Bewusst-Sein

Wahrhaftigkeit – was ist das denn?

wunderkerze-sparklerWahrhaftigkeit und Selbstbild – was ist das denn?

In den vergangenen Monaten begegnete mir immer wieder – in verschiedenen Mäntelchen – ein Thema:Du bist viel mehr wert und hast viel mehr drauf, als Du glaubst. Zeige Dich und sei endlich das Vorbild, das Du sein kannst, wenn Du willst.Einmal war es eine Vortragsagentur, dann ein künstlerischer Kollege und zuletzt mein Verleger.
Nun – wie ich aus meinen unzähligen Gesprächen mit KlientInnen nach 21 Jahren Beratungspraxis weiß – das ist ein Leib- und Magenthema für viele.

Wahrhaftigkeit und Selbstbild. Selbst Menschen, die erfolgreich sind, hinterfragen immer wieder leise, still und heimlich … ja – ist denn das alles gerechtfertigt und habe ich das alles verdient? Darf ich das, wenn ich mich so umschaue, wie es in der Welt drunter und drüber geht? Kann und darf ich da mich und mein Selbst voll und ganz leben?

Diese Fragen nagen oft in einem und eine unbewusste und bewusste Selbstbeschränkung, ein Leben mit dezent angezogener Handbremse ist die Folge. Vielen fällt das bewusst gar nicht auf. Frau/man hält sich für durch selbstbewusst – doch beim Kratzen an der Oberfläche stellt frau/man immer fest – da gibt es noch genau Luft nach oben.

Daher will ich von meinem Weg erzählen – als Mutmacher, nicht als Betriebsanleitung, denn jede/r hat ihren/seinen einzigartigen Weg. Und doch gibt es einige Impulse, die es lohnt, einmal anzusehen und – vielleicht – auch damit zu experimentieren. Also – worauf kommt es an?

Das klare Selbstbild

Erkenne Dich selbst – der schlaue Satz stand schon über dem Orakel von Delphi. Ein näherer Blick auf diesen Satz führt uns auf den Weg der Selbsterkenntnis, der meistens so gar nicht einfach ist und der nie so ganz abgeschlossen ist. Es ist also ein Weg, der beim Gehen entsteht, der leichter wird, jedoch nie so richtig aufhört.

Wie kommt man auf diesen Weg? Oft zwingt einen das Leben regelrecht auf diesen Weg, konfrontiert und fordert uns hinein. Ich erinnere mich gut an die Zeit, als ich mich lange hinter intellektuellen und künstlerischen Etiketten versteckte, nur um nicht zu meiner sehr umfassenden intellektuellen Ausbildung, meinem breiten spirituellen Interesse und meiner dichten Lebenserfahrung zu stehen. Damit löschte ich mein eigenes Licht wie mit einem Dimmer.

Ich war die “geborene“ Lebenslehrerin und was machte ich – ich versteckte mich hinter der Schriftstellerin, hinter schwammigen künstlerischen Etiketten. Nun denn, da konnte ich manifestieren und visualisieren, wie viel ich wollte. Es klappte nicht recht. Ich blieb unklar, pendelte herum zwischen Bereichen, die ich alle durchaus mochte. Doch ich bekannte mich nie voll zu mir, zu meiner Persönlichkeit und zu meinen Fähigkeiten. Wenn ich es nicht tue, kann ich natürlich nicht erwarten, dass es von Außen kommt. So ist das halt mit der Resonanz. …

In dem Moment, als ich erkannte, wer ich tatsächlich war – jenseits esologischer Empfehlungen der Liebe-Licht-Fraktion und gut klingender metatheoretischer Ansätze – ich bin die erfahrene Expertin für Grundfragen zum Leben, manche sagen, ich sei die Frau für die “Hämmer“ im Leben, also seit ich das für mich fassbar gemacht habe und dazu stehe, wer ich als Mensch bin und darauf auch stolz bin, was ich kann, fließt es. Mal mehr, mal weniger – doch es in immer im Fluss, mein Leben.

Ja, ich bin achtsam und bewusst, doch ohne groß zu übertreiben. Ich tue im Außen viel weniger als vorher, weil es nicht mehr erforderlich ist, hektisch im Hamsterrad herumzutreten, Druck zu machen, nachzulaufen, auf mich aufmerksam zu machen. Es geht leichter, viel leichter seit ich mich erkannte und in meiner Berufung zu mir stehe und auf den inneren Ruf auch höre.

Aus dem Außen kommen oft sehr hilfreiche Anregungen …

Ich bin eine Vertreterin der These, dass man soweit wie möglich, selbst gehen soll. Das gebietet die Eigenverantwortung. Wir kommen alleine – wir gehen alleine. Doch ich befürworte auch, sich Hilfe von Außen zu holen, wenn man am Weg ansteht und nicht mehr weiter weiß. Es ist ein Form von GPS, von Landkarte, die bei der Orientierung hilft. Aus meiner Erfahrung ist es energieschonender, dass, wenn man ansteht am Weg, es eine Frage von Stärke und nicht von Schwäche ist, sich Hilfe zu holen (sprich auf die Karte zu blicken, anstatt weiter herumzuirren; oder jemanden am Weg zu fragen, wo es denn weitergehen kann). Die kann ganz unterschiedlich sein, ein Gespräch, ein Ortswechsel, ein Themenwechsel.

Es gibt so viele wundervolle Menschen im eigenen Umfeld, die einem gewogen sind, die FürsprecherInnen sind, RatgeberInnen, PerspektivenaufzeigerInnen … Einfach mal draufzugehen, Fragen stellen, zuhören, nicht gleich antworten, zuhören, aufnehmen, empfangen. Nicht mehr. Keine/r zwingt zur Soforthandlung. Es geht bloß darum, sich auch mal andere Seiten anzuhören. Das ist übrigens ein sehr weiblicher Aspekt, der vielen von uns verloren gegangen ist.
Gleichwohl – ich will nichts vorgeben.

Es zeigt sich zuverlässig, wenn man bewusst durchs Leben marschiert.

Dabei habe ich mittlerweile gelernt, jene Menschen zu erkennen, die mir und meinen Ansinnen gewogen sind. Sie sagen das oft nicht explizit. Ich muss gut hinhören und hinspüren. Es ist weniger als eine Hand voll. Doch es sind Menschen, die mich mögen, die von meiner Arbeit überzeugt sind und denen ich zuhöre, der Gedanken ich unvoreingenommen aufnehmen kann – wohl auch eben, weil ich tief in mir fühle – diese Menschen lieben mich und wollen mein Bestes. Ich kann also ihre Empfehlungen und Gedanken freien Herzens annehmen. Zudem getraue ich mich, nachzufragen. Da gibt es keine Scham, keinen Zweifel. Wir schätzen einander und wissen – oft unausgesprochen – dass wir ein gemeinsames Ziel haben. Wenn wir alle an einem Strang ziehen, dann erreichen wir Ziele leichter.

Gefühl und Verstand brauchen Ziele

Ohne Ziel geht bei mir nichts. Dabei meine ich nicht unbedingt Umsatzziele oder die Zahl an Veröffentlichungen, Workshops, Beratungen etc.. Meine Ziele sind flexibel, sie sind Orientierungsmarken. Ich verfolge Ziele nie um der Ziele wegen. Das finde ich unspannend. Doch Ziele helfen mir auf meinem Weg, damit ich den günstigen Wind erkenne und auch nutze.

Lieber weniger Ziele als zu viele Kleinstziele.

Ausschlaggebend ist dabei für mich die tiefe Freude, doch ich stehe nicht an zu schreiben, dass ich die Materie und das Geld schätze. Beide ermöglichen mir, weiter in Freude zu arbeiten und mein Wissen mit meinem Publikum zu teilen. Ich bin materiell frei und stehe mit dem, was ich am besten kann, auf eigenen finanziellen Beinen. Hören wir endlich auf, Geld zu verteufeln. Es hilft uns, gemeinsam (!) mit anderen Ressourcen, unseren Weg zu gehen. Wer einen ausgeglichenen Ressourcenhaushalt hat, geht leichter.

Viele getrauen sich das nicht zu sagen. Sie schämen sich für Erfolg und dafür, dass sie in der Lage sind, aus dem, was sie am besten können und am liebsten tun, jenes Einkommen zu schöpfen, das ihnen ihren Weg ermöglicht. Es ist paradox – einerseits wollen sie mit Freude leben und gleichzeitig lehnen sie einen (ich betone ‚einen‘) wesentlichen Ermöglicher, Geld, ab. Wie soll das dann gehen? Dazu brauchen wir kein Resonanzgesetz. Da hilft der Hausverstand. Das funktioniert nicht, solange der Widerspruch zwischen Geld/Erfolg und der inneren Haltung dazu vorliegt.

Ich habe auch einige Zeit zur “Schämer-Gruppe“ gehört. Heute bin ich selbstbewusst und sage – was mir am meisten Freude bereitet und ich am besten kann, das darf mir auch jenes Einkommen bringen, das mir meinen weiteren Weg ermöglicht.

Es geht um eine klare Ansage und nicht um Gier. Es geht um die Ermöglichung meines Weges und nicht um Börsenzockerei. Es geht nicht um Anhäufung. Die Energien, und Geld ist eine von vielen Energien, muss fließen, um sich ausweiten zu können. Das wünscht sich die Natur. Das gibt uns die Natur. Geld zähle ich als einen Teil des Gesamtkosmos, menschengemacht und Teil des Ganzen.
Gerne stelle ich Beiträge auch kostenfrei zur Verfügung. Doch auch ich habe meine monatlichen Kosten zu begleichen – und dazu stehe ich. Es geht schlicht um Balance im Gesamtsystem.

Die Währungen der Zeit: Mut und Vertrauen

Bei Mut und Vertrauen handelt es sich um ‚innere Währungen‘, die man nicht herbeireden kann. Sie werden von vielen oft frühkindlichen Prägungen, Sippenglaubenssätzen, gesellschaftlichen Ansprüchen und persönlichen Erfahrungen stark geprägt. Diese tiefsitzenden Vorstellungen sind oft wie Klebstoff. Sie halten uns unbewusst klein und niedrig.

Oft und immer wieder habe ich mich mit Mut und Vertrauen auseinandergesetzt. Ich hielt mich lange für eine mutige Pionierin – und als die sehe ich mich nach wie vor. Beim Vertrauen, da hat man von oben bei mir ziemlich gespart. Ich musste mir Vertrauen im besten Sinn des Wortes über viele Jahre erarbeiten. Da wurde mir nichts geschenkt.

Meinen eigenen Weg zu finden und kompromisslos zu gehen – gleich was von außen kommt das war nicht immer angenehm und wenn es an der Ermutigung fehlt und die Zweifler zu einem wie die Motten ans Licht schwirren, dann ist dies – eben nicht besonders ermutigend und vertrauenseinflössend.

Ich habe erkannt, dass es letztlich innere Entscheidungen sind, in etwas, vor allem in sich selbst Vertrauen zu haben. Damit mag ich viele vorhandene Konzepte über den Haufen werfen. Mir haben sie nicht geholfen. Sie verwirrten mich. Es ist auch nicht mit einmal getan. Ich musste mich immer wieder und wieder innerlich entscheiden. Aus einem anfänglich dornigen Saumpfand ist mittlerweile eine innere Autobahn geworden, auf der ich mich in Sachen Vertrauen achtsam bewege. Nachwievor bin ich das, was man als ‚defensive driver‘ bezeichnet. Das gibt mir ein gutes inneres Gefühl, denn an Mut hat es mir ja nie gefehlt. So halten Mut und Vertrauen sich heute in mir die Waage – sehr beruhigend.

Große Worte, gelassen ausgesprochen: Disziplin und Hingabe

Auch diese drei Begriffe liest und hört man immer wieder. Meistens werden sie so locker dahin geplaudert. Gerne fühle, fülle und lebe ich Begriffe mit Inhalt. Hektik war viele Jahre meine treueste Begleiterin. Seit gut 4 Jahren habe ich mich der Gelassenheit verschrieben. Es war eine Entscheidung, nachdem mich eine Erkrankung flachgelegt hatte. Ich brauchte es hard core, da ich lange alles scheinbar besser als das Leben wusste.

Atmen, atmen und nochmals atmen ist meine Devise. Mein Lieblingsplatz ist seither das Auge des Sturms. Man nennt es Nichtidentifikation. Meistens gelingt es mir. Und wenn es mir gelingt, den Sturm zu überholen, dann lebe ich vor der Lage.
Dann habe ich alle Gestaltungszügel in der Hand und kann nach Gutdünken agieren.

Es hat einige Jahre Übung gebraucht und ich übe noch immer, denn es sind Seelenmuskeln, die auch ihr Training brauchen. Es geht um Achtsamkeit und Bewusstsein. Geisterfahren im Alltag ist nicht. Jedenfalls nicht bei mir. Das klingt klar heraus, manche sagen ich sei brutal. Ich sage – ich bin klar. Meine Lebenszeit auf dieser Erde ist begrenzt. Daher schreibe ich die Zeit jenen Dingen zu, die ich als für mich wichtig identifiziert habe. Dabei fällt naturgemäß vieles hinter runter.

Immer weiter und weiter – nach vorne und aufwärts

Als jemand, der in den ersten Lebenswochen gleich eine ordentliche Lungenentzündung hatte und ums Überleben kämpfen musste, habe ich gelernt, meine Kräfte fokussiert einzusetzen, dranzubleiben und nie aufzugeben. Ja – man kann das Kämpfen übertreiben, doch – zu wissen, wann es ein lohnender Kampf ist und wann man die Waffen besser ruhen lässt und achtsam ist, das ist ein wesentlicher Teil der Kunst des Lebens.

Das wurde mir nicht in die Wiege gelegt und ich habe auch einiges an Lebenszeit gebraucht, um geübt darin zu sein. Heute ist es ein Innehalten, bewusst werden und klar entscheiden. Dafür nehme ich mir immer Zeit. Es spart meine Kräfte; der Ärger schrumpft und mein Umfeld ist auch friedlicher geworden. Ich habe wesentlich mehr Raum und Zeit, um dranzubleiben – an dem, was mir wichtig ist.

Sich selbst zu sein, zu sich selbst zu stehen und auf Himmel komm raus zu leben – das könnte der Sinn des Lebens sein. Einen Versuch ist es jedenfalls wert, das mit der Einzigartigkeit. Und der Wahrhaftigkeit und Selbstbild Geschichte.

Als Anregung zum Ausprobieren … mit Gelinggarantie (die gibt es ja selten):

„…Und wenn wir unser eigenes Licht erstrahlen lassen, geben wir unbewusst anderen Menschen die Erlaubnis, dasselbe zu tun. Wenn wir uns von unserer eigenen Angst befreit haben, befreit unsere Gegenwart andere ganz von selbst.“ (Marianne Williamson, Rückkehr zur Liebe).

05.06.2018
Dr.Andrea Riemer


Zum Abschluss ein tröstlicher Gedanke – als Mutmacher am Weg.

„Sie wusste, das Leben war immer auf ihrer Seite, manches Mal anders als sie es sich wünschte, doch es war immer da. Das Leben liebte Marie und es war geduldig mit ihr. Und doch forderte es sie immer wieder auf, Altes fühlbar und sichtbar abzuschließen. Dann erst war Platz für Neues.“
Andrea Riemer

cover-Botschaften-andrea-riemerText aus ihrem neuen Buch:
Andrea Riemer, Botschaften vom Leben, dielus edition, Leipzig 2018 (mehr dazu samt Leseprobe unter
www.andrea-riemer.de/das-neue-buch). 

Zur Autorin: www.andrea-riemer.de

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