Zeitlose Weisheit - Die Rosenkreuzer

Die Vier Qabalistischen Welten und die Vier Elemente

4 Elemente AMORCQabalah heißt so viel wie Überlieferung

… und ist eine der alten Weisheitslehren. Als solche wurzelt sie mit anderen spirituellen Traditionen auf einem gemeinsamen Urgrund. Dies erklärt die essentielle Übereinstimmung mit den esoterischen Lehren der Juden, Christen, Chinesen, Hindus, Ägypter, Babylonier, Assyrer und Chaldäer. Wenn die Rosenkreuzer besonders auch die Überlieferungsform der Qabalah pflegen, so deshalb, weil diese Parallelen zur Bibel ausweist, die in unserem Kulturkries prägend wirkte und somit unserem westlichen Denken besonders nahe steht.

Der Baum des Lebens

Zentrale Glyphe in diesem mystischen Gefüge der Qabalah ist der Baum des Lebens, eine Bezeichnung für ein Symbolmodell, wie es seit mehr als 1000 Jahren in der Welt des Rosenkreuzes zu Hause ist, wenn auch seine heute gebräuchliche Darstellungsform erst zur Zeit der Renaissance entstand und damit den Wandel im Denken und Bewusstsein des Menschen ausdrückt. Der Lebensbaum beinhaltet die Geschichte von der Werdung der Schöpfung, der Genesis. Er zeigt dem aufrichtig Suchenden auf, woraus aus mystischer Sicht die Schöpfung besteht, wie er damit verbunden ist und er durch die Arbeit an sich selbst den Aufstieg aus den Niederungen dieses Baumes, in welchem der Mensch sich an unterster Stufe befindet, wagen und sich von den Fesseln der materiellen Verhaftung befreien kann.

Die zehn Emanationen Gottes

Die Kabbalisten sprechen von der Schöpfung als einem Ergebnis bestimmter Emanationen der Gottheit, im Sinne von Ausflüssen oder Abglänzen. Diese zehn sogenannten Sephirot gelten als unendliche Kraftzentren der gesamten Schöpfung, d.h. sowohl des Universums als auch des Menschen.

Die zehn Emanationen Gottes schreiten als progressive Kräfte voran. Zuerst ist es Eins, woraus die Dualität entsteht, dann wird es Vielheit und verdichtet sich mehr und mehr. Die Kosmische Energie verdichtet sich von oben nach unten, wandert durch vier Welten. Oben dringt sie durch die Schleier des Absoluten, ehe sie in der ersten Emanation, in der Sephira Kether beginnt, die Schritte zu tun, die der endlichen Form entgegen gehen. Kether, die Krone, ist das Eine, das niemand näher definieren kann, aus dem alles fließt und in das alles wieder zurück muss. In dem Rosenkreuzer-Gebet aus dem 17. Jahrhundert heißt es: „Es muss alles wieder zu Dir, entweder in Deiner Liebe oder in Deinen Zorn einfließen.

Als der „Heilig Älteste der Alten“, das „Verborgenste alles Verborgenen“ Gestalt annahm, da schuf ER alles in der Form des Männlichen und des Weiblichen, weil anders das Geschaffene nicht von Dauer hätte sein können. Deshalb strahlte die Sephira Weisheit – der Beginn der Entwicklung, als sie aus dem Heilig Ältesten der Alten, der ersten Sephira Kether – hervorging, sich in Männlich und Weiblich aus. Sie dehnte sich aus und Einsicht – die dritte Sephira – ging aus ihr hervor. Und so entstanden aus dem Heiligen Ältesten der Alten Männlich und Weiblich oder Weisheit, der Vater und Einsicht, die Mutter. Aus der Vereinigung dieser beiden emanierten die anderen Sephiroth als die sieben Tage der Schöpfung. Auf diese Art erzählen die zehn Sephiroth, wie sich die Einheit in der Vielheit Ausdruck verschafft.

Die Vier Qabalistischen Welten

Die traditionelle Darstellung der zehn Sephiroth lässt eine Obere Welt als Dreiergruppe erkennen, sowie eine Untere Welt in der Gestalt einer Siebener-Gruppe als die sechs Tage der Schöpfung mit dem siebenten Tag, der als Frucht der vorangegangenen Tage heranreift. Dieser siebente Tag der Schöpfung stellt eine Welt dar, die der Mensch sich zu seinem Königreich machen soll, indem er dieses Reich hegt, pflegt und bewahrt. Denn „Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn baute und bewahrte.“ Neun Sephiroth bilden drei Dreiecke, drei Welten und die zehnte Sephira steht alleine als vierte Welt darunter.

Die Erste oder Oberste Welt wird von den Kabbalisten Atziluth genannt, die Welt im Schatten Gottes. Atziluth ist die der Gottheit nächste Sphäre. In ihr existiert potentiell alles in vollkommener Entsprechung zur Gottheit selbst. Alles ist in dieser Welt von göttlicher Essenz durchdrungen und erstrahlt so als selbstleuchtende Lichtquelle aus seinem eigenen Inneren, aus sich selbst heraus. Alles was einmal als Schöpfung in Erscheinung treten soll, ist hier im Geiste der Gottheit in Vollkommenheit imaginiert und in seinem Urbild existent. Atziluth ist die Welt der Archetypen. Das Element von Atziluth ist das Himmlische Feuer.

Die Zweite Welt wird von den Kabbalisten Briah genannt. Briah ist die Welt der Schöpfung, das Wort bei Gott. Briah ist die endlose Tiefe im Busen der Vater-Mutter-Sphäre. In ihr werden die Keime ernährt und gekräftigt, welche aus der ersten Sphäre in den Vater-Mutter-Grund eingepflanzt worden sind. Briah steht dem unmittelbaren Einfluss der Gottheit noch ziemlich nahe. Briah ist die Welt der Zweiheiten, die Welt der Schöpfungsformen durch den Willen des Höchsten. Alles was einmal Form annehmen soll, um als Gestalt eine Mission zu erfüllen, fließt aus dem feuerartigen Ur-Meer der Archetypen der Ersten Welt nach Plan und Ordnung der Gottheit in den wässrigen Schoß des Ozeans von Briah über. Das Element dieser Welt ist das Himmlische Wasser.

Die Dritte Welt wird von den Kabbalisten Jesirah genannt, die Welt der Ausgestaltung durch Formgebung, die Welt der reinen Formen. Jesirah ist die Sphäre, in der dem namenlosen Nichtsein ein Ankerplatz des Werdens und ein Name gegeben wird und in der das Formlose durch überbewusste Lenkung endgültige Gestalt im Geistigen annimmt. Dank gottgelenkter Eingebung wirken hier die Urformen der Zweiten Welt als Potenz zum Modellieren von Gefäßen und Strukturen für die Natur vor ihrer endgültigen Kristallisierung in der nachfolgenden Vierten Welt. Jesirah besitzt die Merkmale der sogenannten Astralwelt. Der Mensch kann mit dieser geistigen Ebene über sein irdisches Bewusstsein in Berührung kommen. Das Element der Dritten Welt ist die Himmlische Luft.

Die Vierte Welt wird von den Kabbalisten Assiah genannt, die Welt der Erscheinungen, die Welt der materiellen Körper und als solche die Welt des Tuns. Assiah ist die Welt der Ausführung. „Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn baute und bewahrte.“ Assiah bildet den Brennpunkt, auf welchen die Mächte und Kräfte der drei Welten darüber schlussendlich gerichtet sind. In dieser Vierten Welt werden die Qualitäten und Essenzen der drei anderen Welten nur in Verbindung mit den Qualitäten dieser Vierten Welt wirksam. Assiah ist die Sphäre, in welcher die Sinne des Menschen tastend messen und wägen, schmecken und riechen, hören und sehen. Dieses Wahrnehmen ist aber beschränkt, gleichsam als schaue der Mensch mit seinen Augen durch dunkel gefärbtes Glas. Der Mensch erfasst die irdische Welt nur unvollkommen und unvollständig. Das Element dieser Vierten Welt ist die Erde.

AMORC Höherentwicklung der MenschheitDie Vier Mystischen Elemente

Die einzelne Sephira Malkuth, welche die Welt von Assiah beherrscht, wird als ein Kreis dargestellt, der in vier Sektoren unterteilt ist. Feuer (links), Dunkelbraun – Wasser (rechts), Olivgrün – Luft (oben), Zitronengelb – Erde (unten), Grau-schwarz. Der Mensch ist aufgerufen im Verlaufe seines irdischen Lebens in Malkuth, in der Welt von Assiah, der Welt des Tuns selbst aktiv zu werden, schließlich ruhte Gott am siebenten Schöpfungtag. Es gilt durch eigenes Tun die Elemente zu reinigen. So führt die Überlieferung über die vier qabalistischen Welten zu einer Betrachtung der vier Elemente, allerdings von der kosmischen Ebene her, der auch die uns bekannten Elemente im Irdischen entspringen. Die Elemente wirken als elementare Bausteine im Gefüge der Schöpfungskräfte, welche die Schöpfung in jedem Augenblick vollziehen.

Der mystischen Tradition entsprechend sind es diese vier Elemente, aus denen jegliche Substanz besteht. Jedes Element ist seinem Wesen nach ein Zweifaches. Es ist sowohl schwingende Essenz als auch Substanz. Jedes Element ist auch in seiner Äußerung zwiefach. Es kann sowohl positiv als auch negativ wirken, und dies sowohl im Bereich des Immateriellen als auch im Bereich des Materiellen. Darüber hinaus kann jedes Element sowohl in der Welt des Menschen, dem Mikrokosmos, als auch im Universum, dem Makrokosmos, wirksam werden.

Das Feuer entspricht im Makrokosmos der reinen Essenz der Welt der Archetypen, der Urformen und im Mikrokosmos des Menschen der Fähigkeit zu Sinneswahrnehmungen und Empfindungen, den Instinkten und Gefühlen. Das Wasser umfasst die Welt der Schöpfungen und beim Menschen das duale Bewusstsein nach dem Gesetz, dass alles Geschöpfte das Gesetz der Zweiheit widerspiegelt. Die Luft umspannt die Welt der Formgebung und Ausgestaltung. Hier nehmen die ursprünglichen Gedankenformen und Ideen Gestalt an und warten darauf, durch menschlichen Verstand und Intellekt aufgegriffen zu werden. Die Erde stellt die Welt der Erscheinungen durch Materie dar, und beim Menschen entsprechen diese seinem physischen und seinem psychischen Körper.

Im Mikrokosmos umfasst jedes dieser vier mystischen Elemente einen Wesensbestandteil des Menschen in dessen doppeltem Aspekt. Das Feuer symbolisiert die Gefühle des Menschen, die rein körperlichen wie auch die geistigen. Das Wasser symbolisiert das menschliche Bewusstsein, das Oberbewusstsein wie auch das Unterbewusstsein. Die Luft stellt den Intellekt des Menschen dar in seiner praktischen wie auch in seiner die Erscheinungswelt überschreitenden Tätigkeit durch den Verstand. Die Erde steht für den Körper des Menschen, sowohl in materieller als auch in immaterieller Hinsicht, also für den Leib des Menschen.

Die Reinigung der Vier Elemente

Wie aber soll der Mensch vorgehen, um schließlich einmal zu erreichen, Gefühle und Empfindungen, Bewusstsein, Intelligenz und Verstand, aber auch den inneren und äußeren Körper so ausgewogen und gezielt zu lenken, um seinem kosmischen Auftrag gerecht zu werden? Das Feuer seines Wesens reinigt der Mensch, indem er seine rein körperlichen wie auch seine rein geistigen Gefühle ständig hegt und pflegt. Das Wasser seines Wesens reinigt er, indem er auf die Botschaften seines Unterbewusstseins achtet und auf sein Denken sowie auf das Umsetzen seines Imaginierens und auf seine Willensbildung Acht gibt, um so sein Oberbewusstsein ausgewogen zu lenken. Die Luft seines Wesen reinigt er, indem er sich beim Einsetzen seines freien Willens auf seinen Verstand stützt und lernt, bei der Durchführung seiner Vorhaben seine Intelligenz klug einzusetzen. Die Erde seines Wesen reinigt er, indem er lernt, den physischen Körper vernünftig zu pflegen und auch auf die Seelenbedürfnisse seines psychischen Körpers harmonisch auszurichten.

Erkenne dich selbst…

Das traditionelle Denkmodell zeigt die Bildung des hohen schöpferischen Lichtes in der Welt des Göttlichen und wie sich aus dem schöpferischen Chaos die schöpferische Grundordnung bildete. Von der Welt der reinen Gedanken der Schöpfung hinein in die Welt der geistigen Formung und schließlich zur Entstehung der Bilder und der Kräfte, welche die Bildung begleiten. Schließlich entstand daraus die untere Welt der materiellen und physisch sinnlichen Wahrnehmung, in welcher der Mensch sich befindet und von wo er – wenn die Zeit gekommen ist – von den Niederungen des verzerrten Scheins und der Wahrnehmung der Halbheiten aufsteigt in die einende Welt der Wahrheiten und der Urformen. Auf diesem Weg erkennt er sich selbst und seine Verbundenheit mit den schöpferischen Kräften, die er sich erschließen lernt, durch die Bildung seiner eigenen Ordnung in Ethik, edlen Gedanken und Vorstellungen und der daraus resultierenden geistigen Kraft der erneuerten Persönlichkeit.

Reintegration in die Kosmische Ordnung

Vier qabalistische Welten machen die gesamte geistige Schöpfung aus. Der Lebensbaum erzählt, wie die Göttliche Welt die Schöpferkräfte hervorbringt, woraus die Ordnung des geistigen Kosmos zum Entstehen kommt. Je mehr der Mensch an sich arbeitet, an der Veredelung von Geist und Bewusstsein, umso mehr kommt er mit dieser Ordnung des Kosmos, sowie mit dessen Geist und Bewusstsein in Verbindung und sein persönliches Bewusstsein steigt auf, um das zu werden, wofür der Schöpfer ihn bestimmte, zu einem Erwachten, der ein starker Fels in der Brandung des Lebens wird, da er die kosmische Ordnung gefunden hat und so selbst zu einem edlen geistigen Zeugen der kosmischen Ordnung geworden ist; woraus er selbst seine eigene Ordnung gebildet hat – in dem er geworden ist, der er ist.

Fotos und Text (c) AMORC

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