CORONA-Pfingsten 2020 – Die Auferstehung des Heiligen Geistes?

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Die Auferstehung des Heiligen Geistes?

Seit dem Ende des 4. Jahrhunderts wird das Pfingstfest (griech.: „pentekoste“ = der Fünfzigste) 50 Tage nach Ostern gefeiert – je nach Vollmondlage liegt der Zeitraum zwischen dem 10. Mai und 13. Juni.

Man möge sich erinnern, dass in den ersten Jahrhunderten nach dem Tode Jesu Christi nur Bilder seiner Auferstehung und glorreichen Himmelfahrt gezeigt wurden – das Kruzifix, das Leiden am Kreuz, wurde viel später eingeführt, um die Menschen durch Angst und Schrecken besser manipulieren zu können.

Die aktuelle weltweite mediale Corona-Pandemie sollte man als Erweckungserlebnis verstehen,

um das Leben der fast 8 Milliarden Erdbewohner neu und hoffentlich gerechter zu gestalten.
50 Tage nach dem Tod Jesu am Kreuz sitzen seine Jünger in Jerusalem zusammen, als plötzlich ein Brausen vom Himmel kommt und ein gewaltiger Wind das Haus erfüllt: „Sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an, zu predigen in anderen Sprachen.
Menschen aus unterschiedlichen Nationen hören die Jünger in ihrer jeweiligen Muttersprache predigen. Das ist das Pfingstwunder.

Auf die Pfingsterzählung des Neuen Testaments geht wohl auch die Redewendung „Feuer und Flamme sein“ für „begeistert sein“ zurück: Bei dem Treffen der Jünger „sah man etwas wie Feuer, das sich zerteilte, und auf jeden von ihnen ließ sich eine Flammenzunge nieder“, heißt es im zweiten Kapitel der Apostelgeschichte.

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Bede Griffiths – Pfingsten 1991 am Tegernsee

Der englische Benediktinermönch Bede Griffiths (1906 – 1993), einer der bedeutendsten Mystiker im 20. Jahrhundert, feierte in Kreuth am Tegernsee am 19. Mai 1991 mit Freunden das Pfingstfest und sagte damals geradezu prophetisch:

Wir leben zur Zeit in einer Welt, wo es Kräfte gibt, die das Leben auf unserem Planeten völlig zerstören können. Es bedarf einer Veränderung in den Herzen der Menschen, um diese Entwicklung zu verhindern.
Pfingsten ist der Höhepunkt des christlichen Jahres, wo alle Geheimnisse Christi, Geburt, Epiphanie, Tod und Auferstehung, in der Tiefe des innewohnenden Geistes verwirklicht werden. Es ist der Augenblick der Selbst-Erfahrung, wenn alle im Äußeren gesammelten Erfahrungen im Inneren zusammenkommen und als der Weg der inneren Verwandlung verwirk-licht werden, wobei wir allmählich vom Tod zum Leben voran schreiten und uns für die endgültige Verwandlung vorbereiten, wo die gesamte Schöpfung in die Fülle Christi aufgenommen und Gott alles in allem sein wird“.

Bede Griffiths, der mich als spirituellen Lehrer autorisiert hatte, bat mich, sein legendäres Buch „The Marriage of East & West“ neu zu übersetzen und herausbringen. Es erschien zu Ostern 2003, 10 Jahre nach dem Tod von Bede Griffiths, in Salzburg mit dem Titel „Die Hochzeit von Ost und West – Hoffnung für die Menschheit“. Leider ist dieses großartige Buch nur noch antiquarisch erhältlich.


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Aus aktuellem Anlass möchte ich sehr wichtige Passagen des prophetischen Meisters in Erinnerung rufen:

Wie wird das neue Zeitalter aussehen?

Was können wir feststellen im Lichte unseres heutigen Wissens vom Universum und aus der östlichen Mystik sowie der spirituellen Erfahrung?

Wie können wir uns auf eine Zukunft freuen angesichts des Wissens darüber, was die Wissenschaft im Guten wie im Bösen geleistet hat, und was sollen wir mit der Vergangenheit anfangen, ihrer Kunst und Philosophie, ihrer Religion und ihrer mystischen Erfahrung?

Zunächst wird die menschliche Gesellschaft

auf eine neue Beziehung zur Welt der Natur gestellt. Wir müssen das Gespür für das kosmische Ganze entfalten und einen Weg finden, die Welt um uns als lebendiges Wesen zu achten, das uns erhält und ernährt, und für das wir Verantwortung tragen. Zur Zeit ist die ganze Entwicklung der Wirtschaft und Politik charakterisiert und verdorben durch die Ausbeutung der Natur auf jeder Ebene.

Das heutige Technologie-System

hat sich auf der Grundlage mechanistischer Wissenschaft aufgebaut und beutet die Welt der Natur rücksichtslos und unterschiedslos aus. Dies führte zu der schrecklichen Situation, in der wir uns heute befinden: materielle Annehmlichkeiten für eine Minderheit, aber verheerende Konsequenzen weltweiter Ungerechtigkeit und Zerstörung.

Ich sehe keine Zukunft für die gigantischen Großstädte der heutigen Zeit:

London, New York, Tokio, Bombay u.a.. Millionenstädte lassen kein menschenwürdiges Leben mehr zu und sind auf ein ökonomisches System angewiesen, das am Ende zusammenbrechen muss.

Das Bildungswesen in einer neuen Gesellschaft böte eine Grundausbildung,

wie sie z.B. der Vorstellung von Mahatma Gandhi entspricht: eine integrierte Erziehung von Körper, Seele und Geist, die in jedem Menschen eine gesunde, organische Beziehung zur Welt fördert und persönliche Talente entfalten hilft.

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Rudolf Steiners Gedanken folgend würde sich eine solche Erziehung vielleicht zunächst an die Gefühlskräfte des Menschen richten. Steiner lehrte, dass das Kind in den ersten 7 Lebensjahren vor allem auf der Gefühlsebene wachsen müsse, und dass die Erziehung diese emotionale Entfaltung unterstützen sollte.

Im zweiten Lebensjahrsiebt dominiert das Wachsen der Vorstellungskräfte, und die Erziehung und Ausbildung konzentriert sich auf Musik, Kunst, Tanz und Poesie.

Erst im dritten Jahrsiebt, ab dem 15. Lebensjahr, sollte das rationale, logische Denken geübt und ernsthaft entfaltet werden. Das Ergebnis dieser Grundsätze ist eine umfassende Bildung des ganzen Menschen – emotional, imaginativ und rational –, bei der jeder Bereich angemessen entwickelt, gefestigt und stabilisiert wird.

Dies steht in unübersehbarem Gegensatz zu unserem herkömmlichen Bildungssystem, das sich darauf konzentriert, ab dem 6. Lebensjahr das rationale, logische Denken zu unterstützen, wobei die anderen Aspekte der menschlichen Persönlichkeit oft zu kurz kommen.

Alle großen religiösen Überlieferungen und Traditionen

basieren auf der zeitlosen Philosophie (philosophia perennis) und entwickelten sich in unterschiedlichen Situationen und unter verschiedenartigen Umständen; sie alle verkörpern auf jeweils eigene Weise die uralte Weisheit und die Ganzheit des Lebens.

Alle diese verschiedenen Traditionen wird man als miteinander verbunden und aufeinander angewiesen betrachten; jede von ihnen vermittelt einen bestimmten und einzigartigen Einblick in die höchste Wahrheit und Wirklichkeit. Natürlich wuchsen sie tatsächlich unabhängig voneinander und über viele Jahrhunderte hinweg weitgehend ohne Kontakt untereinander heran.

Wenn sie miteinander in Berührung kamen, gab es oft Rivalität, Ablehnung und Konflikt, und infolge dessen haben wir heute die verheerenden Spaltungen der Religionen. Aber wir lernen, und wir werden auch weiter lernen, dass alle diese unterschiedlichen religiösen Traditionen – von der primitivsten bis hin zur fortschrittlichsten – miteinander verbunden und voneinander abhängig sind, und dass jede ihre eigene, einzigartige Sicht hat.

Besonders für die semitischen Religionen – Judentum, Christentum und Islam – ist es wichtig, ihre typischen Absolutheitsansprüche aufzugeben. Dadurch können sie die Freiheit gewinnen, das Wirken Gottes in allen Menschen und vom Anbeginn der Geschichte zu erkennen. Das ist für die semitischen, die monotheistischen Religionen ein besonders schwieriges Problem. Alle drei Religionen neigen zu einem extremen Exklusivismus und haben damit soviel Konflikt in die Welt gebracht.

Die christliche Kirche begann als eine jüdische Sekte

und erkannte erst im Laufe der Zeit ihre Berufung zur universellen Religion. Sie entwickelte ihre Strukturen ab dem zweiten Jahrhundert gänzlich im Kontext der griechisch-römischen Kultur – mit einer nicht zu übersehenden Erweiterung im Osten Syriens, in Ägypten und Äthiopien.

Die Lehre der Kirche gründet sich weiterhin im Wesentlichen auf eine israelitische Basis, die griechischer Geist in die Begrifflichkeit griechischer Philosophie kleidete, während die Organisation der Kirche nach wie vor hauptsächlich römische Struktur ist, die sich auf Grundlagen der ursprünglichen jüdischen Gemeinschaft stützt.

Alle Strukturen, die wir übernommen haben, sind westlicher Natur,

was auf tragische Weise zu einer Spaltung der Kirche geführt hat. Im Neuen Testament – und dies ist die Botschaft Christi – sind weder das Papsttum, noch das Bischofs-, noch das Priesteramt zu finden.

Genau genommen, ist im Neuen Testament nur von einer einzigen Priesterschaft die Rede: vom Wirken Christi und des Volkes, das Petrus als das königliche Priestertum ( 1 Petrus 2,9) bezeichnete.

Wir müssen uns offenbar an das Neue Testament selbst wenden,

um die Ämter in der Kirche neu zu ordnen. So ließen sich die Ämter anderer Kirchen, die keine Bischöfe kennen, mit der Kirche als ganzer möglicherweise versöhnen.

Wir sollten uns auch im Klaren darüber sein, dass Frauen im Neuen Testament eine bedeutende Rolle im Dienst der Kirche spielen, und jeder Versuch, die Strukturen des kirchlichen Dienstes neu zu ordnen, müsste eine Gleichberechtigung der Frau in kirchlichen Ämtern einschließen.

In so mancher Hinsicht scheinen wir auf eine Zeit zuzugehen,

die jener im römischen Reich des 5. Jahrhunderts nicht unähnlich ist, als dessen ganze Struktur zusammenzubrechen begann.

Wir können uns das Hervortreten einer neuen Weltkultur vorstellen,

während das derzeitige materialistische und mechanistische System unter der anhaltenden Krise ökonomischer, sozialer und politischer Konflikte zusammenbricht. Zu den Charakteristika dieser neuen Kultur gehörten auch ihre femininen Aspekte.

3 Jahrtausende lang wurde die Welt von patriarchalischen Kulturen beherrscht, welche die uralten Matriarchate früherer Zeiten verdrängt hatten. Wir haben jetzt die Grenzen dieser maskulinen Kultur und ihrer aggressiven, konkurrierenden, rationalen und analytischen Denkungsart erreicht. Wir bewegen uns auf ein Zeitalter zu, in dem das feminine Prinzip geachtet wird, das Yin im Gegensatz zum Yang.

Das Weibliche wird früher oder später beginnen, seinen rechtmäßigen Platz einzunehmen – und seine Charakteristika: Intuition, Einfühlungsvermögen, Kooperation und ganzheitliche Sicht einzubringen. Dies wird zwangsläufig nicht nur die Ordnung von Wirtschaft, Gesellschaft und Politik beeinflussen, sondern auch die Spiritualität und die Religion.

Die christliche Religion hat ein rein maskulines Gottesbild aufgebaut.

Wir sprechen von Gott immer als dem Vater, von seiner Inkarnation als dem Sohn. Selbst der Heilige Geist, der im Griechischen Neutrum, aber im Lateinischen bereits Maskulinum ist, trägt in unserem Sprachgebrauch einen männlichen Artikel.

Im Alten Testament jedoch ist der Geist (ruach) weiblich, und in der syrischen Tradition wurde dieses gleiche Wort für den Heiligen Geist verwendet. Im 2. und 3. Jahrhundert ist dies noch festzustellen, aber länger scheint es nicht überlebt zu haben. Der maskuline Charakter Gottes hat seitdem die Oberhand behalten.

Es ist möglich,

dass der Übergang von einer mechanistischen zu einer organischen Gesellschaft allmählich eintreten wird. Es ist jedoch wahrscheinlicher, dass es zu einer allgemeinen Katastrophe kommt, wenn die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Strukturen der heutigen Zivilisationen zusammenbrechen.

Wir dürfen nicht vergessen -, dass die Konflikte der heutigen Welt nicht nur auf menschlichem Versagen und Fehlkalkulation beruhen. Es ist zu einer Umkehrung der menschlichen Werte gekommen, zu einem geistigen Zusammenbruch.

Wenn die Wahrheit der Transzendenz abgelehnt wird,

bleiben wir nicht mehr neutral. Wir liefern uns den feindlichen Mächten der subtilen Welt aus, die im Unbewussten wirken und Vernichtung über die Menschheit bringen.

 Der einzige Weg der Rettung liegt in der Wiederentdeckung der zeitlosen Philosophie, die traditionelle Weisheit, die in allen alten Religionen und besonders in den großen Weltreligionen zu finden ist.

Diese Religionen sind jedoch verknöchert und versteinert und bedürfen der Erneuerung, nicht nur in sich, sondern auch in ihrer Beziehung zueinander, so dass eine kosmische, universelle Religion hervorkommen kann, in der die Grundwerte der christlichen Religion in lebendiger Verbundenheit mit den anderen religiösen Traditionen der Welt bewahrt werden.

Das ist eine Aufgabe für die kommenden Jahrhunderte, da die derzeitige Weltordnung zusammenbricht und eine neue Weltordnung aufsteigt aus der Asche der Alten.

Roland-Ropers-Grafik-watchful-wisdom-walking29.05.2020
Roland R. Ropers
www.watchful-wisdom-walking.de

 


 

Über Roland R. RopersRoland-Ropers

Roland R. Ropers geb. 1945, Religionsphilosoph, spiritueller Sprachforscher,
Begründer der Etymosophie, Buchautor und Publizist,
autorisierter Kontemplationslehrer,
weltweite Seminar- und Vortragstätigkeit
www.KARDIOSOPHIE-NETWORK.org

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