Himmel & Erde

Wie der Tod unser Leben beeinflusst

Mensch im Tunnel aus Licht wie verlorenWie der Tod unser Leben beeinflusst

Anstoß zur Sinn- und Wahrheitssuche

Wir werden alle als Mensch mit dem Wissen geboren, eines Tages wieder sterben zu müssen. Niemand kann sich dem Tod entziehen, unsere Zeit auf Erden ist beschränkt. Was bedeutet diese unumstößliche Tatsache für uns, unser Leben, unseren Geist und unsere Seele? Welchen Sinn hat es, als Mensch geboren zu werden, zu leben und dann früher oder später wieder zu sterben? Ist es Schicksal oder Zufall, wenn jemand in jungen Jahren stirbt? Oder steckt ein tieferer Sinn dahinter, den wir mit unseren menschlichen Begrenzungen nicht erfassen können?

Der Tod ist für uns Menschen immer noch ein Mysterium. Er beschäftigt uns enorm, wenn wir ihm ins Gesicht blicken müssen. Sein Einfluss ist groß, denn wenn jemand, den wir lieben, stirbt, verändert sich unser Leben. Ein Todesfall im näheren Umfeld ist wie eine Grenzmarke, die sich niemals verrücken lässt. Sie teilt unser Leben in Vorher und Nachher. Der Tod ist ein Wendepunkt, er zwingt uns zur Neuausrichtung. Er lässt sich weder ignorieren noch wegschieben, wenn er in unserer Familie zugeschlagen hat. Er verändert sowohl uns als auch die Hinterbliebenen mit einer Nachhaltigkeit, wie nichts anderes es vermag. Fast alles andere lässt sich korrigieren, verändern, beeinflussen und verzeihen, aber der Tod selbst ist immer endgültig und nachhaltig.

Zufall oder Schicksal?
Ich habe mich intensiv mit der Frage beschäftigt, warum manche Menschen nur eine kurze Lebenszeit auf Erden haben und andere erst in betagtem Alter sterben. Ich wollte verstehen, warum das Schicksal gerade den einen Menschen in jungen Jahren zu sich holt und andere verschont bleiben. Wenn vier Menschen gemeinsam in einem Auto sitzen und einen schweren Unfall erleiden, aber nur einer der vier stirbt, was hat dann so entschieden? Gerade bei einem Unfall sind es oft Sekundenbruchteile, die über Leben und Tod entscheiden. So viele Kleinigkeiten spielen dabei eine Rolle. War die Person wirklich nur zur falschen Zeit am falschen Ort? Oder steckt mehr dahinter, wenn man davon ausgeht, dass Zeit und Raum in Wirklichkeit nicht existieren, sondern nur menschliche Modelle der Einteilung sind und in der Quantenphysik festgestellt wurde, dass Quantenereignisse im Universum die einzigen zufälligen Ereignisse sind? Nach der Heisenberg‘schen Unschärferelation lassen sich Aufenthaltsort und Geschwindigkeit eines Teilchens nicht gleichzeitig bestimmen. Wenn dies auch auf Menschen zutrifft, lenkt uns dann etwas zu einem bestimmten Zeitpunkt an einen bestimmten Ort, so dass der Unfall passieren kann? Oder würde der Unfalltod sich bei minimalen Änderungen in einer etwas anderen Form und an einem anderen Ort ereignen?

Die Seele bleibt auf der Strecke
Wenn wir davon ausgehen, dass wir während unseres Erdenlebens alle Menschen und Seelen sind, muss man auch beides betrachten. Aus menschlicher Sicht werden wir geboren und verbringen, bevor wir sterben und nichts von uns übrigbleibt, eine individuelle Anzahl von Jahren in einem alternden Körper. Aus seelischer Perspektive bestimmen wir lange bevor wir als Mensch inkarnieren, welche Erfahrungen wir in diesem Leben machen möchten und in welchen seelischen Bereichen wir uns weiterentwickeln wollen. Wir planen unsere Seelenaufgaben und überlegen uns unseren Seelenweg. Wir suchen uns die bestmöglichen Umstände aus, um diesem Leben einen Sinn zu geben. Erst wenn alles zusammenpasst, werden wir als Menschenkind geboren. Je älter wir werden, desto mehr prägen uns unsere Umgebung und unsere Mitmenschen. Die meisten von uns vergessen irgendwann, dass sie auch Seele sind, und passen sich ihrer Umgebung an. Sie werden älter und haben später das Gefühl, dass ihnen etwas Wichtiges fehlt. Sie fühlen sich auf der Suche und wissen nicht wonach. Es herrscht eine innere Unzufriedenheit, denn sie haben den Sinn ihres Lebens bisher nicht gelebt. Sie agieren nur als Mensch und nicht mehr als Seele. Der Zugang zur eigenen Seele ging irgendwann im Laufe ihres Lebens verloren.

Suche nach dem Sinn des Erdendaseins
Manche beginnen nun, intensiv nach dem Verlorenen zu suchen, und entdecken sich und ihr Leben neu. Sie erkennen, dass mehr hinter ihrem Dasein steckt, graben tiefer und verbinden sich langsam wieder mit ihrer Seele. Andere realisieren dies nicht. Aus seelischer Sicht leben sie ein sinnloses Leben. Ihre Seele, das Universum oder Gott – wie auch immer man es nennen will – konfrontiert sie mit ihrem „falschen“ seelischen Leben. Ein Problem nach dem anderen taucht auf, so lange, bis sie bereit sind, sich auf die Suche nach der Erfüllung ihres Seelensinns zu machen. Schaffen sie dies nicht, werden manche schwer krank, da die innere Unzufriedenheit irgendwann die äußere, sterbliche Hülle ansteckt.
Schwere, den Tod nach sich ziehende Krankheiten bewirken ein intensives Nachdenken über das Leben an sich und das eigene. Auf der Reise zum Tod finden viele zu sich selbst zurück, können mit ihrer Seele Frieden schließen und ins Jenseits gehen. Sie schlafen schließlich friedlich ein und beginnen nach einer Phase des reinen Seelendaseins irgendwann ein neues Leben. Doch auch die Angehörigen eines Sterbenden beginnen, sich intensiv mit dem Sinn des Lebens im Allgemeinen, dem Tod an sich und dem eigenen Dasein zu beschäftigen. Niemanden lässt der Tod ohne Fragen zurück. Jeder wird davon berührt. Durch den Tod reflektieren wir unsere Vergangenheit. Wir müssen uns neu sortieren und beginnen nachzudenken, wer wir wirklich sind und wer wir sein wollen.

Der Tod öffnet das Tor zu unserer Seele
Der Tod macht uns klar, dass unser Leben unheimlich wertvoll ist. Er zeigt uns unsere Grenzen auf. Er lässt uns erkennen, wie wertvoll jeder einzelne Augenblick ist und wie intensiv wir diesen mit unseren Lieben verbringen sollten. Der Tod zeigt uns unsere eigene Vergänglichkeit, lehrt uns Achtung und Respekt vor dem Leben. Er lehrt uns mehr, als es das Leben selbst vermag. Er lässt uns das Leben erst richtig sehen. Er offenbart uns, wer wir angesichts von Schmerz und Leid sind. Er verwandelt unser gesamtes Sein, denn nachdem er uns einen kostbaren Menschen nahm, werden wir nie wieder die Alten sein. Wir können nach dem Tod eines geliebten Menschen nicht mehr in unser altes Leben zurück, denn es existiert nicht mehr. Der Tod hat uns etwas Kostbares genommen – einen Menschen, der nie mehr wiederkehrt. Aber er hat uns auch viel gegeben. Denn erst durch seinen Anblick erfahren wir, wer wir wirklich sind: Mensch und gleichzeitig eine unsterbliche Seele.

Nathalie Schmidt

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