Gesellschaft

Lebensmittelverpackungen ohne gefährliche Giftstoffe

MüllwagenIn Lebensmittelverpackungen von Esswaren und Getränken stecken etliche noch unerforschte, potenziell giftige Stoffe,

deren Auswirkungen auf die Gesundheit unbekannt sind. Sie können über die Ernährung in den Körper gelangen. Schon eine Woche Verzicht auf Plastik verpackte Lebensmittel reduziert die Schadstoffe im Körper erheblich. Wie so oft sind besonders schwangere Frauen gefährdet. Spätfolgen für Kinder selbst nach etlichen Jahren sind nicht auszuschließen. Eine Gesellschaft vergiftet sich selbst aus Bequemlichkeit.

Obwohl diese Themen bekannt und Europaweit diskutiert werden, bleibt es besonders in Deutschland in der Regierung ein Randthema. Dänemark dagegen hat aus Vorsorge für die Bevölkerung strenge Verbote gegen giftige Substanzen in Lebensmittelverpackungen ausgesprochen.

Substanzen, die Lebensmittel verunreinigen, geraten immer wieder in die Schlagzeilen. Zuletzt verunsicherten Medienberichte über Bishpenol A. Der Stoff ist in Kunstoffen enthalten, die zur Auskleidung der Innenseite von Konserven und Getränkedosen verwendet wird.

«Schätzungsweise 100’000 verschiedene Substanzen gehen aus Verpackungsmaterialien in Nahrungsmittel über, in Mengen, die toxikologisch relevant sein könnten», schreibt die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE) in ihrer Zeitschrift «Tabula»

Wer heute im Supermarkt nach Lebensmitteln sucht, die nicht mit Plastikmaterial verpackt sind, tut sich schwer. Ein Umdenken wäre auch beim Verbraucher dringend an zu raten.

Dabei gäbe es bereits Verpackungsmöglichkeiten aus sogenanntem Biokunststoff.

„Als Biokunststoff oder auch Bioplastik (engl. bioplastics) werden Kunststoffe bezeichnet, die auf Basis von nachwachsenden Rohstoffen erzeugt werden (bio-basierte Kunststoffe oder biobased plastics). Nach einer alternativen Definition sind Biokunststoffe alle biologisch abbaubaren Kunststoffe unabhängig von ihrer Rohstoffbasis, welche alle Kriterien zum Nachweis der biologischen Abbaubarkeit und Kompostierbarkeit von Kunststoff(produkt)en erfüllen (bio-abbaubare Kunststoffe oder compostable plastics).Während die erste Definition nicht oder nur schwer abbaubare Kunststoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe einschließt, werden nach der zweiten Definition diese ausgeschlossen und biologisch abbaubare Kunststoffe auf Mineralölbasis mit eingeschlossen. Die Brockhaus-Enzyklopädie definiert Biokunststoffe als kunststoffanaloge Werkstoffe, die vollständig oder zu überwiegenden Anteilen aus Biopolymeren erzeugt und unter Anwendung der für Kunststoffe üblichen Verfahren modifiziert werden.

Abzugrenzen sind Biokunststoffe von anderen Biowerkstoffen wie den Verbundwerkstoffen, zu denen etwa die Wood-Plastic-Composites gehören und bei denen biogene Anteile (Holzmehl) mit fossilen Kunststoffen oder Biokunststoffen kombiniert werden, und naturfaserverstärkten Kunststoffen. Allerdings sind auch Mischformen wie naturfaserverstärkte Biokunststoffe denkbar und werden teilweise realisiert.

Biokunststoffe werden zu Formteilen, Halbzeugen oder Folien verarbeitet. Sie dienen entsprechend ihrer Abbaueigenschaften vor allem als Material für Verpackungen, Cateringprodukte, Produkte für den Garten- und Landschaftsbau, Materialien für den medizinischen Bereich und andere kurzlebige Produkte. Auf dem internationalen Kunststoffmarkt haben Biokunststoffe derzeit einen verhältnismäßig geringen Stellenwert, der sich Prognosen zufolge jedoch in den nächsten Jahren durch neu zu erschließende Produktfelder und ihre im Vergleich geringeren Rohstoffpreise deutlich erhöhen wird. Im Jahr 2004 stellten bei einem weltweiten Verbrauch von Kunststoffen von etwa 225 Millionen Tonnen pro Jahr die Werkstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen mit rund 250.000 Tonnen einen Anteil von nur 0,1 Prozent dar, für die Zukunft wurden jedoch enorme Marktzugewinne für Biokunststoffe prognostiziert. 2008 wurde geschätzt, dass unter geeigneten Bedingungen etwa 10% der gesamten Kunststoffproduktion mithin 70% der Kunststoffverpackungen durch Bioplastikprodukte substituiert werden können. Im gleichen Jahr wurde für die USA ein jährliches Wachstum des Bedarfs an Bio abbaubaren Kunststoffen von mehr als 15% bis 2012 prognostiziert, der Gesamtbedarf sollte demnach von 350.000 t auf 720.000 t pro Jahr steigen“. (Quelle Wickipedia).

Es lässt vermuten, dass der Verbraucher durch sein Einkaufsverhalten einen nicht geringen Einfluss ausüben könnte.

Ähnlich absurd geht es mit dem Thema Plastiktüten daher. Leider können oder wollen viele Menschen aus Bequemlichkeit nach wie vor nicht auf diese Umweltsünde verzichten.

Laut dem Umweltbundesamt werden in Deutschland pro Kopf und Jahr 65 Plastiktüten verbraucht. Bundesweit führt das zu einer Nutzung von 5,3 Milliarden Plastiktüten im Jahr oder 10.000 Tüten pro Minute. Deutschland gehört neben Italien, Spanien und Großbritannien zu den absoluten Spitzenreitern beim Plastiktütenverbrauch. Allein in Berlin werden jährlich 227 Millionen neue Plastiktüten genutzt. Auf diese Weise entstehen jährlich 1,3 Kilogramm Verpackungsmüll pro Einwohner.

Gegenwärtig bestehen die meisten Plastiktüten aus fossilem Rohöl, was die Vorräte endlicher Ressourcen weiter erschöpft. Die CO2-Emissionen des globalen Jahresverbrauches von einer Billion Plastiktüten werden auf 60 Millionen Tonnen geschätzt. Plastiktüten aus dem Supermarkt tragen eben auch zum Klimawandel bei.

Eine Initiative zum Verbot dieser Tüten durch die EU ist wohl erst einmal gescheitert. Obwohl man weiß, dass ein Verbot sich für die Umwelt positiv auswirken würde, wäre ein Gesetz juristisch nicht zu realisieren.

Tragetaschen aus Plastik europaweit zu verbannen, stehe im Konflikt mit den Regeln des EU-Binnenmarkts und dem internationalen Handelsrecht, heißt es in einem 133-seitigen Gutachten.

Auch ein nationales Verbot einzelner Mitgliedstaaten sei nicht mit EU-Recht vereinbar, weil es „eine ungesetzliche Verzerrung des Markts“ darstelle. Zudem würde ein Verbot viele der rund 275 Produzenten von Plastiktüten mit ihren etwa 17.500 Beschäftigten in ihrer Existenz gefährden.

Vorschläge die unentgeltliche Abgabe der Tüten zu verbieten und Preise so hoch ansetzen, dass er die Arbeits- und Umweltkosten trägt sind wohl eher Vorschläge der Hilflosigkeit.

Umweltexperten schlagen vor, ein europaweites Ziel zur Reduzierung von Plastiktüten festzulegen – ähnlich wie bei der Absenkung des Kohlendioxidausstoßes. So soll im Jahr 2020 jeder EU-Bürger im Durchschnitt nur noch 39 Plastiktüten im Jahr verbrauchen, das wären 80 Prozent weniger als 2010.

U.T. – März 2013