglosen Situation gefangen fühlen. Andere schlagen sich selbst oder verbieten sich sämtliche Gefühle. All das ist nicht sinnvoll. Niemals sollten wir uns selbst schaden. Zwar wird die Wut dadurch schwächer, aber dafür schaden wir uns an anderer Stelle. Wir viktimisieren uns erneut und bleiben in der Opferrolle gefangen, nur dass wir diesmal selbst die Täter sind.

Ferner besteht die Gefahr, dass wir unsere Wut an anderen Menschen auslassen, die gar nichts dafür können. Ebenso kontraproduktiv wäre Rache, auch wenn der Wunsch danach verständlich ist. Eine Spirale aus Gewalt und Gegengewalt bringt nichts Gutes. Wir schaffen uns negatives Karma und haben später ein schlechtes Gewissen.

Wohin also mit unserer Wut und den Angstgefühlen? Um Dampf abzulassen, benötigen wir Ventile. Laute Musik, die den Gefühlen entspricht, wirkt sehr gut. Noch effektiver ist es, wenn man selbst singt oder ein Instrument spielt.
Auch andere Formen von Kunst und Ausdruck wirken befreiend auf den Geist. Wir können unsere Gefühle unzensiert mit voller Wucht ausleben und sie dann loslassen. Was auch hilft, ist über das Erlebte zu sprechen.

Wenn der Wunsch nach Rache extrem stark ist oder Du Dich hilflos fühlst, kannst Du einen Boxsack nehmen und Dich auspowern. Dabei solltest Du Bandagen und Handschuhe tragen und die richtige Schlagtechnik anwenden.
Wer sich nicht mit Kampfkunst auskennt, schlägt stattdessen auf ein Kissen, damit die Handgelenke nicht verletzt werden.
Erfahrene Kampfkünstler können auch auf ein Makiwara schlagen oder Möbel zertrümmern.
Das wirkt ungemein befreiend, weil wir dabei unsere eigene Stärke fühlen und aus der Hilflosigkeit herauskommen.

Eine beliebte Methode zur Befreiung von Wut ist das Umleiten der Energie in eine positive Richtung. Wenn wir sehr zornig sind, weil jemand uns verletzt hat, können wir die Entschlossenheit nutzen, um mit Elan ein gutes Projekt zu verwirklichen. Mehr dazu erfährst Du im letzten Abschnitt dieses Artikels.

Du solltest selbst herausfinden, wie Du negative Emotionen am besten kanalisieren kannst, ohne dass sie jemandem schaden. Ob es Schreien, Joggen, Kommunikation oder etwas anderes ist, weißt nur Du selbst.

Verständnis und Einfühlungsvermögen

Wie funktioniert Vergebung? Vielleicht versuchst Du schon eine Weile, jemandem zu verzeihen, und es gelingt Dir einfach nicht. Das Verzeihen solltest Du nicht erzwingen. Wenn die Zeit reif ist, wird von selbst der Wunsch danach in Dir wachsen.

Am einfachsten geht Verzeihen, wenn wir uns in den anderen Menschen einfühlen können. Nicht immer ist das möglich. Wenn jemand anders als wir gestrickt ist, können wir sein Verhalten womöglich nicht nachvollziehen. Dann kann es helfen, ihn oder andere zu fragen, was für Gründe sein Verhalten gehabt haben könnte. Wir können uns auch an Situationen erinnern, in denen wir genauso oder ähnlich gehandelt, gedacht oder gefühlt haben.

Wenn ein Mensch, der uns sehr wichtig ist, uns verletzt oder enttäuscht hat, ist das Verzeihen einerseits einfacher, andererseits schwieriger. Leichter ist es, weil wir diesen Menschen sehr mögen oder gar lieben. Die Liebe ist stärker als die Wut oder wird es irgendwann sein. Wir können uns ins Gedächtnis rufen, wie sehr wir diesen Menschen lieben. Die Person hat einen oder zwei große Fehler gemacht und uns gekränkt oder sogar stark geschädigt.
Aber hat derjenige oder diejenige das mit Absicht gemacht?
War diesem Menschen bewusst, wie sehr uns seine Tat treffen würde?
Bereut der Mensch seine Tat mittlerweile?
Hat er sich aufrichtig entschuldigt oder versucht, Wiedergutmachung zu leisten?
Und wie viel Gutes hat uns dieser Mensch schon getan?
Was finden wir alles positiv an ihm?
Für welche Eigenschaften lieben wir diesen Menschen?
Bedenke all diese Punkte, bevor Du entscheidest, von Herzen zu vergeben.

Das Vergeben einer Tat innerhalb einer Freundschaft oder Beziehung kann schwierig sein, weil uns eine nahestehende Person viel heftiger verletzten kann als ein Fremder. Wer ein enges Verhältnis zu uns hat, sollte es besser wissen, als uns wehzutun, so unsere Gedanken. Diese Gedanken stimmen, und jetzt dürfen wir sie wieder loslassen. Vorwürfe nützen niemandem, sie schaden nur allen Beteiligten.

Perspektivwechsel

Die folgende Übung hilft Dir, einen Menschen, der Dir wehgetan hat, zu verstehen. Du kannst sie schriftlich durchführen oder gemeinsam mit einer Vertrauensperson als Rollenspiel. Bei der schriftlichen Variante schreibst Du, was geschehen ist. Du beschreibst die Situation zuerst aus Deiner eigenen Perspektive und danach aus der Perspektive, die der Täter wahrscheinlich hat. Versuche wirklich, Dich einzufühlen, auch wenn es schwerfällt.
Wie kann die Person das Geschehene wahrgenommen haben?
Hat sie gesehen, was sie angerichtet hat?
Hat sie das Ausmaß ihres Handelns begriffen und vollständig erfasst?
Hat sie aus Sadismus gehandelt oder aus Hilflosigkeit und Ohnmacht?
Könnte Sadismus nur eine Maske gewesen sein, die die Hilflosigkeitsgefühle des Täters verstecken sollte?
Fühlt der Täter sich in Wirklichkeit vielleicht noch schwächer und ängstlicher als Du?

Im Rollenspiel schlüpfst Du erst in Deine eigene Haut und in der zweiten Runde in die des Täters. Wenn Dein Gegenüber im Rollenspiel Deine Gefühle und Gedanken ausspricht, spürst Du unmittelbar, was der Täter gefühlt hat oder noch immer fühlt. Du nimmst wahr, wie es ist, sich zu schämen und vom schlechten Gewissen erdrückt zu werden.
Du spürst die Verzweiflung darüber, nicht dazuzugehören oder abgelehnt zu werden. Dass Du den Täter nun einigermaßen verstehen kannst, rechtfertigt natürlich nicht dessen Tat. Aber sie ermöglicht Dir, mitzufühlen und zu vergeben.

Alternative Vergangenheit

Eine andere Übung, um negative Gefühle loszuwerden, heißt Alternative Vergangenheit. Gerade, wenn Du Opfer einer Gewalttat geworden bist und unter einem Trauma leidest, hilft sie. Du kannst auch diese Übung schriftlich als Geschichte oder als Rollenspiel mit einer Vertrauensperson machen. Auch andere Formen der Übung sind möglich. Schau einfach, was für Dich am hilfreichsten ist.

Stell Dir vor, Du würdest in der Zeit zurückreisen und noch einmal vor dem Täter stehen. Mit dem Wissen und den Talenten, die Du heute hast – wie würdest Du handeln? Und was könnte sonst noch geschehen, damit in einer vergleichbaren Situation ein anderer Verlauf entsteht?

Stell Dir eine Handlung vor, die die Geschichte in eine positive verwandelt. Wenn Du verprügelt worden bist, lass in der Fantasie einen Passanten eingreifen, der Dich rettet. Stell Dir vor, Du schüchterst den Täter ein, sodass er flieht, oder Du wirkst deeskalierend auf ihn ein. Je realistischer Deine Vorstellung, desto eher wird Dein Unterbewusstsein Dir glauben, dass Du in Zukunft handlungsfähig und nicht hilflos bist. Kampfkunst zu trainieren, ist natürlich immer hilfreich, um erlebte Gewalt zu verkraften.

Das Training erhöht Deine tatsächliche Verteidigungsfähigkeit. Darüber hinaus empfehle ich Dir alle Maßnahmen, die zur Stärkung Deines Selbstbewusstseins beitragen. Das kann eine Psychotherapie sein, ein Coaching, ein spezielles Training, Meditation oder Hypnose. Wenn Du selbstbewusst bist und Deinen Wert kennst, wirst Du viel eher für Dich selbst einstehen oder Dir Hilfe holen, wenn es nötig ist. Zu wissen, dass Du jetzt nicht mehr hilflos bist, befreit Dich von Deiner Angst. Du kannst sie loslassen und dem Menschen, der sie einst verursacht hat, vergeben.

Klärendes Gespräch oder Brief

Wenn ein Fremder Dir etwas getan hat, spielt es wahrscheinlich keine Rolle, was er später darüber denkt. Vielleicht siehst Du die Person niemals wieder.

Hat jedoch ein Freund oder eine andere geliebte Person Dich verletzt, dann ist Dir gegebenenfalls wichtig, dass Du ein klärendes Gespräch führst. Du befreist Dich dadurch nicht nur gedanklich und symbolisch, sondern auch offiziell aus der Opferrolle.

Das Gespräch (oder der Brief, falls Du lieber schreibst) sollte ehrlich und direkt sein. Zugleich solltest Du sanft und höflich formulieren, damit niemand sich verletzt fühlt. Beginne den Brief oder das Gespräch mit etwas Positivem. Sag zum Beispiel, wie sehr Du die betreffende Person liebst, und warum. Danach sag ihr, wofür Du ihr dankbar bist. Anschließend formulierst Du möglichst neutral, wie Du Dich durch ihre Tat fühlst. Vorwürfe sollten vermieden werden. Sag oder schreib lieber: »Ich hatte große Angst und fühlte mich ausgeliefert.«

Danach stellst Du freundlich, aber bestimmt klar, dass Du so ein Verhalten nicht noch einmal akzeptieren wirst. »In Zukunft passe ich auf mich auf und nehme keine Schläge mehr von Dir hin. Ich habe keine Angst mehr vor dir«, kannst Du beispielsweise sagen.

Erkläre anschließend, dass Du die Person immer noch magst und ihr verzeihst, wenn es so ist. Sag ihr, dass jeder Mensch Fehler machen kann. Wenn Du magst, kannst Du Dich an dieser Stelle auch für Deine eigenen Fehler entschuldigen. Beende das Gespräch mit einem zuversichtlichen Satz, zum Beispiel: »Ich liebe dich. Und ich wünsche mir, dass wir beide künftig respektvoll miteinander umgehen. Du bist ein guter Mensch, und ich bin es auch. Wir haben es beide verdient, glücklich zu sein, und das schaffen wir auch.«

Wenn Du so kommunizierst, kann in einigen Fällen auch das Verhältnis zu der betreffenden Person geheilt werden. Dein Part besteht im Verzeihen. Wenn die andere Person daraufhin ihr Verhalten verändert und mehr Rücksicht auf Dich nimmt, hast Du doppelt gewonnen. Sollte das Verhältnis gestört bleiben, gibt es trotzdem Grund zur Freude, denn Du bist nun frei. Kein Groll und keine Angst binden Dich noch an die Vergangenheit oder die Person, wenn Du nicht willst.

Den Sinn im Erlebten erkennen

Manche Menschen können erst vergeben, wenn sie ihren Fokus auf das Gute richten. Jede Medaille hat zwei Seiten, und das gilt auch für Erlebnisse. Aus allem, was uns widerfährt, können wir etwas lernen. Unsere Seele ist auf der Erde inkarniert, um verschiedene Erfahrungen zu sammeln. So hart diese sich auch anfühlen mögen – irgendwann erkennen wir ihren Wert.

Eine Vergewaltigung kann zum Beispiel zur Folge haben, dass wir anschließend viel Kung Fu trainieren und eine eigene Kampfkunstschule eröffnen. Eine Obdachlosigkeit führt uns vor Augen, wie wenig wir eigentlich zum Leben brauchen. Eine Zeit ohne Essen bestärkt uns in dem Vertrauen, dass wir auch das durchhalten.

Hätten wir es immer nur leicht im Leben, dann würden wir an uns zweifeln. Wir würden denken, dass wir bloß Glück hätten und in Notzeiten komplett aufgeschmissen wären. Durch Krisen lernen wir jedoch unser wahres Potenzial und unsere Stärken kennen. In jedem von uns schlummern viele Talente, die darauf warten, entdeckt und gelebt zu werden.
Mit jeder gemeisterten Herausforderung werden wir stärker, klüger, einfühlsamer etc. Alles, was wir erleben, fließt in unseren Erfahrungsschatz ein, und wir können daraus schöpfen. Auf der Erde profitieren wir davon, indem wir erlebtes Wissen im Beruf, in Beziehungen oder in ehrenamtlichen Projekten nutzen.

Außerdem dienen Krisen unserer spirituellen Entwicklung. Unsere Seele möchte alles aus verschiedenen Perspektiven erleben und fühlen. Deshalb sind wir alle hier. Und eines Tages, wenn wir alles gelernt haben, was es zu lernen gibt, werden wir verstehen. Wir werden auf unsere Erfahrungen zurückblicken. Wir werden vergeben, den höheren Sinn hinter alldem begreifen und dankbar sein.

15.06.2018
Varia Antares
Germanistin, Dozentin, Autorin und mediale Lebensberaterin

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