USA zwischen Heilung, Teilung und Einheit

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Eine gesellschaftlich-energetische Betrachtung

Die USA zwischen Heilung, Teilung und Einheit … irgendwie klingt das verwirrend, wenn man die letzten Jahren Revue passieren lässt, die Bilder von der Inauguration des neuen Präsidenten noch vor Augen hat, der in einer bis an die Zähne bewaffneten, abgeschotteten Enklave seinen Amtseid ablegte. Das gleichzeitige Warten von einigen, die den großen Umsturz vorhersagten – und nichts davon geschah, scheinbar. Was wissen wir denn schon, was sich tatsächlich abspielte? Was wissen wir denn schon als EuropäerInnen über die USA, über Amerika?

What makes America America?

Eine berechtigte Frage, die mich seit fast 20 Jahren umtreibt und die nach den doch ziemlich chaotischen Monaten in 2020 und der Wahl im November 2020, von den Folgewochen ganz abgesehen, noch interessanter wurde. Eine erste Antwort könnte lauten: Wer immer die Wahl gewinnt – es gibt einige dauerhaften Parameter, die die USA ausmachen, und die werden bleiben. Die sind unkaputtbar. Da konnte auch der brachiale Donald Trump nichts daran ändern. Daran kann auch die durchaus präsendentielle Antrittsrede von Joe Biden als 46. Präsident der USA nichts ändern.[1]

Doch – und das wird zur Zeit so offensichtlich – das Land ist vollkommen gespalten und es herrscht eine große Unversöhnlichkeit. Die gibt es nicht erst seit gestern, sondern die bekamen G.W. Bush und Barack Obama schon massiv zu spüren. Wir haben es nur vergessen – oder – die uranische Haltung von Donald Trump ließ sie uns vergessen und wir haben ihn nie in seinem Wesen verstanden. Was immer man über die USA denken mochte, welche dunklen Seiten man auch registrieren konnte, eines stand für Leute ohne antiamerikanischen Komplex immer fest: Die Vereinigten Staaten sind eine gefestigte Demokratie, eine Supermacht mit einem dynamischen Wirtschaftssystem, eine (pop)kulturelle Großmacht und für Europa eine fast unerlässliche Sicherheitsgarantie. Trotz aller unleugbaren Fehler und Verbrechen. Vieles wäre ohne die USA nicht oder nur zu einem viel höheren Preis möglich gewesen.

Was ist das, Amerika?

In der Beantwortung dieser so wichtigen Frage blieb zuletzt zu wenig beachtet, dass die strukturellen Schwächen der US-Gesellschaft, die Spaltung in zwei feindselige Lager – jene, die der weißen Vorherrschaft nachtrauern und die wachsende Zahl der Nichtweißen am Aufstieg hindern wollen, markant ist. Das ist es, worum es Trump und seinen Anhängern ging und geht. Um nichts Anderes. Dafür braucht es keine Verschwörungstheorien und Pseudoerklärungen.

Ja – wir können heute, in 2021 nach diesen so aufreibenden vier Jahren mit Donald Trump sagen: Die USA sind in vielen Bereichen dysfunktional. Sie haben eine Polizei, auf die in bemerkenswerten Teilen kein Verlass mehr ist. Ein Sozialsystem, das riesige Ungleichheiten produziert und Zustände, die kein europäischer Arbeiter mehr akzeptieren würde (nicht nur Dank der Viruskrise, die die Defizite schonungslos offenlegte). Ein Wahlsystem, das längst nicht mehr der Zeit entspricht und einem die Haare raufen lässt und Tür und Tor für Fragen zur Regelmäßigkeit eröffnet, was schon grundsätzlich einer Demokratie schadet. Und Institutionen wie die Justiz, die unterwandert wurden und die Gewaltentrennung, die für eine funktionierende und gesunde Demokratie unerlässlich ist, in Frage stellen lässt.

Das klingt nur für jene absurd, die sich mit dem Wesen von Trump und mit seinem Versuch, eine quasiautoritäre Herrschaft zu errichten, nicht auseinandergesetzt haben. Es klingt auch nur für jene absurd, sich nie mit der DNA der USA auseinandersetzten, die nie Originalquellen recherchierten, studierten und auch durchdrangen. Das ist mühsam. Das ist aufwendig. Doch es ist aus meiner Sicht unerlässlich, um sich ein Bild zu den USA zu machen, die der Dreh- und Angelpunkt für den globalen sind und sein werden.

Dazu muss man kein Fan der USA sein, sondern sie kritisch und eingehend betrachten.[2]

Ob uns EuropäerInnen das schmeckt oder auch nicht. Und zwar nicht erst seit dem Sturm auf das Kapitol, einem – aus amerikanischer Sicht – durchaus heiligen Ort der Demokratie. Doch wenn eine Demokratie so weit heruntergekommen ist, dann ist Trump nur ein Zwischenspiel. Denn – es stellt sich die Frage, was in den USA noch schiefgelaufen ist, wofür Trump nur ein Symptom darstellt.

Umso wichtiger ist die Grundlage, auf dem das Land basiert. Und die muss man kennen – auch um die Arbeit des 46. Präsidenten und seiner Regierung einschätze zu können und die eigenen Erwartungen zu redimensionieren. Die Grundlagen dessen, was die USA ausmachen, die findet man weder auf TV-Shows noch in Bücherregalen. Auch nicht in der Library of Congress. Dazu braucht es ein bisschen mehr. Eine Foto-Op reicht natürlich auch nicht aus.

Man muss also die DNA dieses Land und seiner Gesellschaft kennen, bevor man sich über das Land auslässt.

Die DNA ist eben die DNA auch eines Landes und seiner Gesellschaft. Änderungen natürlich nicht ganz ausgeschlossen. Denn auch die DNA wandelt sich bekanntermaßen. Bei den USA findet gerade so ein Wandel statt, der uns und das Land mindestens noch bis 2023/24 beschäftigt halten wird und erst 2022 seinen Höhepunkt erfahren wird.

Was ich anbiete, ist das Ergebnis von vielen Jahren intensiver Beschäftigung mit dem Land, dort immer wieder für einige Zeit und in zahlreichen Orten in den USA gewesen seiend, Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft und Profession kennengelernt habend, und eine großes dauerhaftes Interesse am Land, seiner Gesellschaft, seiner Vielfalt, seinen Möglichkeiten, seinen Defiziten und an seiner Geschichte.

Nur dann kann man, aus meiner Sicht, seriös darüber schreiben und sprechen. Erwarten Sie also einen Bogen an Informationen und Zusammenhängen. Dann sitzt man auch keinen so derart grassierenden Verschwörungstheorien auf, die ein Stück an Information herausgreifen, dieses nur ganz selten wirklich in der Tiefe verstehen und noch seltener in einen nachprüfbaren Zusammenhang bringen. Zu dieser Fraktion gehöre ich definitiv nicht. Dazu bin nach wie vor mit Leib und Seele Wissenschafterin, die jedoch einen Blick in Zusammenhänge und Hintergründe mit Ihnen nun macht und auch Zyklen in die Betrachtung inkludiert. Daher nehme ich auch eine Reihe von harten astrologischen Fakten als zusätzliche Erklärungshilfe. Sie machen das Erklärungsbild rund, rechtfertigen nicht, sondern liefern zusätzliche Erkenntnisse. Das kann man natürlich auch lassen. Da ich jedoch die zusätzlichen Facetten von Mundanastrologie kenne und schätze, biete ich Ihnen ein kombiniertes Erklärungsbild an.[3]

Ich bin sicher, dass viele LeserInnen überrascht sein werden. Daher lade ich ein, die Kritikbrille für die Zeit des Lesens und Durchdringens dieses Beitrags abzunehmen und die Informationen auf sich wirken zu lassen.

Betrachten Sie die nachfolgenden Zeilen als Information.

Nichts will Sie überzeugen. Doch was mir ein großes Anliegen ist, ist, Ihnen Informationen zur Verfügung zu stellen, die Sie gerne recherchieren können und auch ausweiten können, wenn Sie mögen.

Dann wird es so richtig interessant. Dann hat man auch eine brauchbare Grundlage, die es mit einem gut geübten Unterscheidungsvermögen erlaubt, sich zu den USA zu äußern, die Vorgänge zu durchdringen und abschätzen zu können, welche Auswirkungen die großen Veränderungen in diesem Land mit seiner vielschichtigen Gesellschaft auch für Europa haben KANN.

Was ist also Amerika? Wo steigen wir überhaupt ein?[4]

Es gab kaum eine Phase wie die Zeit nach dem 11. September 2001 und auch seit 2016, als Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt wurde, in der aufgrund der mangelnden Kenntnis jener Faktoren, die die USA als Gesellschaft und als politischen Akteur ausmachen, das American Political System derart heftig diskutiert wurde. Alleine beim Begriff political scheiden sich schon die Geister zwischen den USA und Europa. Und – bereits 2001 war das Land gespalten, auch wenn man das nicht für möglich halten will. Nicht so sehr wie jetzt, doch es war bereits damals gespalten für jene, die es erkennen konnten.

Ob Trump mit seinem disruptiven Verhalten das von einigen so verhasste System zerschlagen hat?
Abwarten, denn es gibt eine aus dem tiefsten Inneren kommende Bewegung, die für einen Wandel sorgen wird. Die ist bereits vorhanden und zeigt sich ja auch schon im Außen. Wandel ist ja nichts Eindimensionales, sondern läuft auf vielen Ebenen ab. Heilung und Einheit heraufzubeschwören, ist verständlich.

Doch wir wissen, dass Heilung nur dann möglich ist, wenn man auf die tiefen Wunden wie z.B. systemischer Rassismus, das Hochhalten der White Supremacy, das Negieren der jahrhundertelangen Zuwanderung und der damit einhergehenden demografischen Verschiebungen etc. pp. – nur wenn man sich eingehend mit der Geschichte, mit den Wunden, mit den großen und kleinen Kriegen, mit der Unterdrückung einzelner Bevölkerungsgruppen, mit ihrer systemischen Benachteiligung, die nachwievor vorliegt, dann kann es Heilung geben. Dass dies ein steiniger Weg ist und die Reise erst begonnen hat, das ist auf der Hand liegend.

Eine Zerschlagung im Sinne einer völligen Zerstörung des Systems sehe ich nicht.[5] Wandel hingegen, der manches Mal konvulsiv und sehr tiefgehend ist, den nehme ich sehr wohl war. Auch dass es da und dort Gewalt geben wird, liegt auf der Hand. Ich gehe davon aus, dass das Land in der Lage sein wird, einen grundlegenden Wandel zu vollziehen. Dazu muss man das Land nicht zerstören.

Tiefgreifender Wandel ist eine typisch plutonische Energie. Diese Energie zerstört nicht im Sinne von Uranus. Sie wandelt in den tiefsten Tiefen, lässt keinen durchrutschen, sondern nimmt alle beim Wort. Wer Heilung will, wer Einheit will, der muss sich an die Schatten ranmachen.

Doch wir stehen zyklisch erst am Beginn dieses Wandelns, der seinesgleichen sucht.

Der Höhepunkt wird 2022 bis 2023 sein, wenn der sog. Pluto-Return stattfinden wird. Das bedeutet, dass der laufende Pluto, der für den grundlegenden, oft sehr schmerzhaften Wandel steht, am Grad des Radix-Pluto im Gründungshoroskop der USA angekommen sein wird. Vorboten spürt man bereits in 2021, weil dies ein sehr langsamer Prozess ist. Man könnte meinen – wenn schon gründlich, dann sehr gründlich.

Beginnen will ich daher bei der Frage, was dieses amerikanische politische System und seine dauerhaften Parametern in einem ersten Überblick ausmacht.

Amerika ist das Produkt einer vielschichtigen Evolution …

In der Eigenperzeption sah es sich als New Heaven, New Earth, The Promised Land, The Holy Experiment, The New Israel, The Citty Upon a Hill, Earth’s Paradise, Esperanza, als Erlösernation und visionäre Republik. Rahmenparameter wie etwa die Geographie, die englische Besiedelung, die ‚Frontier’ (die formale Landnahme des britischen Gebietes westlich der Appalachen; in diesem Zusammenhang entstand Frederick Jackson Turners Frontier These).

Werte, die in der protestantischen Ethik ihre Wurzeln haben, wirtschaftliche Dominanz etc. ergeben ein Netzwerk an Determinanten, welche Religion als integralen Teil der Politik sieht (ganz im Gegensatz zum europäischen Laizismus und zur Trennung von Staat und Kirche – eine Errungenschaft der Aufklärung, wenngleich es indirekt im Wertekanon natürlich religiös fundierte Elemente gibt).

Das Sendungsbewusstsein (Providence) und Auserwähltheit (Exceptionalism), gekoppelt mit dem Glauben an universelle Werte, eine gewisse isolationistische Grundhaltung, die gleichzeitig aus nationalen Interessen auch den Open Door Ansatz umfasst und somit Unilateralismus und Multilateralismus als pragmatische Instrumente der Politik sieht, fließen in diese für LaiInnen oft unverständliche Vielschichtigkeit ein.

Die nachfolgende schematische Darstellung zeigt die sogenannten enduring parameters, also die Konstanten des American Political System.

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(c) Andrea Riemer

Wesentlich für das Verständnis der nachfolgenden Analyse ist, dass sich das Amerika der Gründerväter sehr wohl in seinen konkreten Ausformungen vom Amerika des 21. Jahrhunderts unterscheidet – und dennoch gibt es eine Reihe von Rückbezüglichkeiten, die das Amerika von heute noch verständlicher machen, wenn man auf die dauerhaften Parameter und die daraus sich generierenden Strukturen eingeht und sie versteht und dann auch in die großen Entwicklungszyklen integriert. Daran konnte übrigens auch ein Donald Trump nichts nachhaltig verändern. Doch er konnte – vielleicht – einen Wandel anstoßen und war damit Katalysator. Dieser Unterschied ist in der Betrachtung wesentlich. Für Wandel braucht es immer Katalysatoren.

  Die Darstellung dieser dauerhaften Parameter folgt keiner Priorisierung. Vielmehr geht ist in der Darstellung darum, die Querverbindungen herauslesbar zu machen und das Verständnis für das Handeln der USA im Mehrfachkontext zu erleichtern.

Die Rolle der Gründungsgeschichte … Kann man den Sinn des Glücks in die Verfassung schreiben?

That all men are created equal; that they are endowed by their Creator with certain unalienable rights; that among these are life, liberty, and the pursuit of happiness; that, to secure these rights, governments are instituted among men, deriving their just powers from the consent of the governed; that whenever any form of government becomes destructive of these ends, it is the right of the people to alter or to abolish it, and to institute new government, laying its foundation on such principles, and organizing its powers in such form, as to them shall seem most likely to effect their safety and happiness.[6]

Die Gründungsgeschichte der USA, die stark emotionalisiert und sich bewusst von Europa abhebend ist, ist der Beginn dieses Landes schlechthin. Dies zeigt sich auch in der Unabhängigkeitserklärung, die man als Abrechnung mit dem englischen König interpretieren kann.[7]

Die Weite des Landes bot neue, von Europa losgelöste Möglichkeiten. Man konnte ein „ideales Staatskonstrukt“ aufbauen – die neue Stadt auf dem Hügel (citty upon the hill, kein Schreibfehler), ein neues Israel, Esperanza etc. Die Reinheit der Ideale war für die Gründungsphase entscheidend. Man könnte auch eine gewisse Naivität unterstellen. Doch wäre dies eine heutige Interpretation. Die Gründungsprinzpien sind der Maßstab für gesellschaftliches und politisches Handeln in den USA schlechthin. Dies gilt für das Individuum ebenso wie für die Gemeinschaft. Man kennt sie und versucht sie, so gut wie geht, immer wieder aufs Neue zu leben.

Die Versprechungen der Gründungsväter sind auch heute äußerst präsent und lebendig im aktuellen Gedankengut. Dies äußerste sich beispielsweise in dem Gedicht von Amanda Gorman zum Abschluss der Inauguration.[8]

Dies äußert sich beispielsweise darin, dass kaum eine der großen Präsidentenreden ohne Bezug zu den Gründungsvätern ist. Bei Trump war dies nicht oft der Fall. Biden hat beispielsweise in seiner Rede nach dem Sturm auf das Kapitol am 6.1.2021 genau diese Register gezogen, als er die Absichten der Gründungsväter und natürlich Lincoln zitierte. Auch in seiner Inaugurationsrede, die stark von Heilung und Einheit im Tenor geprägt ist, bezog er sich auf die amerikanischen Wurzeln und auf Gründungsvater.[9] Dies wurde als präsidentiell interpretiert, als Ausdruck von Leadership in einer aufgeheizten Lage.[10] Es gibt unzähligen historische Beispiele, die man dazu recherchieren kann und die diesen Gedanken belegen.

So ist die Gründungsgeschichte, welche bei weitem in der Außenwahrnehmung weniger glorios ist, die Basis für die Eigenwahrnehmung und die Fremdwahrnehmung der USA. Natürlich ist sie mythenbehaftet. Natürlich ist sie voller Legenden. Doch die gehören bei derart großen Vorhaben dazu. Wir finden sie in zahlreichen Gründungsgeschichten.[11]
Der Mythos ist ja per se nichts Negatives. Er ist vielmehr Ausdruck der Sprache der Seele. Er ist ein emotionaler Kitt, der gerade in einem Land mit aus so derart unterschiedlichen Örtlichkeiten kommenden Menschen ganz wesentlich. Er ist die gemeinsame Basis, die für eine gemeinsame Identität wesentlich ist und das sog. nation building maßgeblich begleitet und unterstützt.[12]

Die USA waren von Beginn ihrer Existenz an ein Einwanderungsland.

Die Immigration, die Durchmischung von Völkern, Prinzipien und Ideen zum typisch amerikanischen way of life ist ein ganz wesentlicher Faktor für die Erfolgsgeschichte – jedenfalls in der Eigenperzeption. Immigration ist auch ein wesentlicher Aspekt der Gründungsgeschichte. Das „Weg“ von etwas, das Bestreben, etwas völlig Reines, Neues auf die vielzitierte grüne Wiese zu setzen, ist Teil des amerikanischen Pioniergeistes und des Selbstverständnisses. Dies zeigt sich z.B. in bestimmten Bereichen wie in der Wirtschaft in einer hohen Offenheit für Neues. In anderen Bereichen wie in der Moral oder im klassischen Familienbild und bei der Hautfarbe sieht dies wieder gänzlich anders aus. Da ist die soziale Mobilität, die auch ein Ausdruck für Offenheit ist, nach wie vor bemerkenswert eingeschränkt.

Die Widersprüchlichkeit in der Außenwahrnehmung (z.B. durch Europa) ergibt sich, weil man einerseits versucht, den Versprechen gerecht zu werden und gleichzeitig will man über sie hinauszuwachsen. Diese Widersprüchlichkeit ist im Gründungshoroskop der USA angelegt. So sehen wir eine Krebs-Sonne im 8. Haus und einen Schütze-Aszendenten mit einem Jungfrau-MC und einem Mond an Grenze zwischen Wassermann und Fische. Wir haben einige dieser Grenzenergien im Gründungshoroskop, was energetisch hochinteressant ist. Und es gibt einige Grundspannungen, die nach wie vor nicht entwickelt gelebt werden. Die Bedeutung der Familie, des Volkes, der Nation, der unglaubliche Pioniergeist und die hohe Außenabhängigkeit, die Kleinlichkeit bei Vorschriften und das emotionale Hin- und Hervaszieren zwischen Aufbruch und Transzendenz spiegeln sich sehr schön wider.

Wie kaum ein anderer Staat ist die USA in der Bestätigung des selbst gefertigten Bildes von der Meinung von außen abhängig. Da schlägt die sensible, vom Außen so sehr abhängige Krebssonne massiv durch – gemeinsam mit der höchst widersprüchlichen Mondenergie, die an der Zeichengrenze steht und nie so recht weiß, wie und wofür sie sich gerade entscheiden soll, denn das ‚gerade‘ gibt es ja so nicht wirklich.

Daher buhlt man regelrecht um positiv-zustimmende Kommentare von außen. Die vielfache Idealisierung, die Verfechtung von ‚höher-schneller-weiter’, das gesellschaftlich empfohlene Wettbewerbssystem, die Leistungsförderung (vor allem durch die protestantische Ethik stark mitgefördert) und eine starke innere Dissenzkultur mit einer breiten Kritikfähigkeit bilden wesentliche Facetten des amerikanischen Selbstverständnisses und basieren auf der Gründungsgeschichte.

Die Ideale dieser eigenen Geschichte sind richtungsweisend und werden als universell beispielgebend bewertet. Gerade diese Idealisierung bietet jedoch eine der großen Angriffsflächen.

Der Schütze-Aszendent ist offenbar dafür verantwortlich, dass die USA aller Welt die Demokratie bringen wollen. What is good for America, is good for the rest of the world! Und das Ganze machen sie ordentlich und gründlich, wie es dem Jungfrau-MC entspricht. Da wird man gerne zum Erbsenzähler und sehr penibel.

Der Schütze-AC mit exakter Opposition zu Uranus symbolisiert den Verlauf der amerikanischen Geschichte. Die Rebellion war schon grundgelegt. Doch dieser AC/Uranus zeigt auch die Gefahr einer rücksichtslosen (Uranus) Kampfbereitschaft (AC), wenn es den amerikanischen Interessen dient und die auf dem Spiel stehen. Im normalen Alltag der USA erlebt man diese Energien vor allem im unbegrenzten Wettbewerb (AC), der auf alle nur möglichen und unmöglichen Gelegenheiten ausgedehnt und der im gesellschaftlichen Rahmen auch erklärt, warum die USA der unbeirrbare Vorreiter der freien Marktwirtschaft sind.

Religion als Teil der Politik

Wie zentral ist Religion heute in den USA und in der Alltagspolitik?
Die Religion ist bis heute ein zentrales, wenn nicht das zentrale Element der amerikanischen Identität. Schon bei der Gründung Amerikas spielten religiöse Gründe eine große Rolle, und religiöse Bewegungen haben die Entwicklung der USA fast vier Jahrhunderte lang geprägt.[13]

Erinnern Sie sich an die Bilder der Inauguration von Joe Biden, der seinen Amtseid mit der Hand auf der Familiebibel ablegte. Man ist geneigt zu sagen – das ist üblich. Es ist also nichts Besonderes und auch nicht Teil einer Show. Wenn Religion zur Show degradiert wird, dann geht es einem wie Trump. Wir erinnern uns auch an die Bilder – foto op genannt – als dieser Anfang Juni 202 mit der Bibel in der Hand vor der St. John’s Kirche, die als die Präsidentenkirche in Washington gilt, stand und die Umgebung dafür räumen ließ. Das Bible Posing brachte ihm sehr viel Kritik ein.

Garniert mit der ziemlich unwirschen Räumung und dem Einsatz von robusten Kräften … das geht gar nicht in DC! Es war ein glatter Missbrauch von religiösen Insignien und von der Kirche. Das wurde ihm – damals Präsident hin oder her – ziemlich schnell klar gemacht. Der Gegenwind war zumindest kurzfristig rau. Und – die Amerikaner haben ein Gedächtnis wie ein Elefant. Auch die Nominierung einer katholisch-konservativen Nachfolgerin für die linksliberale Ruth Bader Ginsburg kam nicht so gut an wie Donald Trump sich das erhoffte. Die Justiz soll doch noch immer drüber stehen, auch wenn sie natürlich integraler Teil der sogen. checks&balances ist, also des von den Gründungsväter bewusst in das Staatskonstrukt integrierte Gleichgewichte der Mächte. …

Doch Religion war immer eine treibende Kraft in der amerikanischen Politik, der Identität und der Kultur.

Das mag uns Europäer erst mal aufmerken lassen, doch es ist so. Religion hat einen derartigen Stellenwert, dass sie in ein Mix gesellschaftlich relevanter Fakten einfließt.

Die Religion prägt den Charakter der Nation, unterstützt die Generierung von Ideen und Vorstellung, wie die Welt auszusehen hätte und beeinflusst die Art und Weise, wie die USA auf Probleme jenseits ihrer Grenzen reagieren. Religion hat einen derartigen Stellenwert, dass sie in ein Mix gesellschaftlich relevanter Fakten einfließt. Kaum eine Universitätsgründung wäre z.B. ohne religiöse Hintergründe möglich gewesen. Das gilt für Harvard genauso wie für Notre Dame und alle anderen Ivy League Universitäten, also die Spitzenuniversitäten, auf die die EuropäerInnen mit Begeisterung hinschielen und sich um die Stipendien reißen.

Wie kam das?

Zunächst prägten religiösen Fundamentalisten bis um 1740 die Kolonien. Besonders Puritaner, denen Europa nicht gottesfürchtig genug war, versuchten, ihren Traum eines ‚besseren Englands, eines neuen Jerusalem auf dem Boden Amerikas zu verwirklichen. Amerika sollte das leuchtende Vorbild für den alten Kontinent werden. Bei den Nachfolgegenerationen der ersten Siedler begann der Zulauf für solche Ideen nachzulassen.

Was blieb, ist ein Erbe, das sich in einem starken Glauben an sich selbst und an Gott manifestiert. Die Religion ist patriotisch und ein Mittel der Politik.

Politiker zitieren in ihren Reden und Publikationen Gott. So jüngst Joe Biden in seiner Inaugurationsrede. Das war genau das, was von einem Teil der AmerikanerInnen auch erwartet wurde. So spricht ein Präsident, wenn es um etwas für das Land geht. Das gehört schlicht dazu. Man vereint. Man spaltet nicht weiter. Man beruhigt präsidentiell und spaltet nicht auf Teufel komm raus. Das ist dem Amt des US-Präsidenten übrigens nicht würdig.

Religion gilt als Teil der politischen Kultur Amerikas, wird als ‚normal‘ betrachtet und daher auch nicht hinterfragt oder gar kritisiert. Religion gilt als Grundlage für das Selbstverständnis, denn man weiß gottgewollt, was Sieg und Frieden bedeuten. Man sieht sich als eine Nation von Gottes Gnaden und die Frage der Freiheit gilt als heilige Frage – oft völlig unverständlich für EuropäerInnen.

Doch unbestritten ist: Vertrauen in Gott seitens eines politischen Führers führt zu Vertrauen des Volkes in den Führer. Dies konnte man bereits bei Washington (God’s Providence als politisches Programm)[14] beobachten und findet sich in aktuellen Beispielen, wenngleich es auch ‚Ausreißer’ gibt und die nach außen gezeigte Fassade nicht immer mit den inneren Werten übereinstimmt. Nicht nur Bill Clinton ist dazuzuzählen, sondern bereits Thomas Jefferson und auch John F. Kennedy. Dies ist übrigens auch ein amerikanisches Grundproblem, das viel EuropäerInnen immer wieder verärgert und die Reputation der USA auch ankratzt.

Die Scheinheiligkeit – hypocracy – ist inkludiert und vor allem durch die radikale religiöse Haltung samt Prüderie, die genau diese Doppelbödigkeit fördert. Sind wie zwei Geschwister. Trump passte da ja auch sehr gut in dieses Bild mit sehr dünnem Boden.

Unzweifelhaft bleibt jedoch die Religion ein wesentlicher Teil des amerikanischen politischen Systems. Religion ist somit eine normative Dimension in der amerikanischen Identität. Sie ist einerseits Ausdruck des amerikanischen Nationalismus, und andererseits Teil einer politisch-theologischen und globalen Ambition. Die Religion wird in den USA sehr oft als Basis für einen gewissen Moralismus herangezogen. Die selbstwahrgenomme Auserwähltheit, der Kampf für den Fortschritt etc. wird religiös-moralisch verbrämt.

Der Moralismus gilt als wesentlicher Bestandteil der amerikanischen Außen- und Sicherheitspolitik. Gleichzeitig wird er zu Unterstützung von Kriegsplänen ebenso herangezogen wie um gegen Kriege zu argumentieren. Die Manichäische Denkweise überlagert diesen stark und führt zum oft kritisierten „Schwarz-Weiß-Denken“. All das ist im Gründungshoroskop mit angelegt und wurde über Jahrhunderte ziemlich exzessiv gelebt.

Interessant ist auch, dass Trump bei keiner Wählergruppe mehr Rückhalt hatte, als bei konservativen weißen Christen. Warum wählten die einen Mann, für den der Glaube offenbar nur ein Lippenbekenntnis ist? Warum bekam er ca. 75 Millionen Stimmen im November 2020 nach all den Eskapaden? Die meisten Pastoren und Priester predigen keine Wahlempfehlungen von der Kanzel herab. Es gibt einige wenige, sehr bekannte Prediger, wie Jerry Falwell Jr. oder Franklin Graham, die im Fernsehen oder Radio eindeutig politisch Position beziehen und Einfluss ausüben. Aber der Meinung, dass man durch Wahlentscheidungen auch Heilsentscheidungen trifft, begegnet man häufiger. Dieses Hochstilisieren von Trump zum Retter und Heilsbringer konnte man auch in der QAnon-Bewegung sehr gut beobachten.[15]

Es gibt zunehmend das Phänomen, dass sich religiöse und parteipolitische Identität decken.

Das gab es in den vergangenen Jahrzehnten nicht im Ausmaß wie von 2016 bis 2020. Es wurde durch Trump in seiner Emotionalität auch befeuert. Heute kann man parteipolitische Zuordnungen aufgrund der religiösen Haltung mit einer hohen Wahrscheinlichkeit vornehmen. Das hat damit zu tun, dass zum einen die Republikaner sehr systematisch die Evangelikalen in ihre Politik integriert haben. Die Verflechtungen sind so eng, dass mittlerweile schon der Witz kursiert, dass “GOP” nicht für Grand Old Party (große alte Partei = Republikaner) steht, sondern für God’s own Party, also Gottes eigene Party.

Doch warum banden sich die Evangelikalen so eng an Donald Trump, der mit seiner Lebensweise, seiner Wortwahl und der Zahl seiner Ehen schon mehrfach bewiesen hat, dass Religion für ihn keine sonderliche Bedeutung hat – es sei denn, sie nutzt ihm?

Es gibt diejenigen, die ihn wirklich für einen gläubigen Christen halten und ihm einen etwas naiven, kindlichen Glauben zugestehen. Manche halten ihn sogar als von Gott gesandt, damit er die Gläubigen in den USA befreit. Der Gedanke geht auch weiter, als manche ihn als eine von der Geistigen Welt gesandte Person sahen, der den Umschwung und einen grundlegenden Wandel in den USA einleiten sollte. Das ist ihm ja offenbar ‚geglückt‘. Er war der Vorreiter für die Plutowiederkehr, die den USA 2022/2023 so richtig bevorstehen.

Trump ist mit seiner Sonne-Uranus-Konjunktion der perfekte Aufbereiter für Veränderung. Denn Uranus erlaubt die freiwillige, spontane, plötzliche Veränderung. Bei Pluto wird die Veränderung energetisch und durch Umstände erzwungen. Doch Trump, das erscheint mir sehr wichtig, ist nicht die Veränderung. Er bricht auf und zerstört, was vorher schon moderte und nur mehr kunstvoll zusammengehalten wurde. Über die Art und Weise kann man trefflich diskutieren.

Die zweite Gruppe lässt sich folgendermaßen umschreiben. Es sind gar nicht so wenige, die ihm das zwar alles nicht so recht abnehmen, in ihm aber eine Art starken Beschützer sahen, weil sie sich in der US-Gesellschaft unterdrückt und an den Rand gedrängt fühlten. „Weiße Christen tendieren zunehmend zu den Republikanern“.

Bedeutet das, dass Religionszugehörigkeit bei den Wahlen 2020 eine große Bedeutung hatte? Ja und nein, denn einerseits nimmt auch in den USA die Zahl der Nicht-Gläubigen zu. Schätzungen zufolge bezeichnet sich ein Viertel der Gesamtbevölkerung als atheistisch. Das merkt man vor allem bei den Demokraten, bei denen Religion eine abnehmende Rolle spielt.

Wenn man von Christen spricht – sind dann vor allem die Evangelikalen oder auch die Katholiken gemeint? Spielen die auch eine Rolle bei der Wahlentscheidung? In zwei Jahren gibt es im Herbst die nächsten Midterms … 2022 als ein in jeder Weise tiefgehendes Jahr.

Also – wer ist wahlentscheidend?

Sehr sogar, denn im Gegensatz zu den Evangelikalen sind die Katholiken heterogener und weniger nationalistisch. Und sie sind aufgrund ihrer religiösen Werte zwischen den Parteien hin- und hergerissen. Bei der Sexualmoral und dem Thema Abtreibung tendieren sie eher zu den Republikanern. Werte der christlichen Soziallehre finden sie eher bei den Demokraten vertreten.

Joe Biden ist der erste katholische Präsident seit John F. Kennedy. Wie wichtig ist das? Das war im Zuge der Wahl nicht ganz unwichtig, weil es eine große Wählergruppe ist und weil er als Option für die politisch gemäßigten Christen ist. Für Wechselwähler könnte es ausschlaggebend gewesen sein, dass Biden gläubiger Katholik ist. Der Schluss lautet:

Vertrauen in Gott seitens eines politischen Führers führt zu Vertrauen des Volkes in den Führer. Und das in „God’s own country“…

Die unterschiedlichen religiösen Strömungen

Die Bedeutung und der Einfluss von unterschiedlichen religiösen Strömungen verändern sich im Laufe der Zeit. Dies ist sehr oft ein „Generationenprojekt“. Besonders in der vergangenen Generation kam es zu einem Bedeutungsaufschwung der konservativen Zweige des amerikanischen Protestantismus. Die liberalen Kreise, welche die Mittelperiode des 20. Jahrhunderts dominierte, verlor an Boden.

Es lassen sich drei große religiöse Strömungen ausmachen:

  1. Fundamentalisten (fundamentalists)
  2. Liberale Christen (liberal Christianity)
  3. Evangelikale (evangelicals)

Alle drei haben ihren Ursprung im Amerikanischen Protestantismus, der seine Wurzeln in den reformatorischen Bewegungen des 16. Jahrhunderts in England und Schottland hat. Alle Strömungen wurden maßgeblich durch die fundamentalistisch-modernistische Kontroverse zu Beginn des 20. Jahrhunderts über die Rolle der Wissenschaft und ihr Zusammenhang zur Religion und zur Schöpfungsgeschichte beeinflusst.

Die drei religiösen Strömungen führen zum Teil sehr unterschiedlichen Grundsatzpositionen zum Thema „Wie soll sich Amerika in der Welt positionieren?“. Aktion bzw. Nichtaktion haben sehr oft ihre Wurzeln in der Grundhaltung zur Welt, d.h. im Optimismus oder Pessimismus der Weltsicht.

Vereinfacht ausgedrückt, sehen sich Fundamentalisten als Pessimisten (um kommen damit dem Realismus durchaus nahe); Liberale haben eine optimistische Grundhalten und Evangelikale stehen für eine Mischung aus beiden.

Bei allem wachsenden Atheismus, man darf die Rolle der drei Bewegungen im politischen Diskurs und in der Entscheidungsfindung keinesfalls unterschätzen.

Universelle Werte (universal values) … Eine Form der Selbstüberhöhung?

Der Glaube an universelle Werte und das Recht des Einzelnen auf die Einhaltung derselben gilt als weiterer konstanter Parameter im amerikanischen politischen System. Diese Werte lassen sich auf das spätere 18. Jahrhundert zurückverfolgen, als die Phase der Dominanz einer liberal-aufgeklärten Elite einsetzte. Sie wurde durch eine Loslösung von England und die beginnenden Ideen der Aufklärung geprägt. Eigentum und Freiheit werden zu einem Synonym.

Diese Eliten drängten auf die Schaffung einer Regierung und Gesellschaft unter einer Verfassung ohne Monarchen. Sie forderten ein Civil Government, die New Freedom, eine liberale Republik mit einer demokratischen Regierung. Thomas Jefferson verankerte in der Unabhängigkeitserklärung das Naturrecht und stellte die Gleichheit aller Menschen in den Mittelpunkt. Jedes Individuum hat unveräußerliche Rechte, zu denen das Recht auf Leben, Freiheit und das Streben nach Glück gehören. Ferner sollten die ‚freien und unabhängigen Staaten Amerikas‘ von jeglicher Treuepflicht gegen die britische Krone entbunden werden.[16]

Thomas Jefferson und andere verankerten in der Unabhängigkeitserklärung das Naturrecht und stellten die Gleichheit aller Menschen in den Mittelpunkt.[17]

Diese universellen und naturrechtlich begründeten Werte bilden den Kern des amerikanischen Credo und des amerikanischen Selbstverständnisses. Sie sind letztlich nicht verhandelbar aus der Sicht der USA. Diese Werte beeinflussen die amerikanische Politik nachhaltig. Sie führten dazu, dass die USA als Beispiel für soziale und politische Möglichkeiten ebenso gesehen wurden (exceptionalism), wie der Eindruck entstand, dass die USA die Welt verändern wollen, um sie sich selbst ähnlich zu machen (universalism).

Das Hervorkehren des Exeptionalismus, die Eigenwahrnehmung, den anderen überlegen zu sein, führt dazu, dass die USA die gefühlte und auch faktische Pflicht und Verantwortung – aus ihrer Sicht – haben, als Beispiel für den Rest der Welt voranzugehen. Immer in der Eigenwahrnehmung.

Wenn man astrologische Aspekte in diese Betrachtung einbindet, dann sieht man Saturn in der Waage, der für die amerikanische Überzeugung, dass Wettbewerb unter fairen Bedingungen die beste Methode ist, eine Gesellschaft zu entwickeln, steht. Das bedeutet, dass Schummeln und Schwindeln ein sog. no-go sind. Wie Trump es doch schaffte, so derart viele WählerInnen auf sich zu vereinen, steht damit in einem diametralen Gegensatz. Auch darüber könnte man nachdenken, ob dies vielleicht ein nicht bewusst und nicht entwickelt gelebter Saturn in Waage ist …

Zudem kommt die o.a. Moral hinzu und Verstöße werden geahndet. Das zeigt sich z.B. im schulischen und universitären Bereich, wo das Erschleichen von Prüfungsergebnissen und Plagiate nicht nur ein Rechtsverstoß sind, sondern auch moralisch äußerst scharf gerichtet werden. Das macht auch vor sehr bekannten SchauspielerInnen nicht halt. Auch die müssen für diesen Rechtsverstoß ins Gefängnis.

Es ist also ein spezielles Verständnis von Wettbewerb, von gleichen Möglichkeiten, von Chancen, wenn man sie will, die auch in das amerikanische Selbstverständnis einfließen. Jede/r soll die Möglichkeit haben. Was daraus gemacht wird, steht auf einem anderen Blatt. Das ist zumindest der Wunsch, das Ideal.  

Da aber Saturn an der Spitze des 11. Hauses (Wassermann) steht, wird hier einerseits ein rebellisches Verhalten angesprochen; andererseits auch eine Haltung der Zielstrebigkeit und des Fleisses (auch der Härte gegen sich selbst).

Erfolg wird zu einem letzten Maßstab auch über moralische Prinzipien nach der Devise: Wer Erfolg hat, ist im Recht. Auch wenn dies im juristischen Sinn natürlich nicht so ist. Doch der Widerspruch ist immer wieder aufzulösen.

Jupiter in Konjunktion mit Venus im Krebs-Zeichen an der Spitze des 8. Hauses symbolisiert den expansiven Drang der amerikanischen Politik. Es werden mit einer gewissen Naivität (jedoch durchaus mit großem Geschäftssinn) die sogen. ‚Segnungen‘ der amerikanischen Zivilisation – von der Demokratie bis zu Coca-Cola und McDonald’s, Apple, Elon Musk, Amazon, Hollywood etc. pp – den übrigen Ländern der Welt geradezu aufgedrängt (Schütze-AC), was in der Konsequenz zu einem Kultur-Imperialismus führte. Man fühlte sich bevormundet und überrollt von diesen Segnungen, die oft nicht zu dem Land passten, dem sie so angepriesen wurden. So entstand – gekoppelt mit der erwähnten Scheinheiligkeit – auch das Bild vom ‚hässlichen Amerikaner‘ – ob zu Recht oder zu Unrecht, das sei dahingestellt.

Da die Sonne der USA im Krebs steht und mit Saturn in Waage Spitze Haus 11 ein Quadrat bildet, drückt sich in dieser Konstellation auch der patriotische Wille (Sonne in Krebs) aus, dass Amerika zuerst (Quadrat) kommt, und alles, was Amerika Erfolg (Saturn Spitze 11) bringt, auch gut für die Welt (Waage) ist.

Dieser Gedanke zieht sich auch in der Folge weiter durch. D.h. America first ist nicht eine Trump’sche Erfindung, sondern man findet diesen Gedanken in unterschiedlichen Interpretationen immer wieder. Er ist grundgelegt, wenn man so will.

Es geht vor allem darum, dass es den AmerikanerInnen gut geht und die USA nicht zu viel an Lasten, auch an finanziellen Lasten tragen. Missionierung ist ja ok. (=Schütze-AC), doch so viel soll sie nun auch nicht kosten (=Jungfrau-MC), und wenn, dann wollen wir die kleinerbsige Abrechnung; da können die Amerikaner sehr lästig und auch durchaus nachtragend sein. Einfluss ja, doch für möglichst kleines Geld. Wenn man im großen Stil investiert, dann nur gegen einen ordentlichen Return on Investment.

Manche Erfahrung in internationalen Organisation steht dafür. Übrigens ist auch davon auszugehen, dass Joe Biden mit seiner Regierung dem Motto America first anhängen wird – müssen. Denn – es ist unglaublich viel aufzuräumen, zu wandeln, zu heilen. Sie erinnern sich, der Pluto-Return. Das bindet Ressourcen aller Art im Inneren. Für externe Geschichten und Ausflüge sind nur wenige Ressourcen übrig. Es wäre schwer zu argumentieren, einen Krieg anzufangen und die eigenen Leute zu Hause noch mehr zu vernachlässigen, vor allem weil sich nur die Defizite aus der Ära Trump zeigen.

Man kann mit viel in den USA umgehen, doch für einen Bürgerkrieg und sog. civil unrest (also vor allem in Großstädten dauernder ziviler Ungehorsam, der in Unruhen umschlägt – wie es ja immer wieder vorkommt, wie z.B. 2020) hat man wenig Begeisterung. Das weckt sehr unschöne Erinnerungen, auch wenn manche Kommentatoren weniger optimistisch sind als ich.[18]

Ein auf den ersten Blick widersprüchlich erscheinender Grund könnte dafür die Heimatliebe sein. Sie ist in Amerika tief verwurzelt (=Krebs-Sonne in 8.). Man lässt sich für die Traditionspflege sehr viel einfallen – jedoch hat der Patriotismus auch seine pathologischen Züge, die bis in den Verfolgungswahn reichen (=Pluto nicht entwickelt gelebt, der dem 8. Haus zugerechnet wird). Ferner ist für diese widersprüchliche Haltung mitverantwortlich, dass es diese Möglichkeit überhaupt gibt, die Stellung des Mondes an der Grenze zwischen Wassermann- und Fische-Zeichen. Bei dieser Mondstellung vermischen sich das uranische und das neptunischen Prinzip.

Da diese Energieverbindung nur äußerst schwierig in einer echten Balance gelebt werden kann, droht die Gefahr, dass Uranus oder Neptun allein das Handeln bestimmen, wobei die entgegen stehende Energie (neurotisch) aus dem Hintergrund wirkt. Für die USA ist eine extrem aggressive (Uranus) Politik (Waage) typisch, die aber idealistisch (Neptun) begründet wird, indem die USA sich als das Land der Freiheit und Demokratie darzustellen versuchen.

Auch astrologisch lässt sich vieles in der sogen. Amerikanischen DNA sehr schön darlegen und begründen.

Providence – Manifest Destiny – Exceptionalism – Mission – Crusade -Messianic Imperialism

Diese Schlagworte bilden Amalgam an Facetten, die ebenfalls aus der amerikanischen Geschichte herleitbar sind. Die einzelnen Elemente hängen miteinander zusammen und formen so einen wesentlich Teil des amerikanischen Selbstverständnisses und des Amerika-Bildes. Dieses umfasst folgende Elemente:

  • Das Sendungsbewusstsein (Mission, Crusade, Frontier) ist sowohl der Gründergeneration als auch den Vertretern der Aufklärung und der liberalen Ideen gemeinsam. Gleiches gilt für die Anerkennung der neuen ‚Staatsdoktrin‘, nämlich das Streben nach Glück (pursuit of happiness). Es steht auch als Synonym für den ‚amerikanischen Traum‘. Nachdem man die Frontier zu Hause beschlossen hatte, konnte man sich dem außen zuwenden. Diese Art der Frontier war in den Ursprüngen ökonomisch induziert (Erschließung und Sicherung von Lebensräumen und Absatzmärkten). Sie erstreckte sich auf Lateinamerika und den Pazifikraum. Im 20. Jahrhundert erfuhr die Frontier eine globale Ausdehnung, wenngleich in einer etwas veränderten Konnotation.
  • Messianismus ist Teil dieser ‚Staatsdoktrin’. Amerika wurde als das perfekte Modell für die gesamte Menschheit gesehen – in der Eigenwahrnehmung.[19] Daraus entstand ein Messianic Imperialism, der nicht immer auf Zustimmung von außen stieß.[20] Dies ist insofern bemerkenswert, als die amerikanische Geschichte auch stark von antikolonialen und antiimperialen Traditionen stark geprägt ist. Sie ergaben sich aus dem Unabhängigkeitsstreben der ehemaligen britischen Kolonien. Dieses Freiheitsstreben wurde erstmals in der Unabhängigkeitserklärung von 1776 festgeschrieben. Gleichzeitig sind die USA eine expandierende Gesellschaft. Damit ist auch erklärbar, warum die USA einen selbstzentrierten Ansatz wählen, sich als das center of the universe sehen, … „being the exclusive holder of the only civilized values and standards that matter, and having nothing to learn from the rest of the world. … American statecraft is not, in the first instance, about “them”; it is about “us”, …[21]
  • Der Glaube an die eigene Auserwähltheit: American Exceptionalism – der Begriff wurde von Alexis de Tocqueville geprägt: Die USA unterscheiden sich in ihrer umfassenden Qualität von anderen Staaten aufgrund der einzigartigen Ursprünge, Wurzeln, dem nationalen Credo, der historischen Entwicklung und der unterschiedlichen politischen und religiösen Institutionen. Die USA und die Amerikaner haben einen besonderen Platz in dieser Welt, der sich auch aus der Binnenstruktur und den daraus ableitbaren Möglichkeiten erklären lässt. Daraus wird eine moralische Überlegenheit abgeleitet, die auch mit Providence begründet wird. Auch der republikanische Rahmen mit seinen strikten checks&balances wird als Begründung herangezogen. Da es keine Nobilität gibt, steht die protestantische Arbeitsethik im Vordergrund. Der Exeptionalismus äußert sich auch darin, dass man aus der selbst wahrgenommenen Einzigartigkeit eine gewisse Überlegenheit ableitet. Diese Überlegenheit befugt beispielsweise dazu, sich außerhalb bestimmter Rechtsnormen zu stellen, Institutionen abzulehnen, die eigenen Werte als die ‚einzig richtigen‘ Werte hinzustellen und sich im Agieren in der internationalen Ordnung weder zu rechtfertigen noch in Frage stellen zu lassen.[22]
  • Die Vorsehung (Providence) – ein untrennbarer Bestandteil von Calvins religiösem Programm – spielt im amerikanischen Selbstverständnis auch eine bedeutende Rolle. Im Calvinismus, dem gedanklichen Ausgangspunkt, wird angenommen, dass Gott eine umfassende Souveränität über den Menschen hat. Gott hat einen Plan für die Welt und jeder Mensch ist durch ihn geführt. Auch dem Calvinismus verwandte Religionen wie der Baptismus und der Presbyterianismus hängen der Vorsehungsthese an. Ähnliche Gedanken finden sich auch im Judentum und der jüdischen Philosophie.
  • John O’Sullivan prägte den Begriff der Manifest Destiny (d.i. das göttliche Recht, Nordamerika zu besetzen; der Begriff wurde von Demokraten während der Präsidentschaft von Jackson eingeführt), der erstmals im Zusammenhang mit der Annexion von Texas 1845 verwendet wurde. Er umschrieb damit eine Vision eines Amerikas vom Atlantik bis zum Pazifik. Amerika musste geeint werden, da es ein organisches Ganzes ist. Daher sind die Grenzen der Freiheit auszudehnen. Die Manifest Destiny stand in engstem Zusammenhang mit der Frontier und der Eroberung Texas’, Mexikos und anderer lateinamerikanischer Gebiete. Rational gegründet, wurde die Manifest Destiny mit handfesten wirtschaftlichen Problemen (Depression 1818 und 1839), der wachsenden Einwanderung und den damit einhergehenden Platzmangel, dem Besitz von Land, welcher mit Reichtum gleichgestellt wurde und dem Drang, sich selbst zu entwickeln. Mittlerweile kann man auch eine „geistige Frontier“ nennen, die sich z.B. in der Propaganda nach dem Zweiten Weltkrieg ausdrückte und im Satz von What is good for America, is good for the rest oft he world auch widerspiegelt – ob zu Recht oder zu Unrecht, sei dahingestellt.

Diese Konzepte führten im 19. Jahrhundert zu eigenen Denkschulen über die Rolle Amerikas in der Welt, wobei diese Rolle oft expansionistisch oder isolationistisch (Fortress America- und Battleship America), nativistisch oder universalistisch gesehen wurde. Auch hier kommt der Überlegenheitsaspekt hervor.

Ähnlich lässt sich erklären, warum die USA annehmen, dass alles, was für sie gut ist, auch für den Rest der Welt gut sein muss (wohl auch aufgrund der Eigenwahrnehmung einer rassischen Überlegenheit und der göttlichen Prädestination).

Zur Verbreitung des ‚amerikanischen Traums‘ wurde die teilweise gewaltsame Ausweitung des Territoriums als gerechtfertigt gesehen. Ebenso dominierten ab dem Bürgerkrieg Wirtschaftsinteressen das sich nun entwickelnde nationale Interesse. Ein liberaler Imperialismus bzw. Imperialismus des Idealismus zeichnete immer wieder bestimmte Phasen amerikanischer Politik aus und ist im tiefen Glauben an universalistische Werte (z.B. Demokratie, Freiheit, Eigentum) verwurzelt; diese Werte sind – so die amerikanische Sichtweise – für die gesamte Welt positiv und werden daher mit missionarischer Überzeugung durch die Politik – notfalls auch ohne Verbündete (new unilateralism) – durchgesetzt.

Das Bild der USA als Befreier, die Schwarz-Weiß-Malerei in der Ansicht – beides ist Teil der amerikanischen Eigen- und Fremdwahrnehmung. Diese Ideen sind teilweise ahistorische supranationale Prinzipien, die immer und überall Gültigkeit besitzen. Daraus resultieren ein gewisser ‚ideologischer Nationalismus‘ und ein neuer Universalismus. Das hat sich unter Trump nicht verändert. Es mag nur ein bisschen weniger aufgrund der Dominanz seiner Person am Radar gestanden haben.

Das Demokratieverständnis und das Ansinnen, Demokratie zu verteidigen, fallweise aber auch mit Mitteln der Gewalt zu verbreiten (aus europäischer Sicht ein Widerspruch in sich!), fanden seit Wilson Platz in der Politik aller U.S.-Präsidenten bis Bush. Das absolute Sicherheitsstreben war mit der Annahme einer moralischen Überlegenheit untrennbar verbunden. Auf dieser religiösen Basis gründen heute Liberale, aber auch viele Mitglieder der ‚christlichen Rechten‘ die Auffassung, dass die USA eine besondere Mission hätte.

Die ‚Evangelical Christians‘ haben vereinfachte, biblische und historische Annahmen; ihr Einfluss auf die nationale Politik und Kultur war lange Zeit eher gering. Unter George W. Bush konnte diese Gruppe gemeinsam mit anderen Bible Belt Gruppen starken Einfluss auf die Politik und die gesellschaftliche Gestaltung (z.B. Nachbesetzung Supreme Court, in Fortsetzung unter Trump, wobei es dem nicht um religiöse Motive ging, sondern um seine Macht zu zementieren und den Supreme Court für seine Interessen zu gängeln, was ja nicht gelang) gewinnen.

In der gegenwärtigen Konstellation unterstützte diese Gruppe zusätzlich die Ideen von der Auserwähltheit Amerikas, sehr oft verbrämt – gelegentlich auch sehr offensichtlich.

Unilateralismus bei gleichzeitigem Multilateralismus … reicht Instinktpolitik aus?

Der amerikanische Isolationismus geht bereits auf die Gründungsväter zurück. America First ist als NICHT die Erfindung von Donald Trump. Der gedankliche Ausgangspunkt findet sich in den Federalist Papers,[23] in George Washingtons Farwell Address, als er aufgrund der damaligen internationalen Situation seinen Landsleuten empfahl, Amerika nicht zum Spielball zwischen Frankreich und England (Kriegsausbruch 1793) werden zu lassen. Washington meinte, man solle sich von Europa fernhalten, auf Allianzen nur für Notfälle vertrauen und ansonsten besser alleine agieren bzw. sich neutral verhalten (‚avoiding foreign entanglement’).

Damit handelt es sich um eine Spielform des Isolationismus, der sehr stark im selbstzentrierten Nichtengagement gründet. Ob Trump je die Federalist Papers gelesen und durchdrungen hat, soll hier unkommentiert stehen bleiben. Ein Instinktpolitiker wie er braucht das vielleicht gar nicht …

Ein Notfall war die Allianz mit Frankreich (1778). Wahrscheinlich hätte man nicht so rasch die Unabhängigkeit Amerikas erreicht. Bereits 1800 traten die USA wieder aus dem Vertrag aus. Die Allianz wurde, so der damalige Außenminister Jefferson, als natürlich und zweckmäßig angesehen. Beide Staaten haben sich von ihren Königen losgesagt und wurden Republiken. Beide Staaten hatten eine freie und kritische Presse.

Frankreich half Amerika in der Schlacht von Saratoga (1777) und es waren die Franzosen, die Yorktown ermöglichten. Washington hingegen war anderer Meinung. Er sah große Unterschiede zwischen der Französischen Revolution und der Amerikanischen Revolution. Vor allem aber erkannte Washington, dass Amerika als Spielball zwischen Frankreich und England (Kriegsausbruch 1793) diente. In seiner Neutrality Proclamation ermutigte er die Amerikaner, mit beiden Seiten Handel zu treiben, aber sich mit keiner Seite zu verbünden.

Bis zur Gründung der NATO (1949) schloss man sich keiner Allianz an. Die NATO wurde laut Lord Ismay unter folgendem Motto gegründet: „… to keep the Russians out, the Americans in, and the Germans down.“ Damit wurde für Jahrzehnte ein bemerkenswerter Widerspruch in einer Institution von Rang zementiert. Man kann dies auch an den seit Jahrzehnten laufenden amerikanischen Forderungen nach mehr finanzieller Beteiligung durch die europäischen Verbündeten ablesen. No imperial overstretch, keine Überdehnung – vor allem wenn es nicht den uramerikanischen Interessen dient.[24]

Die USA machen und gehen gerne voran, wenn es ihren Interessen dient. Doch zusammenräumen tun die anderen. …

Gleichzeitig waren die Open Door und Freedom of the Seas-Forderungen Fixbestandteile der amerikanischen Politik vom ausgehenden 18. Jahrhundert bis weit ins 20. Jahrhundert hinein. Wirtschaftliche Interessen gelten als Schlüsselfaktor bei der Definition nationaler Interessen der USA. Ein robustes und dauerhaftes Wirtschaftswachstum ist ein zwingendes und unbedingtes Ziel.

S.-Regierungen ließen nie einen Zweifel daran, dass Multilateralismus nur instrumentellen Charakter hat.

Kooperationen wurden und werden dann getätigt, wenn es den eigenen Interessen dient und ein kooperatives Verhalten zu einem besseren Ergebnis führt als nicht-kooperatives Verhalten. Multilateralismus wird sehr pragmatisch als Vehikel zur Durchsetzung von Ideen und Interessen gesehen und ist nicht Selbstzweck. Daran wird sich auch an einer/einem neuen PräsidentIn nichts ändern.

Geographische Lage und Beschaffenheit des nordamerikanischen Kontinents … keine Insel der Seligen?

Die Selbstwahrnehmung und die Konstanten in der amerikanischen Außenpolitik, im Selbstverständnis und in der Identität sind auch durch die geographische Lage bedingt. Links und rechts Wasser. Oben und Unten schwache Nachbarn (auch wenn die das nicht so hören und lesen mögen). Doch die Geographie beeinflusst die USA in ihren Möglichkeiten sehr. Die faktische Insellage Amerikas gilt als eine weitere strategisch relevant Komponente, welche das politische Denken beeinflusste und Amerika gegen Europa und europäische Ideologien einnahm.

Betrachtet man die geographische Lage, so präsentieren sich die USA als ‚Insel‘, welche in der Dimension der Gegenküste denkt. Diese Dimension war von Beginn an politikbeherrschend. Die Umgrenzung mit Wasser, welches gleichzeitig Grenze und Schutz war, im Westen und im Osten, und zwei relativ schwache Nachbarn im Norden und im Süden prägten und prägen nach wie vor strategische Überlegungen.

Mission, Crusade, die Frontier und die Maritime Strategy geprägt von Alfred Thayer Mahan (1840-1914) hatten maßgeblichen Einfluss auf das strategische Denken aller Präsidenten seit Theodore Roosevelt. Bis heute findet auch noch das Gegenküstenkonzept von Nicholas Spykman Anwendung. Dies ist eine amerikanische Überlegung, die in europäischen Konzepten (ausgenommen in den Überlegungen Großbritanniens) aufgrund der geographischen Lage (Kontinentallage) keinen Platz finden konnte. Sie wäre auch nicht sinnvoll gewesen.

Aus diesem Blickwinkel ist auch die Gründung der NATO zu sehen. Für Washington bot sich die Möglichkeit, Europa, Deutschland und Japan militärisch ruhig zu stellen. Damit konnte Europa auch nicht mehr einseitig agieren.

Psychologie und Verwundbarkeiten – warum werden diese beiden Fakten so wenig beachtet?

Die Rolle der Psychologie und der Verwundbarkeit spielte Jahre keine bedeutende Rolle, da man sich überlegen fühlte. Eine Attacke auf eigenem Territorium erschien bis 2001 bestenfalls eine theoretische Möglichkeit, die sich nach dem Ende des Kalten Krieges noch weitere verringerte. Die Insellage erforderte keinen hohen Verteidigungsaufwand.

Die USA wurden – nimmt man die englischen Angriffe von 1812 und Pearl Harbor (1941) als Sonderfälle, praktisch nie am eigenen Territorium attackiert.

In den Köpfen der Amerikaner sind diese Ausnahmen tief verankert. Gleichzeitig entwickelte man eine sehr niedrige Toleranzschwelle hinsichtlich möglicher Bedrohungen.

‚9/11’ hat diese Wahrnehmung noch verstärkt und die Bereitschaft erhöht, alle nur erdenklichen Maßnahmen zu ergreifen. So wird es verständlich, dass George W. Bush besonders 2001 und 2002 mit einer ungeteilten Zustimmung für Antiterrormaßnahmen rechnen konnte.

Die Ereignisse vom 6.1.2021 haben in den USA einen nachhaltigen Schock ausgelöst, weil dies seit Bürgerkriegszeiten und den Rassenunruhen in den 1960er Jahren als undenkbar galt, dass die eigenen Leute aufeinander losgehen. Demonstrationen ja. Black Lives Matter, ja natürlich. Temporäre Unruhen wie z.B. in Los Angeles 1992. Portland 2020, keine echte Überraschung an der Westküste.

Ja, das ist einer multiethnischen Gesellschaft innewohnend, wenn es auch nicht schön ist. Doch der Sturm des Kapitols, das Heiligste der amerikanischen Demokratie – das war eine völlig andere Kategorie. Nichts davon kam über Nacht. Nichts davon war überraschend. Über die Hintergründe, die meiner Meinung nach sehr vielschichtig sind und bei weitem noch nicht klar sind, insb. über die Rollenverteilung Vorort, informieren Sie sich.

Es ist eine exzellente Gelegenheit, das Unterscheidungsvermögen zu trainieren. Denn: Es gibt nicht nur die eine Wahrheit. Es gibt auch nicht nur den einen Grund und den einen Auslöser. Es ist auch eine wundervolle Möglichkeit, Ereignisse und Prozesse aus einer höheren Perspektive zu sehen und zu beobachten, was sich enthüllt.

Die amerikanische Version des Liberalismus – wie und wo sind die USA tatsächlich liberal?

Die USA sind unzweifelhaft einer der liberalsten Staaten. Es gab keinen Staat, der derart nahe an die Geschehnisse des Liberalismus des 19. Jahrhunderts (z.B. Eingrenzung der Möglichkeiten des Staates, Laissez-faire, Individualismus) angebunden war und gleichzeitig so wenige konservative Elemente (i.S. von noblesse oblige, Verantwortung von Eliten, sich um die Massen zu kümmern) übernahm wie dies bei den USA der Fall ist.

Im Bereich der Wirtschaft hingegen wird man kaum ein konservativeres Land als die USA finden. So wurde immer wieder argumentiert, dass die USA keine für Europa typische Linke und politische Mitte aufweisen. Daher geht man mit sozialen und wirtschaftlichen Fragen anders um als dies in Industriestaaten üblich ist. Dies stimmt nur bedingt, wenn man sich aktuelle Aufteilungen der beiden großen Parteien und ihrer Flügel ansieht. Es gibt in beiden Gruppierungen eine sogen. Mitte. Sie wurde jedoch bislang nicht separat ausgewiesen. Zudem gibt es in den USA das Schreckgespenst des Kommunismus. Daher werden von Demokraten lancierte Ideen oft reflexhaft als kommunistisch abgestempelt. Doch dies ist ein Reflex in einem Land, das als ein Extrembeispiel für Individualismus gilt. Der Staat, der Bund, die Regierung in Washington spielt naturgemäß eine differenzierte Rolle. Auch das ist von Gründungsväter, die auch ob der Größe des Landes föderale Strukturen bevorzugten, so gewollt.  

Dieser Zusammenhang war bislang die Triebfeder dafür, dass man bereit war, hohe Einkommensunterschiede ebenso zu akzeptieren wie in einem extrem dünnen sozialen Netz zu agieren. Wie dünn dieses Netz ist, zeigte sich 2020 sehr deutlich. Hier wird es unter Biden zu Nachjustierungen kommen, denn es gibt eine derart hohe Fallzahl von jenen, die durch das Netz fielen. Hier wird eingreifen müssen, weil auch das Konfliktpotenzial enorm ist.

Ähnliches gilt für die innere Verpflichtung des Einzelnen, sich laufend zu bilden, sich freiwillig für gemeinnützige Aktivitäten zu engagieren und den persönlichen Gewinn an oberste Stelle des Zielekatalogs zu platzieren.

Aus diesem losen Gemeinwesen wird der Glaube an universelle Werte abgeleitet. Liberalismus präsentiert sich in den USA als ein zweischneidiges Schwert: Einerseits ist man bereit, eine Führungsrolle zu übernommen; andererseits tut man sehr viel, um sich gegen den Einfluss von außen zu wehren und eigenständig zu bleiben.

Astrologisch lässt sich dies sehr schön über die Himmelsmitte (MC) interpretieren. Da das MC (als weiteres Saturn-Prinzip) in der Jungfrau steht … kann man davon ausgehen, dass noch einmal die Leistungsbereitschaft betont und durch die Jungfrau-Energie auf die Arbeit bezogen wird – und das fordert man auch von anderen. Wer hart arbeitet, bringt es zu etwas, unter Umständen vom Tellerwäscher bis zum Millionär – auch das ist ein amerikanischer Glaubenssatz, gewissermaßen die Quintessenz des American Dream, der auch als eine Art von universellem Wert gilt – und letztlich durch den Kapitalismus und dem Streben nach Eigennutz forciert wurde. Wie sich genau dies im aufkommenden Zeitalterwechsel zeigen wird, bleibt spannend. Denn: die Zweischneidigkeit, die Polarität, die hat ausgedient.

Es geht um etwas Neues auf einer höheren Ebene, um ein neues Wirgefühl, das sich eben nicht nur in einer schönen Nachbarschaftshilfe erschöpft, sondern global greifen wird.

Zusammenfassend … Wer und was ist Amerika?

So, who are we, we Americans? We’re a priesthood of all believers in a civil religion that combines, often uneasily, the universals preached by Christian evangelism and the universals posited by the Enlightenment – a civil religion that blesses all sects but stand above them in the manner of a grand Freemason lodge. We’re mater builders pledged to complete the unfinished pyramid under the All-Seeing Eye of Providence that appears on our Great Seal and one-dollar bill. We’re revolutionaries devoted to creative destruction and even creative corruption so long as it hastens the arrival of a future we assume will be better than the present. We’re jealous people who react ferociously against all who dare interfere with our pursuit of happiness. And we’re a nation of hustlers and self-reinventors ready to do or believe whatever helps us worship God and Mammon, and thus feel good about doing well.[25]”

Die amerikanische Eigenwahrnehmung und das daraus abzuleitende strategische Gedankengebäude basiert auf einer Mischung an Einflussfaktoren, die teilweise widersprüchlich sind und für Außenstehende überzogen und wurzellos wirken. Dies lässt sich – auch – astrologisch aus dem Gründungshoroskop herauslesen.

Im Zentrum des Selbstverständnisses steht ein sich laufend weiterentwickelnder Gesellschaftsvertrag, der jedoch sehr vergangenheitsorientiert wird – auch wenn man die Rebellion quasi eingepreist hat. Man ist Amerikaner, in dem man eine Wahl trifft und nicht sich auf historische Erbschaften beruft. Es ist ein klarer aktiver Schritt in Richtung Bekenntnis und ein ebensolcher Schritt, eine konkrete Wahl zu treffen. Selbsterschaffung lautet das Prinzip. Daher kann man auch mit nichts beginnen und dennoch sehr viel erreichen. Es hängt vom einzelnen und seiner Wahl ab. Daraus ergibt sich ein ausgeprägter Individualismus, der durch einen gesellschaftsimmanenten Zwang zum Philantropismus abgemildert wird. Die amerikanische Gesellschaft ist ein Amalgam aus Wahlfreiheit, Traditionen, Ideen und Möglichkeiten. Dieser Eklektizismus ist mittlerweile ein amerikanischer Wert.

Wie diese Mischung an Komponenten den Pluto-Return überleben wird und was ein mögliches Ergebnis sein kann, das bleibt abzuwarten. Wir dürfen jedoch von einem grundlegenden Wertewandel in den USA ausgehen. Dies ist ein Prozess, der sich über Jahre erstrecken wird, weil die Grundfesten gewandelt werden müssen, wenn man als Gesellschaft überleben will und Akzente auf globaler Ebene setzen will.

Aus diesen Rahmenparametern für das amerikanische politische System lässt sich erkennen, dass idealistische, liberale Vorstellungen mit machtpolitischen Elementen versetzt wurden. Realistische Argumente und liberale Ansätze werden, je nach nationalem Interesse, zu politischen Orientierungen. Es liegt also weder eine offensive noch eine defensive Haltung vor, sondern eine Konzeption, die von den nationalen Interessen und historisch begründbaren Parametern bestimmt wird. Was auf den ersten Blick als Widerspruch erscheint, gilt in den USA als ‚politische Normalität‘ und folgt einem traditionellen Grundverständnis.

In dieses Grundverständnis ist die Rolle der USA in der Welt eingebettet – auch unter Joe Biden. Denn – daran konnte auch ein Donald Trump nichts wirklich verändern. Doch er konnte Bewegung anstoßen, deren Ergebnisse sich erst nach 2023/24 zeigen werden. Bis dahin ist es ein langer, oft schmerzhafter Weg für das Land und die Menschen. Dessen ist sich die neue Regierung bewusst und sie weiß, sie muss rasch liefern. Doch entziehen können sich die USA diesem Weg nicht. Das ist bei den vorherrschenden Energien nicht möglich.

Referenzen

[1]            Wenn Sie diese interessiert, so können Sie sie unter folgenden Links nachlesen und nachhören: https://www.thenationalnews.com/world/the-americas/transcript-president-joe-biden-s-inauguration-speech-in-full-1.1150710 (sowohl Audio als auch in Textform), Abfrage am 25.1.2021.

[2]            Ich empfehle dazu z.B. die YouTubekanäle von Robert Cosmar und Pam Gregory, beides exzellente AstrologInnen, mit der nötigen Distanz, Fachwissen und doch mit viel Ehrlichkeit regelmäßig darlegen, was den USA und damit auch uns bevorstehen kann, wenn man die Energien liest – fern von gängigen Verschwörungstheorien und Fabrikationen. Dass die USA der Dreh- und Angelpunkt für den global change, wo wir schon mittendrin sind, ist, gilt mittlerweile als unbestritten. Ich habe dazu ja auch in meinen Essays im November 2020, Dezember 2020 und Januar 2021 ausführlich Stellung genommen. Auch auf meinem PodCast vom 21.12.2020 bei Spirit Online kann man dazu im Detail nachhören:

https://spirit-online.de/die-menschheit-am-weg-in-die-koenigsenergie.html

https://spirit-online.de/die-koenigskonstellation-als-erste-erleichterung-ende-2020.html

             https://spirit-online.de/astrologie-energetische-tour-dhorizon-fur-das-1-quartal-2021.html

https://cdn.podigee.com/podcast-player/podigee-podcast-player.html?configuration=https://spirit-online-podcast.podigee.io/3-astrologie/embed?context=external&amp=false

[3]            Für astrologisch Interessierte unter den LeserInnen: Die Daten lauten: 4 Juli 1776, 17:10 Ortszeit, Philadelphia, PA; dies ist das sog. “Sibly Horoskop”. Es wurde 1787 publiziert und beruht auf Berichten von Augenzeugen, die bei der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung anwesend waren. Verbreitet ist noch ein anderes Horoskop der USA, das einen Zwillingsaszendenten ergibt, jedoch keine historische Begründung vorzuweisen hat.

[4]            Ich habe dazu im Rahmen meiner Forschungstätigkeit mehrere Veröffentlichungen verfasst, die alle aus den Jahren 2007/2008 stammen und nichts an Gültigkeit verloren haben, da es sog. enduring parameters gibt, d.h. Aspekte, die alle Präsidentschaften überdauern, wenngleich sie immer wieder angepasste Deutungen erfahren. Damit zeigt sich, dass es etwas Dauerhaftes gibt, das jedoch immer wieder soft angeglichen wird. Daran kann auch ein Donald Trump nur wenig verändern. Ob diese Parameter dem mittlerweile oft zitierten Pluto-Return standhalten werden, also der Wiederkehr des laufenden Pluto, der in Konjunktion mit dem Radixpluto des Gründungshoroskops der USA, das bleibt abzuwarten. Es gibt schlicht zu wenige Beispiele an Staaten, die diese Erfahrungen bislang machten. Daher als Grundlage beispielhaft folgende Veröffentlichungen, die nach wie vor hohe Gültigkeit haben, was erstaunen mag. Das liegt daran, dass die Außenpolitik der USA tatsächlich viel konstanter und absehbarer ist als EuropäerInnen dies vermuten.

             U.S. Foreign Policy from Bush to Bush: Enduring Parameters and Policy Options, Part 1: Basic Considerations-The American Political System-Constitutional and Institutional Provisions-National Interest – Ideational Framework, AARMS, Vol 7, 2008, pp. 73-95.

             U.S. Foreign Policy from Bush to Bush: Enduring Parameters and Policy Options, Part 2: Bush41-Clinton, AARMS, Vol 7, 2008, pp. 97-115.

U.S. Foreign Policy from Bush to Bush: Enduring Parameters and Policy Options, Part 3: The Bush43 Presidencies – Policy Options for a New President, AARMS, Vol 7, 2008, pp. 117-141.

What makes America America, Worldsecuritynetwork, 30.3.2007.

             Die amerikanische Außenpolitik unter einem neuen Präsidenten: USA – Quo Vadis?, Vortrag vor dem Club Alpbach Wien, 06.11.2007.

             USA: Quo vadis, Vortrag im Rahmen des Strategie Forums, Landesverteidigungsakademie, Wien, 09.10.2007.

             USA: Konstanten der Außen- und Sicherheitspolitik, Strategiebildung des Nationalen Sicherheitsrates; Möglichkeiten des neuen Präsidenten, Vortrag im Rahmen des Seminars des Pädagogischen Instituts des Bundes, Wr. Neustadt, 25.09.2007.

[5]            Auch wenn namhafte Politikexperten dies anders sehen mögen, z.B. wie der von mir sehr geschätzte Richard Haass in seinem aktuellen Beitrag „Present at the Destruction. Trump’s Final Act Has Accelerated the Onset of a Post-American World,  https://www.foreignaffairs.com/articles/united-states/2021-01-11/present-destruction (Abfrage am 11.1.2021)-

[6]            Declaration of Independence, http://www.yale.edu/lawweb/avalon/declare.htm (Abfrage 2.1.2021).

[7]            Siehe z.B. im Originaltext: https://www.archives.gov/founding-docs/declaration-transcript (Abfrage 13.1.2021)

[8]            Das Gedicht kann man nachlesen unter in deutsch: https://www.rnd.de/kultur/amanda-gorman-gedicht-auf-deutsch-lesen-sie-hier-die-ubersetzung-und-das-original-the-hill-we-climb-QOXSZUHXRREFJNXHXKM2S4VEUY.html (Abfrage 25.1.2021) und im englischsprachigen Original: https://www.theguardian.com/us-news/2021/jan/20/amanda-gorman-poem-biden-inauguration-transcript (Abfrage 25.1.2021)

[9]            Vgl. dazu https://www.thenationalnews.com/world/the-americas/transcript-president-joe-biden-s-inauguration-speech-in-full-1.1150710 (sowohl Audio als auch in Textform), Abfrage am 25.1.2021. Ich empfehle, sich diese Rede anzuhören, nach 4 Jahren ‚me, me, me‘ und ‚I, I, I‘. Sie gilt mittlerweile unter ExpertInnen als eine der besten Antrittsreden von US-Präsidenten überhaupt. Bitte vergleichen Sie diese Rede nicht unbedingt mit Reden von europäischen Staatsoberhäuptern. Die Geschichte trennt hier sehr. Ein Vergleich würde in jeder Weise hinken.

[10]           Die kurze Rede kann man z.B. unter https://laist.com/latest/post/20210106/biden-capitol-siege im Wortlaut nachlesen (Abfrage 13.1.2021).

[11]           So z.B. in der Gründungsgeschichte des Habsburger Reichs und der heute Österreich zugerechneten Staatsflagge.

[12]           Empfohlen: Anderson, Benedict: Imagined Communities: Reflections on the Origin and Spread of Nationalism, Verso Books, 1983.

[13]           Huntington, Samuel S.: Who are We? Die Krise der amerikanischen Identität, Hamburg, Wien 2004, S. 39.

[14]           Olasky meint, dass Washington’s Lebens und seine Einstellung zur Religion die Erstellung der Verfassung und seine Präsidentschaft prägten. Vgl. Olasky, Marvin: The American Leadership Tradition. The inevitable impact of a leader’s faith on a nation’s destiny, Wheaton, IL 1999, S. 15.

[15]           Dazu wird folgender Beitrag empfohlen, der die Geschichte dieser Bewegung sehr interessant auffächert: https://www.theatlantic.com/magazine/archive/2020/06/qanon-nothing-can-stop-what-is-coming/610567/ (Abfrage am 12.1.2021).

[16]           Huntington bezeichnet dies als das ‚amerikanische Credo’. Vgl. Huntington, Samuel S.: Who are We? Die Krise der amerikanischen Identität, Hamburg, Wien 2004, S. 70-73; S. 93-96.

[17]           Das Naturrecht basiert auf dem Ansatz, die Vernunft des Menschen ins Zentrum zu stellen. Aus dieser Natur des Menschen heraus werden die Regeln für das Zusammenleben begründet. Das Naturrecht ist eine rechtsphilosophische Position. Dem gegenüber steht das positive Recht, das vom Menschen gesatzte Recht.

[18]           So z.B. Peter Neumann, der seit vielen Jahren sich mit Terrorismus und Radikalismus auseinandersetzt und als Kenner der Szene gilt. Vgl. dazu aktuell: https://www.spiegel.de/politik/ausland/sturm-aufs-kapitol-qanon-die-gefaehrlichste-bewegung-unserer-zeit-gastbeitrag-a-26108c0f-9ee2-4304-bbe1-ab00b0b7b7e6 (Abfrage vom 12.1.2021).
Ferner: https://www.nbcnews.com/news/amp/ncna1253950?__twitter_impression=true (Abfrage vom 13.1.2021).

[19]           Das Thema „Imperfektionismus“ fand kaum Eingang in den politischen Dialog, sondern höchstens in der Literatur seinen Widerhall (z.B.  bei Nathaniel Hawthorne und Herman Melville).Andererseits meinte Melville: „We Americans are the peculiar chosen people – the Israel of our time.“ Melville, Herman: White Jacket, New York 1850, Kapitel 36. Thomas Paine stellte fest, dass die USA die Möglichkeit haben, die Welt neu aufzubauen.

[20]           Den American Messianism findet man sehr stark wieder in den Reden von Bush, wenn er von ‚nonnegotiable demands‘ spricht. Dabei sind seine Ansichten der Maßstab für seine Entscheidungen. Vgl. auch Selden, Zachary: Neoconservatives and The American Mainstream, Policy Review, Apr/May 2004, 124, S. 32. Bush hatte jedoch die Ideen offenbar nicht in der Weise umgesetzt, wie sich die Neo-Konservativen sich dies wünschten. Vgl. dazu: Rose, David: Neo Culpa, Vanity Fair vom 3.11.2006, www.vanityfair.com/politics/features/2006/12/neocons200612, Abfrage 6.11.2006. In diesem Interview äußern sich Richard Perle, David Frum und Kenneth Adelman äußerst kritisch über die Regierung Bush und ihr neoconservatives Verständnis.

             Der Begriff des Messianic Imperialism geht auf Geoffrey Parker und seine Analyse vom Reich Karl V. zurück. Parker definiert den M.I. derart, als er eine Verbindung zwischen dem Führer und Gottes Wille herstellt. Gott führt den Kaiser und unterstützt ihn auch mit Wundern, um seine Ziele zu erreichen. Vgl. Parker, Geoffrey: After Columbus: Spain’s Struggle for Atlantic Hegemony, The Lawrence F. Brewster Lecture in History, XI, East Carolina University, November 1999.

             In einem Interview mit The Observer meinte George W. Bush vor seiner Wahl: „I feel like Gad wants me to run for president. I can’t explain it, but I sense my country is going to need me. Something is going to happen … I know it won’t be easy for me or my family but God wants me to do it.”

[21]           Buzan, Barry: American Exceptionalism, Unipolarity and September 11: Understanding the Behaviour of the Sole Superpower, International review 38 (2005),
via http://www.siis.org.cn/english/journal/2004/2005spring/Barry%20Buzan.htm, (Abfrage 25.9.2006), im Ausdruck auf S. 8.

[22]           So weigern sich die USA standhaft, jeglichem Rechtsabkommen beizutreten, das es ermöglicht, das amerikanische StaatsbürgerInnen unter einer nichtamerikanischen Jurisdiktion angeklagt werden können. Dies ist z.B. bei Internationalen Strafgerichtshof der Fall. Ihm kommt u.a. Bedeutung zu, wenn es um Kriegsverbrechen geht. So konnte er im Falle von Abu Ghraib (ab 2003) nicht aktiv werden.

[23]           Vgl. dazu: Hamilton, Alexander/Madison, James/Jay, John: Federalist Papers, New York, London et al 1961.

[24]           Zum Imperial Overstretch, ein heißes Thema, das immer wieder in der Debatte um das Engagement der USA im Ausland hochkocht, z.B. Bacevich, Andrew: The Limits of Power (New York: Metropolitan Books, 2008).

[25]           McDougall, Walter A.: The Colonial Origins of American Identity, Orbis, Winter 2005, S. 18-19.


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05.02.2021
Andrea Riemer
Dr. Andrea Riemer
Außerordentl. Honorarprofessorin Dr.habil. Dr. Andrea Riemer, Ph.D
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